Ein Treppenschutzgitter ist eines der wenigen Haushaltsprodukte, bei dem eine falsche Montage schwerer wiegt als gar keine Montage. Ein schlecht sitzendes Gitter vermittelt Sicherheit, die es nicht gibt. Deshalb steht hier zuerst die wichtigste Regel, und danach die Maße, die Sie beim Kauf prüfen müssen.
Warum gehört an das obere Treppenende ein geschraubtes Gitter?
Klemmgitter halten durch Druck zwischen zwei gegenüberliegenden Flächen, meist Wand und Geländerpfosten. Damit sich dieser Druck nicht aus dem Rahmen drückt, brauchen sie einen umlaufenden Rahmen, also auch eine Strebe am Boden. Diese Bodenstrebe liegt quer im Durchgang und ragt einige Zentimeter auf.
Am unteren Treppenende ist das eine harmlose Schwelle. Am oberen Treppenende ist es eine Stolperkante direkt vor dem Absturz. Wer dort mit dem Kind auf dem Arm hängen bleibt, fällt die Treppe hinunter. Genau deshalb wird für das obere Ende durchgehend ein verschraubtes Gitter empfohlen, das ohne Bodenstrebe auskommt und dessen Rahmen fest in Wand, Treppenwange oder Geländerpfosten sitzt.
Achtung, kein Klemmgitter oben. Setzen Sie am oberen Treppenende ausschließlich ein verschraubtes Gitter ein. Ein Klemmgitter kann dort zweifach versagen: durch die Stolperkante der Bodenstrebe und dadurch, dass es sich unter Belastung aus der Klemmung löst, wenn ein Kind sich dagegen lehnt. Am unteren Ende dürfen Sie klemmen.
Welche Maße schreibt DIN EN 1930 vor?
Die maßgebliche Norm für Kinderschutzgitter im Haushalt ist DIN EN 1930:2012-02 mit sicherheitstechnischen Anforderungen und Prüfverfahren. Die folgenden Werte sind die praktisch nachprüfbaren.
| Kriterium | Anforderung | Warum |
|---|---|---|
| Höhe des Gitters | mindestens 65 cm | damit Kinder unter zwei Jahren nicht darüber klettern |
| Abstand zwischen Sprossen | höchstens 65 mm | Kopf und Hals dürfen nicht hindurchpassen |
| Maschenweite bei Gewebe | höchstens 7 mm | Finger und Zehen dürfen nicht hängenbleiben |
| Spalt zu Wand, Geländer, Boden | höchstens 65 mm | kein Durchschlüpfen an der Seite oder unten |
| Kennzeichnung | CE plus Prüf- oder Gütesiegel | unabhängige Prüfung nach DIN EN 1930 |
Die CE-Kennzeichnung ist eine Erklärung des Herstellers, keine Prüfung. Erst das Siegel eines unabhängigen Prüfinstituts bestätigt, dass das Gitter die Anforderungen der Norm tatsächlich erfüllt hat. Beim Kauf ist das der wichtigste Filter. Wo Sie das Gitter kaufen, ist zweitrangig.
Wo genau muss das Gitter sitzen?
Am oberen Treppenende gehört das Gitter auf die oberste Stufe, also auf die Ebene des Podests und nicht eine Stufe tiefer. Sitzt es tiefer, entsteht davor eine freie Stufe, auf der ein Kind stehen und sich über das Gitter lehnen kann. Am Fuß der Treppe montieren Sie umgekehrt auf der untersten Stufe, damit das Kind gar nicht erst eine Stufe erreicht.
- Beide Enden sichern: Eine Treppe wird oben und unten gesichert. Der Weg nach oben endet sonst genauso im Sturz wie der Weg nach unten.
- Öffnungsrichtung: Das Gitter muss sich vom Treppenauge weg öffnen, also zum Flur hin. Ein zur Treppe hin aufschlagendes Tor kann ein Kind mitreißen.
- Kletterhilfen entfernen: Truhe, Hocker, Wäschekorb oder ein niedriges Regal direkt vor dem Gitter machen die 65 Zentimeter Höhe wertlos. Halten Sie einen Meter Freiraum davor.
- Verschluss prüfen: Ein Verschluss, der sich mit einer Hand öffnen lässt, wird auch tatsächlich benutzt. Ein umständlicher Verschluss bleibt im Alltag offen stehen.
- Fußleiste beachten: Läuft eine Fußleiste durch den Montagebereich, sitzt der Rahmen nicht plan an der Wand. Sie brauchen dann Distanzstücke oder müssen die Leiste im Bereich der Befestigung aussparen. Wie Fußleisten sitzen und wie Sie sie sauber trennen, steht im Beitrag Fußleisten anbringen.
Wie montiere ich ein verschraubtes Treppenschutzgitter?
- Untergrund bestimmen. Klopfen Sie die Wand ab und prüfen Sie mit einer Probebohrung, ob Sie Beton, Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton oder Gipskarton vor sich haben. Die Dübelwahl hängt allein davon ab. Details stehen im Ratgeber welchen Dübel für welche Wand.
- Höhe anreißen. Setzen Sie den Rahmen auf die oberste beziehungsweise unterste Stufe, richten Sie ihn mit der Wasserwaage aus und markieren Sie alle Bohrpunkte. Kontrollieren Sie jetzt den Spalt zum Boden, er darf höchstens 65 Millimeter betragen.
- Leitungen suchen. Fahren Sie die Bohrpunkte mit dem Leitungssucher ab. Nach DIN 18015-3 laufen waagerechte Installationszonen 15 bis 45 Zentimeter über dem Fußboden. Genau in dieser Höhe sitzt die untere Befestigung vieler Gitter. Verschieben Sie den Bohrpunkt im Zweifel.
- Bohren. Bohrerdurchmesser gleich Dübeldurchmesser, Bohrtiefe gleich Dübellänge plus einmal Dübeldurchmesser. Schlagbohren nur in Beton, Vollziegel und Naturstein. In Porenbeton, Lochziegel, Fliesen und Gipskarton ohne Schlag arbeiten.
- Dübeln und verschrauben. Loch ausblasen, Dübel bündig einschlagen, Schraube rund 20 Millimeter länger als der Dübel wählen. Ziehen Sie über Kreuz an, damit sich der Rahmen nicht verzieht.
- Belastungsprobe. Stellen Sie sich seitlich neben das Gitter und drücken Sie mit beiden Händen kräftig gegen den oberen Holm. Nichts darf sich bewegen, nichts darf knacken. Öffnen und schließen Sie das Tor zwanzigmal und prüfen Sie danach die Schrauben nach.
Was tun, wenn ich nicht bohren darf oder die Wand nicht trägt?
Zwei Situationen kommen häufig vor. Erstens die Mietwohnung, in der Löcher unerwünscht sind. Zweitens eine Treppenwange oder Trockenbauwand, in der eine normale Schraube nichts findet. Beide Probleme lassen sich lösen, aber nicht durch ein Klemmgitter am oberen Treppenende.
In der Mietwohnung gilt: Dübellöcher in der Wand sind in üblichem Umfang vertragsgemäßer Gebrauch, sofern Sie sie beim Auszug fachgerecht verschließen. Für die Sicherung einer Treppe ist eine solche Bohrung zumutbar und in aller Regel unproblematisch. Bohrungen in ein lackiertes Holzgeländer sind heikler, dafür gibt es Adaptersets mit Spanngurten oder Klemmschellen, die den Pfosten umschließen, ohne ihn anzubohren.
Trägt der Untergrund nicht, montieren Sie ein durchgehendes Brett aus Multiplex mit mehreren Befestigungspunkten in die tragende Unterkonstruktion und schrauben das Gitter darauf. Bei Gipskarton gilt: einlagig beplankt trägt mit passenden Hohlraumdübeln rund 25 Kilogramm, doppelt beplankt rund 40 Kilogramm. Eine seitliche Stoßbelastung durch ein Kind ist dynamisch und damit ungünstiger als eine ruhende Last, planen Sie deutlich unter diesen Werten. Wo eine Wand wirklich Last aufnehmen kann und wo nicht, ist dieselbe Frage wie bei der Montage von Wandregalen.
MerkeEine offene Treppe ohne Setzstufen ist mit einem Schutzgitter allein nicht gesichert. Die seitlichen Öffnungen zwischen den Trittstufen bleiben offen, und ein Kind kann seitlich hindurchrutschen. Dafür gibt es Plexiglasplatten oder Netze zur Nachrüstung. Prüfen Sie auch hier den 65-Millimeter-Grenzwert für Spalten.
Wie lange schützt ein Treppengitter und was muss ich kontrollieren?
Schutzgitter sind für Kinder bis etwa zwei Jahre ausgelegt. Danach klettern viele Kinder darüber, und ein Sturz aus 65 Zentimetern Höhe kopfüber auf eine Treppe ist gefährlicher als der Weg über die Stufen selbst. Wenn Ihr Kind anfängt, das Gitter zu erklettern, ist die Zeit des Gitters vorbei. Dann ersetzt Übung die Absperrung: Treppensteigen unter Aufsicht üben, rückwärts hinunter, immer mit einer Hand am Geländer.
Die häufigsten Ursachen für Unfälle trotz Gitter sind nicht Materialfehler. Es sind mangelnde Befestigung, defekte oder umgangene Verschlüsse, Klettermöglichkeiten davor und fehlende regelmäßige Kontrollen. Kontrollieren Sie deshalb monatlich vier Dinge:
- Schrauben: alle Befestigungspunkte von Hand nachziehen, gelockerte Dübel ersetzen statt nachziehen.
- Verschluss: schließt das Tor selbsttätig und hörbar, oder muss man nachdrücken?
- Spalten: haben sich Abstände zu Wand, Geländer oder Boden durch Setzen vergrößert?
- Umfeld: steht wieder etwas davor, das als Trittstufe dient?
Notieren Sie sich den Kontrolltermin im Kalender. Ein Gitter, das ein halbes Jahr niemand geprüft hat, ist die häufigste Form eines unsicheren Gitters.
