Das Wasser im Waschbecken steht. Der erste Impuls führt oft in den Drogeriemarkt, zur Flasche mit dem Totenkopf. Das ist der teuerste und riskanteste Weg, und in vielen Fällen der wirkungsloseste. Verstopfungen im Haushalt bestehen meist aus Haaren, Seifenresten und Fett, und die lassen sich mechanisch schneller entfernen als chemisch. Dieser Text beschreibt die Reihenfolge, die sich bewährt hat, und erklärt, warum der Griff zum Rohrreiniger am Ende der Liste steht und nicht am Anfang.

Chemische Rohrreiniger sind kein harmloses Haushaltsmittel. Die üblichen Produkte enthalten Natriumhydroxid oder Kaliumhydroxid, manche zusätzlich Natriumhypochlorit, saure Varianten arbeiten mit Schwefelsäure. Diese Stoffe verätzen Haut und Augen und beim Verschlucken Rachen, Speiseröhre und Magen. Granulate enthalten außerdem Aluminiumkörnchen, die von der Lauge unter Hitzeentwicklung oxidiert werden. Dabei entsteht Wasserstoff, der über Nitrat zu Ammoniak gebunden wird, erkennbar am beißenden Geruch. Bei Überdosierung kann die Hitze Abflussrohre aus Kunststoff und deren Dichtungen beschädigen. Und wenn das Mittel die Verstopfung nicht löst, bleibt heiße Lauge im Becken stehen. Wer dann einen Fachbetrieb ruft, schickt eine Person an ein Becken voller ätzender Flüssigkeit, die beim Öffnen des Siphons spritzt. Sagen Sie in einem solchen Fall am Telefon ausdrücklich, welches Mittel Sie eingesetzt haben.
Welche Verstopfung haben Sie überhaupt?
Bevor Sie irgendetwas tun, lohnt eine kurze Diagnose. Sie entscheidet darüber, ob Sie selbst weiterkommen.
Läuft das Wasser nur langsam ab, sitzt der Pfropfen meist im Siphon oder direkt dahinter. Das ist der klassische Fall aus Haaren und Seife und in aller Regel selbst zu beheben. Steht das Wasser vollständig und gluckert es beim Ablassen, liegt der Stopfen tiefer. Der wichtigste Hinweis ist aber ein anderer: Prüfen Sie, ob mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen sind. Wenn Dusche, Waschbecken und Toilette zusammen nicht mehr ablaufen, oder wenn beim Spülen der Toilette Wasser in der Dusche hochsteigt, liegt die Verstopfung in der Fallleitung oder im Grundleitungsbereich. Das ist kein Fall für die Saugglocke, sondern für einen Sanitärbetrieb, in Mietwohnungen für die Hausverwaltung.
Ein weiteres Warnzeichen ist Wasser, das aus einer Reinigungsöffnung im Keller austritt. Dann ist die Grundleitung dicht, und jeder weitere Liter im Haus verschärft die Lage.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Wasser läuft langsam, ein Becken betroffen | Haare und Seife im Siphon | Sieb reinigen, Saugglocke, Siphon öffnen |
| Wasser steht, Gluckern beim Ablaufen | Pfropfen hinter dem Siphon | Rohrreinigungsspirale |
| Küchenabfluss riecht, läuft träge | Erkaltetes Fett an der Rohrwand | Heißes Wasser mit Spülmittel, Spirale |
| Mehrere Abflüsse gleichzeitig dicht | Fallleitung oder Grundleitung | Sanitärbetrieb oder Hausverwaltung |
| Wasser steigt beim Toilettenspülen in der Dusche hoch | Rückstau in der Sammelleitung | Kein Wasser mehr einleiten, Fachbetrieb |
| Waschmaschine läuft nicht leer | Flusensieb oder Ablaufpumpe | Gerät prüfen, siehe Geräteratgeber |
| Wasser tritt im Keller aus der Reinigungsöffnung | Grundleitung verstopft | Sofort Fachbetrieb, Wasserzufuhr stoppen |
In welcher Reihenfolge gehen Sie vor?
Die Regel lautet: erst mechanisch, dann chemisch, und die zweite Stufe möglichst gar nicht. Jeder Schritt ist einzeln durchzuführen und zu prüfen, bevor der nächste folgt.
- Sieb und Ablaufgarnitur reinigen. Nehmen Sie das Abdeckgitter oder den Excenterstopfen heraus und entfernen Sie Haare und Schleim mit einem Haken oder einer Kunststoffzange. Bei Waschbecken sitzt der Stopfen oft auf einem Gestänge, das sich nach oben herausziehen lässt. Dieser Schritt allein löst einen großen Teil aller Verstopfungen.
- Überlauf abdichten. Stopfen Sie einen nassen Lappen fest in die Überlauföffnung. Ohne diesen Schritt entweicht der Druck der Saugglocke nach oben, und das Werkzeug wirkt nicht.
- Saugglocke ansetzen. Lassen Sie so viel warmes Wasser ein, dass die Glocke vollständig eintaucht, und geben Sie einen Spritzer Spülmittel dazu. Setzen Sie die Glocke mittig auf den Abfluss und bewegen Sie den Griff zehn- bis fünfzehnmal kräftig auf und ab, ohne die Dichtung abzuheben. Erst beim letzten Zug abheben.
- Rohrreinigungsspirale einführen. Schieben Sie die Spirale mit Gefühl bis zum Widerstand ein. Ziehen Sie dann den Feststellgriff etwa 20 Zentimeter vor dem Rohreingang fest und kurbeln Sie im Uhrzeigersinn, während Sie leichten Druck ausüben. Nachfassen, weiterkurbeln, so arbeiten Sie sich vor. Beim Herausziehen langsam arbeiten, damit der gelöste Pfropfen mitkommt.
- Siphon abschrauben. Stellen Sie einen Eimer oder eine flache Schüssel unter das Rohr, denn im Siphon steht immer Wasser. Lösen Sie die Überwurfmuttern von Hand, bei festsitzenden Verbindungen mit einer Rohrzange und einem Lappen als Schutz zwischen Backe und Kunststoff. Nehmen Sie das Bogenstück ab und spülen Sie es aus.
- Dichtungen prüfen. Sehen Sie sich die Konusdichtungen an, bevor Sie zusammenbauen. Poröse oder verhärtete Dichtungen kosten wenig und sind der häufigste Grund dafür, dass es nach der Aktion tropft.
- Handfest verschrauben und testen. Ziehen Sie Kunststoffmuttern nur handfest an, sonst reißt das Gewinde. Lassen Sie danach mehrere Minuten Wasser laufen und legen Sie ein trockenes Papier unter die Verbindung, um ein Leck sicher zu erkennen.
- Fachbetrieb rufen. Wenn nach dem gereinigten Siphon immer noch nichts abläuft, sitzt der Stopfen außerhalb Ihrer Reichweite. Ein Sanitärbetrieb arbeitet mit langen Motorspiralen und Kamera und kommt an Stellen, die mit Handwerkzeug nicht erreichbar sind.
Warum sind chemische Rohrreiniger so problematisch?
Der Werbeversprechen ist einfach: eingießen, warten, fertig. Die Realität hat mehrere Haken.
Der erste ist die Wirkungsweise. Laugen verseifen Fette und zersetzen Haare, das funktioniert grundsätzlich. Aber der Reiniger muss den Pfropfen erreichen. Steht das Becken voll Wasser, verdünnt sich das Mittel auf dem Weg nach unten und kommt geschwächt an. Bei einer festen Verstopfung aus Küchenabfällen oder einem Fremdkörper richtet Chemie ohnehin nichts aus.
Der zweite Haken ist das Material. Bei Überdosierung entwickelt vor allem Granulat mit Aluminiumanteil Hitze, und Abflussrohre im Haushalt bestehen überwiegend aus Kunststoff. Gummidichtungen an Siphon und Muffen quellen und verhärten. Ältere Metallrohre reagieren ebenfalls empfindlich auf starke Laugen und Säuren.
Der dritte Haken betrifft Sie selbst. Beim Eingießen spritzt es, beim Nachgießen von Wasser schäumt es auf, und wer sich über das Becken beugt, atmet die Dämpfe ein. Die Kombination unterschiedlicher Reiniger ist besonders gefährlich: Trifft ein chlorhaltiges Produkt auf ein saures, kann Chlorgas entstehen. Und der vierte Haken ist die Folgesituation. Ein Becken mit stehender Lauge lässt sich nicht mehr gefahrlos öffnen. Der Handwerker muss die Flüssigkeit erst abpumpen oder abschöpfen, und das kostet Zeit und Geld.
MerkeWenn Sie sich trotz allem für ein chemisches Mittel entscheiden, dann nur bei leerem oder fast leerem Becken, mit Schutzbrille und laugenfesten Handschuhen, bei geöffnetem Fenster, streng nach Dosierungsangabe und niemals in Kombination mit einem zweiten Produkt. Bei Kontakt mit Haut spülen Sie nach Empfehlung des Giftinformationszentrums Erfurt und des Deutschen Roten Kreuzes mindestens 15 Minuten, bei Augenkontakt 20 bis 30 Minuten unter fließendem Wasser. Nach Verschlucken kein Erbrechen auslösen und nicht mit Säure neutralisieren, sondern sofort den Notruf 112 wählen.
Helfen Natron und Essig wirklich?
Das Hausmittel aus Natron und Essig ist populär und in der Wirkung überschätzt. Chemisch passiert dabei Folgendes: Die Säure reagiert mit dem Hydrogencarbonat, es entsteht Kohlendioxid, das schäumt. Danach sind beide Stoffe weitgehend neutralisiert. Das Sprudeln lockert oberflächlichen Belag und vertreibt Gerüche, es löst aber keinen Haarpfropfen. Für die regelmäßige Pflege ist es brauchbar, für eine echte Verstopfung nicht.
Deutlich mehr bringt heißes Wasser mit Spülmittel, besonders im Küchenabfluss. Fett aus Pfannen und Töpfen fließt warm ab und erstarrt an der kalten Rohrwand zu einer Schicht, an der sich alles Weitere festsetzt. Ein bis zwei Liter sehr heißes Wasser mit einem Schuss Spülmittel, einmal pro Woche eingelassen, halten diese Schicht dünn. Kochendes Wasser sollten Sie bei Kunststoffrohren allerdings meiden, weil HT-Rohre nur kurzzeitig hohe Temperaturen vertragen. Nutzen Sie heißes Leitungswasser statt Wasser direkt aus dem Kocher.
Wie beugen Sie der nächsten Verstopfung vor?
Fast alle Haushaltsverstopfungen sind vermeidbar. Die Ursachen sind bekannt und wiederholen sich.
- Haarsieb: Ein Einsatz aus Edelstahl in Dusche und Badewanne fängt den mit Abstand häufigsten Verursacher ab. Nach jedem Duschen ausleeren, das dauert fünf Sekunden.
- Kein Fett in den Ausguss: Bratfett, Frittieröl und Soßenreste gehören in den Restmüll, nicht ins Rohr. Wischen Sie Pfannen vor dem Spülen mit Küchenpapier aus.
- Keine Feuchttücher in die Toilette: Sie lösen sich nicht auf und verfilzen mit Fett zu festen Zöpfen. Das gilt auch für Produkte mit der Aufschrift spülbar.
- Keine Kaffeesatzreste: Kaffeesatz setzt sich im Siphon ab und bindet Fett. Der Mythos, er reinige das Rohr, hält sich hartnäckig und stimmt nicht.
- Siphon jährlich öffnen: Einmal im Jahr abschrauben und ausspülen verhindert, dass sich überhaupt etwas aufbaut. Rechnen Sie mit 15 Minuten Arbeit.
- Geruchsverschluss nicht austrocknen lassen: In selten genutzten Bädern verdunstet das Sperrwasser im Siphon, und Kanalgeruch steigt auf. Alle zwei bis drei Wochen kurz Wasser laufen lassen.
- Dichtungen im Blick behalten: Wenn es nach dem Zusammenbau tropft, liegt es fast nie am Anzugsmoment, sondern an einer alten Dichtung.
Ein tropfender Anschluss unter dem Becken ist übrigens ein eigenes Thema und hat mit der Verstopfung selten zu tun. Wie Sie eine undichte Armatur eingrenzen, steht in der Anleitung zum tropfenden Wasserhahn. Wenn dagegen das Spülwasser eines Geräts nicht abläuft, prüfen Sie zuerst dessen eigenes Sieb, wie es der Ratgeber zu Problemen mit der Spülmaschine beschreibt. Bewahren Sie Saugglocke und eine Handspirale von 3 bis 5 Metern Länge dauerhaft im Haus auf. Beides zusammen kostet weniger als ein einziger Einsatz eines Notdiensts.
