Türgriffe und Schließzylinder gehören zu den wenigen Beschlagteilen, die Sie ohne Fachwissen und ohne Spezialwerkzeug tauschen können. Der ganze Vorgang dauert bei einer Zimmertür etwa zehn Minuten. Schiefgehen kann trotzdem einiges, und zwar fast immer beim Messen. Ein Beschlag mit falscher Entfernung passt nicht auf das vorhandene Schloss, ein zu langer Zylinder steht über und ein zu kurzer lässt sich nicht mehr abschließen.

Welche Maße müssen Sie vorher kennen?
Nehmen Sie einen Zollstock und notieren Sie vier Werte, bevor Sie irgendetwas kaufen. Alle vier lassen sich an der eingebauten Tür ermitteln, für zwei davon müssen Sie den Griff kurz abziehen.
| Maß | Was es bedeutet | Übliche Werte |
|---|---|---|
| Vierkant | Kantenlänge des Stifts, der Griff und Nuss verbindet | 8 Millimeter bei Zimmertüren, 9 oder 10 Millimeter bei Haus- und Wohnungstüren |
| Dornmaß | Abstand von der Vorderkante des Stulps bis zur Mitte der Nuss | 55 Millimeter bei Zimmertüren, 65 Millimeter bei vielen Haus- und Wohnungstüren |
| Entfernung | Abstand zwischen Mitte Griffloch und Mitte Schlüsselloch | 72 Millimeter bei Zimmertüren, 92 Millimeter bei Haustüren |
| Türblattdicke | Bestimmt die Länge von Vierkantstift und Schrauben | Rund 40 Millimeter bei Standardinnentüren |
| Zylinderlänge | Getrennte Maße außen und innen ab Mitte Stulpschraube | Notation wie 30/30, 35/40, 30/45 |
| Lochabstand Durchsteckbefestigung | Bohrungen für die Verbindungsschrauben von Rosetten | Häufig 38 Millimeter neben Griff- und Schlüsselloch |
Diese Werte sind übliche Größen, keine Garantie. Alte Türen, Sondermaße aus dem Objektbau und importierte Beschläge weichen ab. Messen Sie deshalb nach, statt sich auf eine Tabelle zu verlassen. Am schnellsten geht das, wenn Sie das Einsteckschloss einmal komplett ausbauen: Auf dem Stulp ist bei den meisten Herstellern Dornmaß und Entfernung eingeprägt.
Wie wechseln Sie einen Türgriff?
- Bauart bestimmen. Schauen Sie, ob Sie eine Rosettengarnitur mit zwei runden oder eckigen Rosetten oder eine Langschildgarnitur vor sich haben. Ein Langschild lässt sich nicht ohne Weiteres durch eine Rosette ersetzen, weil darunter Bohrungen und Lackschäden sichtbar werden.
- Befestigung finden. Bei sichtbarer Befestigung sitzen die Schrauben offen. Bei verdeckter Befestigung tragen die Rosetten eine Abdeckkappe, die sich mit einem dünnen Schraubendreher oder durch Drehen abnehmen lässt.
- Griff lösen. Gewindestift an der Griffhalsunterseite mit einem Innensechskantschlüssel lösen, meist 2 oder 2,5 Millimeter. Ganz herausdrehen ist nicht nötig, ein bis zwei Umdrehungen reichen.
- Griff und Stift abziehen. Beide Griffhälften abnehmen und den Vierkantstift herausziehen. Achten Sie darauf, dass die Tür offen steht, sonst fällt die Falle zu und Sie schließen sich aus.
- Rosetten oder Schilder demontieren. Schrauben lösen und Beschlagteile abnehmen. Bei Durchsteckbefestigung liegen die Verbindungsschrauben quer durch das Türblatt.
- Untergrund reinigen. Alte Dichtungsreste und Schmutz entfernen. Wenn die neue Rosette kleiner ist als die alte, sehen Sie jetzt, ob darunter Lack fehlt.
- Neue Beschläge ansetzen. Rosetten oder Schilder locker verschrauben, den neuen Vierkantstift durch die Nuss schieben und die Griffe aufstecken.
- Stiftlänge prüfen. Der Vierkant muss in beide Griffhälften greifen, darf aber nicht so lang sein, dass die Griffe nicht mehr aufliegen. Zu lange Stifte werden mit einer Metallsäge gekürzt und entgratet.
- Gewindestifte anziehen. Erst beide Griffe ausrichten, dann die Gewindestifte gleichmäßig festziehen. Nicht mit Gewalt, das Gewinde im Griffhals ist meist aus Zink.
- Funktion testen. Griff mehrfach betätigen, mit offener und geschlossener Tür. Bleibt der Griff hängen oder federt er nicht zurück, sitzt der Stift schief oder die Nuss im Schloss ist verschlissen.
Federt der Griff dauerhaft nicht zurück, liegt das selten am Griff. Meist ist die Feder im Schloss oder in der Rosette gebrochen. Wie Sie das eingrenzen, steht in der Übersicht zur Reparatur beschädigter Türbeschläge.
Wie messen Sie den Schließzylinder richtig?
Ein Profilzylinder wird nicht in der Gesamtlänge angegeben, sondern in zwei Teilmaßen. Der Bezugspunkt ist die Mitte der Stulpschraube, also der Schraube in der schmalen Türkante, die den Zylinder im Schloss hält. Von dieser Mitte messen Sie nach außen bis zur Zylinderstirn und getrennt davon nach innen. Die Angabe 35/40 bedeutet 35 Millimeter auf der Außenseite und 40 Millimeter auf der Innenseite.
Am genauesten messen Sie den ausgebauten Zylinder auf dem Tisch. Legen Sie ihn hin, suchen Sie die Bohrung für die Stulpschraube im schmalen Steg und messen Sie von deren Mitte in beide Richtungen. Verwechseln Sie die Seiten nicht: Die Außenseite ist die, auf der bei Haustüren der Knauf oder die Schließnase zur Straße zeigt. Ein seitenverkehrt eingebauter Zylinder mit unterschiedlichen Maßen steht außen über und innen zurück.
Außen höchstens 3 Millimeter Überstand. Ein Zylinder, der weiter aus dem Beschlag herausragt, bietet eine Angriffsfläche zum Abbrechen oder Ziehen. Die Polizei empfiehlt deshalb, dass der Zylinder bündig mit dem Schutzbeschlag abschließt oder höchstens 3 Millimeter übersteht, und im Zweifel wird von Versicherungen genau das geprüft. Bei Haustüren gehört dazu ein Schutzbeschlag nach DIN 18257 ab Widerstandsklasse ES 1 mit Zylinderabdeckung, dazu ein Zylinder mit Bohr- und Ziehschutz. Runden Sie im Zweifel nach unten ab: Ein 5 Millimeter zu kurzer Zylinder lässt sich schlechter abschließen, ein 10 Millimeter zu langer ist eine offene Einladung.
Wie tauschen Sie den Zylinder aus?
- Stulpschraube lösen. Die Schraube sitzt in der schmalen Türkante, ungefähr in Höhe des Schlüssellochs, und ist meist ein M5-Gewinde mit Kreuzschlitz. Ganz herausdrehen und beiseite legen.
- Schlüssel einstecken. Den Schlüssel in den Zylinder stecken und leicht drehen, bis der Schließbart mit dem Zylinderprofil fluchtet. Nur in dieser Nullstellung passt der Bart durch die Ausnehmung im Schloss.
- Zylinder ziehen. Am Schlüssel gerade nach außen ziehen. Ruckeln Sie nicht seitlich, sonst verkantet der Bart im Schloss.
- Neuen Zylinder vorbereiten. Auch hier den Schlüssel einstecken und den Bart in Nullstellung drehen, bevor Sie den Zylinder ansetzen.
- Einschieben. Zylinder von außen einführen, bis die Bohrung für die Stulpschraube sichtbar mit dem Gewinde im Stulp fluchtet.
- Schraube setzen. Stulpschraube eindrehen und handfest anziehen. Zu festes Anziehen kann das Zylindergehäuse verspannen, dann geht der Schlüssel schwer.
- Funktion prüfen. Bei offener Tür mehrfach auf- und abschließen, mit jedem mitgelieferten Schlüssel. Danach denselben Test mit geschlossener Tür.
- Alte Schlüssel einsammeln. Wer Schlösser wechselt, weil Schlüssel abhandengekommen sind, sollte auch Nachbarschlüssel und Zweitschlüssel erfassen und dokumentieren.
MerkeWenn Sie von innen abschließen wollen, während außen ein Schlüssel steckt, brauchen Sie einen Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion. Ohne diese Funktion blockiert der außen steckende Schlüssel den Zylinder von innen. Bei Wohnungen mit Kindern und bei Zimmern, die im Notfall von außen geöffnet werden müssen, ist das ein Argument. Bleibt ein Schlüssel im Zylinder stecken oder bricht ab, hilft die Anleitung, wie man einen abgebrochenen Schlüssel aus dem Schloss entfernt.
Welche Sicherheitsmerkmale lohnen sich an der Haustür?
- Bohrschutz: Gehärtete Stifte im Zylindergehäuse verhindern das Aufbohren der Kernstifte. Bei Zylindern nach DIN 18252 wird das über Angriffwiderstandsklassen beschrieben.
- Ziehschutz: Ein gehärteter Kern oder eine Sollbruchstelle verhindert, dass der Zylinderkern mit einer Schraube herausgezogen wird. Wirkt nur zusammen mit geringem Überstand.
- Schutzbeschlag nach DIN 18257: Beschläge der Klassen ES 1 bis ES 3 decken den Zylinder ab und halten hohe Zugbelastungen aus. Die Polizei empfiehlt mindestens ES 1 mit Zylinderabdeckung.
- Kernziehschutz statt Zylindertausch: Wenn das Schloss selbst intakt ist, bringt ein besserer Zylinder mehr als ein neues Türblatt. Die Reihenfolge lautet Zylinder, Beschlag, Schließblech.
- Sicherungskarte: Ein kopiergeschützter Schließzylinder verhindert, dass Nachschlüssel ohne Nachweis angefertigt werden. Bewahren Sie die Karte getrennt von den Schlüsseln auf.
- Mehrfachverriegelung: Bei Haustüren bringen zusätzliche Verriegelungspunkte mehr als jeder Zylinder, sind aber ein Fall für den Fachbetrieb, weil das Schloss komplett getauscht wird.
Alle diese Maßnahmen wirken nur, wenn Zarge und Schließblech mitspielen. Ein hochwertiger Zylinder in einer Tür, deren Schließblech mit zwei kurzen Schrauben im Holzfutter hängt, verschiebt das Problem nur. Prüfen Sie deshalb, ob das Schließblech mit langen Schrauben bis in das Mauerwerk befestigt ist, und ziehen Sie bei Bedarf die Anleitung zur Reparatur von Türschlössern hinzu.
Wann brauchen Sie doch einen Fachbetrieb?
Bei Brand- und Rauchschutztüren, weil Beschlag und Zylinder Teil des geprüften Bauteils sind und nicht frei gewählt werden dürfen. Bei Türen mit Panikfunktion in Fluchtwegen, weil dort besondere Anforderungen an Drücker und Schloss gelten. Bei Schließanlagen, weil ein einzeln gekaufter Zylinder nicht in eine bestehende Anlage passt. Und bei Mietwohnungen, wenn Sie den Zylinder tauschen: Sie dürfen das in der Regel tun, müssen den Originalzylinder aber aufbewahren und beim Auszug wieder einbauen.
Für die eigene Planung noch ein praktischer Wert: Ein Standard-Profilzylinder für eine Wohnungstür beginnt bei 30/30 Millimetern. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob auf Ihrer Tür ein Schutzbeschlag sitzt, denn dessen Dicke geht in das Außenmaß ein. Wer diesen Aufbau übersieht, kauft zweimal.
