Unter dem Fußboden treffen zwei Aufgaben aufeinander, die oft verwechselt werden. Die Trittschalldämmung schützt die Nachbarn unter Ihnen vor Schritten und fallenden Gegenständen. Die Wärmedämmung senkt den Heizwärmeverlust nach unten, meist gegen einen unbeheizten Keller. Beide Schichten liegen im selben Aufbau, folgen aber unterschiedlichen Kennwerten und unterschiedlichen Regelwerken.
Was genau ist Trittschall und was nicht?
Trittschall entsteht, wenn eine Decke direkt angeregt wird, also durch Schritte, verrückte Stühle oder herunterfallendes Spielzeug. Die Schwingung läuft durch den Baukörper und wird im Raum darunter als Geräusch abgestrahlt. Der Fachbegriff für das Ergebnis ist der bewertete Norm-Trittschallpegel, abgekürzt L'n,w. Je kleiner dieser Wert, desto ruhiger ist es unten.
Davon zu unterscheiden ist der Gehschall, also das Geräusch, das Sie selbst im eigenen Raum hören, wenn Sie über Laminat laufen. Eine Dämmunterlage verbessert vor allem den Trittschall nach unten. Auf den hohlen Klang im eigenen Zimmer wirkt sie deutlich schwächer, weil dieser vom Belag selbst und von der Raumakustik kommt.
MerkeEine Trittschalldämmung hilft in erster Linie der Wohnung unter Ihnen. Wenn Sie den lauten Klang beim Laufen im eigenen Raum stört, brauchen Sie einen anderen Belag, einen Teppich oder eine schwerere Aufbauschicht, keine dickere Unterlage.
Welche Werte fordert DIN 4109?
DIN 4109 regelt den Schallschutz im Hochbau und ist als Technische Baubestimmung bauaufsichtlich eingeführt. Die letzte grundlegende Überarbeitung stammt aus dem Jahr 2018. Die Anforderungen gelten für Bauteile zwischen fremden Wohn- und Arbeitsbereichen, nicht für Räume innerhalb derselben Wohnung.
| Bauteil | Mindestschallschutz DIN 4109-1 | Erhöhter Schallschutz DIN 4109-5 |
|---|---|---|
| Decke zwischen zwei Wohnungen | L'n,w kleiner oder gleich 50 dB | 45 dB |
| Treppenläufe und Podeste | weniger als 53 dB | 47 dB |
| Komfortstufe VDI 4100 SSt III | nicht gefordert | 39 dB und darunter |
VDI 4100 ist eine freiwillige Richtlinie mit drei Komfortstufen und muss vertraglich vereinbart werden, sonst gilt sie nicht. Ein Hinweis zur Aussagekraft der Zahlen: Der bewertete Norm-Trittschallpegel wird nach DIN EN ISO 717-2 in 16 Terzbändern zwischen 125 und 3150 Hertz ermittelt. Tiefe Frequenzen unter 100 Hertz bleiben unberücksichtigt. Gerade der dumpfe Bass beim Gehen auf Holzbalkendecken fällt damit durch das Raster, was erklärt, warum ein normkonformer Boden trotzdem als laut empfunden werden kann.
Wie viele Dezibel bringt welcher Aufbau?
Die Leistung einer Dämmschicht wird als Trittschallverbesserungsmaß angegeben, Kurzzeichen Delta Lw. Der Wert sagt, um wie viele Dezibel der Trittschallpegel gegenüber der nackten Rohdecke sinkt. Ein Maß für die Weichheit der Dämmschicht ist die dynamische Steifigkeit s mit typischen Werten zwischen 5 und 30 Meganewton je Kubikmeter. Je niedriger dieser Wert, desto höher fällt das Verbesserungsmaß aus.
| Aufbau | Trittschallverbesserungsmaß |
|---|---|
| Glattes Parkett, Laminat, Vinyl oder Linoleum ohne Zusatzschicht | 5 bis 15 dB |
| Holzboden mit 2 mm aufkaschierter Dämmmatte | rund 18 dB |
| Separat verlegte Polystyrolplatte, 5 mm | 22 dB |
| Dünner Teppichboden | etwa 20 dB |
| Teppichboden in handelsüblicher Qualität | 25 bis 30 dB |
| Besonders dichter Teppichboden | bis 40 dB |
| Schwimmender Estrich als Masse-Feder-System | bis 29 dB |
| Systemaufbau mit Nassestrich und Schalldämpfern | rund 35 dB |
Diese Werte stammen aus Laborprüfungen. Auf der Baustelle werden sie nur erreicht, wenn die Dämmschicht vollflächig, stoßdicht und ohne feste Verbindung zu angrenzenden Bauteilen liegt. Das ist keine Formalie, sondern der häufigste Grund für Reklamationen.
Was bedeutet schwimmender Aufbau?
Schwimmend heißt: Der Estrich oder der Belag berührt weder Wand noch Rohr noch Türzarge. Er liegt wie eine Platte auf einer weichen Schicht und ist ringsum durch Randdämmstreifen getrennt. Physikalisch ist das ein Masse-Feder-System, die schwere Masse oben, die weiche Feder darunter. Sobald irgendwo eine starre Verbindung entsteht, läuft der Schall daran vorbei.
- Randdämmstreifen: mindestens 8 bis 10 Millimeter dick, an allen aufsteigenden Bauteilen, also Wände, Säulen, Türzargen und durchgeführte Rohre.
- Überstand: Der Streifen wird über die spätere Belagsoberkante hinaus gestellt und erst nach dem Verlegen des Belags bündig abgeschnitten. Wer zu früh schneidet, klebt die Fuge später zu.
- Schallbrücken: Ein Estrichspritzer hinter dem Randstreifen, eine durchgeschraubte Fußleiste oder eine bis auf die Rohdecke reichende Silikonfuge genügen, um das Verbesserungsmaß deutlich zu senken.
- Fußleisten: An der Wand befestigen, nicht am Boden, und mit sichtbarer Fuge zum Belag verlegen.
- Stoßfugen: Dämmbahnen stumpf stoßen und die Stöße verkleben, nicht überlappen. Überlappungen führen zu Höhenunterschieden und Knackgeräuschen.
- Dampfbremse: Auf mineralischem Untergrund wie Estrich gehört üblicherweise eine PE-Folie unter die Dämmung, überlappend verlegt und an den Stößen verklebt.
Achtung, eine Schallbrücke macht die Rechnung zunichte. Der rechnerisch nachgewiesene Trittschallschutz setzt eine fehlerfreie Ausführung der Dämmschicht und der Randdämmstreifen voraus. Ein einziger starrer Kontakt zwischen Estrich und Wand kann den Gewinn von 25 Dezibel auf einen Bruchteil reduzieren. Kontrollieren Sie den Randstreifen deshalb rundum, bevor Sie Estrich einbringen oder den Belag schließen.
Wie verlege ich die Dämmung Schritt für Schritt?
- Untergrund prüfen. Der Boden muss trocken, tragfähig, sauber und eben sein. Messen Sie die Ebenheit mit einer 2-Meter-Latte und gleichen Sie Unebenheiten mit Ausgleichsmasse aus. Eine weiche Dämmschicht gleicht Löcher nicht aus, sie überbrückt sie nur und bricht später ein.
- Restfeuchte messen. Bei mineralischen Untergründen die Belegreife prüfen lassen oder mit einem CM-Gerät messen. Feuchtigkeit unter einer dichten Dämmschicht führt zu Schimmel und Verformungen.
- Randdämmstreifen setzen. Rundum an allen aufsteigenden Bauteilen anbringen, mit Überstand nach oben. Auch an Türzargen und Rohrdurchführungen.
- Dampfbremse auslegen. Bahnen überlappend ausrollen, an den Rändern etwas hochziehen und die Stöße verkleben.
- Dämmung verlegen. Bahnen oder Platten stumpf stoßend und vollflächig auslegen, Stöße verkleben. Nicht überlappen, keine Lücken lassen.
- Belag aufbringen. Laminat und Parkett schwimmend mit umlaufender Dehnfuge zur Wand verlegen. Die Fuge darf später nicht mit Silikon oder Fugenmasse starr geschlossen werden.
- Randstreifen kürzen. Erst jetzt bündig zur Belagsoberkante abschneiden, danach die Fußleisten an der Wand montieren.
- Kontrolle. Prüfen Sie mit einem dünnen Blech oder einer Fühlerlehre, ob der Belag ringsum frei liegt. Alles, was klemmt, wird nachgearbeitet.
Was ist bei Fußbodenheizung zu beachten?
Hier arbeiten Wärme und Schall gegeneinander. Jede Dämmschicht über den Heizrohren bremst die Wärme, die in den Raum soll. Nach den Empfehlungen des Bundesverbands Flächenheizungen und nach DIN EN 1264 darf der Wärmedurchlasswiderstand des gesamten Aufbaus 0,15 Quadratmeter Kelvin je Watt nicht überschreiten. Gemeint ist der komplette Aufbau aus Belag, Dämmunterlage und Kleber, nicht der Belag allein.
- Fliesen: etwa 0,01 Quadratmeter Kelvin je Watt, unkritisch.
- Vinyl: 0,01 bis 0,02, ebenfalls unkritisch.
- Laminat: 0,05 bis 0,10, je nach Aufbau und Stärke.
- Teppich: bis 0,17 und damit allein schon über dem Grenzwert.
- Trittschalldämmung: geeignete dünne Unterlagen liegen bei rund 0,01.
- Rechenbeispiel: Laminat mit 0,06 plus Dämmung mit 0,01 ergibt 0,07 und bleibt damit deutlich unter der Grenze.
Wird der Grenzwert überschritten, verlängern sich die Aufheizzeiten spürbar und der Energieverbrauch steigt, weil die Vorlauftemperatur angehoben werden muss. Achten Sie deshalb auf Unterlagen mit der Kennzeichnung für Fußbodenheizung und rechnen Sie die Werte des gesamten Aufbaus zusammen. Wenn die Heizung ohnehin Probleme macht, lohnt vorher ein Blick in den Beitrag Probleme mit der Heizung beheben.
Wo hört die Trittschalldämmung auf und wo beginnt die Wärmedämmung?
Gegen einen unbeheizten Keller ist die dünne Unterlage unter dem Laminat wirkungslos. Dort hilft nur eine Dämmung der Kellerdecke, und die wird üblicherweise von unten angebracht. Nach § 48 in Verbindung mit Anlage 7 des Gebäudeenergiegesetzes gilt für Decken zu unbeheizten Räumen ein Höchstwert des Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,30 Watt je Quadratmeter und Kelvin. Die Anforderung greift, wenn die Kellerdecke ohnehin geändert wird und dabei mehr als 10 Prozent der Bauteilfläche betroffen sind. Für Förderungen wird ein strengerer Wert von 0,25 verlangt.
In der Praxis erreicht man diesen Wert mit Dämmplatten der Wärmeleitstufe 040 und einer Dicke von etwa 10 Zentimetern, abhängig vom vorhandenen Deckenaufbau. Prüfen Sie vorher die Raumhöhe im Keller und die Lage von Leitungen, Rohren und Torlaufschienen. Eine Ausnahme von der Anforderung gibt es bei technischer Unmöglichkeit oder wirtschaftlicher Unvertretbarkeit, das muss aber ein Energieberater bestätigen.
Wenn der vorhandene Boden ohnehin Schäden hat, lohnt es sich, beides in einem Zug zu erledigen. Wie Sie den alten Belag beurteilen und ausbessern, steht im Beitrag zum Reparieren beschädigter Bodenbeläge, für Laminat im Besonderen im Beitrag zu beschädigten Laminatböden.
Notieren Sie sich beim Kauf beide Kennwerte der Unterlage nebeneinander: das Trittschallverbesserungsmaß in Dezibel und den Wärmedurchlasswiderstand in Quadratmeter Kelvin je Watt. Ein Produkt, das nur einen der beiden Werte angibt, verschweigt in der Regel den schlechteren.
