Ein Bürostuhl sieht aus wie ein Möbelstück und ist technisch ein Gerät. Unter der Sitzfläche stecken eine Gasdruckfeder unter Druck, eine Mechanik mit Federvorspannung und ein Fußkreuz, das den Stuhl am Umkippen hindert. Diese Teile lassen sich zu Hause weder bauen noch prüfen. Was sich sinnvoll umbauen lässt, ist alles darüber: Sitzplatte, Polster, Bezug und Lehnenverkleidung. Genau dort kommen die alten Stühle ins Spiel.

Was muss ein Bürostuhl leisten?
DIN EN 1335 regelt Maße, Sicherheitsanforderungen und Prüfungen für Büro-Arbeitsstühle und unterscheidet seit dem Jahr 2000 die Typen A, B und C, wobei Typ A die umfangreichste ergonomische Ausstattung hat. Teil 2 der Norm behandelt die Sicherheitsanforderungen. Zwei Vorgaben sind für einen Umbau besonders wichtig: Die niedrigste Sitzhöhe muss 420 Millimeter betragen, und das Fußkreuz muss mindestens fünf Arme haben. Vierarmige Fußkreuze gelten als kippgefährdet und erfüllen die Norm nicht.
Dazu kommen Anforderungen an die stufenlose Sitzhöhenverstellung über die Gasdruckfeder, an die Verstellbarkeit von Sitztiefe und Rückenlehne und an die Dauerhaltbarkeit über viele tausend Lastwechsel. Ein Eigenbau kann diese Prüfungen nicht bestehen, weil sie im Labor auf Prüfmaschinen laufen. Wer acht Stunden täglich am Bildschirm sitzt, braucht einen geprüften Stuhl. Am Arbeitsplatz im Betrieb ist der Arbeitgeber dafür zuständig, ein Eigenbau ist dort keine zulässige Lösung.
Die Gasdruckfeder bleibt zu. Öffnen Sie sie nicht, bohren Sie nicht hinein und erhitzen Sie sie nicht über 80 Grad. Das Gas dehnt sich sonst unkontrolliert aus und der Zylinder kann bersten. Im Normalgebrauch ist die Feder ungefährlich, sie enthält reinen Stickstoff, der weder brennt noch giftig ist. Defekte Federn kommen im Ganzen zum Wertstoffhof, nicht in den Restmüll und nicht in die Werkstatt.
Darf man einen Bürostuhl überhaupt zerlegen?
Teilweise ja. Sitzplatte, Polster, Bezug, Armlehnen, Rollen und das Fußkreuz lassen sich mit Standardwerkzeug abnehmen und wieder montieren. Die Gasdruckfeder sitzt in Konusverbindungen und wird mit Gummihammer oder Abzieher gelöst, sie selbst bleibt dabei geschlossen. Was Sie nicht tun: die Feder zerlegen, an ihr sägen, sie erwärmen oder den Auslösestift dauerhaft blockieren.
Für den Umbau heißt das: Suchen Sie einen gebrauchten Bürostuhl mit intaktem Unterbau und kaputtem Oberteil. Diese Kombination gibt es häufig, weil Bezüge und Polster deutlich schneller verschleißen als das Chassis. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob die Feder die Sitzhöhe hält, ob sich der Stuhl leicht dreht und ob das Fußkreuz Risse hat. Ein Fußkreuz aus Kunststoff mit Haarrissen an den Armen wird ersetzt, nicht geklebt.
Welche Rollen gehören unter den Stuhl?
Das hängt vom Bodenbelag ab, und die Zuordnung ist umgekehrt, als die meisten vermuten. DIN EN 12529 unterscheidet Typ H mit harter Lauffläche für textile Böden und Typ W mit weicher, elastischer Lauffläche für harte und elastische Böden. Auf Parkett, Laminat, Fliesen und Linoleum gehören also weiche Rollen, auf Teppich harte. Die Norm kennt zusätzlich Typ C für elektrisch leitfähige Rollen und Typ U für lastabhängig gebremste Rollen.
Falsche Rollen verschleißen deutlich schneller und beschädigen den Belag. Der Rollenzapfen hat bei den meisten Bürostühlen 11 Millimeter Durchmesser, messen Sie vor dem Kauf trotzdem nach. Fünf Rollen sind Pflicht, vier sind es nie. Welche Arbeitshöhe darunter passt, hängt vom Tisch ab, feste Schreibtische liegen meist zwischen 72 und 75 Zentimetern Höhe. Eine Übersicht der Bauformen finden Sie im Beitrag zum Schreibtisch.
| Rollentyp nach EN 12529 | Lauffläche | Geeignet für | Nicht geeignet für |
|---|---|---|---|
| Typ H | hart | Teppich, Nadelfilz | Parkett, Laminat, Fliesen |
| Typ W | weich, elastisch | Parkett, Laminat, Linoleum, Fliesen, Vinyl | Teppich, weil sie schwer rollen |
| Typ C | elektrisch leitfähig | ESD-Arbeitsplätze | Standardbüro ohne Anforderung |
| Typ U | lastabhängig gebremst | Stühle, die beim Aufstehen stehen bleiben sollen | Dauerbewegung am Platz |
Material, Werkzeug und Kosten

| Position | Menge | Maß oder Angabe | Kosten |
|---|---|---|---|
| gebrauchtes Bürostuhl-Chassis | 1 Stück | Fußkreuz mit fünf Armen, Gasfeder intakt | 20 bis 60 Euro |
| Gasdruckfeder als Ersatz | 1 Stück | Konusmaße abmessen, Hub 100 bis 140 Millimeter | 20 bis 40 Euro |
| Rollen Typ H oder W | 5 Stück | Zapfen meist 11 Millimeter | 12 bis 25 Euro |
| Sitzplatte Birken-Multiplex | 1 Stück | 440 x 440 x 18 Millimeter | 12 bis 20 Euro |
| Kaltschaum | 1 Platte | 440 x 440 x 40 Millimeter | 12 bis 20 Euro |
| Polsterwatte | 1 Bahn | etwa 60 x 60 Zentimeter | 5 bis 10 Euro |
| Bezugsstoff vom alten Stuhl | 1 Stück | mindestens 70 x 70 Zentimeter am Stück | vorhanden bis 25 Euro |
| Maschinenschrauben mit Scheiben | 4 Sets | M6 x 30 Millimeter | 4 bis 8 Euro |
| Tackerklammern | 1 Packung | Rückenhöhe 8 bis 10 Millimeter | 4 bis 6 Euro |
- Handtacker oder Drucklufttacker: für den Bezug. Ein Bürotacker reicht nicht, die Klammern müssen in Multiplex halten.
- Gummihammer und Abzieher: zum Lösen der Konusverbindung zwischen Gasfeder und Fußkreuz. Die Verbindung sitzt fest, ohne Werkzeug reißen Sie das Fußkreuz.
- Elektromesser oder Schaumstoffsäge: für saubere Kanten am Kaltschaum. Ein Küchenmesser hinterlässt ausgefranste Ränder.
- Bohrer 6 Millimeter: für die vier Befestigungslöcher der Sitzplatte, passend zur Lochung der Mechanik.
- Nahttrenner: zum Auftrennen des alten Bezugs, der als Schnittmuster dient.
- Schutzausrüstung: Handschuhe beim Abziehen alter Polster, Staubmaske bei zerbröselndem Altschaum.
Wie läuft der Umbau Schritt für Schritt?
- Chassis prüfen. Setzen Sie sich auf den gebrauchten Stuhl und belasten Sie ihn. Sackt die Sitzhöhe ab, ist die Gasfeder defekt und wird komplett getauscht. Prüfen Sie das Fußkreuz auf Risse an den Armansätzen.
- Alten Sitz abnehmen. Drehen Sie den Stuhl um und lösen Sie die vier Schrauben zwischen Mechanik und Sitzplatte. Notieren Sie sich den Lochabstand, danach richtet sich die neue Platte.
- Bezug abtrennen. Lösen Sie den alten Bezug mit dem Nahttrenner und legen Sie ihn flach. Er ist Ihr Schnittmuster für den Stoff aus dem alten Stuhl, mit 5 Zentimetern Zugabe ringsum.
- Sitzplatte zuschneiden. Sägen Sie die Multiplexplatte auf 440 mal 440 Millimeter, runden Sie die vorderen Ecken ab und brechen Sie alle Kanten. Bohren Sie die vier Löcher mit 6 Millimetern nach dem notierten Lochabstand.
- Vorderkante abrunden. Schleifen Sie die vordere Plattenkante auf einem Radius von etwa 15 Millimetern ab. Eine scharfe Kante drückt über Stunden auf die Oberschenkelrückseite.
- Schaum aufkleben. Kleben Sie den 40 Millimeter starken Kaltschaum mit Sprühkleber auf die Platte und schneiden Sie ihn bündig. Legen Sie darüber eine Lage Polsterwatte, sie verhindert, dass sich der Schaum unter dem Stoff abzeichnet.
- Bezug tackern. Spannen Sie den Stoff über die Platte und tackern Sie ihn auf der Unterseite fest, immer wechselseitig von der Mitte nach außen. An den Ecken legen Sie kleine Falten, statt den Stoff einzuschneiden.
- Sitz montieren. Verschrauben Sie die Platte mit vier Maschinenschrauben M6 mal 30 Millimeter samt Unterlegscheiben an der Mechanik. Ziehen Sie über Kreuz an und prüfen Sie, ob die Schrauben nicht in den Schaum stoßen.
- Rollen tauschen. Ziehen Sie die alten Rollen mit einem Ruck heraus und stecken Sie die neuen ein, passend zu Ihrem Bodenbelag. Fünf Stück, kein Kompromiss.
- Einstellen und testen. Stellen Sie die Sitzhöhe so ein, dass Ober- und Unterschenkel etwa einen rechten Winkel bilden und die Füße flach stehen. Setzen Sie sich in verschiedenen Positionen an den Rand des Sitzes und prüfen Sie, ob der Stuhl kippt.
MerkeEin umgebauter Stuhl bleibt ungeprüft, auch wenn das Chassis aus einem Normstuhl stammt. Sitztiefe, Lehnenwinkel und Federkraft der Mechanik sind auf die Originalsitzfläche abgestimmt. Kontrollieren Sie die vier Sitzschrauben nach vier Wochen und danach zweimal im Jahr nach.
Variante ohne Rollen: der alte Stuhl bleibt ein alter Stuhl
- Zielgruppe: Gelegentliches Sitzen am Schreibtisch, eine bis zwei Stunden am Stück, nicht der tägliche Bildschirmarbeitsplatz.
- Sitzhöhe: Passen Sie den Stuhl an den Tisch an, nicht umgekehrt. Bei 72 bis 75 Zentimeter Tischhöhe und zu niedrigem Stuhl hilft ein festes Sitzkissen, kein Stapel loser Decken.
- Polster: Ein 40 Millimeter starker Kaltschaum auf der Sitzfläche verändert die Sitzhöhe messbar. Rechnen Sie die Auflage vorher mit ein.
- Keine Rollen nachrüsten: Rollen unter einem vierbeinigen Holzstuhl machen ihn kippelig, weil ihm das fünfarmige Fußkreuz fehlt.
- Keine Gasfeder nachrüsten: Ein Holzgestell ist nicht dafür ausgelegt, die Kräfte einer Federsäule aufzunehmen.
- Sinnvolle Ergänzung: Eine Fußstütze, wenn die Füße bei richtiger Tischhöhe nicht flach stehen.
Ein alter Holzstuhl mit neuem Polster und frischem Bezug ist ein gutes Gästemöbel und ein brauchbarer Platz für kurze Schreibarbeiten. Wie Sie durchgesessene Polster und lose Bezüge in Ordnung bringen, steht im Beitrag mit Tipps zur Reparatur von Polstermöbeln. Bleiben Gestelle übrig, deren Sitzflächen nicht mehr zu retten sind, lässt sich daraus noch eine Sitzbank aus alten Stühlen bauen.
Der Umbau dauert 3 bis 5 Stunden, davon etwa eine Stunde für das Tackern des Bezugs. Prüfen Sie danach mit der Wasserwaage, ob die Sitzfläche waagerecht sitzt, eine schiefe Platte fällt beim Sitzen erst nach Stunden auf.
