Alte Stühle liegen in vielen Kellern. Meist sind es Reste von Esszimmergarnituren, bei denen einer kaputtgegangen ist und die übrigen keiner mehr will. Als Gartenbank bekommen sie eine zweite Verwendung, und der Umbau ist tatsächlich einfach: Stühle nebeneinander stellen, Sitzflächen entfernen, durchgehende Latten aufschrauben, streichen. Der Haken liegt nicht im Bauablauf, sondern in der Substanz.
Denn ein Stuhl ist ein hoch beanspruchtes Möbel. Er nimmt seit Jahren wechselnde Lasten auf, und die Verbindungen zwischen Zargen und Beinen haben gearbeitet. Was im Esszimmer noch geht, kann im Freien innerhalb einer Saison aufgeben. Deshalb steht die Prüfung am Anfang und nicht der Zuschnitt.
Welche Stühle taugen als Grundgerüst?
Setzen Sie jeden Kandidaten auf den Boden und belasten Sie ihn seitlich mit beiden Händen an der Rückenlehne. Wenn sich der Rahmen sichtbar verwindet oder ein Knacken zu hören ist, sind die Verbindungen locker. Drehen Sie den Stuhl anschließend um und prüfen Sie die Zargen an den Beinen. Eine dunkle Linie an der Fuge bedeutet meist, dass die Leimverbindung bereits gebrochen ist und Schmutz eingedrungen ist.
| Merkmal | Gut geeignet | Ungeeignet |
|---|---|---|
| Konstruktion | Massivholz, Schlitz- und Zapfenverbindung, Dübelverbindung mit Zargen | Spanplatte, MDF, furnierte Trägerplatten |
| Rahmen | steif, kein Spiel beim Verwinden | hörbares Knacken, sichtbare Fugen an den Zargen |
| Beine | gerade, Querschnitt mindestens 30 mal 30 Millimeter | gedrechselt dünn, unter 25 Millimeter an der schwächsten Stelle |
| Holzart | Buche, Eiche, Esche, Robinie | Weichholz mit weichem Splint, verleimte Sperrholzschalen |
| Zustand | trocken, keine Pilzflecken, keine Ausfluglöcher | Bläue, weiche Stellen, feine runde Löcher (Holzwurm) |
Ein Punkt wird oft übersehen: Buche ist zwar hart und fest, aber nach DIN EN 350 in Dauerhaftigkeitsklasse 5 einzuordnen und damit gegen holzzerstörende Pilze nicht dauerhaft. Genau aus Buche bestehen aber sehr viele Esszimmerstühle. Eine Bank aus Buchenstühlen kann funktionieren, sie braucht aber einen überdachten Stellplatz, einen Anstrich und eine Winterpause im Trockenen. Dauerhaft im Regen stehende Buche ist eine Frage von wenigen Jahren.
Spanplatte und MDF haben im Freien nichts zu suchen. Beide Werkstoffe quellen bei Feuchtigkeit irreversibel auf, verlieren dabei ihre Festigkeit und lösen sich in Schichten auf. Eine Sitzfläche aus Spanplatte kann unter Last brechen, nachdem sie einmal nass geworden ist, und das ohne erkennbare Vorwarnung. Prüfen Sie deshalb an einer verdeckten Kante, ob Sie Massivholz oder eine Plattenkonstruktion vor sich haben. An der Schnittkante ist der Unterschied eindeutig sichtbar.
Warum lösen sich Leimverbindungen im Garten?
Holzleime werden nach DIN EN 204 in die Beanspruchungsgruppen D1 bis D4 eingeteilt, wobei die Einstufung sich nach den Mindest-Scherfestigkeiten unter definierten Feuchtebedingungen richtet. Klassische Esszimmerstühle sind mit D2- oder D3-Leim verleimt, weil sie nie nass werden sollten.
Im Garten ändert sich alles. Regen, Tau und Luftfeuchtigkeit bringen Wasser in die Fugen, und Holz arbeitet dabei quer zur Faser deutlich stärker als längs. Die Fuge wird also nicht nur geweicht, sondern zusätzlich mechanisch belastet. D3 ist laut Merkblättern für den Außenbereich nur zugelassen, wenn das Bauteil nicht direkt der Witterung ausgesetzt ist. D4 ist die höchste Gruppe der Reihe und wird für den Außenbereich mit dem Zusatz genannt, dass ein angemessener Oberflächenschutz vorhanden sein muss.
- D4-Leim verwenden: Für jede neue Verleimung an der Bank ist D4 nach DIN EN 204 das Minimum. Er ist als PVAc-Dispersion und als Polyurethanleim erhältlich.
- PU-Leim schäumt: Polyurethanleim braucht Feuchtigkeit zum Aushärten und dehnt sich dabei aus. Werkstücke unbedingt fest spannen, sonst drückt der Schaum die Fuge auf.
- Presszeit einhalten: Übliche Angaben liegen bei 30 bis 60 Minuten Pressdruck und 24 Stunden bis zur vollen Belastbarkeit. Kalte Werkstatt verlängert beides deutlich.
- Leim ist keine Reparatur für Bewegung: Wenn eine Verbindung wackelt, muss sie zerlegt, vom alten Leim befreit und neu verleimt werden. Frischen Leim in eine wackelnde Fuge zu spritzen, hält selten länger als eine Saison.
- Schrauben ergänzen den Leim: Setzen Sie an tragenden Stellen zusätzlich Edelstahlschrauben, damit die Verbindung nicht allein von der Klebefuge abhängt.
- Oberflächenschutz mitdenken: Ein Anstrich verlangsamt den Feuchteeintrag in die Fugen. Er ist damit Teil der Konstruktion und keine Kosmetik.
Wer ohnehin an Altmöbeln arbeitet, findet die Grundtechniken zum Zerlegen und Neuverleimen im Beitrag über die Reparatur von Holzmöbeln. Für den Innenbereich beschreibt der Text über die Sitzbank aus alten Stühlen dieselbe Konstruktion ohne die Witterungsfrage.
Material und Werkzeug für eine Bank aus drei Stühlen
- Stühle: drei Stück mit gleicher oder ähnlicher Sitzhöhe. Gesamtbreite der fertigen Bank etwa 130 bis 150 Zentimeter bei üblichen Stuhlbreiten von 42 bis 48 Zentimetern.
- Sitzlatten: Glattkantbretter aus Lärche oder Douglasie, 20 Millimeter dick, 90 bis 120 Millimeter breit, Länge gleich Bankbreite plus 4 Zentimeter Überstand je Seite. Für eine Sitztiefe von 40 Zentimetern brauchen Sie vier Latten mit je 8 Millimeter Fuge.
- Unterkonstruktion: zwei Leisten 40 mal 60 Millimeter, Länge gleich Bankbreite, als durchgehende Querträger unter den Sitzlatten.
- Schrauben: Edelstahl A2 Senkkopf, 4,5 mal 60 Millimeter für Latten auf Unterkonstruktion, 5 mal 80 Millimeter für die Verbindung Unterkonstruktion zu Stuhlzargen.
- Holzleim: D4 nach DIN EN 204 für alle Reparaturverleimungen an den Stuhlrahmen.
- Schleifmittel: Körnung 80 zum Entfernen alter Lackreste, 120 und 180 für die Endbearbeitung. Alle Sitzflächen splitterfrei schleifen.
- Anstrich: Wetterschutzlasur oder deckende Wetterschutzfarbe für außen, plus passende Grundierung.
- Werkzeug: Akkuschrauber, Bohrer 3 und 5 Millimeter, Senker, Handkreissäge oder Stichsäge, Exzenterschleifer, Schraubzwingen mit mindestens 60 Zentimeter Spannweite, Wasserwaage, Zollstock, Winkel.
Verwenden Sie ausschließlich Edelstahlschrauben. Verzinkte Schrauben rosten im Freien innerhalb weniger Jahre, und in gerbsäurehaltigen Hölzern wie Eiche entstehen sofort schwarze Verfärbungen rund um den Schraubenkopf.
Wie bauen Sie die Bank Schritt für Schritt?
- Stühle prüfen. Jeden Stuhl auf Verwindung, lockere Zargen, Risse und Holzwurmbefall kontrollieren. Aussortieren, was nicht steif ist. Diese Prüfung ist die wichtigste im ganzen Projekt.
- Lockere Verbindungen instand setzen. Betroffene Zargen ausschlagen, alten Leim mit Stechbeitel und Schleifpapier entfernen, mit D4-Leim neu verleimen und mindestens 60 Minuten unter Zwingendruck halten. Volle Belastbarkeit nach 24 Stunden.
- Sitzflächen entfernen. Polster, Sperrholzplatten und alte Sitzbretter ausbauen. Alles, was Wasser aufnimmt oder aus Plattenwerkstoff besteht, kommt weg.
- Armlehnen abbauen. Innenliegende Armlehnen behindern das Nebeneinandersetzen. Die äußeren beiden Armlehnen können Sie behalten, sie geben der Bank seitlichen Halt.
- Sitzhöhe angleichen. Alle Stühle nebeneinander auf eine ebene Fläche stellen und die Höhe der Zargenoberkanten messen. Differenzen entweder durch Kürzen der höheren Beine oder durch untergelegte Leisten ausgleichen. Beim Kürzen alle vier Beine eines Stuhls gleichmäßig absägen.
- Ausrichten und fixieren. Stühle mit einheitlichem Abstand in einer Flucht aufstellen, Rückenlehnen bündig ausrichten, mit Zwingen provisorisch verbinden. Diagonalen messen, sie müssen gleich lang sein.
- Unterkonstruktion aufbringen. Die beiden Querleisten durchgehend über alle Stuhlzargen legen, vorbohren mit 3 Millimeter, senken, mit 5 mal 80 Millimeter Schrauben in die Zargen schrauben. Nicht in Hirnholz schrauben, dort hält Gewinde schlecht.
- Sitzlatten zuschneiden. Latten auf Länge sägen, Kanten mit Körnung 120 brechen, an den Rückenholmen die Aussparungen ausschneiden. Nutzen Sie eine der Latten als Schablone für die übrigen.
- Latten verschrauben. Von vorn nach hinten arbeiten, je 8 Millimeter Fuge zwischen den Latten für Wasserablauf und Holzbewegung. Jede Latte an jedem Querträger mit zwei Schrauben befestigen, immer vorbohren und senken.
- Ganze Bank schleifen. Erst Körnung 80 über alte Lackreste, dann 120, zuletzt 180 auf allen Flächen, die berührt werden. Kanten der Sitzlatten rundlich brechen, sonst drückt die Kante in die Oberschenkel.
- Grundieren und streichen. Grundierung besonders satt auf Hirnholzflächen und Beinenden auftragen. Nach Trocknung zwei Anstrichlagen mit Zwischenschliff Körnung 240. Trockenzeiten nach Herstellerangabe, üblich sind 12 Stunden je Lage.
- Belastungsprobe. Bank auf ebenem Untergrund aufstellen und schrittweise belasten. Setzen Sie sich zunächst mittig, dann auf jedes Ende. Achten Sie auf Knacken, sichtbares Durchbiegen und Wackeln der Beine.
MerkeDie Beinenden sind die Stelle, an der die Bank zuerst verrottet, weil sie auf feuchtem Boden stehen und Wasser über das Hirnholz einsaugen. Stellen Sie die Bank auf Platten statt auf Rasen, oder setzen Sie unter jedes Bein einen Möbelgleiter aus Kunststoff. Der Höhenunterschied von 5 Millimetern reicht aus, um den direkten Kontakt zum stehenden Wasser zu unterbrechen.
Wie viel Gewicht trägt die fertige Bank wirklich?
Ehrliche Antwort: Das lässt sich ohne Prüfung nicht beziffern. Die Norm für Außensitzmöbel, DIN EN 581-2, legt mechanische Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren fest, und die Prüfanforderungen beruhen auf dem Gebrauch durch Personen mit einem Körpergewicht bis zu 110 Kilogramm. Ein selbst gebautes Möbel durchläuft diese Prüfungen nicht. Der Wert ist deshalb ein Maßstab, kein Versprechen.
Praktisch bedeutet das: Die Bank ist so stark wie der schwächste Stuhl, aus dem sie besteht. Die durchgehenden Sitzlatten verteilen die Last zwar über mehrere Stuhlrahmen, aber wenn eine Person mittig zwischen zwei Stuhlgestellen sitzt, wirkt die Last als Biegung auf die Latte und wird an den Auflagepunkten eingeleitet. Deshalb sind die Querträger unter den Latten kein Zierrat.
| Situation | Bewertung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Bank knackt beim Hinsetzen | Verbindung arbeitet | Zargen prüfen, gegebenenfalls neu verleimen und verschrauben |
| Latte biegt sich sichtbar durch | Auflagerabstand zu groß | zusätzlichen Querträger oder ein Zwischenbein setzen |
| Bank kippelt auf ebenem Boden | Beinlängen ungleich | kürzestes Bein als Bezug nehmen, andere anpassen |
| Ein Bein sinkt im Rasen ein | Punktlast auf weichem Boden | Platten oder Fundamentsteine unterlegen |
| Schwarze Ringe um Schrauben | Reaktion von Gerbsäure mit Eisen | Schrauben gegen Edelstahl A2 tauschen |
Setzen Sie sich nicht auf die Rückenlehne und stellen Sie sich nicht auf die Bank. Beides erzeugt Lastfälle, für die kein Stuhlrahmen ausgelegt ist. Wenn Kinder die Bank nutzen, kontrollieren Sie sie häufiger, weil geturnt wird und nicht gesessen.
Was kostet der Umbau und wie pflegen Sie die Bank?
| Position | Menge | Ungefähre Kosten |
|---|---|---|
| Stühle aus dem Bestand | 3 Stück | 0 Euro |
| Glattkantbretter Lärche 20 mal 100 Millimeter | etwa 6 laufende Meter | 20 bis 40 Euro |
| Leisten 40 mal 60 Millimeter | etwa 3 laufende Meter | 6 bis 12 Euro |
| Edelstahlschrauben A2 | etwa 50 Stück | 8 bis 15 Euro |
| D4-Holzleim | 250 bis 500 Gramm | 7 bis 15 Euro |
| Grundierung und Wetterschutzfarbe | je 750 Milliliter | 25 bis 45 Euro |
Die reine Arbeitszeit liegt bei 3 bis 5 Stunden ohne Trockenzeiten. Kommen Reparaturverleimungen hinzu, verteilt sich das Projekt über zwei Tage, weil der Leim 24 Stunden bis zur vollen Belastbarkeit braucht. Auch der Anstrich verlangt Wartezeit zwischen den Lagen.
Die Pflege entscheidet über die Standzeit. Kontrollieren Sie im Frühjahr alle Schraubverbindungen und ziehen Sie nach, denn Holz schwindet über den Winter und Schrauben lockern sich. Bessern Sie abgeplatzte Anstrichstellen sofort aus, besonders an den Kanten und an den Beinenden. Wie Sie Gartenmöbel über den Winter bringen, ohne dass sich unter der Abdeckung Kondenswasser sammelt, steht im Beitrag über den Schutz von Gartenmöbeln im Winter. Bei einer Bank aus Buchenstühlen ist die Antwort einfacher: Sie gehört zwischen November und März in den Schuppen.
