Eine leere CD-Hülle hat eine Eigenschaft, die für dieses Projekt Gold wert ist: Sie steht von selbst. Klappen Sie das Jewel Case auf etwa 110 Grad auf, hält es sich im Scharnier, und Sie haben einen Aufsteller mit stabilem Dreieck. Genau das braucht ein Schminkspiegel. Alles andere am Material ist eher hinderlich. Polystyrol ist spröde, splittert an Schnittkanten und altert unter Licht. Wer das einkalkuliert, bekommt in einer Stunde ein brauchbares Ergebnis.

Warum splittert eine CD-Hülle beim Schneiden?
Weil sie aus GP-Polystyrol besteht, dem sogenannten General Purpose Polystyrol. Dieser Kunststoff ist glasklar und formstabil, aber ohne Schlagzähmodifikation. Er bricht, statt sich zu verformen. Das ist derselbe Grund, warum eine heruntergefallene CD-Hülle an den Ecken abplatzt und warum die Scharnierlaschen als erstes brechen. Die undurchsichtige Innenschale, das Tray, ist bei vielen Hüllen aus HIPS gefertigt, also aus schlagzähem Polystyrol mit Kautschukanteil, und deutlich robuster.
Für die Bearbeitung folgt daraus eine klare Regel: Wärme statt Kraft. Ein normaler Cutter erzeugt beim Durchdrücken Spannungsrisse, die weit über die Schnittlinie hinauslaufen. Erwärmen Sie stattdessen die Klinge, zum Beispiel mit einem Feuerzeug für 5 bis 10 Sekunden, und ziehen Sie sie in mehreren leichten Durchgängen über das Material. Alternativ arbeiten Sie mit einem Lötkolben mit Schneidaufsatz bei niedriger Stufe. Polystyrol erweicht bei etwa 100 Grad Celsius, mehr als 200 Grad Celsius braucht es nicht.
Splitter und Dämpfe. Beim Brechen von Polystyrol entstehen scharfkantige, teils sehr kleine Splitter, die schlecht sichtbar sind. Tragen Sie eine Schutzbrille und arbeiten Sie auf einer hellen Unterlage, damit Sie die Bruchstücke danach vollständig aufsammeln. Beim Erhitzen setzt der Kunststoff Dämpfe frei, deshalb öffnen Sie das Fenster und halten Sie den Kopf aus dem Rauch. Überschreiten Sie 200 Grad Celsius nicht, sonst zersetzt sich das Material sichtbar und riecht stechend. Kinder gehören bei diesem Arbeitsschritt nicht an den Tisch.
Welcher Spiegel gehört hinein und womit wird er geklebt?
Zwei Optionen sind sinnvoll. Ein Acrylspiegel mit 2 bis 3 Millimetern Stärke ist leicht, bruchsicher und lässt sich mit einer Feinsäge zuschneiden, verzieht das Bild aber leicht, wenn er nicht plan aufliegt. Ein Echtglasspiegel mit 3 Millimetern Stärke aus einer Spiegelfliese liefert das bessere Bild, wiegt mehr und muss zugeschnitten gekauft werden, weil das Schneiden von Spiegelglas Übung verlangt. Für ein Jewel Case mit 142 mal 125 Millimetern passt ein Spiegel von 120 mal 100 Millimetern gut hinein.
Beim Kleber wird der häufigste Fehler gemacht. Lösemittelhaltige Alleskleber und essigvernetzendes Silikon greifen die Rückseitenbeschichtung von Echtglasspiegeln an, was sich nach Wochen als dunkle Flecken und Ränder zeigt. Nehmen Sie deshalb ausdrücklich als spiegelgeeignet ausgewiesenes Klebeband oder Spiegelkleber. Heißkleber ist zusätzlich aus einem zweiten Grund problematisch: Mit 150 bis 200 Grad Celsius liegt er über der Erweichungstemperatur von Polystyrol und hinterlässt Dellen in der Hülle.
| Bauteil | Material | Maße | Was zu beachten ist |
|---|---|---|---|
| Jewel Case, Standard | GP-Polystyrol | 142 mal 125 mal 10 Millimeter | Spröde, splittert, Scharnierlaschen sind die Schwachstelle |
| Slimcase | GP-Polystyrol | 142 mal 125 mal 5 Millimeter | Zu dünn und zu instabil als Aufsteller |
| Tray, Innenschale | Meist HIPS | Passend zum Case | Schlagzäher, gute Rückwand für den Spiegel |
| Acrylspiegel | PMMA mit Bedampfung | 120 mal 100 mal 3 Millimeter | Bruchsicher, kratzt leicht, muss plan aufliegen |
| Echtglasspiegel | Floatglas mit Rückseitenbeschichtung | 120 mal 100 mal 3 Millimeter | Bestes Bild, braucht spiegelgeeigneten Kleber |
| Klebeverbindung | Spiegelklebeband, doppelseitig | Streifenbreite 19 bis 25 Millimeter | Kein Heißkleber, keine lösemittelhaltigen Kleber |
Material- und Werkzeugliste
- Grundkörper: 1 Jewel Case in Standardstärke, unbeschädigt, ohne Kratzer auf der Frontseite, plus 1 Ersatzhülle für Fehlversuche.
- Spiegel: 1 Acryl- oder Echtglasspiegel, 120 mal 100 Millimeter, 2 bis 3 Millimeter stark, Kanten gesäumt.
- Klebeverbindung: doppelseitiges Spiegelklebeband mit 19 bis 25 Millimetern Breite, alternativ neutralvernetzender Spiegelkleber.
- Rückenverstärkung: 1 Zuschnitt aus 3 Millimeter starkem Sperrholz oder Graupappe, 138 mal 121 Millimeter, gegen das Durchbiegen der Hülle.
- Schneidwerkzeug: Cutter mit abbrechbarer Klinge und Feuerzeug zum Erwärmen, alternativ Lötkolben mit Schneidaufsatz auf niedriger Stufe.
- Kantenbearbeitung: Nassschleifpapier Körnung 240 und 400, Schleifklotz, Schüssel mit Wasser.
- Gestaltung: Acrylfarbe für Kunststoff oder selbstklebende Folie, davor Kunststoffprimer, sonst haftet die Farbe nicht.
- Schutz: Schutzbrille, helle Arbeitsunterlage, geöffnetes Fenster beim Erhitzen.
Bauanleitung in sieben Schritten
- Hülle prüfen und reinigen. Klappen Sie die Hülle mehrmals auf und zu und kontrollieren Sie die Scharnierlaschen auf feine weiße Risse. Weiß eingefärbte Stellen sind Spannungsrisse, diese Hülle bricht bald. Reinigen Sie danach mit Spülmittelwasser, nicht mit Spiritus, weil Alkohol Polystyrol anlöst.
- Tray entfernen oder belassen. Drücken Sie das Innentray an einer Ecke leicht nach oben und heben Sie es aus den Rastnasen. Als Rückwand für den Spiegel können Sie es auch drinlassen, es macht die Konstruktion steifer.
- Zuschnitte anzeichnen. Zeichnen Sie mit einem Folienstift auf der Innenseite an. Rechnen Sie an jeder Seite 3 Millimeter Rand ein, damit die Klebefläche nicht bis zur Kante läuft.
- Mit Wärme schneiden. Klinge 5 bis 10 Sekunden erwärmen und in drei bis vier leichten Durchgängen ziehen, statt einmal durchzudrücken. Nach jedem Durchgang die Klinge neu erwärmen, weil sie schnell abkühlt.
- Kanten nass schleifen. Mit Körnung 240 und danach 400 unter Wasser die Schnittkante brechen. Das entfernt die Mikrosplitter und verhindert, dass die Kante beim späteren Anfassen weiter ausbricht.
- Verstärkung und Spiegel einsetzen. Kleben Sie zuerst den Sperrholz- oder Pappzuschnitt in die Deckelhälfte, danach den Spiegel mittig darauf. Setzen Sie vier Streifen Klebeband in den Ecken plus einen in der Mitte, nicht vollflächig, dann bleibt der Spiegel demontierbar.
- Aufstellwinkel einstellen und testen. Klappen Sie die Hülle auf etwa 110 Grad und stellen Sie sie auf. Kippt sie nach hinten, kleben Sie ein Gegengewicht von 30 bis 50 Gramm, etwa eine Münzrolle, in die untere Hälfte. Prüfen Sie den Stand auf glatter und auf rutschiger Fläche.

Wie lange hält so ein Spiegel?
Hier die ehrliche Einschätzung. Ein Schminkspiegel aus einer CD-Hülle ist ein Dekorationsobjekt und ein gutes Bastelprojekt, aber kein Möbel für zehn Jahre. Polystyrol vergilbt unter UV-Licht, verliert dabei an Transparenz und wird zusätzlich spröder. Auf einem Fensterbrett in Südlage ist der Effekt nach ein bis zwei Jahren deutlich sichtbar. Die Scharnierlaschen sind das erste Bauteil, das bricht, und sie lassen sich nicht sinnvoll reparieren, weil Klebstoffe auf Polystyrol nur mäßig halten.
Dazu kommt die optische Grenze. Der Spiegel ist plan und vergrößert nicht. Für das Auftragen von Lidschatten oder Lippenstift reicht das bei gutem Licht, für Arbeiten wie das Zupfen von Augenbrauen fehlt die Vergrößerung. Wollen Sie einen Spiegel dauerhaft an der Wand haben, gelten andere Regeln, die im Beitrag zum Anbringen von Spiegeln stehen. Ein langlebiger Rahmen entsteht eher aus Holz, wie der dekorative Spiegelrahmen aus Treibholz zeigt.
MerkeWenn Sie noch alte Datenträger übrig haben, verwerten Sie die Scheiben getrennt. Die verspiegelte Seite einer CD lässt sich als Mosaik verarbeiten, wie im Beitrag zum Mosaikspiegel aus alten CDs beschrieben. Die reflektierende Schicht ist allerdings sehr dünn und blättert beim Brechen ab, deshalb schneiden Sie CDs immer mit erwärmter Klinge und nie mit der Blechschere.
Was kostet das Projekt?
Die Hülle ist kostenlos. Bezahlen müssen Sie den Spiegel mit 4 bis 12 Euro, das Spiegelklebeband mit 6 bis 10 Euro und optional Kunststoffprimer mit Acrylfarbe für 10 bis 15 Euro. Damit liegen Sie zwischen 10 und 35 Euro. Die Arbeitszeit beträgt 45 bis 90 Minuten, ohne nennenswerte Trockenzeiten, sofern Sie mit Klebeband statt mit Kleber arbeiten.
Für die Entsorgung am Ende der Lebensdauer gilt: CD-Hüllen aus Polystyrol gehören in die Wertstofftonne oder den Gelben Sack, sofern das lokale Entsorgungssystem gemischte Kunststoffe annimmt. Spiegelglas gehört nicht in den Altglascontainer, weil die Beschichtung die Glasschmelze stört, sondern zum Bauschutt oder auf den Wertstoffhof. Trennen Sie deshalb den Spiegel vor der Entsorgung von der Hülle, und genau dafür ist die punktuelle Verklebung mit fünf Klebestreifen gedacht.
