Ecken sind die am schlechtesten genutzte Fläche jeder Wohnung. Ein Eckregal soll das ändern, und optisch tut es das auch. Rechnerisch fällt die Bilanz nüchterner aus, denn ein dreieckiger Eckboden bietet nur die Hälfte der Fläche eines gleich tiefen rechteckigen Bodens. Wer das vor dem Kauf weiß, plant richtig. Wer es danach merkt, hat ein Regal, in das die Ordner nicht passen.

Warum ist die Fläche eines Eckbodens kleiner als gedacht?
Das ist reine Geometrie. Ein dreieckiger Eckboden mit zwei Schenkeln von je 40 Zentimetern hat eine Fläche von 800 Quadratzentimetern. Ein quadratischer Boden mit denselben 40 mal 40 Zentimetern hat 1.600 Quadratzentimeter. Der Eckboden sieht in der Ecke genauso groß aus, bietet aber exakt die Hälfte. Ein viertelkreisförmiger Boden mit 40 Zentimetern Radius liegt mit rund 1.257 Quadratzentimetern dazwischen, also bei knapp 79 Prozent.
| Form des Eckbodens | Maß | Fläche | Anteil an einem 40er Quadrat |
|---|---|---|---|
| Dreieck, zwei gleiche Schenkel | 40 x 40 Zentimeter | 800 Quadratzentimeter | 50 Prozent |
| Viertelkreis | Radius 40 Zentimeter | rund 1.257 Quadratzentimeter | 79 Prozent |
| L-Form, zwei Schenkel | 60 x 30 und 30 x 30 Zentimeter | 2.700 Quadratzentimeter | 169 Prozent |
| Quadrat zum Vergleich | 40 x 40 Zentimeter | 1.600 Quadratzentimeter | 100 Prozent |
Der zweite Effekt ist noch unangenehmer. Auf einem Dreiecksboden ist nur die Mitte tief. Ein Ordner mit 32 Zentimetern Tiefe passt bei einem 40er Dreieck nur direkt in der Winkelhalbierenden, links und rechts davon wird die Tiefe schnell kleiner. Praktisch stellen Sie dort ein bis zwei Ordner ab, nicht fünf. Für tiefe, rechteckige Gegenstände ist die L-Form die einzige sinnvolle Bauart, weil sie durchgehende Tiefe an beiden Schenkeln bietet.
MerkeLegen Sie vor dem Kauf ein Blatt Papier oder ein Stück Karton im geplanten Eckmaß auf den Boden und stellen Sie die Gegenstände darauf, die später ins Regal sollen. Diese fünf Minuten ersparen die Rücksendung. Besonders bei Küchen- und Büroartikeln unterschätzen die meisten, wie viel Grundfläche runde Behälter und Ordner brauchen.
Welche Maße und Traglasten sind üblich?
Bei Eckregalen findet man eine vierteilige Maßangabe, etwa 180 x 75 x 40 x 50 Zentimeter. Sie steht für Höhe, Länge des einen Schenkels, Tiefe und Länge des anderen Schenkels. Wer das nicht kennt, bestellt schnell zu groß. Messen Sie beide Wandlängen einzeln, nicht nur eine.
| Bauart | Typische Maße | Fachlast je Boden | Gesamttraglast |
|---|---|---|---|
| Dekoratives Eckwandregal | 42,5 x 26,5 x 26,5 Zentimeter, Ablagetiefe 13 Zentimeter | rund 3 Kilogramm | rund 9 Kilogramm |
| Eck-Steckregal aus Metall | 180 x 75 x 40 x 50 Zentimeter | 175 Kilogramm | 875 Kilogramm |
| Eck-Steckregal, breitere Variante | 180 x 90 x 42 x 60 Zentimeter | 175 Kilogramm | 875 Kilogramm |
| Eckregal mit HDF-Böden | 180 x 90 x 45 x 64,5 Zentimeter | 250 Kilogramm | je nach Bodenzahl |
Der Abstand zwischen den beiden Extremen ist gewaltig. Ein dekoratives Wandeckregal trägt 3 Kilogramm je Ablage, also ein paar Bilderrahmen und eine kleine Pflanze. Ein Eck-Steckregal aus Metall trägt das Fünfzigfache. Beide heißen Eckregal. Achten Sie deshalb immer auf die Fachlast je Boden, nicht auf die Gesamttraglast, denn die verteilt sich über alle Ebenen und sagt über den einzelnen Boden nichts aus.
Was tun, wenn die Ecke nicht rechtwinklig ist?
Kaum eine Zimmerecke hat exakt 90 Grad. Die DIN 18202 lässt für fertige Innenwände eine Abweichung von der Sollwinkligkeit von rund 10 Millimetern auf 1 Meter Messlänge zu, höchstens aber etwa 20 Millimeter über die gesamte Höhe. Bei einem Eckregal mit 75 Zentimetern Schenkellänge kann die Rückkante also gut 7 Millimeter von der Wand abstehen, ohne dass die Wand mangelhaft wäre. In Altbauten sind Abweichungen von mehreren Zentimetern normal.
- Winkel messen. Zeichnen Sie an beide Wände vom Eckpunkt aus je 60 Zentimeter an und messen Sie den Abstand zwischen den Endpunkten. Bei einer exakt rechtwinkligen Ecke ergibt sich nach dem Satz des Pythagoras ein Wert von rund 84,9 Zentimetern. Jede Abweichung davon zeigt den Fehler.
- Bezugslinie festlegen. Messen Sie in etwa 10 Zentimetern Abstand von der Ecke, nicht direkt in der Ecke. Dort sitzen Putzwulst, Sockelleiste und Farbnasen, die das Ergebnis verfälschen.
- Schablone anfertigen. Übertragen Sie beide Wandlinien auf einen Karton oder eine dünne Sperrholzplatte und schneiden Sie das Muster zu. Diese Schablone ist die Vorlage für den späteren Zuschnitt.
- Zuschnitt anpassen. Sägen Sie den Eckboden nach der Schablone, nicht nach dem Zollstock. An sichtbaren Kanten wird nach dem Sägen umleimt oder lackiert, sonst quillt eine Spanplatte an der offenen Kante bei Feuchtigkeit auf.
- Fuge kaschieren. Eine verbleibende Fuge von wenigen Millimetern deckt eine Viertelstableiste ab. Bei größeren Abweichungen ist es einfacher, das Regal 1 bis 2 Zentimeter kleiner zu bauen und die Fuge bewusst als Schattenfuge zu zeigen.
- Lot prüfen. Wände stehen selten senkrecht. Halten Sie eine Wasserwaage vertikal an beide Wände, bevor Sie ein hohes Eckregal bündig anzeichnen, sonst kippt es oben nach vorn.
Wie befestige ich ein Eckregal in zwei Wänden?
Ein Eckregal wird gegen zwei Wände geschraubt, und diese beiden Wände sind fast nie gleich. In Altbauten trifft die eine Bohrung auf Vollziegel, die andere auf eine leichte Trennwand. Ermitteln Sie deshalb für jede Wand einzeln den Wandaufbau, statt einen Dübeltyp für beide Löcher zu verwenden. Welcher Dübel wo hält, steht ausführlich im Beitrag zu Dübeln für die jeweilige Wandart.
Trockenbauwände sind der kritische Fall. Das Ständerwerk steht im Raster von 62,5 Zentimetern von Profilmitte zu Profilmitte, ein Ständer sitzt zwar meist in der Ecke, der nächste aber erst weit daneben. Genau dort, wo der Eckboden endet, ist oft nur Gipskarton. Hohlraumdübel tragen je nach Typ und Plattendicke rund 10 bis 70 Kilogramm, doch die Wand selbst begrenzt zusätzlich: Für einfach beplankte Montagewände werden 40 Kilogramm genannt, bei doppelter Beplankung 70 Kilogramm. Direkt im Metallprofil verschraubt liegen die Werte deutlich höher.
Zwei Wände heißen zwei Leitungsrisiken. Über Steckdosen und Schaltern verlaufen Leitungen senkrecht, waagerecht in Zonen von 15 bis 45 Zentimetern über dem Fertigfußboden und rund 15 Zentimeter unter der Decke. In der Ecke kreuzen sich diese Zonen häufig, weil Installationen dort um die Ecke geführt werden. Prüfen Sie beide Wände mit einem Leitungssuchgerät und bohren Sie nie unbesehen in eine Ecke, in der eine Dose sitzt. Trifft ein Bohrer eine 230-Volt-Leitung, ist das kein Sachschaden, sondern Lebensgefahr.

Welches Eckregal passt in welchen Raum?
- Bad: Duschecke und Waschtischecke sind die klassischen Plätze. Hier zählt Korrosionsbeständigkeit mehr als Traglast, weil selten mehr als 5 Kilogramm daraufkommen. Welches Material im Feuchtraum hält, klärt der Beitrag zu Badregalen und ihrem Material.
- Keller: Eck-Steckregale aus verzinktem Metall mit 175 Kilogramm Fachlast nutzen genau die Ecken, die sonst leer bleiben. Achten Sie auf Bodenfreiheit gegen aufsteigende Feuchte.
- Küche: Über der Arbeitsplatte reicht ein Eckboden mit 20 bis 25 Zentimetern Schenkellänge für Gewürze und Öle. Tiefer wird er zur Kopfnussfalle, weil man beim Arbeiten in der Ecke dagegenstößt.
- Wohnzimmer: Offene Eckregale wirken leicht, tragen aber wenig. Für eine Bücherreihe brauchen Sie geschlossene Seitenwangen, denn Bücher kippen auf einem freien Dreiecksboden zur schmalen Seite hin um.
- Flur: In schmalen Fluren ist eine Ecklösung oft die einzige Möglichkeit, überhaupt Ablage zu schaffen, ohne die Durchgangsbreite zu verlieren.
Ein häufiger Fehler beim Zusammenbau ist die Reihenfolge. Bauen Sie ein hohes Eckregal nicht fertig auf und schieben es dann in die Ecke, sondern montieren Sie es an Ort und Stelle. Ein aufgebautes Eckregal lässt sich nicht mehr um seine Diagonale drehen, wenn Türrahmen oder Heizkörper im Weg sind. Grundlegende Montageschritte für Wandmontagen beschreibt der Beitrag zu Wandregalen und ihrer Befestigung. Und noch eine Zahl für die Planung: Für ein Regal ab 180 Zentimetern Höhe gehört mindestens eine der beiden Wandseiten fest verschraubt, unabhängig davon, wie schwer beladen wird.
