Eigelb ist der klassische Frühstücksfleck und ein gutes Beispiel dafür, warum es beim Fleckenentfernen auf die Reihenfolge ankommt. Der Fleck besteht aus drei Dingen mit unterschiedlichen Ansprüchen, und nur eines davon ist empfindlich.
Eiweiß gerinnt oberhalb von etwa 40 Grad. Das Fett braucht Tenside. Und der gelbe Farbstoff Lutein bleicht unter Licht und Sauerstoff aus. Wer alles auf einmal angeht, fixiert das Eiweiß, bevor die anderen beiden dran waren.
Frische Eigelbflecken
- Reste abheben. Mit einem Löffelrücken oder einem stumpfen Messer abnehmen, nicht wischen.
- Kalt ausspülen, von der Rückseite durch das Gewebe, bis das Wasser klar bleibt.
- Kaltes Salzwasser oder Gallseife auftragen und einige Minuten einwirken lassen.
- Erneut kalt spülen und prüfen: Ist der gelbliche Ton weg oder nur der Belag?
- Jetzt gegen das Fett arbeiten. Ein Tropfen Spülmittel oder Gallseife, diesmal mit warmem Wasser, weil das Eiweiß bereits raus ist.
- Waschen und feucht kontrollieren, erst danach trocknen.
Kein heißes Wasser im ersten Schritt. Auch nicht, wenn der Fleck bereits eingetrocknet aussieht. Solange Eiweiß im Gewebe sitzt, macht jede Wärme den Fleck dauerhaft, und danach hilft kein Mittel mehr.
Der gelbe Rest nach dem Waschen
Bleibt nach dem Waschen ein blassgelber Schatten, ist das der Farbstoff Lutein, ein Carotinoid. Es ist fettlöslich und nicht lichtecht, was zwei Wege eröffnet.
- Sonnenlicht auf weißen Textilien: feucht in die Sonne legen, oft reicht ein Nachmittag.
- Sauerstoffbleiche als Einweichbad oder Waschgangzusatz, ebenfalls nur auf Weiß und hellen Naturfasern.
- Etwas Speiseöl als Vorbehandlung, weil sich Lutein in Fett löst, danach mit Spülmittel entfernen.
- Gallseife für bunte Textilien, dort scheiden Bleiche und Sonne aus.
Welcher Bestandteil braucht welche Behandlung?
Eigelb bringt drei Stoffe mit, und jeder folgt eigenen Regeln. Die Reihenfolge richtet sich nach dem empfindlichsten davon.
| Bestandteil | Fleckentyp | Behandlung | Temperatur |
|---|---|---|---|
| Eiweiß | eiweißhaltig | kalt ausspülen, Salzwasser, Gallseife | höchstens 40 Grad |
| Fett | fetthaltig | Spülmittel oder Gallseife | warm erlaubt, nach dem Eiweiß |
| Lutein, gelber Farbstoff | farbstoffhaltig | Sonnenlicht, Sauerstoffbleiche, etwas Öl | nur auf Weiß bleichen |
| Schwefelverbindungen | Reaktion mit Silber | Alufolie und Natron in heißem Wasser | heiß, hier unproblematisch |
Warum Eigelb Silberbesteck schwarz färbt
Ein Sonderfall, der nichts mit Textilien zu tun hat, aber jedem Osterfrühstück bekannt vorkommt: Silberlöffel werden durch Eigelb dunkel bis schwarz. Das ist kein Fleck im üblichen Sinn und auch kein Schmutz.
Eigelb enthält Schwefelverbindungen. Sie reagieren mit der Silberoberfläche zu Silbersulfid, einer dunklen Schicht, die chemisch fest mit dem Metall verbunden ist. Abwaschen bringt deshalb nichts.
- Silberputztuch oder Silberpolitur entfernt die Schicht mechanisch, trägt aber bei jedem Durchgang etwas Material ab.
- Alufolie und Natron: Das Besteck auf Alufolie in heißes Wasser mit einem Esslöffel Natron legen. Die Reaktion löst das Sulfid, ohne Silber abzutragen. Nach ein bis zwei Minuten abspülen.
- Vorbeugen ist einfacher: Eierlöffel aus Edelstahl, Horn oder Perlmutt nehmen, dort passiert nichts.
- Nicht in die Spülmaschine mit Eiresten, die Hitze beschleunigt die Reaktion.
Eigelb auf Polster, Teppich und Holz
Auf saugenden Oberflächen gilt: erst so viel wie möglich trocken abnehmen, dann mit wenig Flüssigkeit arbeiten. Ein durchnässtes Polster trocknet mit einem Rand, der schlimmer aussieht als der ursprüngliche Fleck.
Tupfen Sie die Stelle mit einem kalten, feuchten Tuch ab und wechseln Sie das Tuch mehrfach. Danach eine Natronpaste auftragen, antrocknen lassen und absaugen. Auf unbehandeltem Holz zieht Eigelb schnell ein, hier hilft nur vorsichtiges Anschleifen und Nachbehandeln mit Öl oder Wachs.
Warum der Eiweißanteil den Takt vorgibt, ordnet die Übersicht zu den vier Fleckenarten ein. Dieselbe Logik gilt bei Eiweißflecken allgemein und bei Fettflecken für den zweiten Schritt.
