Eiweißflecken sind die einzige Fleckenfamilie, bei der die falsche Temperatur den Fleck unwiderruflich macht. Alles andere lässt sich mit Geduld und einem zweiten Durchgang meist noch retten.
Der Grund ist derselbe wie in der Pfanne: Eiweiß gerinnt bei Hitze. Ab etwa 40 Grad wird das Protein fest und verhakt sich mechanisch zwischen den Fasern. Danach hilft weder Waschmittel noch Einweichen. Wer den befleckten Pullover reflexartig bei 60 Grad wäscht, hat den Fleck sicher fixiert, bevor er ihn überhaupt behandelt hat.
Welche Flecken sind eiweißhaltig?
- Ei und Eigelb aus Küche und Frühstück
- Milch, Sahne, Joghurt und Pudding
- Blut und andere Körperflüssigkeiten
- Sperma
- Kakao, der zusätzlich Fett und Farbstoff mitbringt
- Fleisch- und Fischsaft, oft übersehen bei Schürzen und Geschirrtüchern
Bei den Mischfällen gilt die strengste Regel. Kakao und Schokolade enthalten Fett und Farbstoff, würden also Wärme vertragen. Wegen des Eiweißanteils wird trotzdem kalt gearbeitet, bis dieser Anteil verschwunden ist.
Die Standardbehandlung
- Feste Reste abheben, mit einem Löffelrücken oder einem stumpfen Messer, nicht wischen.
- Von der Rückseite kalt ausspülen, bis keine Verfärbung mehr abgeht.
- Mit kaltem Salzwasser behandeln, etwa 20 Gramm Salz auf einen Liter, bei stärkeren Flecken über Nacht einweichen.
- Gallseife oder Feinwaschmittel auftragen und einige Minuten wirken lassen.
- Kalt waschen, höchstens 30 Grad.
- Feucht kontrollieren und erst dann trocknen. Ist noch ein Schatten da, den Ablauf wiederholen.
Enzyme nicht auf Wolle und Seide. Enzymhaltige Voll- und Fleckenwaschmittel bauen Eiweiß ab, und genau daraus bestehen Wolle und Seide. Auf diesen Fasern greifen sie das Material selbst an. Dort ist Gallseife mit anschließender Handwäsche die richtige Wahl.
Was bei welchem Fleck zusätzlich hilft
| Fleck | Besonderheit | Zusätzliches Mittel |
|---|---|---|
| Blut | färbt stark, gerinnt schnell | Salzlake, auf Weiß Wasserstoffperoxid |
| Ei, Eigelb | zusätzlich fetthaltig | nach dem Kaltspülen etwas Spülmittel |
| Milch, Sahne | riecht schnell säuerlich | Natron gegen den Geruch |
| Joghurt | Fett, Eiweiß und teils Frucht | Gallseife, bei Fruchtanteil Sauerstoffbleiche |
| Sperma | trocknet als heller Rand auf | kaltes Salzwasser, dann Enzymwaschmittel |
| Kakao | Eiweiß, Fett und Farbstoff | erst kalt, danach Sauerstoffbleiche auf Weiß |
Eingetrocknete Eiweißflecken
Ist ein Eiweißfleck eingetrocknet, aber nie erhitzt worden, stehen die Chancen weiterhin gut. Weichen Sie das Textil mehrere Stunden in kaltem Salzwasser ein und bearbeiten Sie die Stelle danach mit Gallseife. Zwei bis drei Durchgänge sind normal.
Wurde der Fleck dagegen bereits heiß gewaschen oder getrocknet, ist das Eiweiß geronnen. Dann bleibt nur der Versuch mit einem enzymhaltigen Fleckenmittel und viel Einwirkzeit, meist mit begrenztem Erfolg. Bei wertvollen Stücken lohnt an dieser Stelle die Textilreinigung mehr als der vierte Hausmittelversuch.
Die Systematik dahinter steht in der Übersicht zu den vier Fleckenarten. Die häufigsten Einzelfälle behandeln die Anleitungen zu Blutflecken und Milchflecken.
