Eine Etagere aus altem Geschirr ist eines der wenigen Upcycling-Projekte, bei denen der ganze Aufwand an einer einzigen Stelle hängt: dem Loch in der Mitte des Tellers. Geht das schief, ist der Teller hin. Dazu kommt eine Frage, die in Bastelanleitungen fast nie auftaucht, in der Praxis aber wichtig ist: Was steckt in der Glasur eines Tellers, dessen Herkunft Sie nicht kennen?

Wie bohren Sie Porzellan, ohne dass es reißt?
Porzellan ist ein dichter, spröder Scherben mit einer glatten Glasurschicht darüber. Zwei Dinge gehen dabei typischerweise schief. Erstens läuft der Bohrer auf der Glasur weg und hinterlässt einen Kratzer statt eines Lochs. Zweitens erhitzt sich die Bohrstelle, und der Teller reißt vom Bohrloch nach außen. Beides lässt sich vermeiden.
- Mitte anzeichnen. Legen Sie den Teller auf ein Blatt Papier, zeichnen Sie den Umriss nach, schneiden Sie den Kreis aus und falten Sie ihn zweimal. Der Schnittpunkt der Falze ist die Mitte.
- Kreppband aufkleben. Ein Stück Malerkrepp über der Markierung gibt dem Bohrer Halt und verhindert das Abrutschen auf der Glasur. Die Markierung noch einmal auf dem Band setzen.
- Teller weich betten. Legen Sie den Teller auf ein Frottiertuch über einer ebenen Fläche, mit einem Holzbrett darunter als Bohrunterlage. Kein Hohlraum unter der Bohrstelle.
- Schlagwerk ausschalten. Kontrollieren Sie das doppelt. Ein einziger Schlag zerstört den Teller.
- Schräg ansetzen. Diamantbohrer flach aufsetzen, bis er eine Rille in die Glasur geschliffen hat, dann in die Senkrechte schwenken. Niedrige Drehzahl, wenig Druck.
- Laufend kühlen. Geben Sie alle paar Sekunden ein paar Tropfen Wasser auf die Bohrstelle. Wenn es dampft, war die Drehzahl zu hoch.
- Vor dem Durchbruch entlasten. Der letzte Rest bricht bei Druck als Ausbruch auf der Rückseite weg. Druck spürbar zurücknehmen.
- Kante entgraten. Bohrung beidseitig mit einer nassen Diamantfeile brechen und den Bohrschlamm abspülen.
| Material | Bohrer | Schlagwerk | Kühlung | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Porzellan, hart gebrannt | Diamantbohrer, üblich 6 Millimeter | Aus | Wasser, laufend | Der dichteste Scherben, verlangt die meiste Geduld |
| Steingut, poröser Scherben | Diamantbohrer oder Fliesenbohrer | Aus | Wasser, laufend | Bohrt schneller, platzt aber an der Glasur leichter ab |
| Steinzeug | Diamantbohrer | Aus | Wasser, laufend | Dicker Scherben, längere Bohrzeit einplanen |
| Glasteller | Diamantbohrkrone | Aus | Wasser, dauerhaft | Unter 400 Umdrehungen pro Minute bleiben |
| Teller mit Goldrand | Diamantbohrer | Aus | Wasser, laufend | Goldrand ist Aufglasurdekor, nicht spülmaschinenfest |
Ist altes Geschirr für den direkten Lebensmittelkontakt geeignet?
Keramikglasuren können Blei und Cadmium enthalten. Die zulässige Freisetzung regelt in der EU die Richtlinie 84/500/EWG, in Deutschland umgesetzt über die Bedarfsgegenständeverordnung. Für flache Gegenstände gilt ein Wert von 0,8 Milligramm Blei je Quadratdezimeter und 0,07 Milligramm Cadmium je Quadratdezimeter. Bei füllbaren Gegenständen unter drei Litern wird stattdessen auf das Volumen bezogen, dort liegen die Werte bei 4 Milligramm Blei je Liter und 0,3 Milligramm Cadmium je Liter.
Diese Grenzwerte stammen aus dem Jahr 1984. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2020 empfohlen, sie deutlich zu senken, auf 0,01 Milligramm Blei und 0,007 Milligramm Cadmium je Quadratdezimeter. Begründet wird das mit der neueren toxikologischen Bewertung von Blei und mit der höheren Empfindlichkeit von Kindern. In einer Untersuchung von 20 Keramikproben aus dem Jahr 2022 hielten zwar alle Proben die geltenden Anforderungen ein, fünf überschritten aber die vom BfR als tolerabel angesehenen Werte.
Wie viel tatsächlich übergeht, hängt von der Qualität der Glasur ab, von der Brenntemperatur, von der Art des Dekorauftrags, vom Lebensmittel selbst und von der Kontaktdauer. Saure Lebensmittel lösen mehr heraus als neutrale. Für eine Etagere aus Flohmarktgeschirr bedeutet das: Sie können die Sicherheit nicht belegen. Kritisch sind vor allem handbemalte Dekore, Aufglasurmalerei, die sich mit dem Fingernagel ertasten lässt, und Geschirr aus Produktionen vor Inkrafttreten der heutigen Regeln.
Kein direkter Lebensmittelkontakt bei unbekannter Herkunft. Legen Sie auf die Etagerenteller Papierdeckchen, Backpapier, Cupcake-Förmchen oder eine passend zugeschnittene Glasscheibe. Das kostet nichts und löst das Problem vollständig. Verzichten Sie außerdem auf saure oder fettige Speisen im direkten Kontakt und stellen Sie das Geschirr nicht in die Spülmaschine, weil Reinigerchemie und Temperatur die Glasur zusätzlich angreifen. Wenn Sie Geschirr mit Rissen und Abplatzungen verwenden wollen, lesen Sie vorher, wie sich Risse und Abplatzungen in Keramikgeschirr reparieren lassen und was danach noch geht.
Welche Verbindung hält die Ebenen zusammen?
- Etagerenstange als Fertigteil: Der einfachste Weg. Diese Sets bestehen aus Hülsen, Gewinde und Griff und sind meist auf eine Bohrung von 6 Millimetern ausgelegt. Messen Sie das gekaufte Set nach, es gibt Abweichungen.
- Gewindestange mit Muttern: Eine Gewindestange M6 mit Hutmuttern und Unterlegscheiben funktioniert ebenfalls. Legen Sie beidseitig Filz- oder Gummischeiben unter, sonst arbeitet Metall direkt auf Glasur.
- Kerzenständer als Distanzstück: Optisch die schönste Variante, technisch die anspruchsvollste, weil die Klebefläche klein ist und die Last mittig steht.
- Kleber: Für Keramik auf Metall oder Keramik auf Keramik eignet sich ein Zweikomponenten-Epoxidkleber. Beachten Sie, dass geklebte Verbindungen bei unbekanntem Kleber nicht als lebensmittelecht gelten.
- Standfläche: Der unterste Teller trägt alles. Wählen Sie hier den größten und schwersten Teller, damit der Schwerpunkt tief liegt.
- Durchmesserabstufung: Von unten nach oben abnehmend, in Schritten von etwa 4 bis 6 Zentimetern. Bei zu geringem Unterschied kommen Sie mit der Hand nicht mehr an die untere Ebene.

Wie viel trägt die fertige Etagere?
Eine belastbare Traglastangabe gibt es für Selbstbauten nicht, und niemand sollte eine erfinden. Was Sie tun können, ist ein Belastungstest vor dem ersten Einsatz: Stellen Sie die fertige Etagere auf den Tisch und beladen Sie jede Ebene mit dem Doppelten dessen, was später darauf soll, zum Beispiel mit Mehlpaketen. Bleibt sie eine Stunde lang unverändert stehen, ist sie für den geplanten Zweck brauchbar.
Die kritische Stelle ist immer die Bohrung. Ein Riss beginnt dort und läuft radial nach außen. Prüfen Sie deshalb nach dem Bohren mit einer Lupe, ob am Lochrand feine Ausläufer sichtbar sind. Ein Teller mit sichtbarem Ausläufer wird nicht verbaut. Für die Bemessung der Ebenen hilft ein Blick auf klassische Aufbauten: Der Beitrag zum Muffinständer zeigt, welche Abstände zwischen den Ebenen bei Gebäck sinnvoll sind, und der Beitrag zum Tellerset erklärt die üblichen Tellerdurchmesser, an denen Sie sich beim Kombinieren orientieren können.
MerkeBohren Sie immer von der Oberseite, also von der Schauseite her. Der Ausbruch entsteht auf der Austrittsseite, und den sehen Sie an der Unterseite später nicht. Wer umgekehrt arbeitet, hat die Absplitterung genau dort, wo sie auffällt.
Wie reinigen und lagern Sie die Etagere?
Von Hand spülen, lauwarm, mit mildem Spülmittel und weichem Tuch. Keine Spülmaschine, kein Scheuerpulver, keine Stahlwolle. Das gilt doppelt für Teller mit Goldrand oder Aufglasurdekor, weil diese Dekore nur oberflächlich aufgebrannt sind und durch Reiniger und Temperatur abgetragen werden. Trocknen Sie die Metallteile sofort ab, damit sich an der Bohrung kein Rostrand bildet.
Zerlegen Sie die Etagere für die Lagerung und legen Sie zwischen die Teller je ein Stück Filz oder Küchenpapier. Gestapeltes Geschirr mit Bohrung ist an der Lochkante empfindlicher als heiles Geschirr. Ein letzter praktischer Punkt: Notieren Sie sich die Reihenfolge und die Ausrichtung der Teller mit einem Bleistiftstrich auf der Unterseite. Beim zweiten Aufbau nach einem halben Jahr wissen Sie sonst nicht mehr, welche Hülse in welches Loch gehörte, und probieren so lange, bis eine Kante abplatzt.
