Rohre und Fittings ergeben einen stabilen, schnell gebauten Gitarrenhalter, und die Optik passt zu vielen Wohnräumen. Anders als bei einem Regal ist hier aber das Aufgelegte empfindlich und teuer. Deshalb geht es in diesem Beitrag weniger um den Rohrzuschnitt als um drei Fragen: Wo darf das Instrument aufliegen, womit wird die Auflage gepolstert, und was hält die Wand aus.

Warum greift Gummi den Gitarrenlack an?
Viele hochwertige Gitarren, besonders ältere und nachgebaute Modelle, tragen Nitrocellulose-Lack. Dieser Lack härtet nie vollständig aus. Er bleibt über Jahre chemisch reaktiv und reagiert mit einer Reihe alltäglicher Stoffe, allen voran mit Weichmachern. Weichmacher stecken in fast allem, was weich und flexibel ist: in Gummi, in PVC, in vielen Schaumstoffen, in Kunstleder.
Was dabei passiert, reicht von einem sichtbaren Abdruck über matte Stellen bis zu tiefer Verfärbung und angelöstem Lack. Wärme, UV-Licht und Handschweiß beschleunigen die Reaktion. Der Schaden entsteht nicht in Minuten, sondern über Wochen an der Stelle, an der die Auflage dauerhaft anliegt, also genau dort, wo das Instrument im Halter ruht.
Für den Selbstbau folgt daraus eine unbequeme Materialfrage. PVC-Rohr ist als Baumaterial verlockend, weil es leicht und einfach zu bearbeiten ist. Weich-PVC enthält aber genau die Weichmacher, um die es geht. Verwenden Sie deshalb entweder Metallrohr oder sorgen Sie dafür, dass zwischen Kunststoff und Lack eine neutrale Zwischenlage liegt.
Kein Kunststoff und kein Gummi direkt am Lack. Wickeln Sie die Auflageflächen mit ungefärbter Baumwolle, mit Filz oder mit dicht gewickeltem Hanfseil. Gefärbte Stoffe scheiden aus, weil Farbstoffe bei Feuchtigkeit auf den Lack übergehen können. Wenn Sie eine vorhandene Gummiauflage verwenden, überziehen Sie sie vollständig mit Baumwollstoff, sodass an keiner Stelle Gummi den Lack berührt. Wenn Sie nicht wissen, welchen Lack Ihre Gitarre trägt, gehen Sie vom empfindlicheren Fall aus. Polyurethan- und Polyesterlacke sind unempfindlicher, aber der Aufwand für die sichere Variante ist gering.
Wo darf die Gitarre aufliegen?
Ein Wandhalter trägt das Instrument an der Kopfplatte. Das Gewicht ruht dabei auf der Rückseite der Kopfplatte, unmittelbar oberhalb des Sattels, und die seitlichen Arme verhindern nur das Herauskippen. Sie sollen den Hals nicht einklemmen. Ein Halter, der den Hals seitlich unter Druck setzt, erzeugt an genau diesen Punkten Abdrücke und im ungünstigen Fall dauerhafte Spuren im Griffbrettrand.
| Bauteil des Halters | Kontaktstelle am Instrument | Anforderung | Häufiger Fehler |
|---|---|---|---|
| Auflagebügel | Rückseite der Kopfplatte | Trägt das gesamte Gewicht, breit und weich gepolstert | Zu schmal, dadurch punktuelle Belastung |
| Seitliche Arme | Halsseiten unterhalb der Kopfplatte | Führen nur, kein seitlicher Druck | Zu eng gebaut, klemmt den Hals ein |
| Rückwand oder Platte | Meist kein Kontakt | Abstand zur Wand, damit nichts scheuert | Korpus schlägt beim Einhängen an die Wand |
| Polsterung | Alle Kontaktflächen | Ungefärbte Baumwolle, Filz oder Hanfseil | Gummischlauch oder Schaumstoff direkt am Lack |
| Befestigung | Kein Kontakt | Auf Ständer oder mit Hohlraumdübeln, Hebelarm einrechnen | Kurze Schraube ohne Dübel in Gipskarton |
Die Halsbreite ist dabei kein Standardmaß. Am Sattel liegen übliche E-Gitarren zwischen etwa 41 und 43 Millimetern, Westerngitarren bei etwa 43 Millimetern, klassische Konzertgitarren bei etwa 50 bis 52 Millimetern. Messen Sie an Ihrem Instrument nach und geben Sie an jeder Seite mindestens 5 Millimeter Luft dazu. Ein Halter, der für die Konzertgitarre gebaut ist, hält auch die E-Gitarre, umgekehrt nicht.
Was muss die Wandbefestigung tragen?
Das Eigengewicht ist überschaubar. Eine Westerngitarre wiegt oft rund 2 Kilogramm, eine massive E-Gitarre je nach Holz 3 bis 4,5 Kilogramm. Die Belastung der Befestigung ist trotzdem deutlich höher, und zwar wegen des Hebels. Ein Wandhalter kragt typischerweise 10 bis 15 Zentimeter aus. Je größer dieser Abstand, desto stärker wirkt die Last als Kippmoment auf die obere Schraube, und desto geringer wird die zulässige Belastung des Dübels.
- Untergrund bestimmen. Klopfen Sie ab. Klingt es hohl, ist es eine Ständerwand. Suchen Sie mit einem Leitungssucher zusätzlich nach Kabeln und Rohren, bevor Sie bohren.
- In den Ständer schrauben. Bei Trockenbauwänden ist die Befestigung im Holz- oder Metallständer die belastbarste Lösung. Die Ständer stehen üblicherweise in Abständen von 62,5 oder 60 Zentimetern.
- Hohlraumdübel wählen, wenn kein Ständer erreichbar ist. Metall-Hohlraumdübel tragen in einlagigem Gipskarton etwa 30 Kilogramm, bei zweilagiger Beplankung etwa 50 Kilogramm. Diese Werte gelten für wandnahe Lasten und sinken mit zunehmendem Abstand von der Wand. Welche Bauart wohin gehört, klärt der Beitrag darüber, welchen Dübel für welche Wand Sie brauchen.
- Zwei Befestigungspunkte übereinander setzen. Der obere Punkt nimmt die Zuglast auf, der untere stützt gegen die Wand. Ein einzelner Punkt lässt den Halter kippen.
- Rohrkonstruktion trocken aufbauen. Stecken Sie den Halter zunächst ohne Kleber zusammen und hängen Sie die Gitarre probeweise ein, mit einer Hand am Korpus. Prüfen Sie, ob der Hals frei liegt und der Korpus nirgends anschlägt.
- Polstern. Wickeln Sie alle Kontaktflächen, bevor Sie das Instrument endgültig aufhängen. Sichern Sie die Wicklung mit Baumwollgarn statt mit Klebeband, weil Kleber am Lack ebenfalls Spuren hinterlassen kann.
- Belastungsprobe. Ziehen Sie am fertig montierten Halter mit deutlich mehr Kraft nach unten, als das Instrument wiegt. Machen Sie das, bevor die Gitarre daran hängt.
- Höhe festlegen. Hängen Sie so hoch, dass der Korpus mindestens 20 Zentimeter über dem Boden endet. Sonst stößt jeder Staubsauger dagegen.
MerkeFür ein wertvolles Instrument ist eine Wandhalterung nicht immer die richtige Lösung. Ein Ständer lässt sich verschieben, verursacht keine Bohrlöcher und hält das Instrument weiter vom Heizkörper entfernt, wenn nötig. Welche Bauarten es gibt und wo ihre Grenzen liegen, ordnet der Beitrag zum Gitarrenständer ein. Dieselbe Rohrbauweise mit Fittings zeigt in tragender Ausführung das Schuhregal aus Rohren.
Ist die Wand überhaupt der richtige Ort für die Gitarre?
Holz ist hygroskopisch, es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab. Für Wohnräume bei etwa 20 Grad Celsius werden rund 45 bis 55 Prozent relative Luftfeuchte als günstiger Bereich genannt. Das ist der eigentliche Punkt bei der Instrumentenaufbewahrung, und er wird von jeder Halterdiskussion überlagert.
- Zu trocken: Das Holz gibt Feuchte ab und schrumpft. Es entstehen Risse entlang der Maserung der Decke, typisch in der Heizperiode und im Sommer bei laufender Klimaanlage.
- Zu feucht: Das Holz quillt. Die vom Zargenkranz begrenzte Decke wölbt sich nach oben, im Extremfall lösen sich Beleistung und Steg.
- Heizkörper: Hängen Sie nicht über oder direkt neben einem Heizkörper. Die aufsteigende trockene Warmluft trifft dort dauerhaft auf das Instrument.
- Außenwand: Eine schlecht gedämmte Außenwand ist im Winter kälter als der Raum. Das kann dort zu höherer Feuchte und im ungünstigen Fall zu Schimmelbildung führen.
- Fenster: Direkte Sonne bleicht Lack aus und heizt den Korpus auf. UV-Licht verstärkt außerdem die Reaktion zwischen Weichmachern und Nitrolack.
- Hygrometer: Ein Hygrometer im Raum kostet wenig und ist die einzige Möglichkeit, den Zustand tatsächlich zu kennen statt zu schätzen.
- Koffer: Für längere Pausen und für empfindliche Akustikinstrumente bleibt der Koffer die sicherste Aufbewahrung, gegebenenfalls mit einem Befeuchter.
Welche Rohre eignen sich?
Stahl- und Kupferrohre sind formstabil und weichmacherfrei. Kupferrohr nach DIN EN 1057 in 15 mal 1,0 oder 22 mal 1,0 Millimeter lässt sich mit Standardfittings verbinden und ist für die Auflagearme ausreichend steif. Verzinktes Stahlrohr mit Gewindefittings ist noch stabiler und optisch kräftiger, aber schwerer und teurer.
Wenn Sie Kunststoffrohr verwenden, wählen Sie ein hartes Rohr und legen Sie die Wicklung so an, dass an keiner Stelle Kunststoff den Lack berührt. Beachten Sie, dass Kunststoffrohr unter dauernder Last kriecht, sich also über Monate langsam verformt. Bei einer Auskragung von 15 Zentimetern und einem 4 Kilogramm schweren Instrument ist das ein realer Effekt, kein theoretischer.
Entgraten Sie alle Rohrenden. Ein Grat unter der Baumwollwicklung drückt sich mit der Zeit durch den Stoff und hinterlässt genau die Spur im Lack, die Sie vermeiden wollten.
