Der alte Lederkoffer an der Wand ist ein beliebtes Upcyclingmotiv, und er funktioniert auch, wenn man einen Punkt beachtet. Ein Koffer ist als Behälter gebaut, den man trägt und abstellt. Die Kräfte laufen dabei über den Griff und über den Boden. An der Wand kehrt sich das um: Jetzt zieht das Gewicht die Rückseite des Koffers von der Befestigung weg, und genau diese Rückseite ist bei den meisten Koffern das dünnste Bauteil. Wer direkt hindurchschraubt, bekommt nach ein paar Wochen einen Riss und irgendwann den Koffer auf dem Boden.
Welcher Koffer taugt als Wandschrank?
Entscheidend ist, ob im Koffer eine Struktur steckt, in die sich schrauben lässt. Alte Reisekoffer aus den 1930er bis 1950er Jahren haben oft einen umlaufenden Rahmen aus Buchen- oder Fichtenleisten mit 15 bis 20 Millimetern Stärke, über den Leder, Vulkanfiber oder beschichtete Pappe gespannt ist. Diese Koffer sind die beste Wahl. Nachkriegskoffer aus reiner Vulkanfiber ohne Holzrahmen sind leichter, aber schraubuntauglich. Hartschalenkoffer aus ABS oder Polypropylen aus den 1980er Jahren und später bestehen aus 2 bis 3 Millimeter dünnen Schalen, die unter Schraubenkopfdruck brechen.
| Koffertyp | Typische Bauart | Eignung als Hängeschrank | Was zusätzlich nötig ist |
|---|---|---|---|
| Vorkriegskoffer mit Holzrahmen | Leisten 15 bis 20 Millimeter, bespannt | Gut | Innenkasten empfohlen, Rahmen allein reicht für leichte Deko |
| Vulkanfiberkoffer ohne Rahmen | Gepresste Faserplatte, 2 bis 4 Millimeter | Nur mit Innenkasten | Multiplexkasten 12 Millimeter, vollflächig verklebt |
| Lederkoffer über Pappkern | Pappe, mit Leder überzogen | Nur mit Innenkasten | Zusätzlich Ecken innen mit Winkeln verstärken |
| Hartschale aus ABS oder Polypropylen | Tiefgezogene Schale, 2 bis 3 Millimeter | Schlecht | Schraubhalt fehlt, Kunststoff bricht spröde |
| Aluminiumkoffer | Rahmenprofil mit Blechfüllung | Gut | Durchgangsschrauben mit großen Unterlegscheiben |
| Alte Truhe aus Massivholz | Bretter 12 bis 20 Millimeter | Sehr gut | Nur Aufhängung, oft aber hohes Eigengewicht |
Warum braucht der Koffer einen Innenkasten?
Der Innenkasten verwandelt einen Behälter in ein Möbel. Sie bauen dafür aus Multiplex mit 12 bis 15 Millimetern Stärke eine offene Kiste, die exakt in die Kofferunterschale passt, und verkleben sie vollflächig mit dem Kofferboden. Ab diesem Moment laufen alle Kräfte über das Multiplex und nicht mehr über Pappe oder Leder. Der Kasten übernimmt drei Aufgaben gleichzeitig: Er gibt Schraubhalt für die Wandbefestigung, er nimmt Einlegeböden auf, und er verhindert, dass sich der weiche Koffer unter Last bauchig verzieht.
Für die Wandseite gibt es zwei bewährte Lösungen. Die erste ist eine Keilleiste, auch French Cleat genannt: Eine Leiste mit 20 Millimetern Stärke wird längs im Winkel von 45 Grad aufgetrennt, eine Hälfte kommt an die Wand, die andere oben in den Innenkasten. Der Koffer hängt sich beim Aufsetzen selbst ein. Die zweite Lösung sind zwei Durchgangsschrauben mit 5 mal 70 Millimetern durch die Rückwand des Innenkastens in Dübel, ergänzt um breite Unterlegscheiben. Bei beiden Varianten gilt: Die Schraube geht durch Multiplex und Koffer, nicht durch den Koffer allein.
Nicht durch die bespannte Kofferschale schrauben. Pappkerne, Vulkanfiber und dünne Kunststoffschalen haben unter Zug fast keine Festigkeit. Eine Schraube reißt entweder sofort aus oder arbeitet sich über Wochen langsam durch das Material, bis der Koffer herunterfällt. Über einem Bett, einem Schreibtisch, einer Wickelkommode oder einem Sitzplatz gilt zusätzlich: Bauen Sie dort keinen Kofferschrank ein, wenn Sie die Befestigung nicht sicher beurteilen können. Ein herunterfallender Koffer mit 8 Kilogramm Inhalt trifft aus 1,60 Meter Höhe mit erheblicher Wucht auf.
Material- und Maßliste
- Koffer: Außenmaß etwa 65 mal 45 mal 20 Zentimeter, Eigengewicht 2 bis 4 Kilogramm, mit Holzrahmen oder ausreichend fester Schale.
- Innenkasten: Multiplex Birke, 12 bis 15 Millimeter stark, Zuschnitt auf Innenmaß minus 2 Millimeter Luft je Seite, also etwa 61 mal 41 Zentimeter bei obigem Koffer.
- Einlegeboden: 1 Brett Multiplex 12 Millimeter, Länge gleich Kasteninnenbreite, aufgelegt auf zwei Leisten 20 mal 20 Millimeter.
- Aufhängung: 1 Keilleiste 20 Millimeter stark und 8 Zentimeter hoch, im 45-Grad-Winkel längs aufgetrennt, Länge gleich Kasteninnenbreite.
- Schrauben: 12 Stück 4 mal 30 Millimeter für den Kastenbau, 4 Stück 4 mal 25 Millimeter für die Keilleiste, 2 Stück 5 mal 70 Millimeter plus passende Dübel für die Wand.
- Kleber: Konstruktionskleber oder Polyurethanleim für die Verbindung Multiplex zu Kofferboden, Presszeit mindestens 6 Stunden.
- Deckelsicherung: 1 Klappenhalter oder 1 Lederriemen und 2 Ösen, damit der geöffnete Deckel nicht durchschlägt.
- Werkzeug: Stichsäge oder Handkreissäge, Akkuschrauber, Bohrmaschine, Wasserwaage mit 60 Zentimetern, Leitungssucher, Schraubzwingen.
Bauanleitung in neun Schritten
- Koffer reinigen und trocknen. Wischen Sie das Innenfutter mit einer milden Seifenlösung ab und lassen Sie den Koffer mindestens 48 Stunden offen an einem trockenen Ort stehen. Muffiger Geruch weist auf Schimmel im Futter hin, dann muss das Futter heraus.
- Beschläge prüfen. Ziehen Sie am Deckel und beobachten Sie die Scharniere. Alte Nietscharniere sind für das Öffnen im Liegen gebaut, nicht für hängende Dauerlast, und müssen bei Ausrissspuren durch Klavierband ersetzt werden.
- Innenmaße nehmen. Messen Sie Breite, Tiefe und Höhe der Kofferunterschale an drei Stellen. Alte Koffer sind selten rechtwinklig, deshalb zählt das kleinste gemessene Maß.
- Innenkasten zuschneiden und verschrauben. Sägen Sie Boden, zwei Seiten und die Rückwand aus Multiplex und verschrauben Sie sie mit Schrauben 4 mal 30 Millimeter. Bohren Sie mit 2,5 Millimetern vor, sonst spaltet die Deckfurnierlage.
- Kasten einkleben. Tragen Sie Konstruktionskleber vollflächig auf den Kofferboden auf, setzen Sie den Kasten ein und beschweren Sie ihn mit 10 bis 15 Kilogramm für mindestens 6 Stunden. Der Klebefilm überträgt später die Last, nicht die Schrauben.
- Keilleiste montieren. Schrauben Sie die eine Hälfte der 45-Grad-Leiste mit der Schräge nach oben und außen an die Kastenrückwand, bündig unter die Oberkante. Die zweite Hälfte kommt spiegelbildlich an die Wand.
- Einlegeboden einbauen. Leimen Sie zwei Auflageleisten mit 20 mal 20 Millimetern auf halber Höhe in den Kasten und legen Sie das Brett auf. Nicht verschrauben, dann bleibt der Boden herausnehmbar.
- Wandbefestigung setzen. Wandhälfte der Keilleiste mit der Wasserwaage ausrichten, Bohrlöcher anzeichnen, mit dem Leitungssucher auf Strom- und Wasserleitungen prüfen, Dübel passend zur Wand setzen und die Leiste mit zwei Schrauben 5 mal 70 Millimeter befestigen.
- Einhängen, sichern, belasten. Koffer aufsetzen und die Position kontrollieren. Sichern Sie den Deckel mit einem Klappenhalter oder Lederriemen, damit er beim Öffnen nicht ganz durchschlägt. Beladen Sie erst danach, schrittweise, und beobachten Sie die Klebefuge.
Wie viel darf hinein und wo liegt die Grenze?
Planen Sie mit 5 bis 10 Kilogramm Gesamtgewicht inklusive Koffer und Innenkasten. Für Tücher, Schals, Bettwäsche, Handtücher oder leichte Deko ist das reichlich. Nicht hineingehören Bücher, Werkzeug, Konserven und Flaschen. Ein Regalmeter Taschenbücher wiegt bereits 20 bis 25 Kilogramm, und diese Last überfordert jede Kofferkonstruktion, unabhängig von der Wandbefestigung.
Der Grund liegt nicht im Dübel. Ein fachgerecht gesetzter Dübel in Vollziegel hält deutlich mehr, als ein Koffer je aufnehmen kann. Die Grenze setzt die Klebefuge zwischen Multiplexkasten und Kofferboden sowie das Material des Koffers selbst. Wer echten Stauraum an der Wand braucht, baut einen richtigen Korpus. Die Grundlagen dafür stehen in der Anleitung zum Anbringen von Hängeschränken in der Küche, wo mit Aufhängebeschlägen und Wandschiene gearbeitet wird. Für leichte Deko-Objekte ist dagegen die Vorgehensweise aus dem Beitrag dazu, wie Sie ein Wandboard für Deko-Elemente installieren, direkt übertragbar.
MerkeDer Bohrmodus ist wichtiger als die Dübelmarke. In Lochziegel, Hohlblockstein und Porenbeton darf nur drehend gebohrt werden, weil der Schlag die Stege im Stein zerstört und der Dübel dann in einem ausgefransten Loch sitzt. Welcher Dübeltyp zu welchem Untergrund passt, steht im Beitrag Welchen Dübel für welche Wand.
Was ist mit alten Anstrichen und Schadstoffen?
Bei lackierten Holzkoffern und Truhen aus der Zeit vor 1990 sollten Sie den Anstrich als möglicherweise bleihaltig behandeln. Ein vollständiges Verbot bleihaltiger Beschichtungen gilt in Deutschland erst seit 1989. Beim trockenen Abschleifen entstehen bleihaltige Stäube, die Nerven und Nieren schädigen und für Kinder und Schwangere besonders riskant sind. Verwenden Sie einen Bleitest aus dem Baumarkt oder verzichten Sie schlicht auf das Schleifen und streichen Sie mit Haftgrund darüber.
Ein zweiter Punkt betrifft das Innenfutter. Alte Koffer wurden häufig mit Mottenmitteln behandelt, und in feucht gelagerten Stücken sitzt Schimmel in der Kaschierung. Riecht der Koffer nach dem Lüften weiterhin muffig, entfernen Sie das Futter vollständig und ersetzen Sie es durch neuen Stoff. Die Materialkosten liegen insgesamt bei 35 bis 80 Euro, die Arbeitszeit bei 4 bis 6 Stunden zuzüglich 6 Stunden Presszeit für den Kleber.
