In den meisten Haushalten steht genau eine Sprühdose im Schrank, und sie wird für alles benutzt: quietschende Tür, klemmendes Schloss, festsitzende Schraube, hakende Fensterrolle. Das funktioniert bei etwa der Hälfte dieser Fälle, bei der anderen Hälfte macht es den Zustand nach einigen Wochen schlechter als vorher. Der Grund liegt in einer Verwechslung, die fast alle machen.

Warum ist Kriechöl kein Schmiermittel?
Ein Kriechöl ist so eingestellt, dass es eine sehr niedrige Oberflächenspannung hat und in feinste Spalten eindringt. Genau das braucht es, um zwischen Schraubengewinde und Mutter zu gelangen, Rost zu unterwandern und Wasser von der Metalloberfläche zu verdrängen. Der Preis dafür ist die Zusammensetzung: Ein großer Anteil sind flüchtige Bestandteile, die nach dem Auftrag verdunsten. Zurück bleibt ein dünner Film, der nur wenig Last trägt.
Problematisch wird es an Stellen, an denen bereits Fett sitzt. Kriechöl löst dieses Fett an und spült es aus dem Lager oder dem Gelenk heraus. Kurzfristig läuft alles besser, weil das Bauteil frei wird. Nach einigen Wochen ist das Öl verdunstet, das Fett ist weg, und die Stelle läuft trockener als vorher. Bei Fahrradnaben, Rollenlagern, Motorlagern von Haushaltsgeräten und Möbelbeschlägen ist das der klassische Verlauf.
Dazu kommt die Neigung mancher Öle zum Verharzen. Reste, die nicht verdunsten und Sauerstoff ausgesetzt sind, oxidieren mit der Zeit zu einer klebrigen, später zähen Schicht. Ein Schloss, das mit ölhaltigem Spray behandelt wurde, geht danach oft ein halbes Jahr besser und dann schlechter, weil das Öl mit Staub eine Paste bildet. Für Schließzylinder ist deshalb Graphitpulver oder ein ausdrücklich als Schlossöl deklariertes Mittel vorgesehen.
| Mittel | Wirkprinzip | Richtig eingesetzt bei | Falsch eingesetzt bei | Standzeit |
|---|---|---|---|---|
| Kriechöl | löst Rost, verdrängt Wasser, kriecht in Spalten | festsitzende Schrauben, feuchte Elektrikstecker, Rostlösen | Dauerschmierung, gefettete Lager, Fahrradkette | Tage bis wenige Wochen |
| Universalöl | bleibt als Ölfilm stehen, schmiert und schützt | Scharniere, Gelenke, Werkzeug, Metall gegen Rost | starke Verrostung lösen, Gummiteile | Wochen bis Monate |
| Silikonspray | mineralölfreier Gleitfilm auf Silikonbasis | Gummidichtungen, Kunststoffschienen, Fensterläufe | hoch belastete Metalllager, Flächen die lackiert werden sollen | Wochen |
| Schmierfett | zähe Konsistenz, bleibt unter Last am Ort | Wälzlager, Gewindespindeln, Türbänder mit Last | enge Spalten, feine Mechanik, Schließzylinder | Monate bis Jahre |
| H1-Schmierstoff | wie Öl oder Fett, aber für Lebensmittelkontakt zugelassen | Küchenmaschine, Fleischwolf, Getreidemühle | als Ersatz für technische Schmierstoffe unter hoher Last | je nach Bauart |
Welches Mittel nehmen Sie für welche Aufgabe?
- Festgerostete Schraube: Kriechöl aufsprühen, mindestens 15 Minuten einwirken lassen, bei starker Korrosion mehrfach nachsprühen. Zeit ersetzt hier Kraft.
- Quietschendes Türband: Universalöl oder ein zähes Fett direkt in den Bandspalt. Ein Tropfen genügt, überschüssiges Mittel läuft an der Zarge herunter und zieht Staub an.
- Schwergängiger Schließzylinder: Kein ölhaltiges Spray. Graphitpulver oder ein ausdrücklich für Schließzylinder deklariertes Mittel, sonst verkleben die Zuhaltungen mit Staub.
- Gummidichtung an Auto, Kühlschrank oder Haustür: Silikonspray oder Silikonfett. Mineralöl kann Naturkautschuk und einige Elastomere quellen lassen und weich machen.
- Fenster- und Schiebetürlauf aus Kunststoff: Silikonspray, dünn auf ein Tuch geben und aufwischen statt einsprühen. Sonst tropft es auf den Boden und wird zur Rutschstelle.
- Fahrradkette: Kettenöl, nicht Kriechöl. Kriechöl spült das vorhandene Schmiermittel aus den Rollen und die Kette läuft danach trocken.
- Werkzeug vor Rost schützen: Dünner Film Universalöl auf blanke Flächen, überschüssiges Öl abwischen. Bei isolierten Griffen kein Öl auf die Isolierung geben.
Wenn eine Verbindung trotz Kriechöl und Werkzeug nicht aufgeht, liegt das Problem oft am Ansetzen und nicht am Mittel. Welche Nussform in solchen Fällen greift und wann der Schraubenkopf verloren ist, ordnet der Beitrag zum Knarrenkasten ein. Rost, der bereits an anderen Stellen sichtbar geworden ist, behandeln Sie besser nach den Regeln für Rostflecken und nicht mit Öl allein.
An Bremsen gehört niemals Öl. Das gilt für Fahrrad, Auto und Motorrad gleichermaßen. Ein Bremsbelag ist ein poröser Werkstoff, der Öl aufsaugt und es unter Wärme wieder abgibt. Ausgewaschen bekommen Sie ihn nicht. Trifft Kriechöl oder Silikonspray die Scheibe oder den Belag, bleibt nur der Austausch des Belags und eine gründliche Reinigung der Scheibe mit Bremsenreiniger. Bis dahin ist die Bremswirkung unberechenbar. Sprühen Sie deshalb nie im Umfeld von Bremsscheiben, und decken Sie sie ab, wenn Sie in der Nähe arbeiten. Bei hydraulischen Bremsanlagen am Fahrzeug ist die Werkstatt zuständig, sobald Öl an die Reibflächen gelangt ist.
Wie ölen Sie richtig, ohne Schaden anzurichten?
- Ursache klären. Quietscht es wegen Trockenheit, oder ist ein Bauteil verschlissen und schlägt? Öl übertüncht Verschleiß nur kurz.
- Stelle reinigen. Staub, altes verharztes Fett und Späne entfernen. Frisches Öl auf altem Dreck bindet den Dreck, statt ihn zu ersetzen.
- Richtiges Mittel wählen. Kriechöl zum Lösen, Universalöl oder Fett zum Schmieren, Silikon an Gummi und Kunststoff.
- Sparsam auftragen. Nicht in die Luft sprühen, sondern mit Sprührohr gezielt an die Stelle oder auf ein Tuch geben. Ein Tropfen an der richtigen Stelle schlägt eine halbe Dose daneben.
- Bewegen lassen. Das Bauteil mehrfach durchbewegen, damit sich der Film verteilt.
- Überschuss abwischen. Alles, was heraussteht, zieht Staub an und tropft. Besonders wichtig über Teppich und Parkett.
- Umgebung schützen. Bremsen, Riemenscheiben, Elektrokontakte und Lackflächen abdecken. Auf glatten Böden entsteht sofort eine Rutschgefahr.
- Lüften. Sprays enthalten Lösemittel. Fenster auf, keine offene Flamme, keine Zündquelle in der Nähe, Herstellerhinweise auf der Dose beachten.
Welches Öl darf an Küchengeräte?
Sobald ein geschmiertes Bauteil mit Lebensmitteln in Berührung kommen kann, gelten andere Regeln. Für diesen Fall gibt es H1-Schmierstoffe, registriert nach der Klassifizierung der National Sanitation Foundation. Sie sind für gelegentlichen, technisch unvermeidbaren Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen und dürfen nur aus Bestandteilen der zugehörigen Positivliste hergestellt werden. Die Herstellung selbst kann zusätzlich nach ISO 21469 zertifiziert sein.
Für den Haushalt heißt das in der Praxis: An die Schnecke eines Fleischwolfs, an die Getriebeausgänge einer Küchenmaschine, an eine Getreidemühle oder an eine Nudelmaschine gehört ein Produkt mit ausdrücklicher H1-Angabe. Motorenöl, Kriechöl und technisches Nähmaschinenöl gehören dort nicht hin, unabhängig davon, wie klein die Menge ist. Speiseöl ist ebenfalls keine dauerhafte Lösung, weil pflanzliche Öle mit der Zeit oxidieren, ranzig werden und verharzen.
MerkePrüfen Sie vor dem Schmieren die Bedienungsanleitung des Geräts. Viele Küchenmaschinen, Waschmaschinen und Trockner haben lebenslang gefettete, gekapselte Lager, die nicht nachgeschmiert werden sollen. Öl von außen gelangt dort nicht an die Reibstelle, sondern kriecht an der Dichtung entlang nach innen und verdünnt genau das Fett, das noch wirkt. Wenn ein Gerät mit Netzanschluss laut wird, öffnen Sie es nicht bei eingesteckter Leitung, und lassen Sie Arbeiten an der Elektrik von einem Fachbetrieb ausführen.
Wie lagern Sie Sprays und Öle sicher?
Sprühdosen stehen unter Druck und enthalten in der Regel brennbare Treibmittel. Sie gehören nicht in die Nähe von Heizkörpern, nicht in ein Auto, das im Sommer in der Sonne steht, und nicht in den Bereich über einem Herd. Auf den meisten Dosen steht als Grenze eine Lagertemperatur von 50 Grad Celsius. Darüber steigt der Innendruck so weit, dass die Dose bersten kann.
Ölgetränkte Lappen sind der zweite unterschätzte Punkt. Zusammengeknüllt kann sich ein mit oxidierendem Öl getränktes Tuch selbst erwärmen; sicher ist es, den Lappen einzeln flach ausgebreitet trocknen zu lassen oder ihn in einem geschlossenen Metallbehälter zu sammeln. Beschriften Sie außerdem umgefüllte Ölkännchen. Ein unbeschriftetes Fläschchen mit klarer Flüssigkeit im Küchenschrank ist die häufigste Ursache dafür, dass technisches Öl an einer Stelle landet, an der es nichts zu suchen hat. Wenn eine Tür trotz Schmierung weiter knarzt, liegt es meist nicht am Band, sondern an der Bodenkonstruktion; dafür gelten die Regeln gegen Quietschgeräusche in Holzböden.
