Die Idee klingt harmlos: Man nimmt einen Schuhkarton, schneidet zwei Löcher hinein, stellt die Steckdosenleiste hinein und klappt den Deckel zu. Das Kabelchaos ist verschwunden. Genau davor warnen aber die Brandschutzstellen, und die Begründung ist mechanisch simpel. Deshalb wird dieser Beitrag anders enden, als der Titel vermuten lässt.

Warum ist die Pappbox um die Steckdosenleiste gefährlich?
Drei Faktoren treffen zusammen, und jeder für sich wäre schon ungünstig.
Erstens die Wärme. Jede Steckdosenleiste erwärmt sich im Betrieb, an den Kontaktstellen und an den Steckern. Netzteile geben zusätzlich Verlustwärme ab. In einem geschlossenen Karton kann diese Wärme nicht abfließen, die Temperatur im Inneren steigt, und ein bereits leicht lockerer Kontakt wird dadurch heißer. Das Innenministerium Baden-Württemberg formuliert es in seinen Feuerwehrtipps direkt: Die Leiste darf im Betrieb nicht abgedeckt sein und nicht in einem Karton oder hinter Möbeln verschwinden.
Zweitens das Material. Pappe zählt bauaufsichtlich zu den normal entflammbaren Stoffen und liefert im Zündfall sofort Brandlast, die einen Schwelbrand weitertragen kann. Gekaufte Kabelboxen bestehen deshalb aus schwer entflammbarem Kunststoff oder aus Metall und haben Lüftungsschlitze in Boden und Seitenwänden. Beides sind konstruktive Eigenschaften, die eine Pappschachtel prinzipbedingt nicht hat.
Drittens der Staub. In einem geschlossenen Karton sammelt sich mit der Zeit Faserstaub aus der Pappe selbst und Hausstaub aus der Umgebung. Staub in Kontaktbereichen ist ein bekannter Beschleuniger, weil er sich bei hoher Temperatur zersetzt und leitfähig werden kann. Weder sehen noch reinigen Sie diesen Staub, solange der Deckel zu ist.
Diese Bauidee wird hier nicht empfohlen. Eine eingeschaltete Mehrfachsteckdose gehört nicht in einen geschlossenen Karton aus Pappe. Wenn Sie eine Steckdosenleiste verdecken wollen, verwenden Sie eine Box aus schwer entflammbarem Material mit Lüftungsöffnungen, oder Sie verzichten auf die Box und ordnen stattdessen die Kabel. Alles Weitere in diesem Beitrag beschreibt Wege, wie Sie Ordnung bekommen, ohne eine Wärmequelle einzuschließen.
Was leistet eine gekaufte Kabelbox, was Pappe nicht kann?
| Merkmal | Kabelbox aus Kunststoff | Schuhkarton aus Pappe |
|---|---|---|
| Materialverhalten im Brandfall | Schwer entflammbar ausgelegt, gibt der Zündquelle keine Nahrung | Normal entflammbar, selbst Brandlast |
| Belüftung | Schlitze in Boden und Seitenwänden, Kamineffekt gewollt | Keine, Deckel schließt dicht auf |
| Formstabilität | Bleibt maßhaltig, Kabelauslässe behalten ihre Form | Weicht auf, verformt sich, Kanten scheuern an der Isolierung |
| Feuchteverhalten | Unempfindlich, abwischbar | Saugt Feuchtigkeit auf, wird weich |
| Reinigung | Öffnen, aussaugen, abwischen | Wird in der Praxis nie geöffnet |
| Prüfzeichen | CE und GS am Produkt erkennbar | Keine, unbekannte Kartonagenbeschichtung |
Wie viel darf an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen werden?
Handelsübliche Steckdosenleisten sind auf etwa 3000 bis 3500 Watt Gesamtleistung ausgelegt. Diese Zahl steht meist auf dem Gehäuse oder auf dem Etikett am Kabel. Sie ist keine Empfehlung, sondern eine Obergrenze.
- Große Verbraucher meiden: Heizlüfter, Waschmaschine, Wäschetrockner, Spülmaschine und Elektrogrill gehören direkt in die Wandsteckdose. Ein Heizlüfter allein zieht 1500 bis 2000 Watt.
- Nicht kaskadieren: Steckdosenleisten dürfen nicht hintereinander gesteckt werden. Die Absicherung bezieht sich auf einen Strang, nicht auf eine Kette.
- Keine Nassräume: Mehrfachsteckdosen sind in Nassbereichen nicht zulässig. Eindringende Feuchtigkeit ist eine akute Brandgefahr.
- Prüfzeichen beachten: Achten Sie beim Kauf auf CE- und GS-Kennzeichnung. Namenlose Billigleisten sind an genau den Kontaktstellen sparsam gebaut, die heiß werden.
- Alter berücksichtigen: Eine Leiste, deren Kontakte ausgeleiert sind und in der Stecker wackeln, gehört ersetzt. Wackelkontakt bedeutet Übergangswiderstand und damit Wärme.
- Frei zugänglich lassen: Legen Sie die Leiste nicht unter Teppiche, hinter Vorhänge oder unter Kissen. Was Sie nicht sehen, riechen Sie im Zweifel zu spät.
Zu den Grenzen des Heimwerkens gehört auch der klare Punkt, an dem Schluss ist: Arbeiten an der festen Elektroinstallation, also am 230-Volt-Netz hinter der Wandsteckdose, gehören ausschließlich in die Hand einer Elektrofachkraft. Das gilt für zusätzliche Steckdosen ebenso wie für das Versetzen vorhandener Dosen.
Wie schaffen Sie Kabelordnung ohne geschlossene Box?
- Bestand aufnehmen. Ziehen Sie alle Stecker und legen Sie die Geräte nebeneinander. In fast jedem Haushalt hängen zwei bis fünf Netzteile dauerhaft in der Leiste, deren Gerät gar nicht mehr existiert.
- Aussortieren. Alles, was nicht täglich gebraucht wird, kommt aus der Leiste heraus. Weniger Stecker bedeutet weniger Wärme und weniger Kabel.
- Leiste offen befestigen. Schrauben oder kleben Sie die Leiste an die Rückseite des Möbels oder unter die Tischplatte, mit den Steckern nach unten oder zur Seite. Sie ist damit aus dem Blickfeld und trotzdem frei belüftet.
- Kabellängen kürzen. Überlänge mit Klettbindern bündeln, aber nicht zu Ringen aufwickeln, die eng aneinanderliegen. Locker in Achterschlaufen legen.
- Wege festlegen. Kabel an der Wand entlang in Kanälen führen statt quer durch den Raum. Wie das sauber gelingt, beschreibt die Anleitung zum Anbringen von Kabelkanälen und Sockelleisten.
- Beschriften. Kleben Sie an jedes Kabel nahe am Stecker einen Streifen Kreppband mit dem Gerätenamen. Das erspart beim nächsten Umstecken das Ziehen auf Verdacht.
- Sichtprüfung terminieren. Schauen Sie zweimal im Jahr auf die Leiste: Verfärbungen am Kunststoff, Schmorgeruch, wackelnde Stecker oder eine spürbar warme Leiste sind Gründe für den sofortigen Austausch.
MerkeEin Rauchwarnmelder ändert nichts an der Ursache, verschafft Ihnen aber Zeit. In allen Bundesländern besteht inzwischen eine Rauchmelderpflicht für Schlaf- und Kinderzimmer sowie für Flure, die als Rettungsweg dienen. Wenn in einem Raum viel Technik dauerhaft am Netz hängt, ist ein zusätzlicher Melder dort sinnvoll. Zur Platzierung und Montage hilft die Anleitung zum Anbringen von Rauchmeldern.

Wofür ist der Schuhkarton dann noch gut?
Für alles, was nicht am Strom hängt. Ungenutzte Ladegeräte, Ersatzkabel, Adapter, Verlängerungen und Speicherkarten lassen sich in einem Karton hervorragend sortieren, solange dieser Karton nicht neben oder über einer eingeschalteten Leiste steht. Praktisch sind Trennstege aus Pappe, die den Karton in vier bis sechs Fächer teilen, und je ein beschrifteter Klettbinder pro Kabel.
Stellen Sie diesen Karton bewusst an einen anderen Ort als die Steckdose: in ein Regal, in einen Schrank, in eine Schublade. Damit ist der Nutzen der Idee erhalten und das Risiko verschwunden. Wie Sie Schuhkartons stabil unterteilen, bekleben und stapelbar machen, beschreibt der Beitrag über Ordnungsboxen aus alten Schuhkartons.
Was tun, wenn eine Leiste bereits verdeckt liegt?
Schalten Sie ab und ziehen Sie den Netzstecker, bevor Sie etwas anfassen. Prüfen Sie die Leiste dann bei Tageslicht auf braune Verfärbungen an den Steckeröffnungen, auf Verformungen des Kunststoffs und auf Schmorgeruch. Findet sich eines davon, entsorgen Sie die Leiste und stecken Sie sie nicht wieder ein, auch nicht probeweise.
Saugen Sie anschließend den Bereich aus, in dem die Leiste lag, und legen Sie sie an einen offenen Platz mit Luft ringsum. Als Faustzahl zum Schluss: Eine Steckdosenleiste, die sich im Betrieb spürbar warm anfühlt, ist bereits an der Grenze, unabhängig davon, wie viele Watt rechnerisch angeschlossen sind.
