Schwarzes oder verzinktes Gewinderohr mit Temperguss-Fittings ist die einfachste Möglichkeit, eine Kleiderstange genau auf Maß zu bauen. Man braucht kein Schweißgerät, keine Spezialverbinder und keine Werkstatt. Man braucht allerdings eine ehrliche Vorstellung davon, welche Last tatsächlich an so einer Stange hängt, denn die wird regelmäßig unterschätzt.
Wie viel wiegt eine voll behängte Kleiderstange?
Rechnen wir es durch, für eine Stange von 1,20 Metern nutzbarer Länge. Bei dichter Behängung liegt der Bügelabstand bei etwa 5 Zentimetern, das ergibt rund 24 Kleidungsstücke. Für die Gewichte gelten diese Anhaltswerte: Ein T-Shirt in Größe M wiegt etwa 180 Gramm, in 3XL rund 230 bis 250 Gramm. Ein Hoodie in Größe M liegt zwischen 400 und 550 Gramm. Eine trockene Jeans wiegt 500 bis 1.000 Gramm, meist 600 bis 850 Gramm. Für einen Mantel wird oft mit rund 1,2 Kilogramm gerechnet.
Dazu kommen die Bügel. Ein Drahtbügel wiegt kaum etwas, ein Holzbügel mit Steg liegt bei etwa 150 bis 250 Gramm, und bei 24 Stück summiert sich das auf 4 bis 6 Kilogramm allein für die Bügel.
| Belegung auf 1,20 Metern | Kleidung | Bügel | Summe |
|---|---|---|---|
| 24 leichte Sommerteile, Drahtbügel | etwa 5 Kilogramm | etwa 1,5 Kilogramm | rund 7 Kilogramm |
| 24 gemischte Teile, Holzbügel | etwa 13 Kilogramm | etwa 5 Kilogramm | rund 18 Kilogramm |
| 16 Mäntel und Winterjacken, Holzbügel | etwa 19 Kilogramm | etwa 3 Kilogramm | rund 22 Kilogramm |
Damit liegt der realistische Dauerwert einer 1,20-Meter-Stange bei 18 bis 25 Kilogramm. Bei Kleiderstangen wird empfohlen, die maximale Traglast auf mindestens das 1,5-Fache der erwarteten Last auszulegen. Für unser Beispiel heißt das: Die Konstruktion muss 30 bis 35 Kilogramm aushalten, ohne sich bleibend zu verformen.
Zum Vergleich einige Herstellerangaben für fertige Wandstangen, die zeigen, wie die Tragfähigkeit mit der Länge fällt: 750 Millimeter Breite mit 50 Kilogramm, 1.000 Millimeter mit 45 Kilogramm, 1.300 Millimeter mit 40 Kilogramm. Werte in dieser Größenordnung sind der Maßstab, an dem sich ein Eigenbau messen lassen muss.
Rechnen Sie die Stoßlast mit. Die 22 Kilogramm Dauerlast sind nur der ruhende Fall. Wer sich beim Anziehen an der Stange abstützt, ein verhaktes Kleidungsstück ruckartig herunterzieht oder ein Kind sich daran hängt, bringt kurzzeitig ein Vielfaches auf die Befestigung. Deshalb der Sicherheitszuschlag. Eine Stange, die knapp bemessen ist, versagt nicht beim Aufhängen, sondern Wochen später beim ersten kräftigen Ruck.
Welcher Rohrdurchmesser und welche Fittings?
Gewinderohre werden nach DIN EN 10255 (früher DIN 2440) in Zoll bezeichnet, der Zollwert ist aber der alte Nenndurchmesser innen und nicht das Außenmaß. Praktisch heißt das: 1/2 Zoll ergibt 21,3 Millimeter Außendurchmesser bei 2,6 Millimetern Wandstärke, 3/4 Zoll ergibt 26,9 Millimeter, 1 Zoll ergibt 33,7 Millimeter. Die Norm unterscheidet eine mittelschwere Reihe M (früher DIN 2440) und eine schwere Reihe H (früher DIN 2441) mit dickerer Wand.
- 1/2 Zoll: Für kurze Stangen bis etwa 80 Zentimeter und leichte Garderobe. Darüber biegt sich das Rohr sichtbar durch.
- 3/4 Zoll: Der übliche Kompromiss. Steif genug für 1,20 Meter, und die 26,9 Millimeter passen noch bequem in die Haken handelsüblicher Kleiderbügel.
- 1 Zoll: Sehr steif, aber 33,7 Millimeter sind für manche Bügelhaken zu dick. Vor dem Kauf mit einem eigenen Bügel prüfen.
- Temperguss-Fittings: T-Stücke, Winkel, Muffen, Kappen und Wandflansche gibt es in denselben Gewindegrößen. Temperguss ist ein zäher Gusswerkstoff, der im Gegensatz zu sprödem Grauguss Verformung aushält.
- Fertige Längen: Gewinderohr gibt es mit beidseitig geschnittenem Gewinde in Stufen. Zwischenmaße schneidet Ihnen der Sanitärhandel oder der Baumarkt mit Rohrgewindeschneider zu.
Ein Konstruktionshinweis, der oft übersehen wird: Ein Gewinde lässt sich nur in eine Richtung eindrehen. Sobald Sie einen geschlossenen Rahmen bauen wollen, also etwa eine Stange mit zwei Winkeln und zwei senkrechten Beinen, geht das letzte Teil nicht mehr hinein, weil beide Enden gleichzeitig festgezogen werden müssten. Dafür brauchen Sie eine Rohrverschraubung, ein Fitting mit Überwurfmutter, das genau dieses Problem löst.
Warum ist die Wandbefestigung der eigentliche Schwachpunkt?
Weil dort ein Hebel wirkt. Eine Wandstange sitzt nicht direkt an der Wand, sondern steht davor, damit die Kleidung nicht anstößt. Empfohlen wird ein Wandabstand von mindestens 30 Zentimetern, in der Praxis wird bei einem Wandflansch mit kurzem Rohrnippel oft mit 10 bis 20 Zentimetern gearbeitet, weil das Kleidungsstück selbst noch weiter absteht.
Dieser Abstand erzeugt ein Kippmoment. Rechnen wir mit 30 Kilogramm Gesamtlast auf zwei Flanschen, also 15 Kilogramm je Flansch, bei 15 Zentimetern Ausladung und einem Lochabstand von 6 Zentimetern im Flansch. Das Moment beträgt 15 Kilogramm mal 0,15 Meter. Auf die obere Schraubenreihe verteilt sich daraus eine Zugkraft, die dem 2,5-Fachen der Last entspricht, also rund 37 Kilogramm je Flansch, bei zwei oberen Schrauben also rund 19 Kilogramm Auszug pro Schraube. Und das ohne jeden Ruck.
Daraus folgen drei Konsequenzen. Erstens: Die Ausladung so klein wie möglich halten, jeder Zentimeter mehr erhöht die Zugkraft proportional. Zweitens: Flansche mit möglichst weit auseinander liegenden Löchern verwenden, denn ein größerer Lochabstand senkt die Kraft. Drittens: Die Dübelwahl richtet sich nach dem Baustoff und nach den Auszugswerten aus dem Datenblatt des Dübelherstellers, nicht nach dem, was gerade in der Kiste liegt.
MerkeIn Gipskartonwänden ohne dahinterliegendes Ständerprofil ist eine tragende Kleiderstange nicht sicher zu befestigen. Suchen Sie die Metallständer mit einem Leitungssucher und schrauben Sie in das Profil, oder setzen Sie eine durchgehende Holztraverse über mehrere Ständer und montieren Sie die Flansche darauf. Hohlraumdübel sind nur mit ausdrücklicher Freigabe des Herstellers für die konkrete Last geeignet. Weitere Befestigungsvarianten stehen im Beitrag über Haken und Stangen für Kleidung im Kleiderschrank.
Ab welcher Länge braucht die Stange eine Mittelstütze?
Die Durchbiegung eines beidseitig aufliegenden Trägers unter gleichmäßiger Last wächst mit der vierten Potenz der Spannweite. Das ist der Kern der Sache. Verdoppeln Sie die freie Länge von 1 auf 2 Meter, biegt sich die Stange bei gleicher Last je laufendem Meter rund sechzehnmal so stark durch. Deshalb hilft ein dickeres Rohr weniger, als man hofft, und eine kürzere Spannweite mehr, als man denkt.
Die Praxisempfehlungen liegen entsprechend niedrig. Für schwere Mäntel werden zusätzliche Mittelstützen ab etwa 120 Zentimetern genannt, ein Anbieter von Edelstahlstangen empfiehlt zusätzliche Stützen ab circa 1.600 Millimetern Länge. Als Stütze kommt in der Mitte ein Deckenflansch mit senkrechtem Rohr infrage, alternativ ein Bodenständer oder ein zusätzlicher Wandflansch. Für Möbel dieser Art wird die Norm DIN EN 14749 genannt, die Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren für Aufbewahrungsmöbel regelt. Prüfen Sie im Zweifel die Herstellerangaben zu Ihrem konkreten Bauteil.
| Freie Spannweite | Empfohlener Rohrdurchmesser | Zusätzliche Stütze |
|---|---|---|
| bis 80 Zentimeter | 1/2 Zoll, 21,3 Millimeter | nicht nötig |
| 80 bis 120 Zentimeter | 3/4 Zoll, 26,9 Millimeter | bei schwerer Wintergarderobe sinnvoll |
| 120 bis 160 Zentimeter | 3/4 Zoll oder 1 Zoll | empfohlen |
| über 160 Zentimeter | 1 Zoll, 33,7 Millimeter | zwingend, besser zwei Stützen |
Wie bereiten Sie verzinkte Rohre vor?
Verzinktes Gewinderohr kommt aus der Produktion mit einem dünnen Öl- oder Konservierungsfilm, der Transportkorrosion verhindern soll. Genau dieser Film ist der Grund, warum helle Blusen an einer neuen Stange graue Streifen bekommen. Die Zinkschicht selbst färbt nicht ab, solange sie trocken und intakt ist. Schwarze Rohre sind zusätzlich mit einer Walzhaut versehen, die stärker abfärbt und in Wohnräumen meist lackiert oder pulverbeschichtet wird.
- Zuschnitt klären. Messen Sie das Fertigmaß und ziehen Sie die Einschraubtiefe der Fittings ab, sonst wird die Stange zu lang. Lassen Sie Zwischenmaße mit Gewinde im Fachhandel schneiden.
- Grob entfetten. Wischen Sie den Ölfilm mit einem Küchenpapier ab, bis nichts Sichtbares mehr abgeht. Erst danach lohnt der Einsatz von Lösemittel.
- Nass entfetten. Reiben Sie das Rohr mit Brennspiritus auf einem Baumwolltuch ab, das Gewinde einschließlich. Wiederholen Sie den Vorgang mit einem frischen Tuch, bis das Tuch sauber bleibt. Lüften Sie dabei und halten Sie Zündquellen fern.
- Trocknen lassen. Warten Sie, bis das Lösemittel vollständig verdunstet ist. Bei Raumtemperatur dauert das wenige Minuten.
- Wischprobe machen. Fahren Sie mit einem weißen Papiertuch über die ganze Länge. Bleibt es sauber, färbt auch die Kleidung nicht mehr ab.
- Optional versiegeln. In feuchten Räumen kann sich auf Zink Weißrost bilden. Ein dünner Auftrag von Klarlack für Metall verhindert das, muss aber vollständig durchgetrocknet sein, bevor Textilien Kontakt bekommen.
- Probehängen. Belasten Sie die fertig montierte Stange zuerst mit einem gefüllten Wassereimer, der etwa dem geplanten Gewicht entspricht, und lassen Sie ihn einige Stunden hängen. Sacken Flansche nach, sehen Sie es hier und nicht an der Garderobe.
Wenn Sie beim Zuschnitt selbst Hand anlegen wollen: Ein Rohrabschneider gibt einen sauberen, rechtwinkligen Schnitt, hinterlässt aber einen Innengrat, der entfernt werden muss. Das Gewinde selbst braucht einen Schneidkluppe und Schneidöl, und beides lohnt sich nur bei mehreren Rohren. Für die Montage der Fittings genügt eine Rohrzange in passender Größe, zwei sind besser, damit Sie gegenhalten können.
Reicht Ihnen eine fertige Lösung, finden Sie die Bauarten im Überblick im Beitrag über die Kleiderstange. Wenn Ihnen die Rohroptik gefällt und Sie die Systematik weiterführen wollen, lässt sich mit denselben Fittings auch ein Schuhregal aus Rohren bauen, das die Garderobe unten fortsetzt. Achten Sie beim Weiterbauen darauf, dass Sie durchgehend bei einer Gewindegröße bleiben, sonst brauchen Sie Reduzierstücke an jeder Verbindung.
