Kragarmregale: wann sich das Langgutregal wirklich lohnt

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kragarmregal ist ein Langgutregal ohne vordere Säule. Es ist die einzige Bauform, in die Sie 4 Meter lange Bretter oder Rohre von der Seite einschieben können, ohne an einem Rahmen hängenzubleiben.
  • Hersteller nennen immer zwei Zahlen: die Traglast je Kragarm und die Traglast je Ständer. Marktübliche Arme tragen je nach Bauklasse etwa 140 bis 630 Kilogramm, Ständer erreichen im mittelschweren Bereich rund 2.200 Kilogramm.
  • Die Ständerlast ist die Summe aller Arme einer Säule. Drei Arme mit je 400 Kilogramm ergeben 1.200 Kilogramm Ständerlast, und diese Summe darf den Katalogwert der Säule nicht überschreiten.
  • Ab einem Verhältnis von Höhe zu Tiefe über 5 zu 1 muss das Regal verankert werden, im Boden oder an der Wand. Bei frei stehenden Anlagen darf der Kragarm nicht über die äußeren Auflagepunkte der Grundplatte hinausragen.
  • Für den Privathaushalt ist ein Kragarmregal fast immer überdimensioniert. Erst ab Lagergut über 2,5 Meter Länge und mehreren hundert Kilogramm Gesamtlast spielt die Bauform ihren Vorteil aus.
Kragarmregale: wann sich das Langgutregal wirklich lohnt
Bild: KI generiert

Ein Kragarmregal erkennt man daran, was fehlt. Vorne steht keine Säule. Die Last liegt auf waagerechten Armen, die einseitig oder beidseitig aus einer stehenden Säule herausragen, und dazwischen ist nichts, was beim Einschieben eines 4 Meter langen Bretts im Weg wäre. Genau dafür gibt es diese Bauform. Alles andere, was ein Kragarmregal kann, kann ein Fachbodenregal billiger.

Kragarmregal mit einseitigen Armen zur Lagerung von Brettern und Profilen
Bild: KI generiert

Wofür ist ein Kragarmregal gedacht und wofür nicht?

Der Anwendungsfall heißt Langgut. Gemeint sind Bretter, Bohlen, Leisten, Rohre, Stahlprofile, Kanthölzer, Platten und Rollenmaterial, also alles, was länger ist als jedes vernünftige Regalfach. Im Holzhandel, im Metallbau und auf Baustellenlagern ist die Bauform Standard. Die Arme lassen sich in der Höhe versetzen, meist im Raster der Säulenlochung, sodass ein Fach genau so hoch wird, wie das Material es braucht.

Nicht gedacht ist die Bauform für Kartons, Kisten und Kleinteile. Zwischen den Armen ist ein Loch. Wer dort Schachteln ablegen will, muss zusätzlich Auflageböden oder Gitterroste kaufen, und dann zahlt er für ein Fachbodenregal den Preis eines Kragarmregals. Wenn Sie Kisten und Werkzeug lagern wollen, sind die klassischen Schwerlastregale mit durchgehenden Fachböden die günstigere und praktischere Wahl.

  • Passend: Massivholzbretter, Dachlatten, Rohre, Winkelprofile, Rollen mit Teppich oder Folie, Leitern, Fensterelemente.
  • Bedingt passend: Platten und Gipskartonelemente, die auf mindestens drei Armen aufliegen müssen, damit sie sich nicht durchbiegen.
  • Unpassend: Kartons, Kleinteilbehälter, Getränkekisten, Bücher, alles unter einem Meter Länge.
  • Zubehör statt Umbau: Abrollsicherungen an den Armenden verhindern, dass Rundmaterial nach vorne wegrollt. Bei Rohren sind sie Pflichtausstattung, nicht Zubehör.

Kragarmlast oder Säulenlast, welche Zahl zählt?

Beide. Und genau hier liegt der häufigste Denkfehler beim Kauf. Die Kragarmlast gilt pro Arm und bei gleichmäßig verteilter Last. Die Ständerlast oder Feldlast gilt für die gesamte Säule und ist die Summe aller Arme darüber. Drei Arme mit je 400 Kilogramm ergeben 1.200 Kilogramm Ständerlast. Wer sechs solcher Arme an eine Säule hängt, braucht eine Säule für 2.400 Kilogramm, auch wenn jeder einzelne Arm im grünen Bereich bleibt.

BauklasseTraglast je KragarmTypische ArmlängeTypisches Lagergut
leichtetwa 140 bis 220 kg400 bis 600 mmLeisten, Rohre, Latten, Profile
mittelschweretwa 250 bis 430 kg600 bis 800 mmBohlen, Kanthölzer, Plattenware
schweretwa 500 bis 630 kg800 bis 1.200 mmStahlprofile, Rohrbündel, Betonteile

Die Werte sind Marktspannen aus Herstellerkatalogen und keine Norm. Verbindlich ist ausschließlich das Belastungsschild am aufgebauten Regal. Feldlasten kompletter Grundfelder reichen bei industriellen Anlagen von rund 900 Kilogramm bis in den Bereich von 44 Tonnen, für den Werkstattgebrauch bewegt man sich am unteren Ende dieser Skala.

Wichtig ist die Zusatzbedingung hinter jeder Traglastangabe. Sie gilt für gleichmäßig verteilte Last über die volle Armlänge. Legen Sie ein schweres Rohrbündel nur auf die vorderen 20 Zentimeter, wirkt ein deutlich größerer Hebel auf die Armaufnahme, und der Katalogwert ist nicht mehr gedeckt. Lagergut gehört so weit wie möglich an die Säule.

Wie weit darf ein Kragarm auskragen?

Der Arm ist ein Hebel. Je weiter das Gewicht von der Säule entfernt liegt, desto größer ist das Biegemoment an der Einhängung und desto größer die Kippneigung der gesamten Anlage. Deshalb gilt bei frei stehenden Kragarmregalen die konstruktive Grundregel, dass die Kragarmlänge die äußeren Auflagepunkte der Grundplatte nicht überschreiten darf. Der Fuß muss also mindestens so weit nach vorne reichen wie der Arm.

Bei einseitigen Anlagen übernimmt ein L-förmiger Ständer diese Aufgabe, bei doppelseitigen Anlagen ein T-Ständer, der die Momente beider Seiten gegeneinander ausgleicht. Doppelseitig aufgestellte Regale sind deshalb bei gleicher Beladung kippstabiler, brauchen aber einen frei zugänglichen Gang auf beiden Seiten. Für manuelle Bedienung ohne Stapler sollte dieser Gang mindestens 1.250 Millimeter breit sein.

Ungleiche Beladung ist der gefährlichste Zustand. Ein doppelseitiges Regal, das nur auf einer Seite voll beladen wird, verliert genau den Ausgleich, für den der T-Ständer gebaut wurde. Beladen Sie doppelseitige Anlagen möglichst gleichmäßig und beginnen Sie immer unten. Ein einseitig beladenes, nicht verankertes Kragarmregal kann bereits durch das Herausziehen eines langen Rohrs zum Kippen gebracht werden.

Muss ein Kragarmregal verankert werden?

In den meisten Fällen ja. Die praktische Schwelle ist das Verhältnis von Höhe zu Tiefe. Liegt es über 5 zu 1, ist eine Verankerung im Boden oder an der Wand vorgeschrieben. Ein 3 Meter hohes Regal mit 600 Millimetern Grundplattentiefe erreicht ein Verhältnis von 5 zu 1 und liegt damit bereits an der Grenze. Regale, die mit Flurförderzeugen beladen werden, sind unabhängig davon zu sichern, weil ein Anfahrstoß jede Standsicherheitsrechnung aushebelt.

Verankert wird mit Bodenankern durch die vorgesehenen Bohrungen der Fußplatte, üblicherweise in einen tragfähigen Betonboden. Estrich auf Dämmung ist kein Ankergrund. Wer auf einem schwimmenden Estrich aufbaut, muss die Anker in die darunterliegende Bodenplatte setzen oder die Regalhöhe so weit reduzieren, dass die Standsicherheit ohne Verankerung nachgewiesen ist. Diese Bewertung gehört zum Hersteller, nicht in eine Heimwerkerabwägung.

  1. Lagergut messen. Notieren Sie die größte Länge, das Gewicht je Bündel und die Anzahl der Bündel. Ohne diese drei Zahlen ist keine Regalauswahl möglich.
  2. Armlast bestimmen. Teilen Sie das Gewicht eines Bündels durch die Anzahl der Arme, die es tragen. Ein 3 Meter langes Bündel liegt bei 1 Meter Ständerabstand auf vier Armen.
  3. Ständerlast prüfen. Addieren Sie alle geplanten Armlasten einer Säule und vergleichen Sie die Summe mit dem Katalogwert für die Säule.
  4. Armlänge festlegen. Der Arm sollte mindestens der halben Materialbreite entsprechen und darf die Grundplatte nicht überragen.
  5. Untergrund prüfen. Messen Sie die Ebenheit. Kragarmregale werden mit Unterlegblechen ausgerichtet, nicht mit Gewalt geradegezogen.
  6. Verankerung setzen. Bohren Sie erst, wenn das Regal ausgerichtet und lotrecht steht, und ziehen Sie die Anker nach Herstellervorgabe an.
  7. Belastungsschild anbringen. Das Schild mit Armlast und Feldlast muss gut sichtbar am Regal hängen und lesbar bleiben.

Was gilt bei der Prüfung gewerblich genutzter Regale?

Sobald ein Kragarmregal in einem Betrieb steht, greift die DIN EN 15635. Sie sieht eine Inspektion durch eine befähigte Person im Abstand von zwölf Monaten vor, ergänzt um regelmäßige Sichtkontrollen durch die Beschäftigten. Geprüft werden der Zustand tragender Bauteile, die Vollständigkeit von Sicherungen und Verbindungselementen, das Vorhandensein und die Lesbarkeit der Belastungsschilder sowie die Übereinstimmung des Aufbaus mit den Herstellerunterlagen. Ergänzend gilt die DGUV Information 208-061.

Verformte Arme werden nicht gerichtet, sondern getauscht. Das ist kein Formalismus. Ein einmal überlasteter Stahlarm hat seine Streckgrenze überschritten und trägt die Kataloglast nicht mehr zuverlässig. Im Privatbereich besteht keine Prüfpflicht, die technische Logik bleibt aber dieselbe.

Lohnt sich ein Kragarmregal in Garage und Werkstatt?

Selten. Die Bauform ist teuer, braucht Stellfläche in der Tiefe und ist erst dann im Vorteil, wenn das Lagergut so lang ist, dass es sich nicht mehr in ein normales Regal einschieben lässt. Ein Hobbyholzlager mit Latten bis 2 Meter Länge lässt sich mit zwei kräftigen Wandkonsolenpaaren an einer Massivwand deutlich günstiger lösen. Auch die verbreiteten verzinkten Stahlregale mit Fachböden reichen für den überwiegenden Teil des Werkstattbedarfs aus.

Es gibt zwei Fälle, in denen sich der Aufwand rechnet. Erstens, wenn regelmäßig Material über 2,5 Meter Länge sortiert nach Querschnitt gelagert wird und das Suchen sonst mehr Zeit kostet als das Regal an Geld. Zweitens, wenn das Material einzeln entnommen werden muss, ohne den ganzen Stapel abzuräumen. Für Brennholz gilt das nur bedingt, weil Scheite kurz sind; dafür sind spezialisierte Kaminholzregale mit Luftzirkulation die bessere Lösung.

MerkeKaufen Sie kein Kragarmregal nach der Gesamttraglast auf dem Etikett, sondern nach der Kombination aus Armlast, Ständerlast und Armlänge. Ein Regal mit 1.000 Kilogramm Feldlast und 400 Millimeter kurzen Armen ist für breite Plattenware unbrauchbar, obwohl die große Zahl beeindruckt.

Wenn Sie sich für die Bauform entscheiden, planen Sie den Ständerabstand nach dem Durchhang des Materials. Dünne Latten brauchen einen Abstand von etwa 1 Meter, damit sie sich nicht dauerhaft verziehen; steife Stahlprofile vertragen mehr. Und lassen Sie die untersten Arme frei für das schwerste Material: Jedes Kilogramm, das unten liegt, senkt den Schwerpunkt der gesamten Anlage.

Häufige Fragen zu Kragarmregale: wann sich das Langgutregal wirklich lohnt

Was ist der Unterschied zwischen Kragarmlast und Ständerlast?

Die Kragarmlast gilt für einen einzelnen Arm bei gleichmäßig verteilter Beladung. Die Ständerlast oder Feldlast gilt für die gesamte Säule und ist die Summe aller Arme, die daran hängen. Drei Arme mit je 400 Kilogramm ergeben 1.200 Kilogramm Ständerlast, und dieser Summenwert darf den Katalogwert der Säule nicht überschreiten.

Wie viel trägt ein Kragarm?

Marktübliche Systeme liegen je nach Bauklasse zwischen etwa 140 und 630 Kilogramm pro Arm. Leichte Ausführungen für Latten und Rohre beginnen bei rund 140 bis 220 Kilogramm, mittelschwere Systeme erreichen etwa 430 Kilogramm, schwere Anlagen bis rund 630 Kilogramm. Maßgeblich ist immer das Belastungsschild am aufgebauten Regal.

Muss ein Kragarmregal im Boden verankert werden?

Bei einem Verhältnis von Höhe zu Tiefe über 5 zu 1 ist eine Verankerung an Boden oder Wand vorgeschrieben. Regale, die mit Staplern oder Hubwagen beladen werden, sind unabhängig vom Verhältnis zu sichern. Der Ankergrund muss tragfähiger Beton sein, ein schwimmender Estrich reicht dafür nicht aus.

Wie lang darf der Kragarm im Verhältnis zur Grundplatte sein?

Bei frei stehenden Kragarmregalen darf der Arm die äußeren Auflagepunkte der Grundplatte nicht überragen. Der Fuß muss also mindestens so weit nach vorne reichen wie der Arm selbst. Sonst wandert der Lastschwerpunkt bei voller Beladung über die Kippkante hinaus.

Lohnt sich ein Kragarmregal für die Garage?

Nur bei Lagergut ab etwa 2,5 Metern Länge, das sortiert und einzeln entnehmbar liegen soll. Für Kisten, Werkzeug und Kleinteile ist ein Fachbodenregal günstiger und praktischer, weil zwischen den Kragarmen keine Ablagefläche existiert. Kurze Latten bis 2 Meter lassen sich mit kräftigen Wandkonsolen an einer Massivwand deutlich billiger lagern.

Wie oft müssen Kragarmregale geprüft werden?

In gewerblich genutzten Lagern sieht die DIN EN 15635 eine Inspektion durch eine befähigte Person im Abstand von zwölf Monaten vor, ergänzt um laufende Sichtkontrollen. Geprüft werden tragende Bauteile, Sicherungen, Belastungsschilder und die Übereinstimmung mit den Herstellerunterlagen. Verformte Arme werden ausgetauscht und nicht gerichtet.

Quellen

Die Inhalte wurden mit Hilfe von KI erstellt, jedoch durch die Redaktion geprüft am 1. August 2026