Eine Solarlichterkette hat keinen Stromanschluss und keine Zeitschaltuhr. Sie hat eine kleine Solarzelle, einen Akku, einen Dämmerungssensor und eine Reihe LEDs. Alles, was die Kette abends leistet, muss sie tagsüber eingesammelt haben. Diese eine Abhängigkeit erklärt fast alle Enttäuschungen mit diesen Produkten: Die Kette leuchtet im Juli bis nach Mitternacht und im November eine halbe Stunde. Der Text erklärt, woran das liegt, was Sie beim Kauf prüfen sollten und wann sich ein Akkutausch lohnt.

Warum leuchtet die Kette im Winter kaum noch?
Weil im Winter zwei Effekte gegeneinander laufen. Die Nacht wird länger, und die verfügbare Sonnenenergie wird kleiner. Der Deutsche Wetterdienst weist für den Dezember im vieljährigen Mittel rund 38 Sonnenstunden für ganz Deutschland aus. Auf 31 Tage verteilt sind das etwa 1,2 Sonnenstunden am Tag. Im Juni sind rund doppelt so viele Sonnenstunden überhaupt möglich, weil die Erdachse um 23 Grad geneigt ist, hinzu kommt die stärkere Bewölkung im Winterhalbjahr. Und die regionalen Unterschiede sind groß: In manchen Tälern der Ostalb oder im Osten Oberfrankens kommen im Dezember weniger als 20 Sonnenstunden zusammen, am Alpenrand stellenweise über 100.
Gleichzeitig steigt der Bedarf. Anfang Juli wird es gegen 22 Uhr dunkel und gegen 5 Uhr wieder hell, die Kette muss also rund 7 Stunden überbrücken. Ende Dezember beginnt die Dämmerung vor 17 Uhr und endet nach 8 Uhr, das sind 15 bis 16 Stunden. Die Kette soll also mehr als doppelt so lange laufen und bekommt dafür einen Bruchteil der Ladung. Dass sie das nicht schafft, ist kein Defekt, sondern Physik.
Dazu kommt der Winkel. Eine flach liegende Solarzelle empfängt im Dezember bei einem Sonnenstand von etwa 15 Grad über dem Horizont nur noch einen kleinen Teil der Strahlung. Wenn Sie die Zelle steiler stellen können, etwa 50 bis 60 Grad zur Waagerechten, holen Sie im Winter spürbar mehr heraus. Bei vielen Ketten ist die Zelle allerdings fest im Erdspieß verbaut und lässt sich nur schwenken, nicht kippen.
| Faktor | Sommer | Winter | Folge für die Leuchtdauer |
|---|---|---|---|
| Sonnenstunden im Monatsmittel | deutlich über 150 Stunden | im Dezember rund 38 Stunden | Ladung sinkt auf einen Bruchteil |
| Dunkelheit je Nacht | etwa 7 Stunden | 15 bis 16 Stunden | Bedarf verdoppelt sich |
| Sonnenstand mittags | über 60 Grad | etwa 15 Grad | Flach liegende Zelle verliert stark |
| Temperatur am Akku | 15 bis 30 Grad Celsius | unter 0 Grad Celsius möglich | Nutzbare Kapazität sinkt |
| Realistische Leuchtdauer | 6 bis 8 Stunden | oft nur 1 bis 2 Stunden | Kette geht mitten am Abend aus |
Welcher Akku steckt drin und wann tauschen Sie ihn?
In den meisten Solarlichterketten sitzt ein Nickel-Metallhydrid-Akku, kurz NiMH, in der Bauform AA oder AAA. Übliche Kapazitäten liegen bei 600 bis 800 Milliamperestunden bei 1,2 Volt. Diese Zellen arbeiten in einem Bereich von etwa minus 20 bis plus 55 Grad Celsius und sind bewusst klein gewählt: Eine kleine Solarzelle schafft es an trüben Tagen ohnehin nicht, eine 2.000-Milliamperestunden-Zelle vollzuladen. Wer eine größere Zelle einbaut, hat deshalb meist nichts gewonnen, denn sie bleibt dauerhaft halbleer und der Akku nimmt Schaden, wenn er nie eine Vollladung sieht.
Ein NiMH-Akku verliert über die Jahre Kapazität, besonders wenn er häufig tiefentladen wird. Genau das passiert im Winter jede Nacht. Nach zwei bis drei Saisons ist bei vielen Ketten deshalb der Akku der Grund für die schwache Leistung, nicht die LEDs. Die halten typischerweise erheblich länger.
- Fehler eingrenzen. Decken Sie die Solarzelle am Tag mit der Hand ab. Leuchtet die Kette dann sofort und hell, ist die Elektronik in Ordnung und der Akku hat noch Restladung.
- Zelle reinigen. Ein Belag aus Staub, Pollen und Algen kostet spürbar Ladeleistung. Wischen Sie die Zelle mit einem feuchten Tuch ab, ohne Scheuermittel.
- Gehäuse öffnen. Bei den meisten Modellen sitzt der Akku unter einer Klappe im Kopf des Erdspießes, oft mit zwei kleinen Kreuzschlitzschrauben gesichert.
- Typ ablesen. Notieren Sie Bauform, Kapazität in Milliamperestunden und Spannung. Nur wenn diese Angaben übereinstimmen, ist der Ersatz passend.
- Gleichen Zelltyp einsetzen. NiMH gegen NiMH. Setzen Sie niemals normale Alkaline-Batterien ein, denn die Ladeelektronik würde versuchen, sie zu laden. Alkaline-Zellen können dabei auslaufen oder platzen.
- Dichtung prüfen. Kontrollieren Sie den Gummiring am Deckel, bevor Sie zuschrauben. Eine gequetschte oder verhärtete Dichtung ist der häufigste Grund, warum nach dem Öffnen Wasser eindringt.
- Erste Ladung an einem sonnigen Tag. Lassen Sie die Kette einen ganzen Tag laden, bevor Sie das erste Mal einschalten. Bei manchen Modellen hilft ein Schalterwechsel auf Aus, damit die Kette tagsüber wirklich nur lädt.
Ist der Akku frisch und die Kette bleibt trotzdem dunkel, liegt der Fehler meist am Dämmerungssensor, an einer korrodierten Kontaktfeder oder an Wasser im Gehäuse. Die typischen Ursachen und Prüfschritte stehen im Beitrag dazu, wie man eine defekte Solarleuchte repariert.
Keine Alkaline-Batterien in Solarleuchten. Die Ladeelektronik unterscheidet nicht zwischen Akku und Einwegbatterie und schickt tagsüber Strom in die Zelle. Alkaline-Batterien sind dafür nicht gebaut: Sie erwärmen sich, können auslaufen und im ungünstigen Fall aufplatzen. Die austretende Lauge zerstört die Kontakte und die Platine. Verwenden Sie ausschließlich wiederaufladbare Zellen desselben Typs, der ab Werk verbaut war.
Welche IP-Schutzart brauchen Sie im Garten?
Die IP-Kennzahl besteht aus zwei Ziffern. Die erste beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Staub, die zweite den Schutz gegen Wasser. Für Beleuchtung im Freien sind drei Stufen relevant, und der Unterschied zwischen ihnen ist keine Feinheit, sondern entscheidet über die Lebensdauer.
- IP44: Geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. Ausreichend für überdachte Positionen, also unter einem Vordach, unter einer Markise oder auf einem gedeckten Balkon.
- IP65: Staubdicht und geschützt gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel. Das ist die passende Wahl für Ketten, die frei im Garten oder an der Hausfassade hängen und ungeschützt im Starkregen stehen.
- IP67: Zusätzlich geschützt gegen zeitweiliges Untertauchen. Sinnvoll für Bodeneinbauleuchten, für Erdspieße in Beeten mit stehendem Wasser und für alles, was im Winter unter Schnee liegen kann.
- Achtung bei Mischangaben: Häufig ist nur die Solarzelle oder nur das Leuchtmittel nach IP65 zertifiziert, nicht die Steckverbindung oder das Akkufach. Prüfen Sie, worauf sich die Angabe bezieht.
- Schwachstelle Kabelübergang: Die Stelle, an der das Kabel ins Gehäuse geht, ist bei günstigen Ketten oft nur mit Silikon vergossen. Dort dringt nach ein bis zwei Wintern Wasser ein.
Welche Lichtfarbe zieht weniger Insekten an?
Warmweißes Licht mit geringem Blauanteil. Nachtaktive Insekten orientieren sich an kurzwelligem Licht, also am blauen und ultravioletten Teil des Spektrums. Kaltweiße LEDs mit 5.000 bis 6.500 Kelvin haben davon viel, warmweiße mit 2.200 bis 3.000 Kelvin deutlich weniger. Einzelne Leuchtenhersteller haben ihr komplettes Außensortiment aus diesem Grund auf 2.700 Kelvin umgestellt. Noch weiter geht Amber- oder Goldlicht mit rund 1.800 bis 2.200 Kelvin, das fast keinen Blauanteil enthält.
Für die Wirkung im Garten heißt das: Wählen Sie warmweiß, richten Sie die Kette nach unten oder zur Wand statt in den freien Nachthimmel, und lassen Sie sie nicht die ganze Nacht laufen. Viele Ketten haben einen Zeitmodus, der nach 6 oder 8 Stunden abschaltet. Das schont nebenbei den Akku, weil er nicht jede Nacht bis zur Abschaltschwelle entladen wird. Wie Sie Lichterketten über einer Sitzfläche wirkungsvoll aufhängen und welche Aufhängung Wind aushält, steht im Beitrag zur Terrassenbeleuchtung aus Lichterketten.
MerkeDie Zahl der LEDs sagt nichts über die Leuchtdauer aus. Mehr Dioden an derselben Akkukapazität bedeuten schlicht, dass die gespeicherte Energie schneller aufgebraucht ist. Aussagekräftig sind Akkukapazität in Milliamperestunden, Größe der Solarzelle und die angegebene Leuchtdauer bei voller Ladung.
Worauf achten Sie beim Aufstellen?
Der Standort der Solarzelle ist der wichtigste Punkt, und er wird fast immer falsch gewählt. Die Zelle gehört an die sonnigste Stelle, die Kette dahin, wo Sie das Licht haben wollen. Beides muss nicht am selben Ort sein, viele Ketten haben zwischen Zelle und erster LED ein Kabel von 2 bis 5 Metern. Nutzen Sie diese Länge.
Achten Sie außerdem darauf, dass die Zelle nicht im Lichtkegel einer anderen Lampe steht. Der Dämmerungssensor sitzt bei fast allen Modellen direkt neben oder hinter der Zelle. Steht daneben eine Wegeleuchte oder fällt Licht aus dem Wohnzimmerfenster darauf, schaltet die Kette abends gar nicht erst ein oder flackert unregelmäßig. Ein Meter Abstand oder ein leicht abgewandter Winkel lösen das Problem. Weitere Hinweise zu Montage, Erdspießen und Befestigung an Fassaden liefert die Anleitung zum Anbringen von Solarleuchten im Garten.
Vor dem Winter gilt eine einfache Regel: Ketten mit IP44 kommen herein, Ketten mit IP65 oder IP67 dürfen draußen bleiben. Nehmen Sie den Akku bei eingelagerten Ketten heraus und laden Sie ihn im Frühjahr vor dem ersten Einsatz einmal in einem normalen Ladegerät voll. Eine über Monate leer gelagerte NiMH-Zelle erreicht ihre alte Kapazität sonst nicht mehr.
