Der Reiz liegt auf der Hand: Paletten sind günstig, robust und bringen die Fachstruktur schon mit. Aus zwei bis vier Stück entsteht in einem Nachmittag eine Zone zwischen Wohnen und Essen. Zwei Dinge werden dabei regelmäßig übersehen. Das eine ist die Herkunft des Holzes, das andere die Standsicherheit eines schmalen, hohen Möbels. Beides klären Sie vor dem ersten Schnitt.

Welche Palette dürfen Sie im Wohnraum verbauen?
Holzverpackungen im internationalen Warenverkehr müssen nach dem Standard ISPM 15 behandelt und gekennzeichnet sein. Der zugehörige IPPC-Stempel besteht aus vier Elementen: dem Ährensymbol der Internationalen Pflanzenschutzkonvention, dem ISO-Ländercode, der Registriernummer des Behandlungsbetriebs und dem Behandlungscode. Dieser Code ist die Angabe, auf die es ankommt.
HT bedeutet Heat Treatment. Das Holz wurde im Kern auf mindestens 56 Grad Celsius erhitzt und diese Temperatur mindestens 30 Minuten gehalten. Es bleiben keine chemischen Rückstände zurück. MB bedeutet Methyl Bromide, also Begasung mit Methylbromid, einem giftigen Begasungsmittel. Die Herstellung solcher Behandlungen ist in der EU seit 2010 verboten, importierte Paletten aus Drittländern können den Stempel jedoch weiterhin tragen. MB-Paletten gehören nicht in den Wohnraum, weder als Raumteiler noch als Bett oder Sofa. Zusätzliche Kürzel wie DB für entrindetes Holz und KD für technisch getrocknetes Holz sind unkritisch.
Kein Stempel heißt kein Nachweis. Der IPPC-Stempel muss dauerhaft ins Holz eingebrannt sein. Aufkleber und Farbaufdrucke sind nicht normkonform. Fehlt der Stempel ganz, wissen Sie nichts über die Behandlung und auch nichts darüber, was die Palette transportiert hat. Verzichten Sie außerdem auf Paletten mit Öl-, Chemikalien- oder Lösemittelflecken sowie auf Paletten mit starkem Fremdgeruch, denn Holz nimmt solche Stoffe auf und gibt sie über Jahre wieder ab.
| Kennzeichnung | Bedeutung | Für Innenraummöbel |
|---|---|---|
| HT | Hitzebehandlung, Kerntemperatur mindestens 56 Grad Celsius über 30 Minuten | Geeignet |
| MB | Begasung mit Methylbromid, Rückstände möglich | Nicht verwenden |
| DB | Debarked, entrindetes Holz, Zusatzangabe | Unkritisch |
| KD | Kiln Dried, technisch getrocknet, Zusatzangabe | Unkritisch |
| Kein Stempel | Behandlung und Vorleben unbekannt | Nicht verwenden |
Wie hoch und wie breit soll der Raumteiler werden?
Rechnen Sie mit den Maßen der EPAL-Europalette: 1200 Millimeter lang, 800 Millimeter breit, 144 Millimeter hoch. Das Eigengewicht liegt je nach Holzfeuchte zwischen 20 und 25 Kilogramm. Daraus ergeben sich zwei sinnvolle Bauformen.
- Halbhoch, 120 Zentimeter: Eine Palette hochkant auf die lange Seite gestellt ergibt 120 Zentimeter Höhe. Diese Variante trennt optisch, lässt aber Blickkontakt und Licht durch und bleibt kippstabiler.
- Raumhoch, rund 240 Zentimeter: Zwei Paletten übereinander ergeben 240 Zentimeter und damit eine Masse von 40 bis 50 Kilogramm. Diese Höhe verlangt zwingend eine Befestigung an Wand oder Decke.
- Breite in 80-Zentimeter-Schritten: Nebeneinander gestellte Paletten liefern 80, 160 oder 240 Zentimeter Breite. Planen Sie den Durchgang daneben mit mindestens 90 Zentimetern.
- Tiefe 144 Millimeter: Das ist die Standfläche der aufgestellten Palette. Sie ist für die Höhe zu gering, deshalb braucht der Raumteiler einen verbreiterten Fuß aus Kanthölzern quer zur Standrichtung oder eine feste Verbindung zur Wand.
- Fachtiefe für Bücher: Die Zwischenräume der Palette sind knapp 100 Millimeter hoch. Taschenbücher passen quer, Ordner nicht. Wer Ordner unterbringen will, muss eigene Fachböden einsetzen.
Schritt für Schritt zum Palettenraumteiler
- Stempel kontrollieren. Suchen Sie den eingebrannten IPPC-Stempel auf den Randklötzen. Nur HT-Paletten kommen infrage. Ohne Stempel legen Sie die Palette zurück.
- Reinigen und trocknen lassen. Bürste, lauwarmes Wasser mit etwas Spülmittel, danach mindestens 48 Stunden trocknen, am besten im Freien unter Dach. Nasses Palettenholz verzieht sich beim Verarbeiten.
- Grob schleifen. Exzenterschleifer mit Körnung 60 auf allen Flächen und Kanten. Arbeiten Sie in Faserrichtung. Tragen Sie Staubmaske und Schutzbrille.
- Fein schleifen. Zweiter Durchgang mit Körnung 120, dritter mit 180. Kanten leicht brechen, damit keine Splitter stehen bleiben. Schwer erreichbare Zwischenräume mit Schleifpapier von Hand oder einem Deltaschleifer nacharbeiten.
- Nägel prüfen. Gehen Sie mit der Hand jede Fläche ab und schlagen Sie hervorstehende Nägel zurück oder ziehen Sie sie ganz heraus. Lose Bretter neu verschrauben, Schrauben versenken.
- Paletten verbinden. Nebeneinander stehende Paletten mit Flachverbindern oder durchgehenden Kanthölzern koppeln, übereinander liegende zusätzlich mit Winkeln an den Klötzen. Verschraubung immer in die massiven Klötze, nicht nur in die dünnen Decklatten.
- Standfuß anbringen. Zwei Kanthölzer von mindestens 60 Zentimetern Länge quer unter die Palette schrauben, sodass die Standfläche von 144 auf mindestens 400 Millimeter wächst. Alternativ oder ergänzend an der Wand verankern.
- Oberfläche behandeln. Hartwachsöl oder wasserbasierter Klarlack im Innenraum. Wählen Sie ein Produkt mit Emissionskennzeichnung und lüften Sie während der Trocknung durchgehend.
Wie sichern Sie einen hohen Palettenteiler gegen Umkippen?
Ein 240 Zentimeter hohes, 144 Millimeter tiefes Möbel mit 50 Kilogramm Masse ist ein Kippkandidat. Ein Kind, das sich in ein Fach hängt, erzeugt genug Hebelmoment. Die einfachste Lösung ist der Anschlag an eine Wand mit zwei Winkeln je Palette. In Beton oder Vollziegel halten Kunststoffdübel mit 8 Millimetern und passenden Schrauben, in Gipskarton brauchen Sie Hohlraumdübel und im Zweifel eine Verschraubung in die dahinterliegenden Metallständer. Steht der Teiler frei im Raum, führt kein Weg an einem verbreiterten Standfuß oder einer Deckenverbindung vorbei.
Die Details zu Deckenanschluss, Kippsicherung und den mietrechtlichen Fragen bei fest verankerten Trennwänden stehen im ausführlichen Beitrag zur Montage einer Trennwand oder eines Raumteilers im Wohnbereich. Er behandelt auch, welchen Schallschutz Sie von einem offenen Möbel erwarten dürfen, nämlich fast keinen. Ein Palettenteiler trennt Blicke und Wege, nicht Geräusche.
MerkeBeladen Sie ein hohes Palettenregal von unten nach oben mit abnehmender Masse. Bücher und schwere Töpfe in die unteren beiden Fächer, leichte Deko nach oben. Das senkt den Schwerpunkt und verringert die Kippneigung. Wenn Sie stattdessen ein leichteres Möbel suchen, vergleichen Sie zuerst die Bauarten im Überblick unter Raumteiler.
Was kostet der Bau und wo liegen die Grenzen?
Gebrauchte Europaletten sind je nach Zustand und Region für einen niedrigen zweistelligen Betrag zu haben, neue kosten deutlich mehr. Dazu kommen Schleifpapier, Verbinder, Schrauben und Oberflächenmittel. Der eigentliche Aufwand steckt im Schleifen: Rechnen Sie pro Palette mit ein bis zwei Stunden, wenn beide Seiten sichtbar bleiben sollen. Wer das unterschätzt, hat am Ende ein Möbel, an dem sich Kleidung aufzieht.
Nicht sinnvoll ist der Palettenbau in zwei Fällen. Erstens, wenn der Raumteiler an einer Stelle steht, an der Kinder klettern und keine Wandbefestigung möglich ist. Zweitens, wenn Sie einen echten Sichtschutz mit geschlossener Fläche brauchen, denn dafür müssten Sie beide Seiten beplanken und verlieren genau den Charakter, wegen dem Sie Paletten gewählt haben. Weitere Bauformen aus demselben Material zeigt der Beitrag zu Upcycling-Möbeln aus alten Paletten. Prüfen Sie vor dem Kauf jeder einzelnen Palette den Stempel, auch wenn Sie zehn Stück aus derselben Quelle nehmen, denn gemischte Chargen sind der Regelfall.
