Ein Schirmständer aus Abflussrohren ist naheliegend: Die Rohre sind rund, sie sind billig, und ihr Durchmesser passt zufällig gut zu einem zusammengelegten Regenschirm. Die Idee funktioniert auch. Sie hat nur drei Stellen, an denen es schiefgeht, und alle drei stehen selten in Anleitungen.
Welche Rohrgröße passt zu welchem Schirm?
Zuerst zur Bezeichnung, weil sie eine typische Verwechslungsquelle ist. Bei den meisten Rohren bezieht sich die Nennweite DN auf den Innendurchmesser. Bei KG-Rohren nicht: Dort steht die Nennweite für den Außendurchmesser. Ein KG-Rohr DN 100 hat 110 Millimeter Außendurchmesser, 104 Millimeter Innendurchmesser und 3 Millimeter Wandstärke. Wer im Baumarkt nach 100 Millimetern Innenmaß sucht, kauft die falsche Größe.
| Rohrtyp | Typische Nennweiten | Material | Eignung als Schirmfach |
|---|---|---|---|
| KG-Rohr (orange) | DN 100 mit 110 Millimetern außen | PVC-U | Gut, ein Stockschirm oder zwei Taschenschirme je Rohr |
| KG-Rohr (orange) | DN 125 und größer | PVC-U | Für mehrere Schirme in einem Fach, wird aber breit |
| HT-Rohr (grau) | DN 32 bis DN 160 | Polypropylen | DN 75 passt für einen Taschenschirm, DN 50 nur für Stöcke |
| HT-Rohr (grau) | DN 40 und kleiner | Polypropylen | Zu eng für Schirme, allenfalls als Abstandshalter |
Für die Höhe gilt: Ein zusammengelegter Stockschirm ist etwa 90 Zentimeter lang und braucht kein Rohr in voller Länge. Abschnitte von 35 bis 45 Zentimetern reichen aus, der Schirm ragt oben heraus und lässt sich greifen. Kürzere Rohre sparen Material, machen den Ständer aber kippanfälliger, weil der Schwerpunkt des Schirms höher liegt als die Führung.
Warum kippt der Ständer, obwohl er stabil aussieht?
Weil PVC leicht ist. Rechnen Sie es nach: Ein Abschnitt DN 100 mit 40 Zentimetern Länge und 3 Millimetern Wand enthält etwa 400 Kubikzentimeter Material, bei einer Dichte von rund 1,4 Gramm je Kubikzentimeter sind das etwa 0,55 Kilogramm. Ein Bündel aus sieben Rohren wiegt damit knapp 4 Kilogramm. Ein nasser Stockschirm, der schräg an der Rohrkante lehnt, erzeugt ein Kippmoment, das dieses Gewicht überwindet.
Die Lösung ist Ballast unten, nicht mehr Material oben. Praktikabel sind drei Wege: eine schwere Bodenplatte aus Multiplex oder Stein, Sand oder Kies in den äußeren Rohren als tote Füllung, oder ein umlaufender Rahmen, der die Standfläche vergrößert. Ein Ständer mit 30 Zentimetern Standflächendurchmesser und 40 Zentimetern Höhe steht deutlich sicherer als einer mit 20 Zentimetern Grundfläche. Vergrößern Sie im Zweifel die Grundfläche, statt Gewicht in die Höhe zu bauen.
PVC-Kleber ist kein Bastelkleber. Kaltschweißmittel für Hart-PVC enthalten Tetrahydrofuran. Sicherheitsdatenblätter weisen sie als schwer augenschädigend aus, sie reizen Haut und Atemwege, können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen und stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Die Dämpfe sind schwerer als Luft, sammeln sich am Boden und bilden mit Luft explosionsfähige Gemische. Verarbeiten Sie solche Kleber nur im Freien oder in kräftig gelüfteten Räumen, niemals im Keller, und halten Sie Zündquellen fern. Schutzbrille und Nitrilhandschuhe sind Pflicht. Für einen Schirmständer, der nicht dicht sein muss, gibt es die einfachere Antwort: schrauben statt kleben.
Wie halten die Rohre zusammen, ohne Lösemittel?
Ein Schirmständer muss nichts abdichten und nichts tragen. Deshalb reichen mechanische Verbindungen völlig aus, und sie haben den Vorteil, dass sie sich wieder lösen lassen.
- Verschrauben: Bohren Sie die Rohre an zwei Stellen quer durch und verbinden Sie sie mit Maschinenschrauben M4 oder M5 samt Unterlegscheibe und Mutter. Die Scheibe verhindert, dass der Schraubenkopf durch die 3 Millimeter Wand zieht.
- Spanngurt: Ein umlaufender Gurt mit Ratsche hält ein Bündel dauerhaft zusammen und lässt sich nachziehen. Optisch nicht elegant, funktional einwandfrei.
- Bodenplatte: Setzen Sie die Rohre in ausgesägte Aussparungen einer Holzplatte. Das ist die stabilste Variante und liefert gleichzeitig den Ballast.
- Montagekleber: Lösemittelfreie Hybridklebstoffe auf MS-Polymer-Basis verbinden PVC ausreichend fest für diesen Zweck und sind deutlich weniger gefährlich als Kaltschweißmittel.
- Rahmen: Ein Kasten aus Holzleisten um das Bündel herum nimmt die seitlichen Kräfte auf und verdeckt die Rohrenden.
- Kabelbinder: Für den Probeaufbau brauchbar, als Dauerlösung nicht, weil sie unter UV-Einfluss verspröden.
Wohin läuft das Wasser?
Das ist die Frage, an der Selbstbauten am häufigsten scheitern. Ein nasser Schirm gibt in einer halben Stunde erhebliche Mengen Wasser ab. Steht dieses Wasser im Rohr, bleibt der Schirmstoff unten nass, bekommt Stockflecken und riecht nach wenigen Tagen. Sie haben zwei saubere Möglichkeiten.
Entweder Sie machen den Ständer dicht: Die Rohre stehen dann auf einer flachen Wanne oder einem Untersetzer mit mindestens 2 Zentimetern Rand, den Sie ausgießen können. Oder Sie machen ihn offen: Die Rohre enden 2 bis 3 Zentimeter über einer Auffangschale, sodass Wasser abtropfen kann und der Schirm nicht darin steht. Die zweite Variante trocknet schneller. Bohren Sie in beiden Fällen keine Löcher in den Boden, wenn der Ständer auf Parkett oder Laminat steht.
Wie bauen Sie den Ständer Schritt für Schritt?
- Schirme messen. Legen Sie Ihre Schirme nebeneinander und messen Sie den größten Durchmesser im zusammengelegten Zustand. Danach richtet sich die Nennweite, nicht umgekehrt.
- Rohre ablängen. Sägen Sie mit einer Feinsäge oder einem Rohrschneider auf 35 bis 45 Zentimeter. Spannen Sie das Rohr dabei ein, sonst läuft der Schnitt schräg.
- Entgraten. Brechen Sie die Innen- und Außenkante mit einem Messer und Schleifpapier. Der Sägegrat schneidet sonst in den Schirmstoff.
- Anordnung festlegen. Stellen Sie die Rohre trocken auf und probieren Sie das Muster aus. Sechs Rohre um ein siebtes ergeben ein kompaktes Bündel mit gleichmäßigem Abstand.
- Bodenplatte zuschneiden. Sägen Sie eine Platte aus, die rundum mindestens 2 Zentimeter über die Rohre hinausragt. Diese Überstände sind die Kippsicherheit.
- Aussparungen bohren. Setzen Sie die Rohre mit einer Lochsäge in die Platte ein oder befestigen Sie sie mit Rohrschellen von außen.
- Ballast einfüllen. Füllen Sie die äußeren Rohre unten mit Sand oder Kies und verschließen Sie sie mit einem eingeklebten Boden aus Holz.
- Auffangschale einlegen. Legen Sie eine flache Wanne unter oder in den Ständer, die sich zum Ausgießen herausnehmen lässt.
- Filzgleiter ankleben. Damit steht der Ständer eben und verkratzt den Boden nicht, wenn er verschoben wird.
MerkeOrangefarbene KG-Rohre sind für die Erde gedacht und sehen im Flur nach Baustelle aus. Wenn Sie lackieren wollen, schleifen Sie die Oberfläche mit Körnung 240 an und verwenden Sie einen Haftgrund für Kunststoff. Ohne Anschliff und Grundierung blättert der Lack an den ersten Kontaktstellen ab, und genau dort reibt der Schirm.
Was hält ein solcher Ständer aus?
Für seinen Zweck genug. Er trägt Schirme, kein Gewicht. Setzen Sie sich nicht darauf und stellen Sie keine Blumenkübel oben drauf: Die Ringsteifigkeit SN 4 oder SN 8, mit der KG-Rohre gekennzeichnet sind, beschreibt den Widerstand gegen Erddruck im Graben, nicht die Belastbarkeit als Möbelbauteil. Punktlasten auf der Rohrkante verformen das Material dauerhaft.
Das gleiche Rohrsystem lässt sich auch für andere Regale nutzen, etwa für ein Weinregal aus PVC-Rohren, wo allerdings echtes Gewicht in den Fächern liegt und die Befestigung eine größere Rolle spielt. Wer Rohre lieber waagerecht verbaut, findet die Belastungsfrage im Beitrag zur Gardinenstange aus alten Rohren. Und wenn der Schirmständer Teil einer kompletten Flurlösung werden soll, passt der Beitrag dazu, wie man eine Garderobe im Flur befestigt. Rechnen Sie für den Ständer mit rund zwei Stunden Arbeit und etwa 4 Kilogramm Eigengewicht ohne Ballast.
