Ein alter Fensterflügel als Schranktür ist ein dankbares Projekt. Die Sprossen gliedern die Front, das Glas gibt den Blick auf den Inhalt frei, und der Rahmen bringt die Beschläge schon mit. Nur beginnt dieses Projekt nicht in der Werkstatt, sondern mit zwei Fragen zum Alter des Fundstücks. Wer die überspringt und direkt schleift, holt sich möglicherweise Bleistaub oder Asbestfasern in die Wohnung.
Was steckt in einem alten Fenster, das mich betrifft?
Zwei Dinge. Das erste ist der Lack. Blei war jahrzehntelang Bestandteil von Anstrichmitteln, unter anderem als Bleiweiß und als Trockenstoff. Ab 1984 reduzierten die Hersteller den Anteil freiwillig, seit 1989 ist Blei in Beschichtungen in Deutschland nicht mehr zulässig. Für die Praxis heißt das: Ein Fenster, dessen Anstrich vor 1990 aufgetragen wurde, kann bleihaltige Schichten tragen, und alte Fenster tragen meist mehrere Anstriche übereinander. Solange die Oberfläche fest und unbeschädigt ist, geht davon in der Regel keine akute Gefahr aus. Sobald Sie schleifen, bürsten oder mit Heißluft arbeiten, entsteht bleihaltiger Staub oder Dampf.
Das zweite ist der Kitt. Glaser- und Anschlagkitt aus den 1960er bis frühen 1980er Jahren wurde häufig mit Asbestfasern versetzt, weil das den Kitt geschmeidiger und rissfester machte. Fachbetriebe gehen bei Fensterkitt, der vor 1993 eingebaut wurde, grundsätzlich von Asbestverdacht aus, bis das Gegenteil belegt ist. Ansehen kann man es dem Kitt nicht. Grau, gelblich, brüchig sind Hinweise, keine Beweise. Das Entfernen asbesthaltigen Kitts fällt unter die TRGS 519 und ist Sache eines sachkundigen Fachbetriebs.
Kein Trockenschliff an unbekanntem Altlack. Schleifen, Abkratzen, Abbürsten und Heißluftpistole scheiden aus, solange Sie nicht wissen, was in Lack und Kitt steckt. Bleistaub ist besonders für Kinder und Schwangere gefährlich, Asbestfasern sind krebserzeugend. Beides lässt sich mit dem Haushaltsstaubsauger nicht mehr einsammeln.
Wie prüfe ich das, ohne ein Labor zu beauftragen?
Ganz ohne Labor geht es nicht, wenn Sie den Lack tatsächlich abtragen wollen. Es gibt aber einen einfacheren Weg: Sie tragen ihn gar nicht ab. Für die drei üblichen Ausgangslagen sieht das so aus.
| Ausgangslage | Was das bedeutet | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|
| Fenster nachweislich nach 1995 gebaut | Blei im Lack praktisch ausgeschlossen, Kitt in der Regel unbedenklich | Normal anschleifen mit Absaugung und FFP2-Maske |
| Alter unbekannt, Lack fest und ohne Abplatzungen | Schadstoffe möglich, aber gebunden | Nicht schleifen. Nur reinigen, Haftgrund auftragen, überstreichen. Kitt in Ruhe lassen |
| Alter unbekannt, Lack blättert oder Kitt bröselt | Freisetzung läuft bereits | Laboranalyse einer Probe oder Fenster verwerfen. Kitt nur durch Fachbetrieb |
Probensets für Blei und Asbest kosten im Versand meist zwischen 30 und 60 Euro je Analyse, die Preise schwanken je nach Anbieter deutlich. Nehmen Sie eine Probe nur angefeuchtet und mit Handschuhen. Wenn Ihnen das zu aufwendig ist, gilt die pragmatische Regel: Ein Fenster, das Sie nicht schleifen dürfen, können Sie trotzdem verwenden. Reinigen, mattieren mit einem Haftvermittler statt mit Schleifpapier, überstreichen. Der Charme des Stücks liegt ohnehin in der alten Struktur.
Material und Werkzeug für den Korpus
Die Stückliste geht von einem einflügeligen Fenster mit einem Rahmenaußenmaß von etwa 60 mal 80 Zentimetern aus. Passen Sie die Zuschnitte an Ihr Fenster an, gemessen wird immer am Fenster, nie umgekehrt. Der Korpus wird flach, damit der Schrank an der Wand nicht aufträgt.
| Position | Menge | Maß | Kosten |
|---|---|---|---|
| Leimholz Fichte oder Kiefer für Seiten | 2 Stück | 800 x 100 x 18 mm | 12 bis 20 Euro |
| Leimholz für Boden und Deckel | 2 Stück | 564 x 100 x 18 mm | 10 bis 16 Euro |
| Rückwand Sperrholz oder HDF | 1 Stück | 800 x 600 x 6 mm | 8 bis 15 Euro |
| Klavierband oder 2 Scharniere | 1 Satz | Band 600 mm oder Scharniere 40 mm | 8 bis 18 Euro |
| Magnetschnapper | 1 Stück | Haltekraft 4 bis 6 kg | 3 bis 6 Euro |
| Splitterschutzfolie | 1 Bogen | mindestens Glasfläche plus 5 cm Zugabe | 10 bis 25 Euro |
| Haken für Ketten | 12 bis 20 Stück | Schraubhaken 20 mm | 5 bis 10 Euro |
| Korkplatte oder Filz für Ohrringe | 1 Stück | 560 x 780 x 4 mm | 8 bis 14 Euro |
| Spanplattenschrauben | 16 Stück | 4,0 x 45 mm | 4 bis 6 Euro |
| Dübel und Schrauben für die Wand | 4 Sets | Dübel 8 mm, Schraube 60 mm | 5 bis 8 Euro |
- Akkuschrauber: mit Holzbohrer 3 Millimeter zum Vorbohren und Senker. Leimholz von 18 Millimetern reißt an den Stirnseiten, wenn Sie ohne Vorbohren schrauben.
- Stichsäge oder Handkreissäge: für die Zuschnitte. Viele Baumärkte schneiden gegen Aufpreis passgenau zu, was bei rechtwinkligen Korpusteilen die genauere Lösung ist.
- Winkel und Zwingen: mindestens vier Schraubzwingen. Ein schiefer Korpus lässt die Tür nicht mehr sauber schließen.
- Rakel und Sprühflasche: für die Splitterschutzfolie. Die Folie wird nass verklebt, sonst bleiben Blasen.
- Schutzausrüstung: Schnittfeste Handschuhe beim Umgang mit dem Glas, FFP2-Maske und Absaugung, falls Sie schleifen dürfen.
Schritt für Schritt zum Schmuckschrank
- Herkunft klären. Fragen Sie den Vorbesitzer nach Baujahr und letztem Anstrich. Notieren Sie sich die Antwort. Ohne diese Information gilt der Verdachtsfall aus der Tabelle oben.
- Fenster reinigen. Wischen Sie Rahmen und Glas feucht mit Wasser und Schmierseife ab, statt trocken zu bürsten. Feuchte Reinigung bindet Staub, statt ihn aufzuwirbeln.
- Beschläge abnehmen. Schrauben Sie alte Griffe, Riegel und Bänder ab und legen Sie sie beschriftet beiseite. Was Sie wiederverwenden wollen, legen Sie über Nacht in Essigwasser.
- Oberfläche vorbereiten. Bei belegter Unbedenklichkeit schleifen Sie mit Korn 120 und Absaugung. Im Verdachtsfall arbeiten Sie ohne Schliff und nutzen einen Haftgrund für schwierige Untergründe.
- Glas sichern. Reinigen Sie die Innenseite der Scheibe fettfrei, sprühen Sie sie mit Wasser und einem Tropfen Spülmittel ein und ziehen Sie die Splitterschutzfolie blasenfrei mit dem Rakel auf. Schneiden Sie 2 Millimeter innerhalb der Kittfase ab, damit Sie den Kitt nicht anritzen.
- Korpus zuschneiden. Messen Sie das Rahmenaußenmaß und ziehen Sie zweimal 18 Millimeter Materialstärke für die Innenteile ab. Der Korpus soll bündig hinter der Tür verschwinden.
- Korpus verschrauben. Bohren Sie mit 3 Millimetern vor, senken Sie die Löcher und verschrauben Sie Boden und Deckel zwischen die Seiten mit 4,0 mal 45 Millimeter langen Schrauben, je zwei Schrauben pro Ecke.
- Rückwand aufbringen. Legen Sie die Rückwand auf, richten Sie den Korpus im rechten Winkel aus und verschrauben oder vernageln Sie sie umlaufend alle 15 Zentimeter. Die Rückwand nimmt die Verwindung auf.
- Innenausstattung setzen. Kleben Sie die Kork- oder Filzplatte auf die Rückwand und drehen Sie die Schraubhaken in einer Reihe im Abstand von 4 Zentimetern in eine Leiste unter dem Deckel.
- Tür anschlagen. Schrauben Sie das Klavierband oder die beiden Scharniere an die Korpusseite und dann an den Fensterrahmen. Prüfen Sie den Lauf, bevor Sie alle Schrauben festziehen.
- An der Wand befestigen. Bohren Sie zwei Löcher im oberen und zwei im unteren Drittel der Rückwand, bohren Sie die Wand mit 8 Millimetern und hängen Sie den Schrank mit Dübel und 60 Millimeter langen Schrauben auf. Welcher Dübel zu Ihrem Untergrund passt, klärt der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
MerkeHängen Sie den Schrank so auf, dass die Scharnierseite an der Wandkante liegt und die Tür ins Zimmer aufgeht. Ein Fensterflügel ist mit Glas schwer und zieht am oberen Scharnier. Ein durchgehendes Klavierband verteilt diese Last besser als zwei Punktscharniere.
Was hält so ein Schrank, und wo ist die Grenze?
Der Korpus aus 18 Millimeter starkem Leimholz mit verschraubter Rückwand trägt seinen Inhalt problemlos. Schmuck wiegt fast nichts, selbst eine voll behängte Rückwand kommt selten über 3 Kilogramm. Die Grenze liegt nicht im Korpus, sondern in der Wandbefestigung und in der Tür. Ein Fensterflügel von 60 mal 80 Zentimetern mit Einfachverglasung wiegt je nach Holzart und Glasdicke grob 8 bis 14 Kilogramm. Diese Last hängt beim Öffnen als Hebel an den Scharnieren und am Korpus.
Rechnen Sie deshalb bei der Wandbefestigung mit dem Gesamtgewicht aus Korpus, Tür und Inhalt, also 20 bis 30 Kilogramm, und legen Sie einen Sicherheitsfaktor drauf. In Beton und Vollziegel ist das unkritisch. In Gipskarton brauchen Sie Hohlraumdübel und sollten die Befestigungspunkte auf die Ständer legen. In Porenbeton nehmen Sie Spezialdübel für Porenbeton, keine Spreizdübel. Die Bauformen, die dafür in Frage kommen, sind im Beitrag über das Anbringen von Vitrinen und Glasregalen beschrieben.
Verzichten Sie auf einen Schlüssel, wenn im Haushalt kleine Kinder leben. Ein abschließbarer Glasschrank verleitet dazu, ihn als Sicherheitsbehältnis zu betrachten, und das ist eine dünne Glasscheibe nicht. Bewahren Sie Wertvolles anders auf. Eine ähnliche Bauform ohne Glas beschreibt der Beitrag zum Schmuckschrank.
Wie lange dauert das, und was kostet es?
Der reine Bau dauert 4 bis 6 Stunden. Dazu kommen Trockenzeiten. Ein Anstrich braucht je Schicht mindestens 12 Stunden, bei zwei Schichten also gut einen Tag Wartezeit. Planen Sie zwei bis drei Kalendertage ein, reine Arbeitszeit 6 bis 9 Stunden. Wenn eine Laboranalyse dazukommt, verlängert sich das um die Laufzeit des Labors, meist 5 bis 10 Werktage.
Die Materialkosten liegen bei 60 bis 130 Euro, wenn das Fenster kostenlos ist. Fensterflügel bekommen Sie über Kleinanzeigen, Abrissunternehmen und Bauteilbörsen oft geschenkt. Bezahlen Sie höchstens einen symbolischen Betrag, denn der Aufwand für die Aufarbeitung übersteigt den Materialwert deutlich. Falls Sie das Fenster nicht selbst abholen können, prüfen Sie vorher per Foto, ob die Kittfugen intakt sind. Bröckelnder Kitt ist im Verdachtsfall ein Ausschlusskriterium.
