Beim Schreibtisch wird fast immer über die Optik entschieden und fast nie über die Maße. Das ist die falsche Reihenfolge. Ein Tisch, der drei Zentimeter zu hoch steht, zwingt die Schultern dauerhaft nach oben, und das merken Sie nicht am ersten Tag, sondern nach dem dritten Monat. Die gute Nachricht: Die relevanten Maße lassen sich in zehn Minuten bestimmen.

Welche Schreibtischhöhe passt zu welcher Körpergröße?
Die Regel ist einfach und braucht kein Werkzeug: Setzen Sie sich mit ganzer Fußsohle auf den Boden, lassen Sie die Oberarme senkrecht hängen und legen Sie die Unterarme waagerecht ab. Die Höhe, in der Ihre Unterarme liegen, ist Ihre Tischhöhe. Alles andere ist Näherung. Die folgenden Werte stammen aus Herstellertabellen und dienen nur der Vorauswahl, die Ellenbogenprobe hat Vorrang.
| Körpergröße | Tischhöhe im Sitzen | Tischhöhe im Stehen | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1,55 bis 1,65 Meter | etwa 62 bis 67 Zentimeter | etwa 92 bis 99 Zentimeter | Standardtische sind zu hoch, Fußstütze meist nötig |
| 1,65 bis 1,75 Meter | etwa 67 bis 71 Zentimeter | etwa 99 bis 105 Zentimeter | Standardhöhe von 72 Zentimetern liegt am oberen Rand |
| 1,75 bis 1,85 Meter | etwa 71 bis 75 Zentimeter | etwa 105 bis 111 Zentimeter | Standardhöhe passt für die meisten |
| 1,85 bis 1,95 Meter | etwa 75 bis 80 Zentimeter | etwa 111 bis 117 Zentimeter | Standardtisch zu niedrig, Verstellung oder Bauklötze nötig |
Die 72 Zentimeter, die Sie in fast jedem Möbelhaus finden, sind ein historischer Kompromisswert. Er funktioniert für einen breiten mittleren Bereich und wird für sehr kleine und sehr große Menschen unbrauchbar. Wer 1,90 Meter misst und an einem 72er Tisch arbeitet, sitzt dauerhaft mit gebeugtem Rücken.
Gelten die Arbeitsstättenregeln auch im Homeoffice?
Nein, jedenfalls nicht automatisch. Die Arbeitsstättenverordnung und die zugehörige Technische Regel ASR A6 zur Bildschirmarbeit gelten für Arbeitsstätten des Arbeitgebers und für fest eingerichtete Telearbeitsplätze, die vertraglich vereinbart wurden. Wenn Sie zu Hause gelegentlich mobil arbeiten oder privat am eigenen Schreibtisch sitzen, ist keine dieser Regeln für Sie bindend. Sagen wir das deutlich, weil im Netz oft das Gegenteil suggeriert wird.
Trotzdem sind die Zahlen der beste verfügbare Maßstab, weil sie auf arbeitsmedizinischen Untersuchungen beruhen und nicht auf Möbeldesign. Nutzen Sie sie als Zielwert, nicht als Vorschrift. Wo Ihre Wohnung die Werte nicht hergibt, wissen Sie wenigstens, worauf Sie verzichten.
Wie viel Fläche, Tiefe und Beinfreiheit brauchen Sie?
- Arbeitsfläche: Die ASR A6 nennt für Bildschirmarbeit mindestens 1600 Millimeter Breite und 800 Millimeter Tiefe. Bei nur einem Bildschirm, wenigen Arbeitsmitteln und kaum Papier darf die Breite auf 1200 Millimeter reduziert werden.
- Tiefe und Sehabstand: Die 80 Zentimeter Tiefe sind kein Zufall. Sie erlauben erst den nötigen Abstand zum Bildschirm, weil Tastatur und Handballen davor Platz brauchen. Bei einem 24-Zoll-Bildschirm landen Sie so bei etwa 60 bis 70 Zentimetern Sehabstand.
- Beinraum: Unter der Platte gehört nichts hin. Kein Rollcontainer, kein Rechner, kein Papierkorb. Als Beispielwert für die Beinraumhöhe wird in der Fachliteratur eine Größenordnung von 740 Millimetern genannt.
- Bewegungsfläche: Unmittelbar vor der Arbeitsfläche verlangt die ASR A6 mindestens 1,50 Quadratmeter frei, mit je mindestens 1000 Millimetern Breite und Tiefe. Das ist der Platz, den der Stuhl zum Zurückrollen braucht.
- Kabelführung: Netzteile und Kabelstränge gehören an die Rückseite oder in eine Wanne unter der Platte, nicht in den Fußbereich. Dort schieben Sie sie sonst täglich mit den Fersen hin und her.
Wo steht der Bildschirm, und wo die Tastatur?
Die oberste Bildschirmzeile sollte etwa auf Augenhöhe oder leicht darunter liegen, der Blick geht dann leicht abwärts. Notebooks erfüllen das nie, weil Bildschirm und Tastatur fest verbunden sind: Steht der Bildschirm richtig, liegt die Tastatur zu hoch, und umgekehrt. Die Lösung ist mechanisch simpel und besteht aus einem Ständer plus externer Tastatur. Wie hoch der ausfallen muss und welche Bauformen es gibt, steht im Beitrag über den passenden Ständer für das Notebook.
Setzen Sie den Bildschirm seitlich zum Fenster, nicht davor und nicht mit dem Rücken dazu. Vor dem Fenster arbeiten Sie gegen die Helligkeit, mit dem Rücken zum Fenster spiegelt es sich in der Scheibe. Für die künstliche Beleuchtung gilt dasselbe Prinzip, dazu finden Sie Details im Beitrag über die Schreibtischlampe.
Ein zu hoher Tisch lässt sich nicht durch einen höheren Stuhl reparieren. Sie heben damit zwar die Arme in die richtige Position, verlieren aber den Bodenkontakt der Füße. Dann kippt das Becken nach hinten und der untere Rücken rundet sich. Wenn der Tisch nicht kürzbar ist, brauchen Sie zwingend eine Fußstütze, die hoch genug ist, damit Ober- und Unterschenkel wieder etwa einen rechten Winkel bilden.
Lohnt sich ein höhenverstellbarer Schreibtisch?
Der Nutzen liegt nicht im Stehen an sich, sondern im Wechsel. Statisches Stehen belastet Beine und Venen ebenso einseitig wie statisches Sitzen die Bandscheiben. Eine in der Praxis verbreitete Aufteilung ist etwa 60 Prozent Sitzen, 30 Prozent Stehen und 10 Prozent Umhergehen, verteilt über den Arbeitstag. Diese Aufteilung ist eine Faustregel aus der Arbeitsschutzberatung und keine Norm, die Größenordnung ist aber ein brauchbarer Startpunkt.
Praktisch scheitert der Steharbeitsplatz meist an der Bequemlichkeit. Ein Tisch, der per Kurbel in zwei Minuten hochgeht, wird nicht hochgekurbelt. Ein Tisch mit Motor und gespeicherter Zielhöhe wird benutzt. Wenn Sie sich für Verstellung entscheiden, ist die Speicherfunktion der Punkt, an dem Sie nicht sparen sollten.
- Stuhl zuerst einstellen. Sitzhöhe so, dass die Füße flach stehen und Ober- und Unterschenkel etwa einen rechten Winkel bilden. Der Stuhl ist die Basis, nicht der Tisch.
- Ellenbogenhöhe messen. In dieser Sitzposition den Abstand vom Boden bis zur Unterseite des waagerecht gehaltenen Unterarms messen. Notieren Sie den Wert in Zentimetern.
- Tisch auf diesen Wert bringen. Bei verstellbaren Tischen einstellen und speichern. Bei festen Tischen prüfen, ob sich die Beine kürzen oder mit Möbelerhöhungen aufstocken lassen.
- Bildschirm ausrichten. Oberkante des Bildschirms auf Augenhöhe oder wenige Zentimeter darunter, Neigung leicht nach hinten, Sehabstand etwa eine ausgestreckte Armlänge.
- Beinraum leerräumen. Alles unter der Platte entfernen, Kabel nach hinten führen und mit Klettbindern bündeln.
- Stehhöhe separat einstellen. Im Stehen dieselbe Ellenbogenprobe wiederholen und als zweite Position speichern. Die Differenz beträgt je nach Körpergröße etwa 30 bis 37 Zentimeter.
- Nach zwei Wochen nachjustieren. Ihr Körper meldet Fehleinstellungen verzögert. Prüfen Sie Schultern, Handgelenke und Nacken und korrigieren Sie in Ein-Zentimeter-Schritten.
MerkeWenn Sie eine Tischplatte selbst bauen oder zuschneiden lassen, planen Sie die Kante vorn abgerundet oder gefast. Eine scharfe Plattenkante drückt bei aufliegenden Unterarmen genau auf die Sehnen und Nerven an der Unterarmunterseite. Ein Radius von 2 bis 3 Millimetern reicht bereits, mehr ist besser.
Welcher Aufbau passt in kleine Räume?
Wenn 160 Zentimeter Breite nicht in den Raum passen, gehen Sie über die Tiefe und nicht über die Breite an die Grenze. Eine Platte von 120 mal 80 Zentimetern ist für einen Bildschirm brauchbar, eine von 160 mal 60 Zentimetern ist es nicht, weil der Sehabstand fehlt. Wandmontierte Klapptische lösen das Platzproblem, bringen aber eigene Anforderungen an die Befestigung mit, denn im ausgeklappten Zustand wirkt am vorderen Rand ein erhebliches Kippmoment. Zur Auswahl der Befestigung an unterschiedlichen Wandaufbauten hilft der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
Zwei praktische Zahlen zum Schluss: Der Abstand zwischen Tischkante und Wand hinter dem Bildschirm sollte mindestens 10 Zentimeter betragen, damit Kabel nicht abgeknickt werden. Und wenn Sie einen Rollcontainer brauchen, stellen Sie ihn seitlich neben den Tisch, nicht darunter.
