Ein Schuhregal ist ein einfaches Möbel, an dem trotzdem viel schiefgehen kann. Zu flach, dann stehen die Schuhe über. Zu niedrige Fächer, dann passen die Stiefel nicht. Geschlossen gebaut, dann riecht der Flur. Diese Anleitung baut ein offenes Regal aus Leimholz und legt die Maße vorher fest, statt sie hinterher zu bedauern.

Wie tief muss ein Schuhregal sein?
Das hängt an der größten Schuhgröße im Haushalt. Für die meisten Standardschuhe reicht eine Tiefe von 30 bis 35 Zentimetern, das deckt Damen- und Herrenschuhe bis etwa Größe 44 quer aufgestellt ab. Für Übergrößen brauchen die Bretter 35 bis 40 Zentimeter, und bei sehr großen Größen werden 50 Zentimeter empfohlen. Diese Werte gelten für Schuhe, die längs in das Regal gestellt werden.
Es gibt eine platzsparende Alternative. Schuhkipper und Regale mit schräg gestellten Böden erreichen Bautiefen von nur 15 bis 25 Zentimetern, weil der Schuh dabei nicht flach liegt, sondern angewinkelt steht. Für schmale Flure ist das die realistischere Bauform. Der Nachteil: In einen Kipper passen weniger Schuhe je Fach, und Stiefel gehen gar nicht hinein.
| Bauform | Tiefe | Passt für | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Offenes Regal, Schuhe längs | 30 bis 35 cm | Standardgrößen bis etwa 44 | braucht Flurbreite |
| Offenes Regal, große Größen | 35 bis 40 cm, im Einzelfall 50 cm | Übergrößen, hohe Turnschuhe | steht deutlich in den Raum |
| Schrägboden | etwa 25 cm | flache Schuhe, Sneaker | Absätze verhaken sich |
| Schuhkipper | 15 bis 17 cm | schmale Flure | wenig Fassungsvermögen, keine Stiefel |
Messen Sie vor dem Zuschnitt Ihren größten Schuh, statt sich auf Tabellenwerte zu verlassen. Wanderschuhe und hohe Sneaker fallen bei gleicher Größe deutlich länger aus als Halbschuhe. Legen Sie den Schuh auf ein Blatt Papier, zeichnen Sie den Umriss und messen Sie nach. Zwei Zentimeter Zugabe nach hinten sind sinnvoll, damit die Ferse nicht an der Wand ansteht.
Welche Fachhöhe brauche ich?
Für normale Halbschuhe und Sneaker genügen 15 bis 18 Zentimeter lichte Höhe. Turnschuhe mit dicker Sohle brauchen eher 18 als 15. Kritisch sind zwei Gruppen: Stiefel und Schuhe mit hohem Absatz. Für beide sollten Sie mindestens ein Fach mit 30 bis 35 Zentimetern lichter Höhe vorsehen, sonst verformen sich die Schäfte.
Bauen Sie deshalb nicht alle Fächer gleich hoch. Ein bewährtes Schema für ein Regal von 90 Zentimetern Gesamthöhe: unten ein Stiefelfach mit 32 Zentimetern, darüber drei Fächer mit je 17 Zentimetern. Das Stiefelfach gehört nach unten, weil Stiefel schwer sind und die Last dann tief sitzt.
MerkePlanen Sie das unterste Fach mit 5 bis 8 Zentimetern Bodenfreiheit. Darunter passt der Saugroboter oder der Besen, und der Boden bleibt wischbar. Ohne diese Freiheit sammelt sich unter dem Regal genau der Dreck, den die Schuhe hereintragen.
Warum offen bauen und nicht schließen?
Wegen des Geruchs. Schuhe kommen feucht in den Flur, weil der Fuß im Lauf des Tages Feuchtigkeit abgibt. Diese Feuchtigkeit muss verdunsten. Ein offenes Regal sorgt für Luftzirkulation und beugt der Geruchsbildung vor. Ein geschlossener Schrank hält die Feuchtigkeit im Fach, und dort vermehren sich die Bakterien, die den Geruch verursachen.
Wenn Sie aus optischen Gründen einen geschlossenen Schrank wollen, brauchen Sie Lüftungsöffnungen. Bohren Sie in Rückwand und Böden Löcher von 20 Millimetern in einem Raster von etwa 10 Zentimetern, oder lassen Sie die Rückwand ganz weg und stellen Sie den Schrank mit 2 Zentimetern Abstand zur Wand. Zusätzlich helfen Aktivkohleeinsätze, Zedernholzblöcke oder Duftsäckchen, die aber nur den Geruch überdecken, wenn die Belüftung fehlt.
- Keine Rückwand: spart Material, verbessert die Zirkulation und macht das Regal leichter. Die Aussteifung übernehmen dann zwei diagonale Streben auf der Rückseite.
- Böden mit Schlitzen: Sägen Sie in jeden Boden zwei Längsschlitze von 15 Millimetern Breite, dann trocknen nasse Sohlen von unten ab.
- Abstand zur Wand: 2 Zentimeter über Abstandhalter, damit die Rückseite nicht schwitzt.
- Nasse Schuhe getrennt: Stellen Sie durchnässte Schuhe nicht sofort ins Regal, sondern auf eine abwaschbare Matte, bis das Gröbste abgetrocknet ist.
- Regelmäßig ausräumen: Zweimal im Jahr komplett leeren, feucht auswischen und durchtrocknen lassen. Dabei fällt auf, welche Schuhe seit einem Jahr niemand getragen hat.
Material und Werkzeug
Die Stückliste ergibt ein offenes Regal mit vier Böden, 80 Zentimetern Breite, 35 Zentimetern Tiefe und 90 Zentimetern Höhe. Eine Übersicht über fertige Bauformen und ihre Maße gibt der Beitrag zu Schuhregalen, dort finden Sie auch die Varianten für sehr schmale Flure.
| Position | Menge | Maß | Kosten |
|---|---|---|---|
| Leimholz für Böden | 4 Stück | 764 x 350 x 18 mm | 35 bis 70 Euro |
| Leimholz für Seiten | 2 Stück | 900 x 350 x 18 mm | 20 bis 40 Euro |
| Diagonalstreben | 2 Stück | etwa 1150 x 40 x 15 mm | 6 bis 12 Euro |
| Spanplattenschrauben | 20 Stück | 4,5 x 50 mm | 5 bis 8 Euro |
| Kippsicherungsset | 2 Sets | Winkel oder Gurt | 8 bis 16 Euro |
| Dübel und Schrauben | 2 Sets | Dübel 8 mm, Schraube 6,0 x 70 mm | 4 bis 8 Euro |
| Möbelgleiter | 4 Stück | höhenverstellbar | 5 bis 10 Euro |
| Hartwachsöl oder Lack | 0,375 Liter | zwei Schichten | 12 bis 25 Euro |
- Handkreissäge mit Führungsschiene: für saubere Zuschnitte. Viele Baumärkte schneiden gegen Aufpreis zu, was bei rechtwinkligen Teilen genauer ist als der Schnitt aus freier Hand.
- Akkuschrauber: mit Holzbohrer 3 Millimeter und Kegelsenker. 18 Millimeter starkes Leimholz reißt an der Stirnseite ohne Vorbohren.
- Bohrhammer: mit Steinbohrer 8 Millimeter für die Wandbefestigung.
- Wasserwaage: mindestens 80 Zentimeter Länge, damit die Böden über die volle Breite in Waage stehen.
- Vier Schraubzwingen: zum Fixieren beim Verschrauben. Ein schief verschraubtes Regal steht anschließend auf drei Punkten.
- Schutzausrüstung: Schutzbrille beim Sägen, FFP2-Maske beim Schleifen.
Schritt für Schritt zum Schuhregal
- Schuhe messen. Zeichnen Sie den Umriss des längsten Schuhs im Haushalt ab und messen Sie ihn. Addieren Sie 2 Zentimeter, das ist Ihre Regaltiefe.
- Fachhöhen festlegen. Messen Sie den höchsten Stiefel und den höchsten Absatz. Legen Sie danach das Stiefelfach fest, den Rest teilen Sie in gleich hohe Fächer von 15 bis 18 Zentimetern.
- Zuschnitt kontrollieren. Legen Sie alle sechs Teile auf den Boden und messen Sie nach. Baumarktzuschnitte weichen häufig um 1 bis 2 Millimeter ab, was sich über vier Böden addiert.
- Bodenpositionen anzeichnen. Legen Sie beide Seitenteile Rücken an Rücken und übertragen Sie die Höhen einmal auf beide. So sind die Seiten garantiert identisch.
- Vorbohren und senken. Bohren Sie je Verbindung zwei Löcher mit 3 Millimetern durch die Seite und senken Sie sie an. Der Bohrer muss mittig auf die 18 Millimeter starke Bodenkante treffen.
- Korpus verschrauben. Ziehen Sie die Böden mit 4,5 mal 50 Millimeter langen Schrauben zwischen die Seiten. Prüfen Sie nach jedem Boden den rechten Winkel, bevor Sie weitermachen.
- Diagonal aussteifen. Schrauben Sie zwei Latten kreuzweise auf die Rückseite. Ohne Rückwand ist das die einzige Sicherung gegen Verwindung, und sie behindert die Belüftung nicht.
- Schleifen und behandeln. Gehen Sie mit Korn 120 und 180 über alle Flächen, brechen Sie die Kanten und tragen Sie zwei Schichten Hartwachsöl oder Lack auf. Der Flur ist Schmutzbereich, eine behandelte Fläche lässt sich wischen.
- Gleiter setzen. Schrauben Sie höhenverstellbare Möbelgleiter unter die Seitenteile und gleichen Sie damit die Unebenheit des Flurbodens aus.
- Kippsicherung montieren. Schrauben Sie zwei Winkel an die Regaloberkante, bohren Sie die Wand mit 8 Millimetern und schrauben Sie mit 70 Millimeter langen Schrauben an. Welcher Dübel dafür passt, klärt der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
- Einräumen. Stiefel und schwere Schuhe nach unten, leichte nach oben. Lassen Sie zwischen den Schuhen ein bis zwei Zentimeter Luft, sonst funktioniert die Belüftung nicht.
Warum braucht ein Schuhregal im Flur eine Kippsicherung?
Weil im Flur eine Last auftritt, die im Wohnzimmer nicht vorkommt. Menschen ziehen Schuhe im Stehen an und stützen sich dabei ab, oft genau am nächstgelegenen Möbel. Ein schmales, hohes Regal mit 35 Zentimetern Tiefe hat wenig Standfläche und viel Höhe. Kommt seitlicher Druck in Brusthöhe dazu, kippt es. Wenn Kinder im Haushalt leben, kommt hinzu, dass ein offenes Regal mit Böden wie eine Leiter aussieht.
Kippsicherungssets aus Winkel oder Gurt kosten wenige Euro und sind an jedem Möbel nachrüstbar. Achten Sie darauf, dass beide Seiten tragen. Ein Winkel, der nur in eine dünne Rückwand geschraubt ist, reißt beim ersten Zug aus, deshalb befestigen Sie ihn im Seitenteil oder im obersten Boden. Wandseitig kommt es auf den Untergrund an: In Gipskarton legen Sie die Punkte auf die Ständer, der übliche Abstand beträgt 62,5 Zentimeter.
Sitzbank ist etwas anderes. Wenn Sie sich zum Schuhezubinden auf das Regal setzen wollen, reicht die beschriebene Konstruktion nicht. Ein Sitzbrett muss eine Person tragen, also grob 100 Kilogramm plus Sicherheitsreserve. Dafür brauchen Sie mindestens 27 Millimeter Materialstärke, kürzere Stützweiten und Mittelstützen. Bauen Sie die Bank getrennt vom Regal.
Wie lange dauert das, und was kostet es?
Der Zuschnitt dauert 30 bis 60 Minuten, der Zusammenbau eine Stunde. Schleifen und die erste Ölschicht kosten weitere 1,5 Stunden, die zweite Schicht kommt am nächsten Tag. Insgesamt 3 bis 5 Stunden reine Arbeit, verteilt auf zwei Tage. Wer den Zuschnitt im Baumarkt machen lässt, spart etwa eine Stunde und bekommt genauere Kanten.
Die Materialkosten liegen bei 60 bis 130 Euro, abhängig von der Holzart. Fichtenleimholz ist die günstigste Variante, Buche und Eiche kosten etwa das Doppelte. Multiplex ist eine gute Zwischenlösung, weil es formstabil ist und die sichtbaren Schichtkanten zum Flur passen. Für angrenzende Bauteile im Eingangsbereich lohnt der Blick in den Beitrag über die Befestigung einer Garderobe im Flur, denn dort gelten dieselben Fragen zur Wand.
Notieren Sie sich die Fachhöhen mit Bleistift auf der Regalunterseite. Wenn Sie später einen Boden versetzen wollen, wissen Sie dann sofort, welches Maß Sie hatten.
