Der Heizkörper im Wohnzimmer bleibt kalt, im Schlafzimmer wird er heiß, und im Rohr gluckert es. Solche Störungen wirken zunächst gleich, haben aber sehr verschiedene Ursachen. Die gute Nachricht: Ein großer Teil davon lässt sich im Zimmer selbst eingrenzen, ohne dass jemand in den Heizungskeller muss. Dieser Beitrag bleibt bewusst am Heizkörper und im Raum. Was den Kessel, den Anlagendruck, Fehlercodes und die Zuständigkeit nach Paragraf 13 NDAV angeht, steht im Beitrag zu Problemen mit der Zentralheizung.

Warum wird der Heizkörper nicht warm?
Fassen Sie den Heizkörper zuerst ab und merken Sie sich, wo er warm ist und wo nicht. Diese eine Beobachtung engt die Ursache stärker ein als alles andere. Ein Heizkörper wird von oben nach unten durchströmt, deshalb sagt das Temperaturmuster viel über den Zustand des Wasserkreises aus. Gehen Sie danach die folgende Übersicht durch.
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Ihr nächster Schritt |
|---|---|---|
| Oben kalt, unten warm | Luft im Heizkörper | Entlüften, danach Anlagendruck prüfen lassen |
| Oben warm, unten kalt | Zu geringer Durchfluss, Schlamm oder Ablagerungen | Ventilstift prüfen, sonst Fachbetrieb |
| Ganz kalt, Rohre daneben heiß | Ventilstift sitzt fest | Thermostatkopf abnehmen, Stift gangbar machen |
| Ganz kalt, Rohre ebenfalls kalt | Anlage aus, Strang zu, Pumpe steht | Zentralheizung und Absperrventile prüfen |
| Wird heiß, obwohl der Kopf zu ist | Thermostatkopf defekt oder falsch montiert | Kopf tauschen, Ventilstift kontrollieren |
| Gluckern und Rauschen | Luft im System oder zu hohe Pumpenstufe | Entlüften, Pumpeneinstellung durch den Fachbetrieb |
| Nur der letzte Heizkörper im Strang bleibt kühl | Fehlender hydraulischer Abgleich, oft in Einrohrsystemen | Fachbetrieb, Abgleich und Pumpeneinstellung |
| Ganze Wohnung kühl, Nachbarn ebenso | Störung an der zentralen Anlage | Hausverwaltung oder Vermieter informieren |
Was geschlossen bleibt, bleibt geschlossen. Ihr Bereich endet am Entlüftungsventil und am Thermostatkopf. Verschraubungen am Heizkörper, die Rücklaufverschraubung, Rohrleitungen, Umwälzpumpe, Ausdehnungsgefäß und alles im Heizungsraum gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Heizungswasser erreicht je nach Anlage 60 bis 75 Grad Celsius und tritt unter Druck aus, eine geöffnete Verschraubung verbrüht in Sekunden und setzt zusätzlich einen Wasserschaden. Die Umwälzpumpe hängt an 230 Volt Netzspannung. Wenn Sie Gas riechen, betätigen Sie keinen Schalter, lüften Sie, verlassen Sie das Gebäude und rufen Sie erst von draußen den Entstörungsdienst des Netzbetreibers.
Wie entlüften Sie einen Heizkörper richtig?
Luft sammelt sich oben, weil sie leichter ist als Wasser. Sie legt sich wie ein Polster über den oberen Teil des Heizkörpers und verdrängt dort das warme Wasser. Das Entlüften selbst dauert pro Heizkörper etwa zwei Minuten. Die Vorbereitung ist der Teil, den die meisten überspringen, und genau daran scheitert es dann.
- Werkzeug bereitlegen. Sie brauchen einen Entlüfterschlüssel mit Vierkant der Größe 5 Millimeter, ein kleines Gefäß und einen Lappen. Manche neueren Ventile haben stattdessen einen Schlitz für einen Schraubendreher.
- Umwälzpumpe abschalten. Schalten Sie die Pumpe ab oder bitten Sie die Hausverwaltung darum und warten Sie 30 bis 60 Minuten. In dieser Zeit steigt die Luft in den oberen Bereich der Heizkörper, statt im Kreis mitgerissen zu werden.
- Alle Thermostatköpfe voll aufdrehen. Öffnen Sie in der Wohnung jedes Ventil vollständig, damit die Luft aus dem gesamten Heizkörper entweichen kann.
- Von unten nach oben arbeiten. Beginnen Sie im untersten Geschoss und am Heizkörper, der der Anlage am nächsten liegt. Arbeiten Sie sich Stockwerk für Stockwerk nach oben vor. Im Mehrfamilienhaus stimmen Sie den Termin mit den anderen Parteien ab, sonst ziehen Sie deren Luft in Ihre Leitungen.
- Ventil langsam öffnen. Drehen Sie das Entlüftungsventil oben am Heizkörper eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn und halten Sie das Gefäß darunter. Es zischt, solange Luft entweicht.
- Bei Wasser schließen. Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Blasen kommt, drehen Sie das Ventil wieder zu. Nicht mit Kraft, handfest genügt.
- Zweiten Durchgang einplanen. Nach ein bis zwei Stunden lohnt sich eine Wiederholung, weil sich Restluft neu sammelt.
- Druck kontrollieren lassen. Jedes Entlüften entnimmt der Anlage Wasser und senkt den Anlagendruck. Fällt er unter den Sollwert am Manometer, wird nachgefüllt, und das ist in Miethäusern Sache des Betreibers.
Wenn nach dem Entlüften gar nichts kommt, weder Luft noch Wasser, ist das Ventil verkalkt oder der Heizkörper hat keinen Zulauf. Dann liegt es nicht an der Luft, und Sie sind beim nächsten Abschnitt.
Der Ventilstift sitzt fest: woran erkennen Sie das?
Unter jedem Thermostatkopf sitzt ein kleiner Metallstift. Der Kopf drückt ihn hinein, wenn es warm genug ist, und eine Feder schiebt ihn wieder heraus, wenn Wärme angefordert wird. Steht ein Heizkörper den Sommer über auf null, verharzt dieser Stift gern in der eingedrückten Stellung. Im Oktober bleibt der Heizkörper dann eiskalt, obwohl der Kopf auf Stufe 5 steht und die Rohre daneben heiß sind. Das ist eine der häufigsten Störungen zu Beginn der Heizperiode und zugleich eine der wenigen, die Sie ohne Wassereingriff beheben können.
- Erkennen: Rohr heiß, Heizkörper kalt, Thermostat voll aufgedreht. Kein Gluckern, kein warmer oberer Bereich.
- Kopf abnehmen: Drehen Sie den Kopf auf die höchste Stufe und lösen Sie die Überwurfmutter am Kopf gegen den Uhrzeigersinn, von Hand oder mit einer Wasserpumpenzange. Der Wasserkreis bleibt dabei geschlossen, Sie nehmen nur die Kappe ab.
- Prüfen: Drücken Sie den freiliegenden Stift mit dem Daumen ein. Er muss sich einige Millimeter bewegen und von selbst zurückspringen. Bleibt er stehen, sitzt er fest.
- Lösen: Fassen Sie den Stift mit einer Zange sanft an und ziehen Sie ihn mehrmals heraus und drücken ihn wieder hinein. Ohne Gewalt und ohne Hebel, der Stift bricht sonst ab.
- Schmieren: Ein Tropfen Kriechöl oder Armaturenfett auf den Stift hält länger als reines Lösemittel. Wischen Sie Überschuss ab, bevor Sie den Kopf wieder aufsetzen.
- Aufgeben: Bewegt sich der Stift nach mehreren Versuchen nicht, ist das Ventilinnenteil defekt. Der Tausch erfordert das Absperren oder Entleeren des Strangs und gehört zum Fachbetrieb.
Bleibt der Heizkörper heiß, obwohl Sie den Kopf zudrehen, liegt der umgekehrte Fall vor: Der Kopf überträgt seine Bewegung nicht mehr. Ein Thermostatkopf ist ein Verschleißteil und kostet als Ersatz meist einen niedrigen zweistelligen Betrag. Welche Bauformen es gibt und worauf beim Wechsel zu achten ist, beschreibt der Beitrag zu Problemen mit dem Thermostat.

Einrohr oder Zweirohr: warum bleibt der letzte Heizkörper kühl?
Es gibt zwei verbreitete Verteilarten im Haus, und sie erklären ein Störungsbild, gegen das Entlüften nichts ausrichtet. Bei der Zweirohrheizung, dem heutigen Standard, führen zwei Leitungen zu jedem Heizkörper: eine mit heißem Vorlauf, eine für den abgekühlten Rücklauf. Alle Heizkörper hängen parallel und bekommen näherungsweise dieselbe Vorlauftemperatur. Bei der Einrohrheizung dagegen läuft eine Ringleitung von Heizkörper zu Heizkörper. Jeder gibt Wärme ab, und das Wasser wird auf dem Weg kühler. Der letzte im Strang bekommt deshalb systembedingt die niedrigste Temperatur.
Erkennen können Sie das an der Rohrführung: Geht von einem Heizkörper ein Rohr sichtbar weiter zum nächsten, statt jeweils in Boden oder Wand zu verschwinden, spricht das für ein Einrohrsystem. Diese Anlagen wurden vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren verbaut. Das Verhalten verschärft sich, wenn alle vorderen Heizkörper voll aufgedreht sind und der hintere leer ausgeht. Was hier hilft, ist der hydraulische Abgleich: Ein Fachbetrieb berechnet für jeden Heizkörper den nötigen Volumenstrom und stellt ihn an den Ventilen ein. Das ist keine Einstellung, die man durch Probieren an den Thermostatköpfen ersetzen kann. Wenn einzelne Räume dauerhaft nicht warm werden und ein Abgleich technisch nicht in Betracht kommt, ist die punktuelle elektrische Zusatzheizung eine Notlösung mit hohen Betriebskosten, wie der Beitrag zum Infrarotheizkörper zeigt.
Welche Temperatur müssen Sie überhaupt erreichen können?
Für Mietwohnungen ist die Frage weitgehend geklärt. Während der Heizperiode, die üblicherweise vom 1. Oktober bis zum 30. April läuft, muss der Vermieter die Anlage so betreiben, dass in Wohnräumen tagsüber zwischen 6 und 23 Uhr eine Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius einstellbar ist. Nachts, also zwischen 23 und 6 Uhr, gilt eine niedrigere Grenze von rund 18 Grad Celsius. Bleibt die Wohnung dauerhaft darunter, sieht die Rechtsprechung darin regelmäßig einen Mangel, der eine Mietminderung begründen kann. Mietvertragsklauseln, die tagsüber weniger festschreiben, hält der Deutsche Mieterbund für unwirksam. Melden Sie den Mangel schriftlich und mit Datum, Uhrzeit und gemessener Temperatur.
Die Nachtabsenkung ist genau dieser zweite Wert in technischer Form: Die Anlage fährt die Vorlauftemperatur nachts herunter. Bei Gas- und Ölkesseln in nicht besonders gut gedämmten Gebäuden ist eine Absenkung um 2 bis 5 Kelvin üblich. Bei Wärmepumpen sieht es anders aus, denn das morgendliche Wiederaufheizen verlangt eine hohe Vorlauftemperatur, und genau die kostet bei dieser Technik überproportional viel Strom. Eine pauschale Empfehlung gibt es deshalb nicht; die Einstellung gehört zur Anlagenoptimierung durch den Fachbetrieb. Im Raum selbst können Sie mehr tun, als viele annehmen: Ein Thermostatkopf misst die Luft, die ihn umströmt. Steht davor ein Sofa oder hängt ein bodenlanger Vorhang darüber, misst er einen Wärmestau und drosselt, während der Raum auskühlt. Halten Sie 30 Zentimeter Abstand nach vorn frei, und lüften Sie kurz und kräftig mit weit geöffnetem Fenster statt dauerhaft auf Kipp.
MerkeDie Ziffern am Thermostatkopf sind keine Leistungsstufen, sondern Zieltemperaturen. Bei den meisten Herstellern steht die 3 für ungefähr 20 Grad Celsius, und jede Stufe entspricht rund 3 bis 4 Kelvin. Ein Raum wird deshalb nicht schneller warm, wenn Sie beim Betreten auf 5 drehen. Er wird nur wärmer als gewollt, und Sie zahlen die Differenz.
Wann rufen Sie den Fachbetrieb, und was sagen Sie ihm?
Rufen Sie an, wenn der Ventilstift sich nicht lösen lässt, wenn Wasser aus einer Verschraubung oder unter dem Heizkörper austritt, wenn der Anlagendruck immer wieder fällt, wenn mehrere Räume trotz Entlüften kalt bleiben oder wenn der Heizkörper trotz vollem Durchfluss nur zur Hälfte warm wird. In Mietwohnungen läuft der Weg über den Vermieter oder die Hausverwaltung, denn diese beauftragen den Betrieb und tragen die Kosten für Mängel an der Anlage. Eigenmächtig beauftragte Handwerker bekommen Sie im Streitfall schwer erstattet, außer bei einem echten Notfall, den Sie zuvor erfolglos gemeldet haben.
Bereiten Sie drei Angaben vor: Wo genau ist der Heizkörper warm und wo kalt, seit wann besteht das Verhalten, und was haben Sie bereits getan. Notieren Sie zusätzlich Baujahr und Typ der Anlage, den Wert am Manometer, falls Sie ihn ablesen können, und ob Nachbarn dasselbe Problem haben. Ein Kostenvoranschlag ist bei absehbar größeren Arbeiten sinnvoll, etwa beim Tausch eines Ventilinnenteils mit Strangentleerung. Und wenn ohnehin ein Termin ansteht, lassen Sie gleich fragen, wann für Ihr Gebäude zuletzt ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wurde. Das Protokoll dazu liegt beim Betreiber der Anlage.
