Eine Markise ist kein Regalbrett. Ausgefahren steht sie mit zwei bis vier Metern Ausfall waagerecht in der Luft, und jeder Windstoß von unten arbeitet über diesen Hebel an den Ankerpunkten in der Wand. Genau deshalb entscheidet nicht die Markise über die Sicherheit, sondern die Wand, in die Sie bohren. Diese Anleitung geht die Untergründe durch, erklärt die Windwiderstandsklassen und nennt die Punkte, an denen die Montage in professionelle Hände gehört.

Was bedeuten die Windwiderstandsklassen nach DIN EN 13561?
Die Norm ordnet Markisen einer von vier Klassen zu. Sie sagt aus, bis zu welcher Windstärke der Behang ausgefahren bleiben darf. Klasse 0 bedeutet: Bei Wind ist die Markise einzufahren, das Produkt erfüllt die Anforderungen der Klasse 1 nicht.
| Windwiderstandsklasse | Windstärke (Beaufort) | Windgeschwindigkeit | Woran Sie es draußen erkennen |
|---|---|---|---|
| Klasse 0 | keine Freigabe | bei Wind einfahren | Behang nur bei ruhigem Wetter nutzen |
| Klasse 1 | Windstärke 4 | etwa 20 bis 27 km/h | dünne Zweige bewegen sich, Papier fliegt auf |
| Klasse 2 | Windstärke 5 | etwa 29 bis 38 km/h | kleine Laubbäume schwanken |
| Klasse 3 | Windstärke 6 | bis etwa 49 km/h | starke Äste bewegen sich deutlich |
Klasse 2 gilt im privaten Bereich als sinnvoller Standard. Der Punkt, den Prospekte gern verschweigen: Die Klasse ist keine Eigenschaft der Markise allein. Sie ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel von Produkt, Untergrund und Befestigung. Eine Markise der Klasse 3 an einer schwachen Wand mit zu wenigen Konsolen ist in der Praxis keine Klasse-3-Markise mehr.
In der Berechnung nach der Norm wird für den ausgefahrenen Zustand üblicherweise mit einer Flächenlast von 70 Newton je Quadratmeter gerechnet. Aus Breite, Ausfall und Eigengewicht der Bauteile ergeben sich über Hebelgesetz und Drehmoment die Zugkräfte, die an den Befestigungsschrauben der Konsolen ankommen. Ein Beispiel macht die Größenordnung deutlich: Eine Markise mit 4 Metern Breite und 3 Metern Ausfall hat 12 Quadratmeter Fläche. Mit 70 Newton je Quadratmeter ergeben sich rund 840 Newton, die über wenige Ankerpunkte in die Wand gehen. Der Hebel des Ausfalls vervielfacht die Zugkraft an der oberen Schraubenreihe zusätzlich.
Welcher Untergrund trägt eine Markise?
Vor der Montage steht die Probebohrung. Sie klärt, was hinter dem Putz sitzt, und liefert das Bohrmehl, an dem sich das Material erkennen lässt. Grauer, harter Staub deutet auf Beton, roter auf Ziegel, weißer und leichter auf Porenbeton oder Kalksandstein. Wenn der Bohrer nach kurzem Widerstand plötzlich durchsackt, sind Sie in einem Hohlraum, und der Standarddübel ist damit erledigt.
- Stahlbeton: der beste Fall. Bolzenanker oder Injektionsanker mit bauaufsichtlicher Zulassung, Verankerungstiefe nach Herstellerangabe, Schlagbohren erlaubt.
- Vollziegel und Kalksandstein-Vollstein: tragfähig, aber empfindlicher. Injektionsmörtel mit Ankerstange verteilt die Last besser als ein Spreizdübel.
- Hochlochziegel: ohne Schlagwerk bohren. Verwenden Sie Injektionsmörtel mit Siebhülse, damit der Mörtel nicht in die Kammern läuft. Ein Spreizdübel bricht hier die Stege heraus.
- Porenbeton: geringe Festigkeit. Nur mit dafür zugelassenen Systemen und großen Verankerungstiefen, oft ist eine Durchankerung mit Gegenplatte die einzige belastbare Lösung.
- Zweischaliges Mauerwerk mit Klinkervorsatz: Die Vorsatzschale trägt die Markise nicht. Bei Schalendicken unter etwa 130 Millimetern werden Durchsteckanker mit Injektionsklebstoff bis in die Tragschale gesetzt.
- Holzständerwand oder verkleidete Fassade: Die Verkleidung ist irrelevant. Es zählt, ob Sie den Ständer oder die dahinterliegende Massivwand treffen.
Welcher Dübeltyp grundsätzlich in welches Material gehört und wann Sie den Schlagbohrmodus abschalten müssen, ist im Ratgeber welchen Dübel für welche Wand ausführlicher beschrieben. Für eine Markise gilt allerdings eine schärfere Regel als für ein Regal: Es kommt nur Befestigungsmaterial mit Zulassung für den konkreten Untergrund infrage, und die Angaben des Markisenherstellers zur Mindestzahl der Konsolen sind bindend.
Wie befestigen Sie eine Markise auf einem Wärmedämmverbundsystem?
Hier liegt der häufigste und teuerste Fehler. Eine Dämmplatte aus Polystyrol oder Mineralwolle nimmt weder Zug noch Schub auf. Wer eine Konsole mit einem langen Dübel in die Dämmebene schraubt, hat die Markise faktisch nicht befestigt. Der erste kräftige Windstoß reißt die Konsole samt Putz aus der Fassade.
Zwei Verfahren sind zugelassen und gebräuchlich. Beim Abstandsmontagesystem wird eine Gewindestange oder Hülse durch die Dämmung bis in den tragenden Untergrund geführt und dort verankert. Die Konsole sitzt anschließend auf einem Distanzstück, das die Dämmstärke überbrückt, ohne sie zu belasten. Marktübliche Systeme decken Dämmstärken von 60 bis 290 Millimetern ab; einzelne Adaptersysteme lassen sich in der Länge bis etwa 300 Millimeter anpassen. Beim zweiten Verfahren wird mit Gewindestangen und Injektionsmörtel durchgeankert, teils mit Gegenplatte auf der Innenseite.
Drei Details entscheiden über die Haltbarkeit. Erstens das Material: Ankerstangen und Stahlteile wählen Sie in nichtrostender Ausführung A4, weil sie im Feuchtebereich der Fassade sitzen. Zweitens die Abdichtung: Jede Durchdringung braucht eine Dichtmanschette oder eine dauerelastische Abdichtung, sonst läuft Wasser hinter die Dämmung. Drittens die Wärmebrücke: Ein durchgehendes Metallteil leitet Wärme nach außen, an der Innenseite kann die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt fallen. Thermisch getrennte Adapter aus glasfaserverstärktem Kunststoff sind genau dafür gemacht.
Achtung, hier endet die Heimwerkerarbeit. Eine Markise auf einem Wärmedämmverbundsystem, an zweischaligem Mauerwerk oder mit mehr als etwa 4 Metern Breite ist ein Fall für den Fachbetrieb. Er kennt die zugelassenen Ankersysteme, kann die Windklasse für Ihren konkreten Untergrund rechnen und haftet für das Ergebnis. Eine herabstürzende Markise trifft die Terrasse, auf der Menschen sitzen. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Wand trägt, ist das bereits die Antwort.
Wie gehen Sie bei der Montage vor?
- Untergrund prüfen. Setzen Sie an einer unauffälligen Stelle eine Probebohrung und bestimmen Sie das Material am Bohrmehl. Notieren Sie, ab welcher Tiefe der tragende Untergrund beginnt, bei WDVS also die Dämmstärke.
- Höhe festlegen. Die Unterkante der eingefahrenen Markise muss über der Tür frei bleiben. Planen Sie zusätzlich den Neigungswinkel ein: Bei geneigtem Behang liegt die Vorderkante deutlich tiefer als die Wandbefestigung.
- Konsolen anzeichnen. Übertragen Sie die Konsolenpositionen aus der Montageanleitung. Halten Sie die vom Hersteller vorgegebenen Rand- und Achsabstände ein und richten Sie alle Konsolen mit Schlagschnur und Wasserwaage auf eine gemeinsame Flucht aus.
- Bohren. Bohren Sie im zum Untergrund passenden Modus, in Lochziegel und Porenbeton ohne Schlag. Blasen Sie die Bohrlöcher aus und bürsten Sie sie, bevor Injektionsmörtel eingebracht wird. Restmehl im Loch halbiert die Auszugswerte.
- Anker setzen. Setzen Sie die Anker nach Zulassung, bei Injektionssystemen die Aushärtezeit abwarten. Diese Zeit hängt von der Temperatur ab und steht auf der Kartusche.
- Konsolen montieren und ausrichten. Schrauben Sie die Konsolen an und prüfen Sie erneut die Flucht. Sitzen die Konsolen nicht in einer Linie und im Lot, verspannt sich das Tragrohr und belastet die Dübel dauerhaft, auch bei eingefahrener Markise.
- Markise einhängen. Heben Sie das Tragrohr zu zweit oder zu dritt ein und sichern Sie es sofort mit den Klemmstücken. Eine Kassettenmarkise von 4 Metern Breite ist kein Gewicht für eine Person auf der Leiter.
- Neigung einstellen und Probelauf. Stellen Sie den Ausfallwinkel so ein, dass Regenwasser sicher abläuft. Fahren Sie die Markise mehrfach vollständig aus und ein und prüfen Sie, ob beide Gelenkarme gleichmäßig ziehen.
MerkeEine Markise ist kein Regenschutz. Bei stehendem Wasser bildet sich ein Wassersack im Tuch, dessen Gewicht die Gelenkarme und die Wandbefestigung überlastet. Fahren Sie den Behang bei Regen ein und lassen Sie ihn niemals nass aufgerollt, sonst entstehen Stockflecken im Gewebe.
Was gilt in der Mietwohnung und bei Eigentumswohnungen?
Eine an Fassade oder Balkondecke befestigte Markise ist eine bauliche Veränderung und damit grundsätzlich genehmigungspflichtig. Gerichte haben Mietern allerdings in Einzelfällen einen Anspruch auf die Zustimmung zugesprochen. Das Amtsgericht München entschied am 7. Juni 2014 (Az. 411 C 4836/13) zugunsten eines Mieters, der sich zum Rückbau beim Auszug verpflichtet hatte. Die Begründungslinie: Der Vermieter darf Einrichtungen, die dem Mieter das Wohnen angenehmer machen, nicht ohne sachlichen Grund verweigern. Ein sachlicher Grund kann ein einheitliches Fassadenbild oder ein statisches Bedenken sein.
In der Wohnungseigentümergemeinschaft betrifft die Außenansicht das Gemeinschaftseigentum, hier ist in der Regel ein Beschluss erforderlich. Fragen Sie vorher nach, ob es eine Regelung zu Farbe und Bauform gibt. Prüfen Sie außerdem die Landesbauordnung, wenn die Markise über eine Grundstücksgrenze oder über öffentlichen Gehweg ragt.
Wenn die Fassade die Lasten nicht hergibt oder eine Genehmigung nicht zu bekommen ist, bleiben freistehende Lösungen. Ein Sonnensegel lässt sich zwischen vorhandenen Punkten spannen und kommt teils ohne Fassadenbefestigung aus. Wer dennoch an die Wand muss und wissen will, wie eine belastbare Durchankerung im Detail aussieht, findet die gleiche Technik beim Montieren einer Satellitenschüssel an der Hauswand beschrieben.
Prüfen Sie die Konsolenschrauben einmal jährlich vor der Saison auf festen Sitz und kontrollieren Sie die Abdichtung der Durchdringungen. Ein dunkler Fleck im Putz unter einer Konsole bedeutet, dass Wasser eindringt.
