T-Shirts sind für Textilgarn das beste Ausgangsmaterial im Kleiderschrank. Sie bestehen aus Jersey, einer Maschenware, die beim Ziehen in die Länge an den Kanten nach innen einrollt und nicht ausfranst. Aus einem geschnittenen Streifen wird dadurch von selbst eine weiche Kordel. Für Denim gilt das nicht, deshalb wird ein Teppich aus alten Jeans genäht statt gehäkelt. Diese Anleitung behandelt nur den Jerseyweg.

Warum eignet sich Jersey so gut?
Wegen des Maschenaufbaus. Gewebe wie Denim oder Popeline haben feste Kett- und Schussfäden, die an der Schnittkante lose enden und ausfransen. Jersey ist gewirkt, die Maschen greifen ineinander, und beim Ziehen zieht sich das Material quer zusammen. Ein zwei bis drei Zentimeter breiter Streifen wird dabei zu einem Strang von etwa einem Zentimeter Durchmesser mit weicher Oberfläche.
Das hat einen Nebeneffekt, den Sie einplanen sollten: Der fertige Teppich ist elastisch. Er zieht sich unter Last leicht zusammen und dehnt sich beim Waschen. Ein gehäkelter Jerseyteppich behält deshalb seine Form nur, wenn Sie ihn flach trocknen. Aufgehängt zieht er sich in die Länge und wird oval. Verwenden Sie möglichst Shirts aus dickerem Baumwolljersey, dünne Werbeshirts reißen beim Ziehen an den Streifen.
MerkeWaschen Sie alle Shirts vor dem Zuschnitt bei der Temperatur, die der fertige Teppich später aushalten soll. Baumwolle läuft vor allem beim ersten Waschgang ein. Wer das überspringt, hat nach der ersten Wäsche eine Fläche, die sich ungleichmäßig zusammenzieht und wellt.
Wie viele T-Shirts brauchen Sie?
Für einen runden Teppich mit 80 Zentimetern Durchmesser werden 600 bis 1000 Gramm Textilgarn genannt. Ein T-Shirt in Erwachsenengröße wiegt je nach Stoffqualität etwa 130 bis 200 Gramm, davon geht der Anteil für Ärmel, Kragen und Saum verloren. Als Faustwert kommen Sie damit auf 8 bis 12 Shirts. Rechnen Sie lieber zwei Stück mehr ein, als mitten in der Arbeit die Farbe wechseln zu müssen.
| Teppichmaß | Garnmenge | T-Shirts etwa | Häkelnadel | Arbeitszeit |
|---|---|---|---|---|
| rund, 50 Zentimeter | 250 bis 400 Gramm | 4 bis 6 | 8 bis 10 Millimeter | 3 bis 4 Stunden |
| rund, 80 Zentimeter | 600 bis 1000 Gramm | 8 bis 12 | 10 bis 12 Millimeter | 6 bis 9 Stunden |
| rund, 100 Zentimeter | 1000 bis 1600 Gramm | 14 bis 20 | 12 Millimeter | 10 bis 14 Stunden |
| rechteckig, 60 x 90 Zentimeter | 700 bis 1100 Gramm | 9 bis 14 | 10 bis 12 Millimeter | 7 bis 10 Stunden |
- Stoffschere oder Rollschneider: Ein Rollschneider mit Schneidematte liefert gleichmäßigere Streifen und ist bei zehn Shirts deutlich schneller.
- Schneidematte: mindestens im Format A2, sonst müssen Sie den Stoff ständig umlegen.
- Häkelnadel 8 bis 12 Millimeter: Für Textilgarn werden dicke Nadeln verwendet. Mit einer Nadel unter 8 Millimetern wird die Fläche hart und die Hand müde.
- Maschenmarkierer: für den Rundenanfang. Ohne Markierung verlieren Sie bei festen Maschen im Kreis nach drei Runden den Überblick.
- Antirutschunterlage: Vlies für Teppichboden, Gummigitter für Hartböden, jeweils zuschneidbar.
- Wollnadel mit großem Öhr: zum Vernähen der Enden. Knoten im Teppich zeichnen sich als Beulen ab.
Wie schneiden und häkeln Sie das Garn?

- Shirts waschen. Waschen Sie alle Shirts vor dem Zuschnitt und trocknen Sie sie vollständig. Das Einlaufen findet dann vor der Arbeit statt, nicht danach.
- Shirt zerlegen. Schneiden Sie den unteren Saum ab und trennen Sie den oberen Teil mit Ärmeln und Kragen quer ab. Übrig bleibt ein Stoffschlauch, das ist Ihr Rohmaterial.
- Streifen schneiden. Legen Sie den Schlauch flach und schneiden Sie quer Streifen von 2 bis 4 Zentimetern Breite, wobei Sie etwa 4 Zentimeter vor der gegenüberliegenden Kante stoppen. Angaben zwischen 2 und 4 Zentimetern sind üblich, 3 Zentimeter passen für die meisten Stoffe.
- Schrägschnitte setzen. Klappen Sie den Stoff auf und schneiden Sie die stehen gebliebenen Stege schräg durch, jeweils versetzt. So entsteht ein einziger durchgehender Faden statt vieler Ringe.
- Garn ziehen. Ziehen Sie den Faden abschnittsweise kräftig in die Länge. Die Kanten rollen sich nach innen ein, der Streifen wird rund und deutlich länger. Wickeln Sie ihn direkt zum Knäuel auf.
- Anfangsring bilden. Beginnen Sie mit einem Fadenring und 6 festen Maschen. Setzen Sie den Maschenmarkierer in die erste Masche der Runde.
- Gleichmäßig zunehmen. Häkeln Sie in Spiralrunden weiter und nehmen Sie pro Runde 6 Maschen gleichmäßig verteilt zu. Nach etwa 13 Runden erreichen Sie rund 80 Zentimeter Durchmesser.
- Flachheit prüfen. Legen Sie den Teppich nach jeder zweiten Runde auf den Boden. Wellt sich der Rand, haben Sie zu viel zugenommen. Wölbt er sich zur Schüssel, zu wenig. Beides korrigieren Sie sofort, nachträglich geht es nicht mehr.
- Farben wechseln. Wechseln Sie das Knäuel am Rundenanfang und lassen Sie 10 Zentimeter Faden stehen. Diese Enden werden später vernäht, nicht verknotet.
- Abschließen und vernähen. Häkeln Sie eine letzte Runde ohne Zunahme als Abschlusskante und vernähen Sie alle Fadenenden mit der Wollnadel auf der Unterseite.
Warum ist ein loser Teppich gefährlich?
Weil er unter dem Fuß wegrutscht und weil sich seine Ecken aufstellen. Beides sind klassische Sturzursachen, gerade auf glatten Böden und in Fluren, wo Menschen schnell gehen. Ein gehäkelter Teppich ist zusätzlich betroffen, weil er im Vergleich zu einem gewebten Industrieteppich leicht ist und keine beschichtete Rückseite hat.
Die Lösung ist eine Antirutschunterlage, die ringsum 5 bis 10 Zentimeter kleiner ist als der Teppich. Auf Hartböden funktionieren Gummigitter gut. Auf Teppichboden brauchen Sie stattdessen eine Unterlage aus Vliesstoff mit rauer, gitterartiger Struktur, denn Gummimatten wirken dort nicht und können das Rutschen sogar verstärken. Gegen aufstellende Ecken gibt es dreieckige Antirutsch-Pads zum Aufkleben. Weitere Bauformen aus Stoffresten und ihre Befestigung beschreibt der Beitrag zu Teppichen aus Stoffresten.
Nicht auf die Treppe. Ein selbst gehäkelter Teppich gehört nicht auf Treppenstufen und nicht an den Fuß einer Treppe. Er ist nicht formstabil genug, um dauerhaft plan zu liegen, und eine verrutschte Stufenauflage führt zu Stürzen mit Fallhöhe. Für Stufen gibt es fest verklebte Auflagen mit gerader Kante.
Wie waschen und pflegen Sie den Teppich?
Textilgarn aus Baumwolle ist robust und maschinenwaschbar. Waschen Sie den Teppich im Schonwaschgang bei 30 Grad und ohne Schleudern über 600 Umdrehungen, sonst verzieht sich die Fläche. In den Trockner gehört er nicht. Legen Sie ihn nass flach auf ein Handtuch, ziehen Sie ihn in Form und lassen Sie ihn liegend trocknen, das dauert je nach Dicke ein bis zwei Tage.
Zwischen den Wäschen reicht Absaugen mit der glatten Düse ohne rotierende Bürste, die zieht die Maschen auf. Einzelne Flecken behandeln Sie punktuell und von außen nach innen, damit sich der Rand nicht abzeichnet. Welches Mittel zu welchem Fleck passt, steht im Beitrag über Flecken auf Teppich entfernen. Ein 80 Zentimeter großer Teppich braucht 6 bis 9 Stunden Arbeit, davon etwa zwei Stunden für das Schneiden und Wickeln des Garns.
