Ein Wandtattoo ist eine dünne, selbstklebende Folie, die nur eine einzige Bedingung wirklich braucht: eine Fläche, auf der sie ganzflächig aufliegen kann. Alles andere folgt daraus. Deshalb steht am Anfang nicht das Motiv, sondern der Fingertest an der Wand. Fühlt sie sich rau, kreidig oder klebrig an, wird das nichts.

Auf welchen Untergründen hält ein Wandtattoo?
Die Klebeschicht braucht Kontakt zur Fläche. Jede Struktur verringert diese Kontaktfläche, und ab einem gewissen Punkt hält die Folie nur noch auf den Spitzen der Struktur, nicht in den Tälern. Dann löst sich das Motiv an den Rändern.
| Untergrund | Eignung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Glatte Vliestapete, glatte Papiertapete | gut geeignet | Standardfall in Wohnräumen |
| Feine Raufaser | bedingt geeignet | gründlich andrücken, notfalls anwärmen |
| Grobe Raufaser | nicht geeignet | zu wenig Kontaktfläche, Folie löst sich |
| Dispersionsfarbe auf glattem Grund | gut geeignet | mindestens 3 Wochen ausgetrocknet |
| Latex-, Silikat-, Acryl- und Leimfarbe | nicht geeignet | Oberfläche nimmt den Kleber nicht an |
| Glatter Beton, glattes Metall, Fliesen, Holz, lackiertes Holz, Acrylglas | gut geeignet | Fläche muss fettfrei sein |
| Putz, Glättputz, Rauputz, Lehmputz, Strukturfliesen | nicht geeignet | zu offenporig oder zu unregelmäßig |
| OSB-Platte, unbehandelte Spanplatte, Sichtmauerwerk, Kalksandstein | nicht geeignet | saugend und uneben |
Ein einfacher Vorabtest hilft: Kleben Sie an einer unauffälligen Stelle ein Stück Kreppband auf, drücken Sie es an und ziehen Sie es nach einer Stunde ab. Bleibt Farbe am Band, ist der Anstrich nicht tragfähig genug. Löst sich das Band ohne Widerstand, ist die Oberfläche zu kreidig oder zu fettig.
Frische Farbe braucht mindestens drei Wochen. Dispersionsfarbe ist nach wenigen Stunden trocken, aber noch lange nicht durchgehärtet. In den ersten Wochen entweichen weiter Lösungsmittel und Wasser aus dem Anstrich, und die Oberfläche bleibt weich. Ein Wandtattoo, das zu früh aufgebracht wird, haftet entweder gar nicht oder es verbindet sich so fest mit der weichen Farbe, dass es beim Entfernen den ganzen Anstrich mitnimmt. Bei frisch verputzten Wänden warten Sie deutlich länger.
Was brauchen Sie zum Anbringen?
- Rakel: Kunststoffrakel mit Filzkante, damit die Transferfolie beim Andrücken nicht verkratzt und die Folie nicht reißt.
- Andruckrolle: Eine kleine Tapezierrolle drückt große Flächen gleichmäßiger an als die Hand.
- Wasserwaage und Kreppband: Zum Ausrichten und zum Fixieren des Motivs vor dem Abziehen des Trägerpapiers.
- Zollstock und Bleistift: Hilfslinien werden leicht angezeichnet und später mit dem Radiergummi entfernt.
- Föhn: Auf niedrigster Stufe für strukturierte Untergründe und zum späteren Entfernen.
- Fusselfreies Tuch: Zum Entfetten mit etwas Spiritus und zum letzten Andrücken nach dem Abziehen der Transferfolie.
Wandtattoo anbringen Schritt für Schritt
- Wand reinigen. Staub und Fett entfernen, mit klarem Wasser nachwischen und vollständig trocknen lassen. Silikon- und ölhaltige Anstriche gehen nicht.
- Folie ausrollen. Das Wandtattoo flach ausbreiten und mindestens eine Stunde liegen lassen, damit sich die Rollneigung verliert.
- Position anzeichnen. Motiv mit Kreppband an die Wand heften und mit der Wasserwaage ausrichten. Richten Sie sich nach dem Motiv selbst, nicht nach der Kante der weißen Trägerfolie, denn beide verlaufen nicht immer parallel.
- Rakeln. Das Paket aus Trägerpapier, Motiv und Transferfolie auf einer harten Unterlage kräftig mit der Rakel überstreichen. Kleine Teile, Ecken und Übergänge besonders sorgfältig.
- Trägerpapier abziehen. Umdrehen und das weiße Trägerpapier langsam in einem flachen Winkel abziehen. Bleibt ein Motivteil am Papier kleben, legen Sie es zurück und rakeln an dieser Stelle nach.
- Ansetzen. Motiv an der markierten Stelle anlegen und in der Mitte fixieren. Von der Mitte nach außen arbeiten, damit keine Luft eingeschlossen wird.
- Andrücken. Mit Rakel oder Rolle von oben nach unten über die Transferfolie streichen, dabei die Folie leicht gespannt halten. So entstehen keine Blasen und keine Fältchen.
- Transferfolie abziehen. Wieder langsam und im flachen Winkel. Löst sich ein Motivteil mit, legen Sie die Folie zurück und drücken erneut an.
- Nachdrücken. Zum Schluss mit einem fusselfreien Tuch über das gesamte Motiv gehen. Bei feiner Raufaser hilft ein Föhn auf niedrigster Stufe, der das Material weich macht und der Struktur anpasst.
MerkeBleistiftlinien immer außerhalb des späteren Motivumrisses anzeichnen oder so leicht, dass ein Radiergummi sie entfernt. Unter der Folie sichtbare Striche lassen sich nach dem Anbringen nicht mehr korrigieren.
Wie bekommt man Blasen und Falten wieder weg?
Kleine Luftblasen im Motiv sind der Normalfall bei großflächigen Elementen. Stechen Sie die Blase mit einer feinen Nadel am Rand an und streichen Sie die Luft mit dem Daumen zum Einstich hin heraus. Bei größeren Blasen setzen Sie den Schnitt mit einem scharfen Cuttermesser entlang einer Motivlinie, dort fällt er später nicht auf.
Falten lassen sich nur im ersten Moment beheben. Solange die Transferfolie noch aufliegt, können Sie den betroffenen Bereich vorsichtig abheben und neu anlegen. Ist die Transferfolie ab, wird jeder Korrekturversuch die Folie dehnen oder reißen. Bei mehrteiligen Motiven arbeiten Sie deshalb Element für Element statt alles auf einmal. Wenn der Untergrund selbst uneben ist, weil Risse oder alte Dübellöcher darunter liegen, gehört das vorher behoben. Wie das geht, steht unter Risse und Löcher in Tapeten reparieren.
Wie entfernt man ein Wandtattoo ohne Putzschaden?
Das Grundprinzip ist immer dasselbe: langsam und im flachen Winkel. Wer die Folie im rechten Winkel von der Wand zieht, reißt die oberste Farbschicht mit ab. Wer sie fast parallel zur Wand abzieht, verteilt die Kraft und trennt nur den Kleber.
- Ecke anheben. Mit dem Fingernagel oder einer Pinzette an einer Ecke ansetzen. Nicht mit Metallwerkzeugen unter die Folie fahren.
- Flach abziehen. Die Folie fast parallel zur Wand und gleichmäßig abziehen, ohne zu rucken.
- Bei Widerstand erwärmen. Föhn auf niedrigster Stufe abschnittsweise auf das Motiv richten, nicht auf die ganze Fläche. Nach einigen Minuten löst sich der Kleber leichter.
- Nicht überhitzen. Das Vinyl darf nicht schmelzen. Halten Sie Abstand und arbeiten Sie mit der Zeit, nicht mit der Temperatur.
- Reste behandeln. Vereinzelt bleiben kleine Klebepunkte zurück. Sie lassen sich mit etwas Wärme und einem weichen Tuch abrollen, gegen hartnäckige Rückstände hilft das Vorgehen aus dem Beitrag zum Aufkleber entfernen.
- Nacharbeiten. Wo Farbe abgezogen ist, hilft nur Ausbessern. Rechnen Sie damit, dass ein Farbtupfer sichtbar bleibt und die ganze Wandfläche gestrichen werden muss.
Ein Wandtattoo lässt sich nach dem Entfernen nicht wiederverwenden. Die Folie verzieht sich beim Abziehen und reißt an den dünnen Stellen. Wer ein Motiv umsetzen will, kauft es neu.
Was gilt in Mietwohnungen und in Kinderzimmern?
Für die Rückgabe der Wohnung zählt der Zustand der Wand, nicht die Absicht. Bringen Sie Wandtattoos in Mietwohnungen möglichst auf Tapete und nicht direkt auf gestrichenen Putz auf, dann geht beim Auszug im Zweifel die Tapete mit und nicht der Untergrund. Fotografieren Sie die Wand vor dem Anbringen, das ist die einfachste Dokumentation.
In Kinderzimmern kommen zwei Punkte dazu. Erstens sollten Motive nicht in Greifhöhe eines Kleinkinds enden, weil abgezogene Folienteile in den Mund wandern. Zweitens sind Bereiche über dem Bett unkritisch, solange nichts Hartes daran befestigt wird, denn eine Folie wiegt nur wenige Gramm. Wenn Sie die Wand ohnehin neu gestalten, lohnt der Blick auf glatte Vliestapeten als Untergrund, wie sie unter Vinyl- und Textiltapeten anbringen beschrieben sind. Notieren Sie sich das Kaufdatum und den Hersteller des Wandtattoos, dann können Sie bei einem späteren Nachkauf dieselbe Folienserie bestellen.
