Eine Armatur besteht aus deutlich mehr Teilen, als man ihr von außen ansieht: Mischeinheit, Dichtungen, Auslauf, Strahlregler, Sockeldichtung, Befestigungsbolzen und zwei bis drei Anschlussschläuche. Fast jedes dieser Teile lässt sich einzeln ersetzen. Dieser Beitrag betrachtet die Armatur als Bauteil, von der Bauart über die Pflege bis zum Komplettaustausch. Wenn es ausschließlich um den einen Tropfen aus dem Auslauf geht, ist die Kartuschenanleitung im Beitrag zum tropfenden Wasserhahn der schnellere Weg.

Welche Armaturenbauart haben Sie vor sich?
Die Bauart bestimmt, welche Ersatzteile passen und wie aufwendig die Reparatur wird. Sehen Sie sich zuerst an, wie Menge und Temperatur eingestellt werden. Danach klärt ein Blick unter das Becken, wie viele Schläuche zur Armatur führen.
| Bauart | Erkennungsmerkmal | Typisches Verschleißteil | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Einhebelmischer | ein Hebel für Menge und Temperatur | Keramikkartusche, 35 oder 40 Millimeter | gering |
| Zweigriffarmatur | je ein Drehgriff für warm und kalt | Ventiloberteil, Hahnscheibe, meist 1/2 Zoll | gering |
| Thermostatarmatur | zweiter Griff mit Temperaturskala und Sperrtaste | Thermostatkartusche, Rückflussverhinderer | mittel |
| Wandarmatur an Wanne oder Dusche | zwei S-Anschlüsse mit Rosetten an der Wand | S-Anschluss-Dichtungen, Umsteller | mittel |
| Unterputzarmatur | nur Rosette und Griff sichtbar | Funktionseinheit in der Wand | hoch, meist Fachbetrieb |
| Niederdruckarmatur | drei Anschlussschläuche | Kartusche, Belüftungsauslauf | gering, Bauart beachten |
Zwei Maße wiederholen sich in fast jedem Bad. Das Bohrloch im Waschtisch liegt bei keramischen Becken zwischen 34 und 37 Millimetern, geplant wird üblicherweise mit 35 Millimetern. Die flexiblen Anschlussschläuche der Armatur enden an einer 3/8-Zoll-Überwurfmutter, während das Eckventil wandseitig meist mit 1/2 Zoll eingedichtet ist. Wer diese beiden Zahlen kennt, kann einen Austausch realistisch planen.
Niederdruck und Hochdruck nicht verwechseln. Eine Hochdruckarmatur hat zwei Anschlussschläuche und gehört an eine zentrale Warmwasserversorgung oder einen Durchlauferhitzer. Eine Niederdruckarmatur hat drei Schläuche und gehört an einen offenen Untertischspeicher, der drucklos arbeitet und über den Auslauf entlüftet. Setzen Sie eine Hochdruckarmatur an einen offenen Speicher, kann sich im Behälter Druck aufbauen und das Gerät zerstören. Der Wasserdruck in der Hausinstallation liegt üblicherweise bei 3 bis 6 bar, Armaturen sind meist bis 10 bar ausgelegt. Zählen Sie deshalb vor jedem Kauf die Schläuche unter Ihrem Becken.
Wie entkalken Sie eine Armatur, ohne die Oberfläche zu ruinieren?
Kalk ist die häufigste Ursache für schwergängige Hebel, unruhige Strahlen und matte Flecken. Der beliebteste Hausmittel-Tipp ist allerdings der riskanteste. Armaturenhersteller raten ausdrücklich von Essigessenz, Haushaltsessig, Ameisensäure, Salzsäure, Phosphorsäure und Chlorbleiche ab, weil diese Mittel die galvanische Oberfläche und die Dichtungen angreifen. Empfohlen wird stattdessen verdünnte Zitronensäure oder ein Reiniger, den der Hersteller für seine Oberflächen freigegeben hat.
- Mittel: Zitronensäure in niedriger Konzentration ansetzen und an einer verdeckten Stelle testen, bevor Sie die ganze Armatur behandeln.
- Einwirkung: Nicht auf der Armatur antrocknen lassen. Ein getränktes Tuch umlegen, kurz wirken lassen, mit klarem Wasser nachspülen und trocken reiben.
- Beschichtungen: Bei matt schwarzen, goldfarbenen oder gebürsteten Oberflächen gelten oft eigene Pflegehinweise. Ohne Freigabe des Herstellers nur Wasser und mildes Spülmittel verwenden.
- Werkzeuge: Keine Scheuermilch, keine Topfreiniger und keine Stahlwolle. Feine Kratzer in der Chromschicht sind irreversibel und werden zur Ansatzstelle für neuen Kalk.
- Vorbeugung: Nach der Nutzung mit einem Mikrofasertuch trocken wischen. Das ist wirksamer als jede spätere Entkalkungsaktion.
- Dichtungen: Bewegliche Teile nach dem Entkalken mit Armaturenfett behandeln, niemals mit Speiseöl oder Vaseline, die quellen Gummi auf.
Wie bauen Sie den Strahlregler aus und reinigen ihn?
Der Strahlregler, oft Perlator genannt, sitzt vorn im Auslauf und mischt Luft in den Wasserstrahl. Er verstopft als Erstes. Ein spritzender, schiefer oder deutlich schwächerer Strahl kommt in den meisten Fällen von hier und nicht von der Kartusche.
- Gewinde bestimmen. Häufig sind ein Innengewinde M22 mal 1 und ein Außengewinde M24 mal 1. Welches Sie brauchen, ergibt sich aus dem Auslauf: Hat der Auslauf ein Außengewinde, braucht der Strahlregler ein Innengewinde und umgekehrt.
- Becken abdecken. Lappen oder Stöpsel in den Abfluss, damit die kleinen Dichtringe nicht verschwinden.
- Herausdrehen. Von Hand gegen den Uhrzeigersinn drehen. Sitzt er fest, den Schlüssel aus der Verpackung der Armatur nehmen oder die Zange über einem Lappen ansetzen.
- Reihenfolge fotografieren. Siebeinsatz, Wabe und Dichtring liegen in einer bestimmten Ordnung. Falsch herum eingesetzt spritzt der Strahl weiter.
- Einlegen. Die Einzelteile in verdünnte Zitronensäurelösung legen, bis sich der Kalk löst, danach gründlich mit klarem Wasser spülen.
- Sieb ausbürsten. Sandkörner und Rostpartikel mit einer weichen Bürste entfernen. Ein zerdrücktes Sieb wird ersetzt, nicht gerichtet.
- Leitung spülen. Vor dem Wiedereinbau das Wasser 10 Sekunden ohne Strahlregler laufen lassen, damit gelöster Schmutz herausgespült wird.
- Handfest einschrauben. Nur handfest, das Kunststoffgewinde reißt sonst. Auf Dichtheit an der Übergangsstelle prüfen.
MerkeWenn ein Strahlregler nach der Reinigung schnell wieder verstopft, liegt das oft nicht am Kalk, sondern an Partikeln aus der Leitung. Nach Arbeiten am Rohrnetz, nach längerem Leerstand oder in Häusern mit alten verzinkten Stahlleitungen lösen sich Rostflocken. In solchen Fällen bringt ein neuer Strahlregler nichts, sinnvoll ist stattdessen die Prüfung des Feinfilters an der Hauswasserstation. Dasselbe Partikelproblem taucht bei träge ablaufenden Becken wieder auf, dort allerdings von der anderen Seite, wie im Ratgeber zu verstopften Abflüssen beschrieben.

Warum sind die Anschlussschläuche das riskanteste Bauteil?
Unter dem Becken liegen zwei oder drei flexible Schläuche mit Edelstahlumflechtung, die die Armatur mit den Eckventilen verbinden. Sie halten dauerhaft dem vollen Leitungsdruck stand, altern aber von innen. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung ordnet knapp 10 Prozent der untersuchten Leitungswasserschäden diesen Schläuchen zu, bei rund 1 Million Leitungswasserschäden pro Jahr in Deutschland. Ein Schlauch, der unter dem Waschtisch platzt, liefert Wasser mit vollem Druck, bis jemand absperrt.
- Betriebszeit: Das DVGW-Arbeitsblatt W 543 geht bei sichtbar und zugänglich verlegten Anschlussschläuchen von 20 Jahren Betriebszeit aus. In der Praxis wird ein Austausch nach spätestens 10 Jahren empfohlen.
- Sichtprüfung: Einmal im Jahr die Umflechtung abtasten. Aufgestellte Drähte, braune Rostspuren und Salzausblühungen an der Verschraubung sind Austauschgründe.
- Maße: Übliche Waschtischschläuche haben eine 3/8-Zoll-Überwurfmutter zum Eckventil und ein M10-Gewinde zur Armatur, die Nennweite ist meist DN 8.
- Belastbarkeit: Handelsübliche Panzerschläuche sind für 10 bar Betriebsdruck und Temperaturen bis 90 Grad Celsius ausgelegt.
- Verlegung: Nicht knicken, nicht auf Zug verlegen und nicht als Zugentlastung für andere Teile nutzen. Der kleinste zulässige Biegeradius steht auf der Verpackung.
- Chemie: Keine Reinigungsmittel im Unterschrank offen lagern. Dämpfe aus Chlor- und Säurereinigern fördern die Korrosion der Umflechtung.
- Folgen: Was nach einem Rohrbruch zu tun ist und welche Fristen dabei gelten, steht im Beitrag zur Reparatur von Wasserschäden.
Reparieren oder austauschen?
Für die Entscheidung reichen vier Fragen. Gibt es das Ersatzteil noch? Ist der Armaturenkörper selbst unbeschädigt? Sitzt der Schaden an einem Verschleißteil oder am Gehäuse? Und wie alt ist die Armatur?
| Befund | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Tropft bei geschlossenem Hebel | reparieren | Kartusche ist ein normales Verschleißteil |
| Hebel schwergängig, sonst dicht | reparieren | Kartuschentausch löst das Problem dauerhaft |
| Strahl unruhig oder schwach | reparieren | Strahlregler kostet wenig und ist in Minuten getauscht |
| Chromschicht platzt großflächig ab | austauschen | Korrosion unter der Schicht schreitet fort |
| Riss oder Feuchtigkeit am Armaturenkörper | austauschen | Guss lässt sich nicht dauerhaft abdichten |
| Ventilsitz zerfressen | Fachbetrieb fragen | Sitz nachfräsen lassen oder Armatur ersetzen |
| Ersatzteil nicht mehr lieferbar | austauschen | Provisorien halten selten die Saison |
Beim Austausch selbst ist der zeitraubende Teil nicht die neue Armatur, sondern die alte Befestigungsmutter unter dem Becken. Sie sitzt eng, oft schlecht erreichbar und nach Jahren fest. Ein Beckenschlüssel mit gelenkigem Maul spart hier mehr Zeit als jedes andere Werkzeug. Planen Sie realistisch 1 bis 2 Stunden ein und legen Sie sich einen Eimer, eine Taschenlampe und ein Stück Karton als Unterlage zurecht.
Worauf achten Sie beim Kauf einer neuen Armatur?
Zwei Kennzeichnungen stehen auf jedem seriösen Datenblatt und werden trotzdem selten gelesen. Die Geräuschklasse nach DIN 4109 beschreibt, wie laut die Armatur im Gebäude ist: Klasse I bleibt bis 20 dB(A), Klasse II bis 30 dB(A). Für direkt an die Auslaufarmatur angeschlossene Vorrichtungen gelten strengere Werte von 15 beziehungsweise 25 dB(A). Wer unter oder neben einem Schlafzimmer baut, nimmt Klasse I.
Die Durchflussklasse beschreibt die Nenndurchflussmenge bei einem Fließdruck von 0,3 Megapascal, also 3 bar. Sie sagt Ihnen, wie viel Wasser tatsächlich ankommt.
| Durchflussklasse | Liter je Sekunde | Liter je Minute |
|---|---|---|
| Z | 0,15 | 9,0 |
| A | 0,25 | 15,0 |
| S | 0,33 | 19,8 |
| B | 0,42 | 25,2 |
| C | 0,50 | 30,0 |
| D | 0,63 | 37,8 |
Dazu kommen die Grundlagennorm DIN EN 817 für mechanisch einstellbare Mischer und das DIN-DVGW-Prüfzeichen, das die Eignung für Trinkwasser bestätigt. Prüfen Sie außerdem die Auslaufhöhe und die Ausladung in Millimetern gegen Ihr Becken, sonst spritzt es dauerhaft auf den Rand. Und bewahren Sie die Montageanleitung mit der Ersatzteilnummer auf, am besten fotografiert im Handy: In 8 Jahren, wenn die Kartusche fällig wird, ist genau diese Nummer die Information, die fehlt.
