Treibholz sieht aus, als wäre es fertig. Es ist glatt, grau und formschön, und genau deshalb landet es oft direkt vom Strand auf dem Esstisch. Das ist der Fehler. Ein Stück Treibholz bringt drei Dinge mit: Salz, Wasser und in vielen Fällen Lebewesen. Salz kristallisiert an der Oberfläche aus und zieht Feuchtigkeit an, nasses Holz reißt beim schnellen Trocknen, und Holzschädlinge ziehen bei Wärme in andere Möbel um. Dazu kommt eine Frage, die vor dem Aufheben steht: Ob Sie das Stück überhaupt mitnehmen dürfen.

Darf ich Treibholz überhaupt mitnehmen?
Das hängt vom Ort ab, und die Unterschiede sind größer, als viele annehmen. An den meisten deutschen Stränden ist das Sammeln kleiner Mengen für den privaten Bedarf üblich und wird nicht beanstandet. In Schutzgebieten gilt etwas anderes.
- Nationalpark: Im Nationalpark Wattenmeer dürfen keine Naturmaterialien entnommen werden, auch keine Muscheln. Das gilt für Treibholz genauso.
- Naturschutzgebiete: Dort ist die Entnahme von Naturmaterialien in der Regel ausdrücklich untersagt. Die konkreten Verbote stehen in der jeweiligen Schutzgebietsverordnung.
- Menge: Wo Sammeln geduldet wird, gilt es für kleine Mengen zum Eigenbedarf. Eine gefüllte Schubkarre ist etwas anderes als zwei Äste unter dem Arm.
- Zweck: Das gewerbliche Sammeln zum Weiterverkauf ist von der Duldung nicht gedeckt.
- Eigentum: Angeschwemmtes Material ist nicht automatisch herrenlos. Bearbeitete Hölzer, Teile von Booten, Paletten oder Bauholz können jemandem gehören.
Erkundigen Sie sich im Zweifel vor Ort, etwa bei der Kurverwaltung, der Nationalparkverwaltung oder der unteren Naturschutzbehörde. Die Regeln unterscheiden sich zwischen Bundesländern, Gemeinden und einzelnen Schutzgebieten. Dieselbe Systematik gilt übrigens für Muscheln, sie ist im Beitrag zur Seifenschale aus Muscheln ausführlicher dargestellt.
Nicht jedes angeschwemmte Stück ist Treibholz. An Nord- und Ostsee finden sich neben Naturholz auch Reste von Schiffsausrüstung, Munitionsteile aus Kriegszeiten und Phosphorbrocken, die an Bernstein erinnern und sich an der Luft selbst entzünden können. Nehmen Sie nichts mit, was Sie nicht sicher als Holz identifizieren. Wenn Sie an Ostseestränden Bernstein suchen, gehören Fundstücke in einen verschließbaren Metallbehälter, nicht in die Jackentasche. Im Zweifel liegen lassen und die Fundstelle melden.
Warum muss Treibholz gewässert werden?
Meerwasser hat einen Salzgehalt von rund 3,5 Prozent, die Ostsee je nach Region deutlich weniger. Das Salz sitzt nach dem Trocknen als feiner Kristallfilm in den Holzporen und an der Oberfläche. Zwei Folgen ergeben sich daraus. Salz zieht Luftfeuchtigkeit an, das Holz bleibt also klamm und trocknet nie richtig durch. Und weißliche Ausblühungen treten immer wieder an die Oberfläche, egal wie oft Sie sie abwischen.
Wässern löst das Salz heraus. Eine genormte Vorgabe für Dauer und Wasserwechsel gibt es nicht, die Angaben in Anleitungen schwanken erheblich. Praktikabel ist folgendes Vorgehen: Legen Sie das Holz vollständig in Leitungswasser ein und wechseln Sie das Wasser täglich, bis es klar bleibt. Bei kleinen Stücken sind das oft zwei bis drei Tage, bei dicken Ästen und Wurzelstücken deutlich länger. Der Test ist einfach: Wischen Sie über das getrocknete Holz und prüfen Sie, ob weißer Belag zurückbleibt.
| Arbeitsschritt | Anhaltswert | Woran Sie den Abschluss erkennen |
|---|---|---|
| Grobreinigung mit Bürste | einmalig | Sand und Algen sind ab |
| Wässern, Wasser täglich wechseln | 2 Tage bis mehrere Wochen | Wasser bleibt nach 24 Stunden klar |
| Langsam trocknen, schattig und luftig | mehrere Wochen bei durchnässtem Holz | keine Gewichtsabnahme mehr |
| Restfeuchte prüfen | unter 10 Prozent | Messung mit Holzfeuchtemessgerät |
| Schädlingskontrolle | begleitend | kein frisches Bohrmehl mehr |
Wie trockne ich Treibholz, ohne dass es reißt?
Langsam und im Schatten. Holz gibt Wasser an der Oberfläche schneller ab als im Kern. Wenn die äußere Zone schrumpft, während der Kern noch feucht ist, entstehen Spannungen, die sich als Längsrisse entladen. Genau das passiert, wenn ein nasses Stück in die pralle Sonne oder auf die Heizung gelegt wird.
- Bürsten statt schrubben. Sand, Algen und lose Rinde mit einer Wurzelbürste entfernen. Kein Hochdruckreiniger, er reißt die verwitterte Oberfläche auf, die den Reiz des Materials ausmacht.
- Wässern und Wasser wechseln. Vollständig eintauchen, täglich frisches Wasser, bis es klar bleibt. Ein Eimer, eine Wanne oder die Regentonne reichen.
- Nicht direkt auf den Boden legen. Bodenfeuchte verhindert die Trocknung. Legen Sie das Holz auf Leisten oder ein Gitter, damit von allen Seiten Luft herankommt.
- Schattig und luftig lagern. Ein überdachter Balkon, eine Garage mit offenem Tor oder ein Carport sind ideal. Durchnässte Stücke brauchen mehrere Wochen.
- Wenden. Alle paar Tage drehen, sonst trocknet die Auflageseite langsamer und das Stück verzieht sich.
- Restfeuchte messen. Ziel sind weniger als 10 Prozent. Ein einfaches Holzfeuchtemessgerät mit zwei Messspitzen genügt für diesen Zweck.
- Erst dann bearbeiten. Sägen, Bohren und Ölen erst nach dem Durchtrocknen. Feuchtes Holz reißt an jedem Bohrloch nach.

Was tun bei Holzschädlingen?
Treibholz kann Larven holzzerstörender Insekten enthalten. Das Anzeichen sind runde Ausfluglöcher und feines, helles Bohrmehl, das nach dem Abwischen erneut auftritt. Solange das Stück draußen liegt, ist das kein Problem. Sobald es in der warmen Wohnung steht, entwickeln sich die Larven weiter und können auf andere Holzteile übergehen.
Wärme ist das wirksamste Mittel für kleine Stücke. Ab etwa 70 Grad Kerntemperatur sterben Holzwurmlarven ab. Für ein Stück von 5 Zentimetern Durchmesser bedeutet das mehrere Stunden im Backofen bei niedriger Temperatur, bis der Kern die Zieltemperatur wirklich erreicht hat. Verwenden Sie ein Bratenthermometer und behalten Sie den Ofen im Blick. Bei größeren oder harzhaltigen Stücken ist dieses Verfahren nicht praktikabel, und für befallene Möbel oder Bauhölzer ist es ohnehin Sache eines Fachbetriebs, der mit Heißluft, Mikrowelle oder Begasung arbeitet.
MerkeLegen Sie ein neu gefundenes Stück nach dem Trocknen vier Wochen auf ein Blatt weißes Papier in einen wenig genutzten, warmen Raum. Wenn in dieser Zeit kein Bohrmehl auf dem Papier landet, ist das Stück mit hoher Wahrscheinlichkeit frei von aktivem Befall. Diese einfache Kontrolle kostet nichts und erspart Ihnen im schlechten Fall den Befall eines Möbelstücks.
Welche Tischdeko lässt sich daraus bauen?
Treibholz eignet sich für alles, was Form gibt, aber nichts tragen muss. Ein flaches Stück von 40 bis 60 Zentimetern Länge wird zur Basis eines Tischgestecks. Kleine Astabschnitte von 6 bis 8 Zentimetern Länge, an einer Seite plan gesägt, ergeben Kartenhalter, wenn Sie mit einer feinen Säge einen Schlitz von 2 Millimetern Breite und 15 Millimetern Tiefe einbringen. Astscheiben von 1,5 Zentimetern Dicke werden zu Untersetzern für Gläser.
Bei Kerzen gilt dieselbe Vorsicht wie bei jeder anderen brennbaren Unterlage: Kerzen gehören in nicht brennbare, standfeste Halter, und der Abstand zu brennbaren Materialien sollte mindestens 50 Zentimeter betragen. Ein Treibholzstück mit eingebohrten Löchern, in denen Teelichter direkt sitzen, ist keine gute Konstruktion. Setzen Sie stattdessen Metalleinsätze ein und stellen Sie das gesamte Arrangement auf einen Teller aus Glas oder Metall.
Zum Oberflächenschutz genügt bei Innendeko oft gar nichts. Wer die graue Patina auffrischen will, verwendet ein farbloses Hartwachsöl, sparsam aufgetragen und nach 20 Minuten abgenommen. Für größere Stücke an der Wand ist der Beitrag zum dekorativen Spiegelrahmen aus Treibholz hilfreich, für Treibholz als Träger einer Hängekonstruktion der Beitrag zum Windspiel aus Muscheln. In beiden Fällen gilt dieselbe Vorbedingung: Das Holz muss vorher vollständig entsalzt und durchgetrocknet sein.
