Alte Schubladen aus einer ausgedienten Kommode ergeben ein gestuftes Regal, das nichts kostet außer Schrauben und Zeit. Der Haken liegt in der Konstruktion einer Schublade selbst: Sie ist dafür gebaut, in Führungen zu laufen, nicht dafür, Last auf ihrem Boden zu tragen. Wer das übergeht, bekommt nach wenigen Wochen durchhängende Böden. Diese Anleitung baut ein Treppenregal aus vier Schubladen und behandelt Prüfung, Verstärkung und Kippsicherung als Pflichtteile.

Welche Schubladen taugen und welche nicht?
Prüfen Sie jede Schublade einzeln, bevor Sie etwas zusammenschrauben. Die Unterschiede sind groß: Eine Schublade aus einer Massivholzkommode von 1950 hat gezinkte Ecken und einen eingenuteten Boden aus Sperrholz. Eine Schublade aus einem Plattenmöbel von 2010 besteht aus 12 Millimeter Spanplatte mit einem HDF-Boden von 3 Millimetern. Beide lassen sich verwenden, aber nicht auf dieselbe Weise.
- Seitenwände: Sie müssen aus Holz oder Holzwerkstoff bestehen, mindestens 10 Millimeter stark, damit sich später Schrauben halten. Dünne Kunststoffzargen scheiden aus.
- Eckverbindungen: Gezinkte oder genutete Ecken sind gut. Nur genagelte oder geklammerte Ecken sind bei alten Möbeln oft ausgeschlagen und müssen neu verleimt werden.
- Boden: Meist 3 bis 6 Millimeter Sperrholz oder HDF, lose in eine Nut geschoben. Dieser Boden ist keine Regalfläche. Prüfen Sie, ob er noch in der Nut sitzt und nicht bereits durchhängt.
- Leimfugen: Alter Leim wird spröde. Drücken Sie den Kasten diagonal zusammen. Bewegt er sich sichtbar, muss er auseinandergenommen und neu verleimt werden. Wie das geht, steht im Beitrag zu Reparaturen an Holzmöbeln.
- Gerüche und Rückstände: Schubladen aus Küchen tragen oft Fettrückstände, die keinen Lack annehmen. Erst mit Spiritus reinigen, dann schleifen.
- Beschläge: Alte Griffe, Rollen und Nägel vorher entfernen oder versenken. Ein herausstehender Nagel im Innenraum zerkratzt später alles, was Sie hineinstellen.
Alte Anstriche vor dem Schleifen prüfen. Blei war in Deutschland in Innenanstrichen bereits ab 1921 verboten, für alle Beschichtungen aber erst seit 1989 vollständig. Bei mehrfach überstrichenen Schubladen aus älteren Möbeln kann darunter bleihaltige Farbe liegen. Solange die Schicht fest sitzt, geht davon in der Regel keine akute Gefahr aus. Beim Schleifen entsteht dagegen bleihaltiger Staub. Tragen Sie eine Maske der Klasse FFP2 oder FFP3, arbeiten Sie im Freien oder bei kräftiger Lüftung und halten Sie Kinder und Schwangere fern. Bleitest-Streifen aus dem Baumarkt geben einen ersten Hinweis.
Warum der Schubladenboden verstärkt werden muss
In ihrer ursprünglichen Funktion trägt eine Schublade ihre Last über die Seitenzargen ab, die auf Führungen laufen. Der Boden hält nur den Inhalt zusammen und ist entsprechend dünn ausgeführt, meist 3 bis 6 Millimeter, und oft nur in eine umlaufende Nut geschoben, ohne Verleimung. Sobald der Kasten aufrecht als Regalfach steht, wird genau dieser Boden zur Auflagefläche.
Die Lösung ist eine eingelegte Platte aus 12 Millimeter Multiplex, zugeschnitten auf das lichte Innenmaß des Kastens. Sie liegt auf dem vorhandenen Boden und überträgt die Last auf alle vier Zargen statt auf die dünne Platte in der Mitte. Messen Sie das Innenmaß an drei Stellen, alte Schubladen sind selten exakt rechtwinklig. Ziehen Sie beim Zuschnitt 2 Millimeter ab, damit sich die Platte einlegen lässt.
| Bauteil | Typische Stärke | Trägt Last? | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Seitenzarge | 10 bis 20 mm | ja | Verbindungspunkt für Schrauben |
| Vorderstück | 16 bis 25 mm | ja | oft am stabilsten, zeigt nach vorn |
| Rückwand | 8 bis 15 mm | bedingt | Auflage für die Wandwinkel |
| Boden in der Nut | 3 bis 6 mm | nein | Multiplexplatte 12 mm einlegen |
| Fach nach Verstärkung | - | 10 bis 15 kg | Bücher nur ins unterste Fach |
Material- und Werkzeugliste
Das Beispielregal besteht aus vier Schubladen unterschiedlicher Größe, gestuft von unten nach oben. Da gebrauchte Schubladen keine Normmaße haben, sind die folgenden Angaben auf Ihre Kästen zu übertragen. Sortieren Sie zuerst nach Breite: Die breiteste Schublade kommt nach unten.
- Schubladen: 4 Stück, gereinigt, geschliffen, Beschläge entfernt. Höhenunterschiede von mehr als 5 Millimetern zwischen benachbarten Kästen führen zu sichtbaren Stufen.
- Verstärkungsplatten: Multiplex 12 Millimeter, je Kasten auf das lichte Innenmaß minus 2 Millimeter zugeschnitten.
- Sockelbrett: Multiplex 18 Millimeter, so breit und tief wie die unterste Schublade. Es überbrückt die Fußleiste und verteilt die Last auf den Fußboden.
- Hülsenschrauben: M6 mal 40 Millimeter, je vier pro Verbindungsstelle zwischen zwei Kästen.
- Spanplattenschrauben: 4,0 mal 30 Millimeter mit Unterlegscheiben, für Sockel und Verstärkungsplatten.
- Wandwinkel: 2 Stahlwinkel ab 40 mal 40 Millimetern, dazu Schrauben 5,0 mal 60 Millimeter und Dübel passend zum Wandaufbau.
Werkzeug: Akkuschrauber, Holzbohrer 4 und 6,5 Millimeter, Kegelsenker, Stichsäge oder Handkreissäge, Schleifpapier Körnung 80, 120 und 180, Exzenterschleifer, Wasserwaage, Zollstock, Anschlagwinkel, Schraubzwingen, Nagelheber, Spiritus und Lappen zum Entfetten.
Bauanleitung Schritt für Schritt
- Kästen aufarbeiten. Griffe, Rollen und lose Nägel entfernen, Innenflächen absaugen, Fettrückstände mit Spiritus abwischen. Lockere Eckverbindungen mit Holzleim nachleimen und über Nacht mit Zwingen spannen.
- Schleifen. Körnung 80 für alte Lackreste, dann 120 und 180. Schutzhinweise zu Altlacken beachten. Kanten leicht brechen, damit die spätere Oberfläche dort nicht abplatzt.
- Verstärkungsplatten einpassen. Innenmaß jedes Kastens an drei Stellen messen, das kleinste Maß nehmen, 2 Millimeter abziehen und zuschneiden. Platte einlegen und von unten durch den vorhandenen Boden in die Zargen schrauben, mit Unterlegscheiben.
- Sockel bauen. Sockelbrett auf den Boden legen und die unterste Schublade darauf ausrichten. Von unten durch das Brett in die Zargen schrauben. Der Sockel hält das Regal von der Fußleiste frei.
- Stufung anlegen. Setzen Sie die zweite Schublade auf die erste, seitlich um etwa ein Drittel der Breite versetzt, sodass die Treppenform entsteht. Prüfen Sie jede Ebene mit der Wasserwaage, bevor Sie bohren.
- Bohrungen setzen. Bohren Sie von der Rückseite her im Abstand von 10 Zentimetern je zwei Löcher mit 4 Millimetern durch die aneinanderliegenden Flächen. Die Löcher müssen auf einer Linie liegen, sonst verzieht sich der Stapel beim Anziehen.
- Kästen verbinden. Hülsenschrauben M6 mal 40 Millimeter einsetzen und gleichmäßig über Kreuz anziehen. Bei dünnen Zargen sind Hülsenschrauben gegenüber Holzschrauben klar im Vorteil, weil sie das Holz nicht spalten und die Last flächig übertragen.
- Restliche Ebenen aufbauen. Dritte und vierte Schublade genauso versetzen und verschrauben. Kontrollieren Sie nach jeder Ebene die Waagerechte und die seitliche Flucht.
- Oberfläche behandeln. Zwei Aufträge Klarlack, Hartwachsöl oder Kreidefarbe mit Zwischenschliff Körnung 240. Trocknungszeit je Auftrag 12 bis 24 Stunden nach Herstellerangabe. Innenflächen mitbehandeln, sonst staubt rohes Altholz dauerhaft.
- Wandbefestigung setzen. Regal an die endgültige Stelle rücken, zwei Winkel an den oberen Kästen anzeichnen, Wand mit einem Leitungssuchgerät prüfen, bohren und dübeln. Erst danach einräumen.

Warum das Regal an die Wand gehört
Ein gestufter Stapel aus Schubladen hat seine Standfläche nur unter dem untersten Kasten. Jede weitere Ebene liegt versetzt darüber, und mit jedem Gegenstand im oberen Fach wandert der Schwerpunkt weiter nach vorn und zur Seite. Die Konstruktion sieht stabil aus, weil sie schwer wirkt. Das täuscht: Die Kästen sind hohl, und das Eigengewicht, das den Schwerpunkt unten halten könnte, fehlt.
Zwei Stahlwinkel an den oberen Kästen lösen das Problem. Sie tragen kaum Last, sie verhindern nur die Drehung. Der Dübel richtet sich nach dem Untergrund: In Beton und Vollziegel arbeitet ein Spreizdübel, in Lochziegel und Porenbeton brauchen Sie Spezialdübel, im Trockenbau schrauben Sie in das Ständerwerk. In Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren ist diese Befestigung nicht verhandelbar, weil Kinder sich an Möbelkanten hochziehen und Fächer als Tritt benutzen.
MerkeRäumen Sie von unten nach oben und von schwer nach leicht ein. Bücher wiegen rund 40 Kilogramm je laufendem Regalmeter, ein einziges Fach mit einer Buchreihe von 50 Zentimetern Breite trägt damit schon rund 20 Kilogramm. Das gehört ausschließlich in die unterste Ebene.
Was das Regal trägt und welche Varianten es gibt
Nach dem Einlegen der Verstärkungsplatten sind rund 10 bis 15 Kilogramm je Fach realistisch. Der unterste Kasten verträgt mehr, weil er direkt auf dem Sockel steht. Für eine Buchsammlung, für Werkzeug oder für Getränkekisten ist diese Bauform nicht gemacht. Sie eignet sich für Textilien, Deko, Pflanzen in leichten Übertöpfen, Spielzeug und Kleinkram.
Wer eine höhere Traglast braucht, baut besser ein Regal mit durchgehenden Wangen. Die Konstruktion mit berechnetem Neigungswinkel und Auflageleisten steht in der Anleitung zum Treppenregal aus Holz. Und für einzelne besonders schöne Schubladen, die als Wandobjekt besser zur Geltung kommen als im Stapel, gibt es die Variante als Schattenbox aus alten Schubladen.
Rechnen Sie mit 4 bis 6 Stunden reiner Arbeitszeit, je nachdem wie viel Aufarbeitung die Kästen brauchen. Die Materialkosten liegen bei etwa 25 bis 50 Euro für Multiplexreste, Schrauben, Winkel und Oberflächenmittel, sofern die Schubladen vorhanden sind. Ziehen Sie die Hülsenschrauben nach vier Wochen einmal nach und prüfen Sie dabei, ob die Verstärkungsplatten noch plan aufliegen.
