Ein Perlenvorhang wirkt harmlos. Er hängt in der Tür, klimpert, teilt den Raum optisch und hält Blicke ab. Zwei Dinge sind daran trotzdem ernst zu nehmen: Was passiert, wenn ein Kleinkind daran zieht, und was passiert, wenn die Aufhängung nachgibt. Beides lässt sich lösen, aber nur, wenn Sie es vor dem Bau bedenken.

Was ist an Perlenvorhängen für Kleinkinder gefährlich?
Zwei Risiken, die nichts miteinander zu tun haben. Das erste ist die Perle selbst. Perlen mit einem Durchmesser unter etwa 45 Millimetern passen in den Mund eines Kleinkinds und können verschluckt oder eingeatmet werden. Ein Vorhang in Türhöhe endet für ein zweijähriges Kind auf Augenhöhe, und die unteren Perlen sind mit der Hand erreichbar. Reißt eine Schnur, liegen sie auf dem Boden.
Das zweite Risiko ist die Schnur. Eine geschlossene Schlaufe, in die der Kopf eines Kindes passt, ist eine Strangulationsgefahr. Genau daran setzt die europäische Norm DIN EN 13120 an, die seit dem 1. September 2014 verbindlich in Kraft ist. Sie gilt für innenliegenden Sonnenschutz, also Rollos, Jalousien und Plissees, und schreibt vor, dass Zugschnüre, Ketten und Bedienschlaufen so ausgeführt sein müssen, dass sich Kinder nicht darin verfangen.
Ein selbst gebauter Dekovorhang fällt formal nicht in den Anwendungsbereich dieser Norm. Für die Gefahrenbewertung sind ihre Kriterien trotzdem der beste verfügbare Maßstab, und sie sind konkret. Als gefährlich gilt eine zugängliche Schlaufe, wenn eine vordefinierte Kopfprobe nach EN 16433 vollständig hineingeführt werden kann, wobei die Norm auf Kinder unter 42 Monaten abstellt. Für Zugschnüre gilt eine Längenbegrenzung in Abhängigkeit von der Produkthöhe: Bei einer Produkthöhe bis 250 Zentimetern sind Schlaufen von höchstens 100 Zentimetern zulässig, darüber gilt die Produkthöhe abzüglich 150 Zentimetern.
Bauen Sie keine geschlossenen Schlaufen und keine Endlosstränge. Führen Sie jeden Strang von der Leiste senkrecht nach unten und schließen Sie ihn mit einem festen Abschlussknoten oder einer geklemmten Quetschperle ab. Kein Strang darf mit seinem unteren Ende wieder nach oben geführt oder mit einem Nachbarstrang verbunden werden. Wenn im Haushalt Kinder unter dreieinhalb Jahren leben, verzichten Sie in deren Aufenthaltsräumen ganz auf einen Perlenvorhang oder verwenden Sie eine geschlossene Variante aus breiten Stoffstreifen. Ein Vorhang aus Stoffbahnen bietet dieselbe Funktion ohne Kleinteile, die Machart entspricht den Gardinen aus Bettlaken.
Wie viel Material brauche ich für eine Standardtür?
Messen Sie die lichte Türöffnung, nicht das Türblatt. Die gängige Innentür nach DIN 18101 hat ein Blatt von 86 mal 198,5 Zentimetern, die Zargenöffnung liegt bei etwa 88,5 mal 201 Zentimetern. Der Vorhang soll die Öffnung überdecken, endet aber 1 bis 2 Zentimeter über dem Boden, damit die Perlen nicht über den Fußboden schleifen.
| Türbreite | Strangabstand | Zahl der Stränge | Schnurbedarf gesamt |
|---|---|---|---|
| 73,5 cm | 2 cm | 36 | ca. 75 m |
| 73,5 cm | 3 cm | 24 | ca. 50 m |
| 88,5 cm | 2 cm | 44 | ca. 92 m |
| 88,5 cm | 3 cm | 29 | ca. 61 m |
| 101 cm | 2 cm | 50 | ca. 105 m |
| 101 cm | 3 cm | 33 | ca. 69 m |
Der Schnurbedarf rechnet sich aus Stranglänge plus 10 Zentimetern Zugabe für Anfangs- und Abschlussknoten. Bei 198 Zentimetern Vorhanghöhe sind das rund 2,1 Meter je Strang. Kaufen Sie 20 Prozent mehr, als die Rechnung ergibt. Beim ersten Strang machen fast alle einen Knoten zu viel oder zu wenig.
Bei der Perlenmenge hängt alles vom Durchmesser ab. Auf einen Meter Schnur passen bei Perlen mit 10 Millimetern Durchmesser rund 100 Stück, bei 14 Millimetern etwa 71, bei 20 Millimetern etwa 50. Für einen Vorhang von 88,5 Zentimetern Breite mit 29 Strängen zu je 198 Zentimetern und Perlen mit 14 Millimetern kommen Sie damit auf grob 4000 Perlen. Das ist der Punkt, an dem viele auf Abstandhalter aus Knoten oder auf Mischungen mit größeren Holzperlen umsteigen.
Wie schwer wird der Vorhang und was trägt die Aufhängung?
Schätzen Sie das Gewicht nicht, sondern messen Sie es. Fädeln Sie einen kompletten Strang auf, wiegen Sie ihn auf einer Küchenwaage und multiplizieren Sie mit der Strangzahl. Diese eine Minute erspart Ihnen jede Diskussion über Dübel.
Zur Einordnung: Glasperlen sind mit einer Dichte von etwa 2,5 Gramm je Kubikzentimeter rund dreimal so schwer wie Holzperlen mit ungefähr 0,7 Gramm je Kubikzentimeter, und Acrylperlen liegen mit etwa 1,2 Gramm je Kubikzentimeter dazwischen. Ein Vorhang aus Glasperlen kann bei gleicher Optik ein Mehrfaches eines Holzperlenvorhangs wiegen. Bambusröhrchen sind die leichteste Variante.
| Untergrund | Befestigungsmittel | Zulässige Last | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Holzzarge, massiv | Spanplattenschraube 4 x 40 mm | unkritisch bei üblichen Vorhanggewichten | einfachste und sicherste Lösung |
| Beton- oder Vollziegeldecke | Nylondübel 6 oder 8 mm, Schraube 5 x 60 mm | hoch, Herstellerangabe beachten | Bohrer 6 oder 8 mm, staubfrei ausblasen |
| Gipskartondecke, einlagig | Kipp- oder Federklappdübel | ca. 6 kg je Dübel, Plattenfeld und Meter nach DIN 18181 | Mindestabstand der Dübel 150 mm |
| Gipskartondecke, doppelt beplankt | Kipp- oder Federklappdübel | bis ca. 15 kg | Mindestabstand 75 mm |
| Gipskarton mit bekannter Unterkonstruktion | Schraube direkt ins Metallprofil | deutlich höher als im Plattenfeld | Profil mit Magnet oder Ortungsgerät suchen |
Die Regel daraus ist einfach: Schrauben Sie wann immer möglich in die Holzzarge der Tür, nicht in die Decke. Der Türrahmen ist massiv, ohnehin belastbar und Sie sparen sich jede Dübelrechnung. Nur wenn der Vorhang breiter als die Zarge werden soll oder frei im Raum hängt, führt der Weg über die Decke. Zur Auswahl und Montage von Trägern über Türöffnungen hilft der Beitrag zum Anbringen von Gardinen und Vorhängen.
Wie baue ich den Vorhang Schritt für Schritt?
- Öffnung ausmessen. Lichte Breite und Höhe der Zarge nehmen. Von der Höhe 2 Zentimeter für den Bodenabstand und die Stärke der Leiste abziehen. Notieren Sie die Stranglänge.
- Leiste zuschneiden. Eine Holzleiste mit 20 mal 40 Millimetern Querschnitt auf die lichte Breite minus 2 Millimeter kürzen. Schnittkanten mit 120er Körnung brechen.
- Löcher bohren. Bohren Sie die Aufhängelöcher mit 2 Millimetern Durchmesser im gewählten Strangabstand mittig in die Unterseite der Leiste. Zeichnen Sie vorher alle Positionen an, statt fortlaufend zu messen.
- Probestrang fädeln. Fädeln Sie einen einzigen Strang komplett, hängen Sie ihn auf und prüfen Sie Länge und Optik. Erst danach die restlichen 30 bis 45 Stränge, sonst korrigieren Sie vierzigmal denselben Fehler.
- Stränge fädeln. Nylonschnur mit 0,6 bis 0,8 Millimetern Durchmesser oder gewachste Polyesterschnur verwenden. Am unteren Ende zuerst einen doppelten Knoten setzen, darüber die erste Perle, dann weiterfädeln.
- Abschluss sichern. Jeder Strang endet unten mit Knoten oder Quetschperle. Ein Tropfen Sekundenkleber auf den Knoten verhindert, dass er sich löst. Keine Schlaufen bilden.
- Stränge befestigen. Schnur von unten durch das Bohrloch führen, oben mit einem Doppelknoten sichern und den Überstand auf 5 Millimeter kürzen. Alternativ Ösenschrauben mit 8 Millimetern Durchmesser einsetzen.
- Leiste montieren. Die Leiste an mindestens drei Punkten befestigen, bei Breiten über 90 Zentimetern an vier. Vorher waagerecht ausrichten, eine schiefe Leiste fällt an den Strangenden sofort auf.
- Gewicht prüfen. Ziehen Sie nach der Montage kräftig mit beiden Händen nach unten. Der Vorhang muss ohne Nachgeben halten, weil genau das ein Kind ebenfalls tun wird.
- Nacharbeiten. Nach zwei Wochen alle Knoten nachziehen. Nylonschnur längt sich unter Dauerlast um wenige Millimeter, und die untersten Perlen sitzen dann lockerer.
Der Zeitbedarf wird regelmäßig unterschätzt. Ein Strang mit 140 Perlen dauert von Hand 10 bis 15 Minuten. Bei 30 Strängen sind das 5 bis 7 Stunden reine Fädelzeit, verteilt auf mehrere Abende. Die Materialkosten liegen bei Holzperlen bei etwa 25 bis 60 Euro, bei Glasperlen deutlich darüber.
MerkeNylonschnur ist steifer und hält die Stränge gerade, verdreht sich aber und speichert Wickelspannung. Gewachste Polyesterschnur ist geschmeidiger, knotet besser und hält Knoten zuverlässiger. Draht mit 0,8 Millimetern Durchmesser gibt sehr formstabile Stränge, bricht aber nach einigen Monaten Dauerbewegung an der Aufhängung. Für einen Türvorhang, der täglich durchschritten wird, ist Draht die schlechteste Wahl.
Welche Perlen eignen sich und welche nicht?
- Holzperlen, 10 bis 20 Millimeter: Leicht, günstig, geräuscharm. Erste Wahl für lange Vorhänge, weil die Gesamtlast niedrig bleibt. Unbehandeltes Holz nimmt Feuchtigkeit auf und ist in der Küche weniger geeignet.
- Glasperlen: Optisch am schönsten, brechen aber beim Sturz auf Fliesen und hinterlassen Splitter. In Haushalten mit Kindern oder Tieren ungeeignet.
- Acrylperlen: Bruchsicher und leicht, wirken aber sichtbar wie Kunststoff und vergilben unter direkter Sonne innerhalb weniger Jahre.
- Bambusröhrchen: Sehr leicht, klingen weich, überbrücken viel Länge mit wenig Fädelarbeit. Gute Wahl, wenn Ihnen die Fädelzeit zu lang wird.
- Muscheln und Naturmaterial: Bruchempfindlich, unterschiedliche Bohrungen, hoher Ausschuss. Nur für kurze Vorhänge sinnvoll.
- Sehr kleine Rocailles unter 4 Millimetern: Ungeeignet für Türvorhänge. Sie brauchen extrem dünne Schnur, die reißt, und ein gerissener Strang verteilt hunderte Kleinteile auf dem Boden.
Für die Pflege gilt: Einmal im Quartal die Stränge zusammenfassen und mit einem feuchten Mikrofasertuch von oben nach unten abstreifen. Holzperlen vertragen nur nebelfeuchtes Wischen, kein Einweichen. Wenn Sie beim Materialkauf Reste behalten, lassen sich diese für Tischdeckenklammern aus Perlen verwenden, dort werden ohnehin nur kleine Mengen gebraucht.
Ein konkreter Schlusshinweis für Mietwohnungen: Bohren Sie in die Zarge, nicht in die Wand über der Tür. Zargenlöcher mit 2 Millimetern lassen sich mit Holzkitt in der passenden Farbe schließen, Löcher im Putz über der Tür sind sichtbar und müssen gespachtelt und überstrichen werden.
