Filzuntersetzer sind eines der wenigen Nähprojekte ohne Nähmaschine: zuschneiden, fertig. Genau deshalb wird der einzige wirklich wichtige Punkt regelmäßig übersprungen, nämlich die Frage, aus welcher Faser der Filz überhaupt besteht.

Wollfilz oder Bastelfilz, wo liegt der Unterschied?
Beide heißen Filz und sehen ähnlich aus, entstehen aber auf verschiedenen Wegen. Wollfilz wird überwiegend aus Schurwolle gewonnen und durch anhaltenden Druck, Feuchtigkeit und Bewegung verfestigt, ein Vorgang, der als Walken bezeichnet wird. Die Wollfasern verhaken sich dabei über ihre Schuppenschicht. Nadelfilz entsteht mechanisch: Nadeln mit feinen Widerhaken stechen ständig ein und aus und verhaken die Fasern. Als Rohstoff dienen dabei meist Kunstfasern, in der Regel Polyester, seltener Acryl. Der bunte Bastelfilz aus dem Kreativmarkt gehört fast immer in diese zweite Gruppe.
Für einen Untersetzer zählt das thermische Verhalten. Polyester schmilzt in einem Bereich von etwa 230 bis 250 Grad Celsius; technische Polyester-Nadelfilze werden von Herstellern mit einer Dauergebrauchstemperatur von bis zu 160 Grad angegeben. Wolle schmilzt nicht. Sie verkohlt, schrumpft von der Hitzequelle weg und verlöscht in der Regel von selbst, wenn die Flamme entfernt wird. Diese Eigenschaft gilt bei Wolle als typisch, ein absoluter Schutz ist sie nicht: Vergleichstests haben gezeigt, dass reine Wolle nicht in jedem Fall besser abschneidet als Synthetikstoffe.
| Eigenschaft | Wollfilz | Nadelfilz aus Polyester |
|---|---|---|
| Herstellung | Walken von Schurwolle | Vernadelung von Kunstfasern |
| Verhalten bei Hitze | Verkohlt, schrumpft weg, verlöscht meist selbst | Erweicht, schmilzt bei etwa 230 bis 250 Grad |
| Dauergebrauchstemperatur | Kein einheitlicher Herstellerwert, thermisch unkritisch bei Tischgeschirr | Bis etwa 160 Grad laut Herstellerangabe für technische Ware |
| Geeignet für Tassen und Gläser | Ja | Ja |
| Geeignet für heiße Töpfe und Pfannen | Ja | Nein |
| Preis pro Quadratmeter | Höher | Deutlich günstiger |
| Optik nach längerem Gebrauch | Verdichtet sich, wirkt gebraucht | Fasert an den Kanten aus, glänzt an Druckstellen |
Achtung, Topflappen ist nicht gleich Untersetzer. Tee und Kaffee kommen mit höchstens 100 Grad in die Tasse, das steckt jeder Filz weg. Eine Pfanne direkt vom Herd, ein Bräter oder eine Auflaufform aus dem 200 Grad heißen Backofen liegen dagegen weit über dem, was Polyesterfilz aushält. Er schmilzt dann punktuell, klebt am Topfboden fest und hinterlässt eine harte, glasige Stelle auf dem Tisch, die sich kaum entfernen lässt. Für Kochgeschirr kommt nur Wollfilz in Frage, besser noch Kork, Holz oder Metall.
Wie erkennen Sie, welchen Filz Sie vor sich haben?
Die Ware im Kreativmarkt ist oft nur mit einer Farbnummer beschriftet. Ein Brenntest an einem kleinen Schnipsel liefert in einer Minute Klarheit. Führen Sie ihn über einer Metallschale und mit bereitstehendem Wasserglas durch, im Freien oder am geöffneten Fenster.
- Wolle: Brennt langsam und zögerlich, riecht deutlich nach verbranntem Haar oder verbrannten Federn, hinterlässt eine schwarze, krümelige Asche, die sich zwischen den Fingern zerreiben lässt. Nimmt man die Flamme weg, geht sie meist von selbst aus.
- Polyester: Zieht sich von der Flamme zurück, schmilzt, tropft und bildet eine harte, glänzende Kugel, die sich nicht zerreiben lässt. Der Geruch ist süßlich-chemisch.
- Viskose oder Baumwollanteil: Brennt schnell mit heller Flamme, riecht nach verbranntem Papier, hinterlässt feine graue Asche.
- Mischfilz: Zeigt beides gleichzeitig, also Haargeruch und geschmolzene Reste. Behandeln Sie ihn wie Polyester.
- Griffprobe als Ergänzung: Wollfilz fühlt sich weich und leicht faserig an und wirkt etwas ungleichmäßig. Nadelfilz ist gleichmäßiger, glatter und beim Reißen deutlich fester.
- Preis als Indiz: Ein A4-Bogen für unter einem Euro ist praktisch nie Wollfilz.
Material, Maße und Kosten
| Teil | Maß oder Menge | Ungefähre Kosten |
|---|---|---|
| Wollfilz, 3 bis 5 Millimeter stark | 30 x 40 Zentimeter reichen für 6 Untersetzer mit 10 Zentimetern | 12 bis 25 Euro |
| Nadelfilz, 3 Millimeter | Gleiche Fläche | 4 bis 8 Euro |
| Stoffschere oder Rollschneider | Rollschneider mit 45 Millimetern Klinge, dazu Schneidmatte | 15 bis 30 Euro |
| Schablone | Karton, Teller oder Glasboden als Kreisvorlage | Vorhanden |
| Nähgarn, optional | Sticktwist oder starkes Baumwollgarn für den Zierstich | 2 bis 5 Euro |
| Lochzange oder Locheisen, optional | 3 Millimeter für ein Aufhängeloch | 8 bis 15 Euro |
Die Maße richten sich nach dem Geschirr. Für Kaffeetassen mit Untertasse genügen 10 Zentimeter Durchmesser, für Gläser und Becher sind 10 bis 11 Zentimeter üblich, für Teekannen und Krüge 16 bis 20 Zentimeter. Wichtiger als der Durchmesser ist die Stärke: Unter 3 Millimetern hat der Untersetzer keine dämmende Wirkung und wellt sich, wenn er nass wird. Ab 5 Millimetern steht das Glas spürbar wackelig, weil der Filz unter dem Rand nachgibt. Der Bereich von 3 bis 5 Millimetern ist der brauchbare Kompromiss.

Wie schneiden Sie die Untersetzer zu?
- Faser bestimmen. Brenntest an einem Schnipsel durchführen, wie oben beschrieben. Das Ergebnis entscheidet darüber, wofür der fertige Untersetzer taugt.
- Schablone anfertigen. Einen Kreis von 10 Zentimetern auf feste Pappe zeichnen, ausschneiden und den Rand glatt schleifen. Eine Pappschablone gibt sauberere Kanten als das Umfahren eines Glases.
- Filz auslegen. Bahn flach auf die Schneidmatte legen und mindestens eine Stunde entspannen lassen, wenn sie gerollt geliefert wurde. Aus einer gerollten Bahn geschnittene Kreise wölben sich.
- Anzeichnen. Mit Kreide oder einem Trickmarker auf der Rückseite anzeichnen. Kugelschreiber schlägt bei hellem Filz durch.
- Schneiden. Mit dem Rollschneider in einem Zug führen, nicht absetzen. Bei der Schere die Schneide möglichst weit hinten ansetzen und den Filz in die Klinge hineindrehen, statt die Schere zu bewegen. So bleibt die Kante glatt.
- Kanten prüfen. Fransige Stellen mit einer kleinen Stickschere nachschneiden. Bei Nadelfilz nutzt es zusätzlich, die Kante mit dem Fingernagel flach zu streichen.
- Optional versäubern. Ein Festonstich oder Vorstich in Kontrastgarn 5 Millimeter vom Rand entfernt hält die Kante bei Nadelfilz spürbar länger sauber. Bei Wollfilz ist er reine Zierde.
- Beschriften. Notieren Sie das Fasermaterial auf einem Zettel im Aufbewahrungskasten. Sechs Monate später sieht man dem Filz nicht mehr an, was er aushält.
- Testen. Stellen Sie eine frisch gefüllte Tasse für 10 Minuten auf einen Untersetzer und prüfen Sie danach die Unterseite auf Verformung oder Glanzstellen. Bei Nadelfilz zeigt sich hier, ob Ihre Charge weichmacht.
MerkeWer nicht schneiden mag, findet den gleichen Effekt in Kork: Korkuntersetzer mit 4 Millimetern Stärke sind hitzefester als Polyesterfilz und saugen Kondenswasser besser auf. Filz punktet dafür beim Schutz empfindlicher Tischplatten, weil er weicher ist und keine Krümel unter sich einklemmt.
Wie lange halten Filzuntersetzer, und wie reinigt man sie?
Die ehrliche Antwort: Filzuntersetzer sind Verbrauchsmaterial mit einer Lebensdauer von einigen Jahren, nicht Erbstücke. Wollfilz verdichtet sich an der Stelle, an der die Tasse steht, und behält irgendwann einen sichtbaren Ring. Nadelfilz faltet an den Kanten auf und bekommt an Druckstellen einen Glanz, der nicht mehr weggeht. Beides ist Gebrauchsspur, kein Defekt. Rechnen Sie bei täglichem Einsatz mit 2 bis 4 Jahren, bis ein Satz optisch abgenutzt wirkt.
Das größere Problem ist Feuchtigkeit. Filz saugt Kondenswasser vom Glasboden auf und gibt es nur langsam wieder ab. Bleibt ein nasser Untersetzer auf einer Holzplatte liegen, entsteht darunter genau der weiße Wasserrand, den er verhindern sollte. Nehmen Sie ihn nach dem Gebrauch hoch und lassen Sie ihn frei liegend trocknen. Wenn doch ein Rand entstanden ist, helfen die Verfahren aus dem Beitrag zum Entfernen von Flecken auf Holz.
Zum Reinigen: Wollfilz nur mit lauwarmem Wasser und etwas Wollwaschmittel von Hand abtupfen, nie in die Maschine, weil er dort weiter verfilzt und schrumpft. Nadelfilz verträgt eine Handwäsche bei 30 Grad, verliert dabei aber Form. Flecken beider Sorten gehen am besten trocken heraus: eintrocknen lassen, dann mit einer weichen Bürste ausbürsten. Für den Zuschnitt lohnt eine gute Schere, wie der Beitrag zur Stoffschere zeigt; wer weiter mit Textil am Kaffeetisch arbeiten möchte, findet im Artikel zum Tassenwärmer aus Stoff das passende Gegenstück. Schneiden Sie beim ersten Satz gleich zwei Untersetzer mehr zu als geplant, dann haben Sie Ersatz, wenn einer unrettbar fleckig wird.
