Ein Dachstuhl trägt Ziegel, Schnee und Wind und muss das für Jahrzehnte tun, ohne sich zu verziehen. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht auf der Baustelle, sondern im Sägewerk und im Trockenkammerprotokoll. Die zwei Größen, um die es geht, heißen Sortierklasse und Holzfeuchte.
Was unterscheidet Konstruktionsvollholz von normalem Bauholz?
Konstruktionsvollholz, kurz KVH, ist Nadelschnittholz mit vereinbarten Zusatzanforderungen. Es wird technisch getrocknet, gehobelt, gefast und in definierten Qualitäten geliefert. Normales sägeraues Bauholz wird dagegen häufig frisch oder nur luftgetrocknet verkauft.
Der wichtigste Unterschied ist die Feuchte. KVH wird mit einer Holzfeuchte von 15 Prozent plus minus 3 Prozent geliefert. Dieser Wert liegt nahe an der Feuchte, die sich im eingebauten Zustand ohnehin einstellt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit nachträglicher Verformungen deutlich geringer. Bei Längen über 5 Metern werden die Stäbe in der Regel keilgezinkt, weil Stammholz in dieser Länge und Güte selten ist.
| Merkmal | Konstruktionsvollholz | Brettschichtholz | Sägeraues Bauholz |
|---|---|---|---|
| Aufbau | Massivholz, oft keilgezinkt | Mehrere verleimte Lamellen | Massivholz aus dem Stamm |
| Holzfeuchte bei Lieferung | 15 Prozent plus minus 3 Prozent | Aus einzeln getrockneten Lamellen, Wert nach Herstellerangabe | Häufig frisch oder luftgetrocknet, teils deutlich über 20 Prozent |
| Formstabilität | Gut | Sehr gut | Gering, arbeitet im Gebäude nach |
| Spannweite und Querschnitt | Für übliche Wohnhausdächer ausreichend | Große Spannweiten und Sonderquerschnitte möglich | Durch Stammdurchmesser begrenzt |
| Oberfläche | Gehobelt und gefast, sichtbar verwendbar | Gehobelt, in Sichtqualität lieferbar | Sägerau |
| Typischer Einsatz | Dachstuhl, Wandrahmen, Innenausbau | Unterzüge, weit gespannte Träger, Vordächer | Schalung, untergeordnete Bauteile |
Warum reißt zu feuchtes Holz später?
Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab, bis es mit der Umgebung im Gleichgewicht steht. Diese Ausgleichsfeuchte hängt von Temperatur und Luftfeuchte ab. Der Eurocode 5 fasst das in Nutzungsklassen: Nutzungsklasse 1 beschreibt beheizte Innenräume, in denen die mittlere Holzfeuchte der meisten Nadelhölzer nicht über etwa 12 Prozent liegt. Nutzungsklasse 2 beschreibt überdachte, aber offene Bauteile, in denen 20 Prozent im Mittel nicht überschritten werden. Nutzungsklasse 3 umfasst frei bewitterte Bauteile mit höheren Werten.
Wird Holz mit 30 Prozent Feuchte eingebaut und stellt sich später auf 12 Prozent ein, gibt es diese Differenz nach dem Einbau ab. Dabei passiert dreierlei:
- Schwinden: Der Querschnitt wird kleiner. Holz schwindet quer zur Faser deutlich stärker als in Längsrichtung, tangential mehr als radial. Aus dieser Ungleichheit entstehen Spannungen im Querschnitt.
- Rissbildung: Die Oberfläche trocknet schneller als der Kern und steht unter Zug. Sie reißt auf. Trocknungsrisse in Faserrichtung sind bei Vollholz normal und meist unkritisch, sehen aber bei sichtbaren Balken unschön aus.
- Verdrehen und Verwerfen: Je nach Lage der Jahrringe und der Faser verdreht sich der Stab. Bei Sparren führt das zu ungleichen Auflagerflächen und zu einer welligen Dachfläche.
- Lockere Verbindungen: Schrauben, Bolzen und Nagelplatten verlieren Vorspannung, wenn das Holz unter ihnen schwindet. Bolzenverbindungen müssen dann nachgezogen werden.
- Pilzrisiko: Oberhalb von rund 20 Prozent Holzfeuchte finden holzzerstörende Pilze Bedingungen zum Wachstum. Nass eingebautes und dann eingepacktes Holz ist deshalb ein echtes Risiko und nicht nur ein optisches Problem.
Achtung, Trocknung darf nicht im Bauteil stattfinden. Der häufigste Fehler ist, Bauholz zu verbauen und anschließend sofort zu dämmen und mit einer luftdichten Schicht zu schließen. Die Feuchte kann dann nicht mehr abtrocknen und verteilt sich in Dämmung und Konstruktion. Lassen Sie sich die Holzfeuchte bei der Lieferung nachweisen oder messen Sie sie mit einem Einstich-Messgerät nach. Ein Widerstandsmessgerät mit Elektroden liefert dabei brauchbarere Werte als ein kapazitives Gerät, das nur die oberflächennahe Zone erfasst.
Was bedeuten die Sortierklassen?
DIN 4074-1 regelt die Sortierung von Nadelschnittholz nach der Tragfähigkeit. Sortiert wird nach sichtbaren Merkmalen wie Astigkeit, Faserneigung, Jahrringbreite, Rissen und Baumkante, bei maschineller Sortierung zusätzlich nach gemessenen Größen. Die Klassen heißen S7, S10 und S13, wobei die Zahl grob für die zulässige Beanspruchung steht.
| Sortierklasse nach DIN 4074-1 | Zugeordnete Festigkeitsklasse | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| S7 | C16 | Untergeordnete Bauteile, geringe Beanspruchung |
| S10 | C24 | Regelfall im Wohnungsbau, Sparren, Pfetten, Balkenlagen |
| S13 | C30 | Hoch beanspruchte Bauteile, größere Spannweiten |
Wenn ein Statiker C24 einträgt, dann steht das in der Bestellung als S10. Wer stattdessen S7 liefert oder ungesichtete Ware verbaut, unterläuft die Statik, auch wenn der Balken auf den ersten Blick gleich aussieht. Achten Sie beim Wareneingang auf die Kennzeichnung auf dem Stab: Sie nennt unter anderem Holzart, Sortier- oder Festigkeitsklasse und den Betrieb.
MerkeEin Dachstuhl ist ein tragendes Bauteil. Querschnitte, Anschlüsse, Verbindungsmittel und die Aussteifung gegen Wind gehören in eine Statik und in die Hand eines Zimmereibetriebs. Das gilt auch für vermeintlich kleine Eingriffe im Bestand: Ein durchsägter Kehlbalken oder eine für ein Dachfenster ausgeschnittene Sparrenlage verändert das Tragsystem. Eigenleistung ist beim Dachstuhl auf Zuarbeit beschränkt.
Welche Dachstuhlarten gibt es?
Drei Grundformen decken den Wohnungsbau weitgehend ab. Sie unterscheiden sich darin, wie die Last vom Sparren in die Wände geleitet wird, und das entscheidet über die Nutzbarkeit des Dachraums.
| Art | Prinzip | Genannte Spannweite | Folgen für den Ausbau |
|---|---|---|---|
| Sparrendach | Sparrenpaare bilden ein Dreieck, der Deckenbalken am Fuß nimmt als Zugband den Horizontalschub auf | Bis etwa 10 Meter | Stützenfreier Dachraum, aber Gauben und große Öffnungen sind aufwendig |
| Kehlbalkendach | Weiterentwicklung des Sparrendachs, ein waagerechter Kehlbalken verbindet die Sparren etwa in Raumhöhe | Etwa 9 bis 14 Meter, sinnvoll ab Sparrenlängen über 4,50 Meter | Der Kehlbalken liegt im Raum, ergibt aber oft eine natürliche Deckenhöhe |
| Pfettendach | Sparren liegen auf Längsbalken, den Pfetten, die die Last über Stützen ableiten | Über Pfettenabstände und Stützen frei steuerbar | Beide Dachhälften sind getrennte Systeme, Gauben, Fenster und Schornsteine lassen sich leichter anordnen, dafür stehen Stützen im Raum |
Für den Ausbau ist die Wahl folgenreich. Wer ein Dachgeschoss später zu Wohnraum machen will, sollte das vor der Konstruktionswahl sagen, nicht danach. Nachträgliche Gauben in einem Sparrendach sind möglich, verlangen aber Wechsel und zusätzliche Bauteile, die statisch nachzuweisen sind.
Worauf achten Sie bei Anlieferung und Einbau?
- Bestellung prüfen. Holzart, Sortier- oder Festigkeitsklasse, Holzfeuchte, Oberflächenqualität und Querschnitte gegen die Statik abgleichen, bevor der Lkw kommt.
- Kennzeichnung kontrollieren. Beim Wareneingang die Stempel auf den Stäben lesen und stichprobenartig mit dem Lieferschein vergleichen.
- Feuchte messen. Mit einem Widerstandsmessgerät an mehreren Stäben und in ausreichender Einstichtiefe messen, nicht nur an der Oberfläche. Werte weit über 18 Prozent bei KVH sind ein Reklamationsgrund.
- Trocken lagern. Auf Kanthölzern mindestens 20 Zentimeter über dem Boden, mit Luft zwischen den Lagen, gegen Regen abgedeckt, aber nicht in Folie eingewickelt. Eingepacktes Holz schwitzt und schimmelt.
- Zuschnitte behandeln. Sägeschnitte und Bohrungen an Bauteilen mit chemischem Holzschutz nachbehandeln, sonst bleibt die Schnittfläche ungeschützt.
- Auflager schützen. Zwischen Holz und Mauerwerk oder Beton gehört eine Trennlage, damit keine Feuchtigkeit aus dem mineralischen Baustoff ins Holz zieht.
- Zügig eindecken. Ein aufgestellter Dachstuhl darf nicht wochenlang offen im Regen stehen. Notdeckung oder Unterspannbahn zeitnah aufbringen.
- Verbindungen nachziehen. Bolzen- und Stabdübelverbindungen nach einigen Monaten kontrollieren, weil das Holz unter den Scheiben schwindet.
Der beste konstruktive Holzschutz ist immer noch der, der Wasser gar nicht erst an das Holz lässt. Dazu gehören ausreichender Dachüberstand, funktionierende Entwässerung und eine dichte Deckung. Wo eine Dachrinne überläuft, wird die Traufe dauerhaft nass; wie sich Schäden daran beheben lassen, steht im Beitrag zum Reparieren beschädigter Dachrinnen. Eine undichte Stelle in der Deckung erkennen Sie oft erst am Fleck auf dem Sparren, und dann ist die Feuchte schon eine Weile dort; der Text zu einfachen Reparaturen für undichte Dächer zeigt, wie Sie die Ursache eingrenzen. Bei freistehenden Holzkonstruktionen ohne beheizten Raum darunter gelten strengere Anforderungen an Holzart und Schutz, wie der Beitrag über Carports aus Holz beschreibt.
Halten Sie nach der Fertigstellung Lieferschein, Statik und die gemessenen Holzfeuchtewerte zusammen in einer Bauakte. Wenn in zehn Jahren ein Riss auffällt, ist die Frage nach der Einbaufeuchte die erste, die gestellt wird.
