String Art heißt auf Deutsch Fadenbild oder Nagelbild. Das Prinzip ist simpel: In eine Holzplatte werden Nägel entlang einer Kontur eingeschlagen, dann wird Garn kreuz und quer zwischen ihnen gespannt, bis eine Fläche entsteht. Das Ergebnis ist ein flaches Wandobjekt mit sichtbarer Tiefenwirkung, weil die Fäden in verschiedenen Ebenen übereinanderliegen.
Wichtig zur Abgrenzung: Hier wird nichts geknotet und nichts genäht. Wer Fäden knüpfen möchte, sucht einen Wandbehang aus Makramee. Wer mit Stoffflächen arbeiten will, findet das im Beitrag zur Wanddeko aus Stoffresten. Dieser Text behandelt ausschließlich Nagel und Faden.

Welche Platte und welche Nägel passen zusammen?
Die häufigste Enttäuschung entsteht, weil Nagellänge und Plattendicke nicht abgestimmt sind. Die Nagelspitze darf hinten nicht austreten, vorn muss aber genug Schaft frei bleiben, damit mehrere Fadenlagen übereinander Platz finden. Als Rechnung: Plattendicke minus mindestens 4 Millimeter Restholz ergibt die maximale Einschlagtiefe. Nagellänge minus Einschlagtiefe ergibt die freie Nagellänge, und die sollte bei 12 bis 20 Millimetern liegen.
| Untergrund | Empfohlene Dicke | Passende Drahtstifte | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Multiplex Birke | 15 bis 18 Millimeter | 1,4 mal 25 Millimeter | hält die Nägel fest, splittert kaum |
| Leimholz Fichte oder Kiefer | 18 bis 27 Millimeter | 1,6 mal 30 Millimeter | weich, Nägel gehen leicht ein, spaltet entlang der Faser |
| Massivholz Eiche oder Buche | 20 Millimeter und mehr | 1,6 mal 30 Millimeter | vorbohren mit 1,2 Millimetern, sonst verbiegen die Stifte |
| MDF | 19 Millimeter | 1,4 mal 25 Millimeter | gleichmäßig, Kanten müssen versiegelt werden |
| Rustikales Altholz | ab 20 Millimeter | 1,6 mal 30 Millimeter | auf alte Nägel und Fremdkörper prüfen, bevor Sie schlagen |
Ein zweiter Punkt betrifft den Nagelkopf. Kopflose Stifte sehen feiner aus, aber das Garn rutscht beim Spannen an ihnen nach oben und springt ab. Nehmen Sie Nägel mit flachem oder leicht gewölbtem Kopf, oder setzen Sie Ziernägel ein. Der Kopf ist die Sicherung des ganzen Bildes.
Beim Garn hat sich Baumwollgarn bewährt: Häkelgarn, Stickgarn oder dünnes Bäckergarn. Es ist reißfest, färbt nicht ab und lässt sich straff ziehen, ohne sich unkontrolliert zu dehnen. Wolle dagegen dehnt sich unter Spannung und hängt nach einigen Wochen durch. Sehr glattes Kunstfasergarn rutscht an den Nägeln, das kostet Nerven.
Wie eng müssen die Nägel stehen?
Entlang der Motivkontur liegt der übliche Abstand bei 7 bis 8 Millimetern, teils wird auch etwa 1 Zentimeter genannt. Enger als 7 Millimeter sollten Sie in Weichholz nicht gehen, sonst reißt das Material zwischen zwei Nägeln entlang der Faser auf.
Rechnen Sie den Bedarf vorher aus, sonst geht Ihnen mitten im Bild das Material aus. Beispiel: Eine Herzkontur mit 25 Zentimetern Breite hat einen Umfang von rund 70 Zentimetern. Bei 8 Millimetern Abstand brauchen Sie dafür etwa 88 Nägel. Ein rechteckiger Rahmen von 30 mal 40 Zentimetern hat 140 Zentimeter Umfang und braucht bei 1 Zentimeter Abstand rund 140 Nägel.
- Gleichmäßige Tiefe: Ein Holzklötzchen als Anschlag neben den Nagel halten und bis dorthin einschlagen. So sitzen alle Nägel gleich tief.
- Vorlage aufkleben: Motiv ausdrucken, mit Kreppband auf der Platte fixieren, durch das Papier nageln, Papier anschließend abreißen.
- Papierreste entfernen: Kleine Fetzen am Nagelfuß mit einer Pinzette herausziehen, bevor Sie mit dem Garn beginnen.
- Kurven vorher zeichnen: An engen Radien den Abstand leicht verringern, an geraden Strecken leicht vergrößern. Sonst wirkt die Kurve kantig.
- Erst schleifen, dann nageln: Oberfläche fertig behandeln, bevor die Nägel drin sind. Zwischen 88 Nägeln lässt sich nicht mehr sauber lackieren.
- Platte vorbereiten: Kanten mit 120er und 180er Schleifpapier brechen, Staub abwischen, gewünschte Beize oder Farbe vollständig durchtrocknen lassen.

Schritt für Schritt zum Fadenbild
- Platte zuschneiden. Format festlegen, Kanten schleifen. Für den Anfang sind 30 mal 40 Zentimeter ein gut beherrschbares Maß.
- Oberfläche behandeln. Beizen, lackieren oder ölen. Trockenzeiten des Herstellers einhalten, bei Wasserlack meist 4 bis 6 Stunden zwischen zwei Schichten.
- Vorlage übertragen. Motiv in Originalgröße ausdrucken, Nagelpositionen im gewählten Abstand markieren, Blatt mit Kreppband fixieren.
- Nägel setzen. Mit leichten Schlägen arbeiten, Anschlagklotz nutzen, Nagel senkrecht halten. Krumme Nägel jetzt ziehen, nicht später.
- Vorlage entfernen. Papier vorsichtig einreißen und zwischen den Nägeln herausziehen, Reste mit der Pinzette.
- Kontur umlaufen. Garn an einem Nagel doppelt verknoten, einmal um alle Konturnägel führen. Diese Umrandung gibt dem Motiv die Kante.
- Fläche füllen. Von Nagel zu Nagel quer über das Motiv spannen, ohne System, aber gleichmäßig verteilt. Jeden Nagel einmal umschlingen, damit der Faden nicht rutscht.
- Verdichten. Zweite und dritte Lage in anderer Richtung. Die Tiefenwirkung entsteht durch die Überlagerung, nicht durch die Menge.
- Abschließen. Fadenende verknoten, Rest kurz abschneiden und den Knoten unter eine Fadenlage schieben.
- Aufhänger montieren. Zwei Zackenaufhänger oder eine Schlüssellochplatte auf die Rückseite, jeweils etwa 5 Zentimeter unter der Oberkante.
Ein Nagelbild hat je nach Motiv über 100 freistehende Nagelspitzen. Hängen Sie es nicht in Griffhöhe von Kindern, nicht neben eine Türlaibung und nicht dort, wo jemand im Vorbeigehen streift. Beim Bau selbst gilt: Schutzbrille beim Nageln, weil Drahtstifte beim Verkanten abspringen können, und ein fester Untergrund unter der Platte, damit sie nicht wegrutscht. Wenn Sie das Bild verschenken, weisen Sie auf die Spitzen hin. Es ist Dekoration für eine Wandfläche, kein Objekt zum Anfassen.
Wie schwer wird das Bild und wie hängt es sicher?
Das Gewicht kommt fast vollständig aus der Platte. Ein Multiplexbrett von 30 mal 40 Zentimetern bei 18 Millimetern Dicke hat ein Volumen von rund 0,00216 Kubikmetern. Bei einer Rohdichte um 680 Kilogramm je Kubikmeter ergibt das etwa 1,5 Kilogramm. Nägel und Garn steuern zusammen selten mehr als 200 Gramm bei.
Damit liegt ein normales Fadenbild im Bereich, den ein einzelner Bilderhaken in Mauerwerk trägt. In Gipskarton, Porenbeton oder hinter einer Fliese sieht das anders aus, dort entscheidet die Befestigungsart. Die passende Zuordnung steht in der Übersicht welchen Dübel für welche Wand. Zwei Aufhängepunkte im Abstand von etwa zwei Dritteln der Bildbreite verhindern, dass das Bild schief hängt.
MerkeSetzen Sie die Aufhänger auf die Rückseite, bevor Sie das Garn spannen. Danach lässt sich die Platte nicht mehr bequem umdrehen, ohne die Fadenlagen auf die Unterlage zu drücken.
Was geht typischerweise schief?
Der häufigste Fehler ist die zu geringe freie Nagellänge. Wer die Stifte tief einschlägt, hat nach zwei Fadenlagen keinen Platz mehr, und die dritte Lage rutscht über den Kopf. Kontrollieren Sie deshalb nach den ersten zehn Nägeln, ob die Höhe stimmt, und ziehen Sie zu tief sitzende Nägel mit der Kneifzange wieder ein Stück heraus.
Der zweite Fehler ist zu straffes Spannen bei dünner Platte. Über hundert Fäden, die alle nach innen ziehen, erzeugen eine erstaunliche Summenkraft. Bei einer 8 Millimeter dünnen Sperrholzplatte kann sich das Brett dadurch messbar wölben. Bleiben Sie bei mindestens 15 Millimetern Materialstärke.
Der dritte Punkt betrifft die Farbwahl. Dunkles Garn auf dunkler Beize verschwindet aus zwei Metern Entfernung. Prüfen Sie den Kontrast, indem Sie ein Stück Garn auf die fertig behandelte Platte legen und aus dem geplanten Betrachtungsabstand schauen, bevor Sie das Knäuel kaufen.
Zur Pflege: Staub setzt sich zwischen den Fäden fest und lässt sich nur schwer entfernen. Blasen Sie ihn zweimal im Jahr mit einem Blasebalg oder auf niedriger Stufe mit dem Staubsauger und aufgesetzter Bürste ab, ohne die Fäden zu berühren. Feucht abwischen geht nicht, Baumwollgarn zieht sich beim Trocknen zusammen und verzieht das Motiv.
