Von allen Bastelideen mit alten Schallplatten ist die Wanduhr die unaufwendigste. Der Grund ist banal: Das Loch für die Achse sitzt bereits in der Mitte, gebohrt von der Presse. Damit entfällt der einzige Arbeitsschritt, der bei Vinyl heikel ist. Trotzdem gibt es drei Punkte, an denen Uhren aus Schallplatten regelmäßig scheitern.
Muss die Platte erhitzt werden?
Für eine reine Wanduhr nicht. Sie brauchen eine flache Scheibe, und genau die haben Sie schon. Erhitzt wird nur, wenn Sie den Rand wellen oder die Platte schüsseln wollen, also aus optischen Gründen. Diese Entscheidung sollten Sie bewusst treffen, denn ab da wird aus einem harmlosen Bastelprojekt eine Sache mit Lüftungsbedarf.
Schallplatten bestehen aus Polyvinylchlorid, einem Thermoplast. Bei etwa 100 bis 120 Grad Celsius wird das Material innerhalb weniger Minuten biegsam. Nach oben gibt es eine harte Grenze: PVC zersetzt sich unter Abspaltung von Chlorwasserstoff. Die Angaben zum Beginn dieser Zersetzung schwanken, genannt werden Werte ab etwa 170 Grad Celsius sowie der industrielle Verarbeitungsbereich von 160 bis 200 Grad. Da sich die Quellen unterscheiden, gilt die vorsichtige Variante: 120 Grad Celsius sind die Obergrenze, und zwar gemessen, nicht am Drehknopf eingestellt.
Chlorwasserstoff ist ein Reizstoff für Augen und Atemwege. Wenn Sie eine Platte im Haushaltsofen verformen, öffnen Sie vorher ein Fenster oder schalten Sie die Dunstabzugshaube ein und lassen Sie den Ofen anschließend mit offener Tür auslüften. Legen Sie ein Ofenthermometer auf das Blech, denn Haushaltsbacköfen weichen von der eingestellten Temperatur oft um 10 bis 20 Grad nach oben oder unten ab. Bei Atemwegsproblemen und in Wohnungen ohne Querlüftung sollten Sie auf das Verformen ganz verzichten. Für eine Wanduhr ist es ohnehin nicht nötig, und das ist die ehrlichste Antwort auf die Frage: Der Ofenschritt bringt hier keinen Nutzen, der das Risiko rechtfertigt.
Welche Platte dürfen Sie opfern?
Eine, die keinen Sammlerwert hat. Zerkratzte Massenpressungen aus den 1980er Jahren, verzogene Platten aus dem Keller und Ausschussware vom Flohmarkt sind das richtige Material. Bevor Sie bohren, lohnt ein Blick in die Auslaufrille zwischen letztem Titel und Etikett: Dort steht die Matrixnummer, und Erstpressungen enden dort häufig auf 1 oder A-1. Seltenheit, Zustand, Label und Cover bestimmen zusammen den Wert einer Platte, ein einzelnes Merkmal reicht nicht als Beweis. Im Zweifel schlagen Sie den Titel in einer Verkaufsdatenbank nach, bevor Sie ihn an die Wand schrauben.
| Merkmal | LP (12 Zoll) | Single (7 Zoll) | Bedeutung fürs Projekt |
|---|---|---|---|
| Durchmesser | etwa 30 Zentimeter | etwa 17,5 Zentimeter | Bestimmt die maximale Zeigerlänge |
| Mittelloch | rund 7 Millimeter | oft mit großem Ausbruch | Muss zum Schaft des Uhrwerks passen |
| Dicke | etwa 1,5 bis 2 Millimeter | etwa 1,5 Millimeter | Deutlich dünner als übliche Zifferblätter |
| Material | Polyvinylchlorid | Polyvinylchlorid | Wärmeempfindlich, nicht schlagfest |
| Oberfläche | Rillen, glänzend schwarz | Rillen, glänzend schwarz | Zahlen brauchen hellen Kontrast |
Welches Uhrwerk passt auf eine Schallplatte?
Zwei Maße entscheiden. Das erste ist die Gewindelänge des Schafts, also der Teil, der durch das Zifferblatt ragt und auf dem die Mutter sitzt. Uhrwerke werden für unterschiedliche Zifferblattstärken angeboten, typische Angaben liegen bei etwa 4,5 Millimetern Gewinde für 3 Millimeter starke Blätter und rund 6 Millimetern für 5 Millimeter starke. Eine Schallplatte ist mit 1,5 bis 2 Millimetern dünner als beides. Nehmen Sie deshalb das kürzeste angebotene Gewinde und gleichen Sie die Differenz mit Unterlegscheiben aus, sonst sitzen die Zeiger zu weit vorn und schleifen aneinander.
Das zweite Maß ist der Schaftdurchmesser im Verhältnis zum Mittelloch. Hier gibt es keine allgemeingültige Zahl, weil die Hersteller unterschiedliche Schäfte verbauen. Messen Sie den Schaft Ihres Uhrwerks mit einem Messschieber und vergleichen Sie ihn mit den rund 7 Millimetern des Plattenlochs. Passt er nicht durch, muss das Loch aufgeweitet werden, und das ist der einzige Bohrschritt an diesem Projekt.
Bei der Zeigerlänge gilt: Der Minutenzeiger darf den Plattenrand nicht überragen. Bei 30 Zentimetern Durchmesser bedeutet das eine Länge von höchstens etwa 14 Zentimetern ab Achsmitte. Zu lange Zeiger sind der häufigste Grund dafür, dass eine selbst gebaute Uhr stehenbleibt, weil das Drehmoment eines einfachen Quarzwerks begrenzt ist.
Wie bauen Sie die Uhr Schritt für Schritt?
- Platte reinigen. Waschen Sie die Scheibe mit lauwarmem Wasser und etwas Spülmittel und trocknen Sie sie mit einem weichen Tuch ab. Lösemittel und Alkohol greifen die Oberfläche an.
- Wert prüfen. Sehen Sie in die Auslaufrille und schlagen Sie den Titel nach, bevor Sie bohren. Ein Bohrloch ist endgültig.
- Loch messen. Prüfen Sie mit dem Messschieber, ob der Schaft des Uhrwerks durch das vorhandene Loch passt.
- Nur bei Bedarf aufweiten. Legen Sie die Platte flach auf ein Brett und arbeiten Sie mit einem Stufenbohrer bei niedriger Drehzahl. PVC schmilzt bei hoher Drehzahl und verläuft dann um den Bohrer herum.
- Ohne Schlagwerk arbeiten. Schalten Sie die Schlagfunktion der Bohrmaschine ab. Vinyl bricht sonst sternförmig ein.
- Zahlen anbringen. Setzen Sie Markierungen für 12, 3, 6 und 9 Uhr, entweder als aufgeklebte Ziffern, Nieten oder Punkte aus heller Farbe. Auf schwarzem Vinyl ist Kontrast wichtiger als Größe.
- Uhrwerk montieren. Gummischeibe, Platte, Metallscheibe, Mutter. Ziehen Sie die Mutter von Hand an, nicht mit der Zange, sonst reißt das dünne Material am Loch aus.
- Zeiger aufsetzen. Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger in dieser Reihenfolge, alle auf 12 Uhr stehend. Prüfen Sie, dass sich die Zeiger untereinander nicht berühren.
- Aufhängung wählen. Der Aufhänger am Uhrwerk trägt die Platte, sie wiegt nur wenige hundert Gramm. Ein einfacher Bilderhaken genügt, wie er im Beitrag über das Anbringen von Glasbildern und Wanduhren beschrieben ist.
- Batterie einlegen. Erst zum Schluss, damit Sie beim Ausrichten der Zeiger nichts verstellen.
Was macht die Uhr im Alltag kaputt?
- Wärme: PVC verzieht sich schon unterhalb der Verformungstemperatur, wenn es lange warm liegt. Über einem Heizkörper oder an der Südwand hinter einer Fensterscheibe wird die Platte wellig.
- Sonne: Längere UV-Einwirkung lässt Vinyl altern und ausbleichen, aus tiefem Schwarz wird ein stumpfes Grau.
- Lösemittel: Reiniger mit Alkohol, Aceton oder Nitroverdünnung mattieren die Oberfläche dauerhaft. Nehmen Sie lauwarmes Wasser mit einem Tropfen Spülmittel.
- Zu schwere Zeiger: Selbst gebaute Zeiger aus Metall überfordern das Drehmoment eines einfachen Quarzwerks. Bleiben Sie bei den mitgelieferten Kunststoffzeigern.
- Kalte Räume: Vinyl wird bei Kälte spröde. In einem ungeheizten Flur oder auf dem Balkon bricht die Platte beim ersten Anstoßen.
- Batterien: Nehmen Sie die Batterie heraus, wenn die Uhr längere Zeit nicht läuft. Ausgelaufene Zellen zerstören das Werk und verschmutzen die Platte.
MerkeWenn Sie mehrere Platten verarbeiten wollen und eine davon ohnehin verformt werden soll, machen Sie beide Arbeitsgänge in einer Ofensitzung. Jeder zusätzliche Aufheizzyklus belastet Weichmacher und Stabilisatoren im Material, und die Wohnung muss jedes Mal gelüftet werden.
Wer die Verformung trotzdem ausprobieren will, findet die vollständige Anleitung mit Temperaturführung und Formenbau im Beitrag über die Deko-Schale aus alten Schallplatten. Für glänzende Flächen ohne Hitze funktioniert dasselbe Gestaltungsprinzip auch mit anderen Datenträgern, siehe den Mosaikspiegel aus alten CDs. Für die Uhr selbst reicht ein Nachmittag: rund 20 Minuten Montage, dazu die Zeit für die Zifferblattgestaltung.
