Ein Weinregal ist eines der wenigen Möbel, bei denen die Zuladung vorab exakt bekannt ist. Sie wissen, wie viele Flaschen hineinsollen, und Sie wissen, was eine Flasche wiegt. Damit lässt sich die Konstruktion sauber auslegen, statt zu schätzen. Diese Anleitung baut ein stehendes Regal für 24 Flaschen und rechnet die Last dabei mit.

Wie schwer ist ein volles Weinregal?
Schwerer als gedacht. Eine gefüllte klassische 0,75-Liter-Flasche wiegt im Durchschnitt etwa 1,3 Kilogramm. Die Spanne ist allerdings breit: Je nach Flaschenglas liegen volle Flaschen zwischen rund 1050 und 1650 Gramm. Leichte Flaschen aus dünnem Glas wiegen leer etwa 300 Gramm, schwere Repräsentationsflaschen 900 Gramm und mehr. Bauchige Burgunderflaschen sind schwerer als schlanke Rieslingflaschen.
Für die Auslegung rechnen Sie deshalb nicht mit dem Durchschnitt, sondern mit dem oberen Rand. Bei 1,5 Kilogramm je Flasche kommen 24 Flaschen auf 36 Kilogramm. Dazu kommt das Eigengewicht des Regals von grob 12 bis 18 Kilogramm bei Leimholz. Ein voll bestücktes Regal wiegt damit rund 50 Kilogramm.
| Flaschenzahl | Zuladung bei 1,3 kg | Zuladung bei 1,5 kg | Einordnung |
|---|---|---|---|
| 6 | 7,8 kg | 9,0 kg | Wandregal möglich |
| 12 | 15,6 kg | 18,0 kg | Wandregal mit vier Dübeln |
| 24 | 31,2 kg | 36,0 kg | stehendes Regal empfohlen |
| 48 | 62,4 kg | 72,0 kg | nur stehend, Mittelstütze nötig |
| 100 | 130 kg | 150 kg | Regalsystem, nicht Eigenbau aus Leimholz |
Wandregale sind bei Wein schnell überfordert. Ein hängendes Weinregal mit 24 Flaschen bringt rund 36 Kilogramm Zuladung an vier Dübelpunkte, und das mit erheblichem Hebelarm nach vorn, weil die Flaschen 30 Zentimeter in den Raum ragen. In Gipskarton ohne Ständer ist das nicht sicher darstellbar. Bauen Sie ab zwölf Flaschen stehend.
Warum müssen Flaschen liegen?
Wegen des Korkens. Ein Naturkork dichtet nur zuverlässig ab, solange er feucht bleibt. Bei liegender Lagerung steht der Wein am Kork an, hält ihn feucht und lässt ihn quellen. Steht die Flasche aufrecht, trocknet der Kork von innen aus, schrumpft und lässt Luft an den Wein. Das Ergebnis ist Oxidation, erkennbar an einer bräunlichen Farbe und einem flachen, sherryartigen Geruch.
Für Flaschen mit Schraubverschluss oder Glasverschluss gilt das nicht. Die dichten unabhängig von der Lage ab und können stehen. Da Sie beim Bau aber nicht wissen, was später im Regal landet, legen Sie es für liegende Lagerung aus. Ein Fach, in dem eine Flasche liegen kann, nimmt auch eine stehende auf, umgekehrt gilt das nicht.
MerkeEin Weinregal im Wohnzimmer ist ein Aufbewahrungsmöbel, kein Weinkeller. Für die längere Reifung brauchen Flaschen konstante Temperaturen im Bereich zwischen etwa 10 und 14 Grad Celsius, Dunkelheit und Ruhe. Ein Regal neben der Heizung oder in der Sonne beschleunigt die Alterung erheblich. Für Flaschen, die innerhalb weniger Monate getrunken werden, ist das unerheblich.
Welche Fachmaße brauche ich?
Weinflaschen sind nicht genormt. Die klassische Bordeauxflasche ist schlank und hat einen Durchmesser von rund 7,5 bis 8 Zentimetern, die Burgunderflasche ist bauchig und kommt auf etwa 8,5 bis 9 Zentimeter. Schlegelflaschen für Riesling liegen dazwischen, sind dafür länger. Die Länge streut zwischen etwa 29 und 34 Zentimetern.
Legen Sie die Fächer deshalb großzügig aus. 8,5 Zentimeter lichte Höhe und Breite nehmen fast alle üblichen Flaschen auf, bei 9 Zentimetern haben Sie auch mit bauchigen Burgundern keine Probleme. Für die Tiefe planen Sie mindestens 30 Zentimeter, mit Reserve bis rund 40 Zentimeter liegt jede Flasche vollständig im Fach. Wenn Sie Sekt- oder Champagnerflaschen lagern wollen, messen Sie diese separat, sie sind dicker und schwerer.
Material und Werkzeug
Die Stückliste ergibt ein stehendes Regal mit 6 Fächern in der Breite und 4 in der Höhe, also 24 Flaschen. Außenmaße rund 58 Zentimeter Breite, 40 Zentimeter Höhe, 35 Zentimeter Tiefe. Eine Übersicht über fertige Bauformen und ihre Kapazitäten gibt der Beitrag zu Weinregalen.
| Position | Menge | Maß | Kosten |
|---|---|---|---|
| Leimholz für Seiten | 2 Stück | 400 x 350 x 18 mm | 15 bis 30 Euro |
| Leimholz für waagerechte Böden | 5 Stück | 540 x 350 x 18 mm | 35 bis 70 Euro |
| Leimholz für senkrechte Trennstege | 20 Stück | 85 x 350 x 18 mm | im Zuschnitt enthalten |
| Rückwand Sperrholz | 1 Stück | 576 x 400 x 8 mm | 10 bis 18 Euro |
| Spanplattenschrauben | 60 Stück | 4,0 x 40 mm | 8 bis 12 Euro |
| Kippsicherungsset | 1 Set | Winkel oder Gurt | 4 bis 8 Euro |
| Möbelgleiter | 4 Stück | höhenverstellbar | 5 bis 10 Euro |
| Hartwachsöl | 0,375 Liter | zwei Schichten | 12 bis 25 Euro |
- Handkreissäge mit Führungsschiene: Die 20 Trennstege müssen exakt gleich lang sein, sonst stehen die Böden nicht parallel. Ein Baumarktzuschnitt ist hier die verlässlichere Lösung.
- Akkuschrauber: mit Holzbohrer 3 Millimeter und Kegelsenker. Bei 60 Schraubverbindungen lohnt ein zweiter Akku.
- Anschlaglehre aus Restholz: ein Klotz von genau 85 Millimetern Breite. Damit setzen Sie alle Trennstege im gleichen Abstand, ohne jedes Mal zu messen.
- Wasserwaage: mindestens 60 Zentimeter Länge. Ein schräg stehendes Weinregal lässt Flaschen wandern.
- Sechs Schraubzwingen: für die Trennstege beim Verschrauben. Weniger geht, dauert aber deutlich länger.
- Schutzausrüstung: Schutzbrille beim Sägen, FFP2-Maske beim Schleifen.
Schritt für Schritt zum Weinregal
- Flaschen messen. Nehmen Sie die bauchigste und die längste Flasche aus Ihrem Bestand und messen Sie Durchmesser und Länge. Danach legen Sie Fachmaß und Regaltiefe fest, nicht vorher.
- Zuschnitt kontrollieren. Legen Sie alle Teile aus und messen Sie besonders die 20 Trennstege nach. Eine Abweichung von 2 Millimetern je Steg summiert sich über eine Reihe auf mehr als einen Zentimeter.
- Positionen anzeichnen. Übertragen Sie die Bodenhöhen auf beide Seitenteile, indem Sie sie Rücken an Rücken legen. Zeichnen Sie auf jedem Boden die Stegpositionen mit der Anschlaglehre an.
- Böden einbauen. Bohren Sie mit 3 Millimetern durch die Seitenteile vor, senken Sie an und ziehen Sie die fünf Böden mit 4,0 mal 40 Millimeter langen Schrauben zwischen die Seiten.
- Trennstege setzen. Schrauben Sie die Stege von oben durch den jeweils darüberliegenden Boden. Arbeiten Sie sich von unten nach oben durch, dann kommen Sie überall mit dem Schrauber hin.
- Winkel prüfen. Kontrollieren Sie nach jeder Reihe den rechten Winkel. Ein Regal, das sich um wenige Millimeter verzieht, klemmt die Flaschen in den oberen Fächern.
- Rückwand aufbringen. Richten Sie den Korpus rechtwinklig aus und verschrauben Sie die Rückwand umlaufend alle 15 Zentimeter. Sie nimmt die Verwindung auf, die 24 Flaschen erzeugen.
- Schleifen. Gehen Sie mit Korn 120 und 180 über alle erreichbaren Flächen und brechen Sie besonders die Fachkanten. Dort ziehen Sie ständig Flaschen heraus.
- Ölen. Tragen Sie zwei Schichten Hartwachsöl auf, Stirnseiten zuerst. Halten Sie die Trockenzeit des Herstellers ein und lassen Sie vor dem Einräumen vollständig aushärten.
- Aufstellen und ausrichten. Setzen Sie höhenverstellbare Gleiter unter und richten Sie das Regal mit der Wasserwaage aus. Es darf minimal nach hinten geneigt sein, keinesfalls nach vorn.
- Kippsicherung anbringen. Schrauben Sie einen Winkel an die Regaloberkante und dübeln Sie ihn in die Wand. Bei 36 Kilogramm beweglicher Zuladung ist das kein optionaler Schritt.
- Einräumen. Legen Sie die schwersten Flaschen in die unteren Fächer. Etiketten nach oben, dann müssen Sie zum Nachsehen nicht jede Flasche herausziehen.
Wie viel trägt ein Brett, und wann brauche ich eine Mittelstütze?
Bei diesem Regal übernehmen die 20 Trennstege die Lastabtragung. Jeder Steg steht direkt unter dem darüberliegenden Boden und leitet die Last senkrecht nach unten. Die Stützweite eines Bodenabschnitts beträgt damit nur 8,5 Zentimeter, und bei dieser Spannweite ist ein 18 Millimeter starkes Brett weit von seiner Grenze entfernt. Das ist der eigentliche Grund für die Bauform.
Anders sieht es aus, wenn Sie ein Regal mit durchgehenden Böden ohne Trennstege bauen und die Flaschen einfach nebeneinanderlegen. Dann liegt die volle Reihenlast auf einem Brett, das über 54 Zentimeter frei spannt. Sechs Flaschen mit 9 Kilogramm sind dabei noch unkritisch, aber jede Verbreiterung verschlechtert die Sache schnell. Ab etwa 80 Zentimetern Stützweite gehört bei dieser Last eine Mittelstütze eingebaut oder die Brettstärke auf 27 Millimeter erhöht.
Wenn Sie an die Wand bauen wollen, gelten die üblichen Fragen zum Untergrund und zur Dübelwahl. Der Beitrag welchen Dübel für welche Wand ordnet das ein. Für eine leichtere Bauform mit sechs bis zwölf Flaschen ist auch die Rohrkonstruktion eine Option, die im Beitrag zum Weinregal aus PVC-Rohren beschrieben ist.
Wo stellen Sie das Regal auf?
Möglichst dunkel, kühl und ruhig. Licht, besonders direkte Sonne, beschleunigt die Alterung des Weins und kann bei Weißwein den sogenannten Lichtgeschmack verursachen. Wärme wirkt in dieselbe Richtung. Ein Platz neben einem Heizkörper, über der Spülmaschine oder an einer Südfensterwand ist ungeeignet. Erschütterungen durch eine daneben laufende Waschmaschine sind ebenfalls ungünstig.
Realistisch ist in einer Wohnung selten ein idealer Platz. Ein Innenwandstück in einem wenig beheizten Raum, ein Flurabschnitt oder eine Speisekammer kommen dem am nächsten. Wenn Sie Flaschen ohnehin innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten trinken, spielt das eine geringe Rolle. Für Weine, die über Jahre reifen sollen, ist das Wohnzimmerregal die falsche Adresse.
Rechnen Sie mit 4 bis 6 Stunden reiner Arbeit, verteilt auf zwei Tage wegen der Trockenzeiten. Der Zusammenbau der 20 Trennstege ist der zeitaufwendigste Teil mit rund zwei Stunden. Die Materialkosten liegen bei 70 bis 150 Euro, abhängig von der Holzart. Kontrollieren Sie nach einem Jahr die Schraubverbindungen der untersten Reihe. Dort steht die Dauerlast, und Holz arbeitet.
