Ein Insektenschutzrollo an der Terrassentür hat einen praktischen Vorteil gegenüber dem starren Rahmen: Es verschwindet, wenn Sie es nicht brauchen. Der Preis dafür ist ein Bausatz mit vier Teilen, die alle auf das Millimetermaß Ihrer Tür gebracht werden wollen. Diese Anleitung geht die Reihenfolge durch, von der ersten Messung bis zum Probelauf.

Rollo, Drehtür oder Plisseetür: Welches System passt an Ihre Tür?
Drei Bauarten teilen sich den Markt. Das Rollo zieht das Gewebe waagerecht oder senkrecht aus einer Kassette und rollt es beim Loslassen wieder ein. Die Drehtür ist ein starrer Rahmen mit Scharnieren, stabil, aber immer sichtbar. Die Plisseetür schiebt einen gefalteten Behang zur Seite und braucht kaum Bautiefe. Für Terrassen- und Balkontüren mit häufigem Durchgang ist das Rollo die übliche Wahl, weil es sich selbst schließt.
| System | Bautiefe | Bodenschiene | Ohne Bohren möglich | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Insektenschutzrollo | Kassette seitlich oder oben | meist ja, flach | Klemmzarge oder Kleben | Terrassen- und Balkontüren |
| Drehtür mit Spannrahmen | Rahmen vor der Öffnung | nein, Bürstendichtung unten | Drehhaken, oft ohne Bohren | selten genutzte Nebentüren |
| Plisseetür | 16 oder 20 Millimeter Rahmen | ja, mit Führungsnut | teils klebbar | breite Öffnungen, Doppeltüren |
| Schiebetür-Element | Laufschiene oben | Führung unten nötig | nein | große Glasfronten |
Plisseetüren gibt es typischerweise mit 16 oder 20 Millimetern Rahmentiefe. Die 16-Millimeter-Variante hat vier vorgegebene Befestigungspunkte an den Ecken, bei der 20-Millimeter-Variante sind nur die beiden oberen Punkte vorgebohrt und die restlichen Positionen frei wählbar. Prüfen Sie das vor dem Kauf, wenn Ihre Laibung ungewöhnlich schmal ist.
Wie messen Sie die Türöffnung richtig aus?
Falsch gemessen heißt Rollo umtauschen. Nehmen Sie die lichte Breite an drei Stellen ab, oben, in der Mitte und unten, und die Höhe an zwei Stellen, links und rechts. Der kleinste Wert ist Ihr Bestellmaß. Notieren Sie zusätzlich die Tiefe der Laibung, denn davon hängt ab, ob eine Klemmzarge überhaupt Platz findet.
Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: der Türgriff. Öffnet die Tür nach innen, muss das Rollo außen sitzen und der Griff darf beim Öffnen nicht am Gewebe streifen. Öffnet sie nach außen, kehrt sich das um. Halten Sie den Türflügel vor der Montage einmal komplett auf und markieren Sie mit Kreppband, wo der Flügel und der Griff durchschwenken.
MerkeKassette, Führungsschienen und Bodenschiene werden separat gekürzt. Sägen Sie mit einem feinzahnigen Metallblatt und entgraten Sie jede Schnittkante. Ein Grat in der Führungsschiene zerschneidet das Gewebe beim ersten vollständigen Auszug.
Lässt sich ein Insektenschutzrollo ohne Bohren montieren?
Ja, und für Mietwohnungen ist das die Standardlösung. Zwei Wege sind gebräuchlich. Die Klemmzarge ist ein Aluminiumrahmen, der in die Laibung eingesetzt und dort verspannt wird. Das Rollo klemmt oder schraubt anschließend in diesen Rahmen, ohne dass ein einziges Loch in Mauerwerk oder Blendrahmen entsteht. Die zweite Variante klebt Montageplättchen auf den Blendrahmen. Sie funktioniert nur auf glatten, fettfreien Kunststoff- oder Aluminiumoberflächen und trägt weniger.
Beide Verfahren haben Grenzen. Eine Klemmzarge braucht zwei parallele, feste Laibungsflächen. Bröckelnder Putz, stark schräge Altbaulaibungen oder eine nachträglich verkleidete Nische geben zu wenig Gegendruck. Auf Klebeflächen wirkt bei einer Terrassentür zusätzlich der Sog beim Öffnen, deshalb sind geklebte Lösungen an häufig benutzten Türen weniger dauerhaft als an Fenstern. Die Systemauswahl für Fenster und einfache Türen vergleicht der Beitrag zum Anbringen von Fliegengittern an Fenstern und Türen ausführlicher.
Wenn Sie schrauben dürfen, wird es einfacher und hält länger. In Mauerwerk und Putz reicht bei üblichen Türrollos ein 6-Millimeter-Steinbohrer mit passendem Dübel. Sitzt die Schiene dagegen auf einem Blendrahmen aus Kunststoff, bohren Sie nur mit dem Durchmesser des Schraubenkerns vor und drehen die mitgelieferten Schrauben in die Hohlkammer. Welcher Dübel in welchen Untergrund gehört, steht im Ratgeber welchen Dübel für welche Wand.
Wie montieren Sie das Rollo Schritt für Schritt?
- Lieferung prüfen. Legen Sie Kassette, beide Führungsschienen, Bodenschiene, Endkappen und Griffe auf einer Decke aus und zählen Sie die Teile gegen die Stückliste. Fehlteile fallen sonst erst auf, wenn die Schienen schon gekürzt sind.
- Maße übertragen. Reißen Sie die Schnittmarken mit einem Anreißnadel oder Bleistift auf den Schienen an. Rechnen Sie die Kassettenhöhe von der Gesamthöhe ab, sonst wird das Element zu lang.
- Zuschneiden und entgraten. Kürzen Sie Kassette und Schienen mit einer feinen Metallsäge. Ziehen Sie danach eine Feile über jede Kante und blasen Sie die Späne aus dem Schienenprofil.
- Zusammenstecken. Fügen Sie Kassette, Führungsschienen und Bodenschiene über die Steckverbinder zu einem Rahmen. Legen Sie den fertigen Rahmen auf den Boden und prüfen Sie mit dem Zollstock beide Diagonalen. Sie müssen gleich lang sein.
- Griffe und Endkappen setzen. Montieren Sie den Griff an der Zugleiste und stecken Sie die Endkappen auf. Diese Teile lassen sich später bei eingebautem Rahmen nur schwer nachrüsten.
- Rahmen anhalten und anzeichnen. Stellen Sie den Rahmen in die Öffnung, richten Sie ihn mit der Wasserwaage aus und markieren Sie die Bohrpunkte. Unterlegen Sie kleine Keile, damit der Rahmen beim Anzeichnen nicht kippt.
- Bohren, dübeln, schrauben. Bohren Sie die Löcher, setzen Sie die Dübel und schrauben Sie zuerst die Kassette fest. Danach folgen die Führungsschienen, zuletzt die Bodenschiene. Ziehen Sie alle Schrauben erst an, wenn der Rahmen komplett im Lot steht.
- Probelauf. Ziehen Sie das Gewebe fünfmal vollständig aus und lassen Sie es zurücklaufen. Es darf nicht schief einlaufen und nirgends anstehen. Prüfen Sie zum Schluss, ob die Bürstendichtungen in Schienen und Kassette überall anliegen.
Welches Gewebe brauchen Sie?
- Standard-Fiberglas: Maschenweite rund 1,41 mal 1,59 Millimeter, Fadenstärke etwa 0,33 Millimeter, ungefähr 60 Prozent freie Fläche. Hält Fliegen und Mücken, lässt viel Luft durch.
- Pollenschutzgewebe: Polyester statt Fiberglas, etwa 1,41 mal 0,53 Millimeter Maschenweite, rund 98 Gramm je Quadratmeter. Filtert Gräser- und Birkenpollen zu über 99 Prozent, reduziert aber spürbar den Luftdurchsatz.
- Sichtschutz- und Blickdichtgewebe: dunkler eingefärbt, reduziert den Einblick von außen bei Tageslicht. Der Raum wirkt dahinter merklich dunkler.
- Tierschutzgewebe: deutlich dickerer Faden, damit Katzenkrallen nicht durchgehen. Nur sinnvoll, wenn ein Tier tatsächlich an die Tür geht.
- Farbe: Anthrazit lässt sich von innen besser durchschauen als Weiß oder Grau, weil weniger Licht am Faden gestreut wird.
Was tun Sie gegen die Stolperkante am Boden?
Die untere Führung ist das größte Alltagsproblem eines Türrollos. Sie liegt quer im Durchgang, sammelt Sand und wird bei jedem Schritt getreten. Barrierefreie Systeme kommen ohne feststehende Bodenschiene aus: Statt in einer Nut läuft die Zugleiste dort über Kettenglieder, die sich beim Ausziehen flach auf den Boden legen und beim Einrollen wieder verschwinden. Diese Bauart kostet mehr, ist aber die einzige Lösung, wenn eine Türschwelle ohnehin schon eine Kante bildet.
Achtung, Stolpergefahr. Eine aufgeschraubte Bodenschiene erhöht die vorhandene Schwelle zusätzlich. In Haushalten mit Kleinkindern, Rollator oder Rollstuhl ist das keine Kleinigkeit. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob ein System ohne feststehende Bodenschiene infrage kommt, und markieren Sie die Kante notfalls mit einem farbigen Streifen.
Wenn die Schwelle selbst schon beschädigt ist, hat die Reparatur Vorrang vor der Montage. Auf einer aufgequollenen oder gerissenen Schwelle sitzt keine Schiene sauber. Wie Sie den Untergrund vorher wieder in Form bringen, beschreibt der Beitrag zum Reparieren beschädigter Türschwellen.
Zum Saisonende ziehen Sie das Gewebe einmal komplett aus, wischen es feucht ab und lassen es trocknen, bevor Sie es einrollen. Sand in der Führungsschiene bürsten Sie trocken heraus, Fett und Öl gehören nicht in die Nut. Beides zieht Staub an und lässt die Zugleiste innerhalb einer Saison hakeln.
