Eine Fahrradpumpe hat erstaunlich wenige Teile, die kaputtgehen können. In den allermeisten Fällen ist es genau eines: die Dichtung am Kolben. Sie ist verhärtet, ausgetrocknet, verschmutzt oder beim letzten Zusammenbau falsch herum eingesetzt worden. Der zweithäufigste Fall ist noch banaler, nämlich ein Pumpenkopf, der nicht zum Ventil passt.
Warum baut die Pumpe keinen Druck mehr auf?
Fangen Sie mit einer Minute Diagnose an, bevor Sie Werkzeug holen. Halten Sie den Pumpenkopf mit dem Daumen zu und ziehen Sie den Griff einmal hoch und runter. Spüren Sie deutlichen Widerstand, arbeitet der Kolben und der Fehler sitzt weiter vorn. Läuft der Griff fast frei durch, ist die Dichtung oder die innere Steigleitung schuld.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Griff läuft ohne Widerstand durch, kein Druck | innere Steigleitung hat sich von der Kolbenplatte gelöst | Pumpe öffnen, Schlauch am Stutzen wieder aufstecken und Platte festschrauben |
| Kolben lässt sich bewegen, es entsteht wenig Druck | Kolbendichtung trocken, verschmutzt oder verhärtet | reinigen und mit Silikonfett neu fetten, notfalls tauschen |
| Nur der erste Hub baut Druck auf, danach nichts | Dichtlippe falsch herum eingebaut | Kolben zerlegen und Manschette richtig herum aufsetzen |
| Luft entweicht hörbar am Kolbenboden | Rückschlagventil durch Sand blockiert | Gummimembran anheben, ausspülen, trocknen, fetten |
| Zischen am Pumpenkopf, Reifen bleibt weich | Dichtgummi im Kopf ausgeleiert oder falscher Ventiltyp | Gummi ersetzen oder Kopf auf den passenden Ventiltyp umstellen |
| Manometer zeigt nichts, Reifen wird trotzdem hart | Manometer defekt | Pumpe bleibt nutzbar, Druck aber nur noch nach Gefühl |
| Schlauch der Standpumpe wirft Blasen | Druckschlauch porös | Schlauch als Ersatzteil tauschen, kein Flickversuch |
Wie kommen Sie an Kolben und Dichtung?
Fast jede Standpumpe lässt sich oben öffnen, dort wo die Kolbenstange in den Zylinder eintaucht. Meist ist es eine Überwurfkappe, manchmal eine Kontermutter. Arbeiten Sie auf einem hellen Tuch, weil kleine Teile gern in Ritzen verschwinden.
- Restdruck ablassen. Kopf vom Ventil nehmen und den Griff einmal vollständig durchdrücken.
- Kappe abschrauben. Die obere Verschraukappe lösen, bei festsitzenden Kappen mit einem Gummituch für Griff sorgen und nicht mit der Zange ansetzen.
- Kolbenstange ziehen. Griff samt Stange langsam herausziehen und dabei die Einbaulage aller Teile fotografieren.
- Zustand prüfen. Ist die Dichtlippe eingerissen, hart oder verformt, hilft nur ein Ersatzteil. Ist sie nur trocken und grau, reicht Reinigen und Fetten.
- Zylinder reinigen. Innen mit einem fusselfreien Lappen an einem Stab auswischen, bis kein Sand mehr herauskommt.
- Dichtung reinigen. Manschette und Kolbenplatte abwischen, Ablagerungen an der Kante vorsichtig entfernen.
- Rückschlagventil kontrollieren. Die kleine Gummimembran auf der Kolbenplatte anheben, ausspülen, trocknen lassen und dünn fetten.
- Großzügig fetten. Dichtung und Zylinderwand mit Silikonfett oder wasserfestem Marinefett einreiben.
- Schraubverbindung sichern. Prüfen, ob die untere Kolbenplatte fest auf der Stange sitzt, denn sie kann sich durch Vibration losdrehen.
- Zusammenbauen und testen. Kopf mit dem Daumen zuhalten und den Griff zweimal durchdrücken. Der Widerstand muss auf dem gesamten Weg spürbar sein.
MerkeNehmen Sie Silikonfett oder wasserfestes Marinefett. Beide greifen Gummi und Kunststoff nicht an. Vaseline funktioniert als Notlösung, schadet dem Gummi aber auf Dauer. Kriechöle und dünnflüssige Sprays sind hier fehl am Platz, sie waschen das vorhandene Fett aus und lassen die Dichtung anschließend noch schneller austrocknen.
Woran erkennen Sie, dass die Dichtung falsch herum sitzt?
Die Kolbendichtung vieler Pumpen ist keine flache Scheibe, sondern eine Manschette mit einer umlaufenden Lippe, die wie eine kleine Schüssel geformt ist. Diese Lippe muss zur Druckseite zeigen, also dorthin, wo beim Pumpen die Luft verdichtet wird. Dann presst der Druck die Lippe von innen gegen die Zylinderwand, und die Abdichtung wird umso besser, je stärker Sie pumpen. Sitzt die Manschette andersherum, drückt die Luft sie von der Wand weg und strömt am Kolben vorbei, was sich genau so anfühlt, wie viele es beschreiben: der erste Hub geht noch, danach passiert fast nichts mehr.
Beim Zusammenbau gilt deshalb eine einfache Kontrolle. Legen Sie den Kolben so vor sich hin, wie er im Zylinder steht, und sehen Sie nach, ob die offene Seite der Manschette nach unten zum Zylinderboden zeigt. Bei Doppelhubpumpen, die in beide Richtungen fördern, sitzen zwei Dichtungen gegenläufig, und hier ist das Foto vor dem Zerlegen Gold wert.
Pumpen Sie nie über den zulässigen Reifendruck. Der maximale Druck steht als Bar-Angabe auf der Reifenflanke und gilt unabhängig davon, was Pumpe oder Kompressor leisten. An der Tankstelle ist das besonders heikel, weil dort in Sekunden ein Vielfaches des zulässigen Drucks im Schlauch steht und ein Schlauch oder eine Felge platzen kann. Nutzen Sie an Automaten die kleinste Stufe und tasten Sie sich langsam heran. Bei Sclaverandventilen dürfen Sie die kleine Rändelmutter am Ventilstößel nur lösen, nicht vollständig abschrauben.
Welche Ventilart haben Sie und passt der Pumpenkopf?
Im deutschsprachigen Raum sind drei Ventilbauarten verbreitet, dazu kommt ein neueres System zum Nachrüsten. Der Pumpenkopf muss dazu passen, sonst hilft die beste Pumpe nichts.
| Ventil | Gängige Namen | Merkmale | Druck und Maße |
|---|---|---|---|
| DV | Dunlopventil, Blitzventil, Normalventil | Standard am Alltagsrad, Einsatz ohne Werkzeug wechselbar, beim Aufsetzen der Pumpe entweicht Luft | bis etwa 6 bar |
| AV | Autoventil, Schraderventil | gleiche Bauart wie am Auto, robuster Rückschlagmechanismus, an jeder Tankstelle befüllbar | bis etwa 10 bar, Ventildurchmesser rund 8 Millimeter, Felgenbohrung 8,5 Millimeter |
| SV | Sclaverandventil, Prestaventil, französisches Ventil | schlank, am Rennrad üblich, vor dem Pumpen die Rändelmutter am Stößel lösen | bis etwa 15 bar, Ventildurchmesser rund 6 Millimeter, Felgenbohrung 6,5 Millimeter |
| Clik | Clik Valve | zum Nachrüsten, Pumpenkopf wird ohne Schrauben aufgesteckt | Umrüstsets für die übrigen Bauarten erhältlich |
Dunlop und Sclaverand teilen sich denselben Pumpenanschluss, Schrader braucht einen anderen. Moderne Pumpen haben deshalb meist zwei Buchsen im Kopf, eine für DV und SV, eine für AV. Bei älteren Köpfen liegt innen ein Gummikonus, der sich herausnehmen und gedreht wieder einsetzen lässt, wobei jede Seite zu einem Ventiltyp gehört. Welche das ist, steht in der Anleitung der Pumpe.
Was hilft, wenn nur der Pumpenkopf undicht ist?
- Dichtgummi prüfen: Nehmen Sie den Konus heraus und sehen Sie sich die Bohrung an. Ist sie ausgeweitet oder eingerissen, umschließt sie das Ventil nicht mehr.
- Ersatz besorgen: Dichtgummis und komplette Pumpenköpfe gibt es als Ersatzteil, häufig günstiger als eine neue Pumpe.
- Klemmhebel nachstellen: Viele Köpfe haben eine Verstellschraube am Hebel. Etwas festeres Anziehen behebt ein Abrutschen unter Druck.
- Reduzierhülse nutzen: Steckt ein 6 Millimeter dünnes Sclaverandventil in einer 8,5 Millimeter Bohrung, kippelt es. Passende Reduzierstücke liegen SV-Schläuchen oft bei.
- Adapter kennen: Kleine Schraubadapter bringen ein Sclaverand- oder Dunlopventil auf Autoventilmaß und retten den Besuch an der Tankstelle.
- Ventileinsatz kontrollieren: Zischt es auch ohne Pumpe, sitzt der Ventileinsatz lose. Bei SV und AV lässt er sich mit einem Ventilschlüssel nachziehen.
- Kopf gerade aufsetzen: Schräg aufgesetzte Köpfe verbiegen dünne Sclaverandventile. Ein verbogenes Ventil dichtet nie wieder richtig.
Wann lohnt sich die Reparatur nicht mehr?
Bei einer einfachen Minipumpe mit verpresstem Gehäuse kommen Sie an den Kolben nicht heran, ohne das Gehäuse zu zerstören. Auch bei Standpumpen mit gerissenem Zylinder oder ausgeschlagener Führung ist Schluss, weil der Kolben dann nicht mehr geführt läuft und jede neue Dichtung binnen Wochen aufscheuert. Alles andere ist eine Sache von zwanzig Minuten und einem Tiegel Silikonfett.
Wenn der Reifen trotz funktionierender Pumpe über Nacht platt ist, liegt der Fehler nicht an der Pumpe. Dann geht es an den Schlauch, und wie das Schritt für Schritt abläuft, steht im Beitrag zu den Grundlagen der Fahrradreparatur und dem Flicken eines platten Reifens. Bei Pedelecs kommen weitere Fehlerquellen dazu, die der Ratgeber zu Problemen mit dem Elektrofahrrad behandelt. Und wer die Pumpe künftig griffbereit haben will, hängt sie mit dem Rad zusammen an die Wand, wozu der Beitrag zu Fahrradhalterungen in der Garage die passenden Befestigungen zeigt.
Ein letzter Prüfpunkt vor dem Wegwerfen: Legen Sie die Pumpe waagerecht und drehen Sie die untere Kolbenplatte von Hand fest. Genau diese Verbindung löst sich durch Vibration und ist die häufigste Ursache für eine Pumpe, die sich völlig ohne Widerstand durchziehen lässt.
