Eine Hausnummer wiegt selten mehr als ein Kilogramm. Trotzdem ist ihre Montage an einer gedämmten Fassade die häufigste Stelle, an der Laien einen Bauschaden anlegen. Der Grund ist einfach: Die Oberfläche sieht aus wie Putz auf Mauerwerk, ist aber ein mehrschichtiges System, in dem eine gewöhnliche Bohrung nichts verloren hat. Deshalb steht dieser Punkt hier ganz vorn.

Warum darf man in ein Wärmedämmverbundsystem nicht einfach dübeln?
Ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, besteht von außen nach innen aus Oberputz, Armierungsschicht mit Gewebe, Dämmplatte aus Polystyrol oder Mineralwolle und dem tragenden Mauerwerk darunter. Die Dämmschicht ist je nach Baujahr zwischen 60 und 300 Millimeter dick. Zwei Fehler sind möglich, und beide passieren regelmäßig.
Der erste Fehler ist ein Kunststoffdübel, der nur in Putz und Dämmplatte sitzt. Polystyrol gibt unter Last nach, der Dübel wandert, und das Schild hängt nach einem Winter schief. Der zweite Fehler ist die lange Schraube, die durch die Dämmung bis ins Mauerwerk reicht. Metall leitet Wärme rund tausendmal besser als Dämmstoff. An diesem Punkt kühlt der Putz von innen aus, es entsteht eine Wärmebrücke, und an ihr schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Sichtbar wird das als dunkler Fleck oder Algenpunkt, im ungünstigen Fall als Putzabplatzung.
Achtung, keine Standarddübel im WDVS. Setzen Sie weder Nylondübel in die Dämmplatte noch lange Schrauben durch sie hindurch. Beides ist im Wärmedämmverbundsystem falsch. Verwenden Sie Dämmstoffdübel für leichte Teile oder ein Abstandsmontagesystem mit thermischer Trennung für schwerere. Wenn Sie nicht sicher wissen, ob Ihre Fassade gedämmt ist, klopfen Sie sie ab: Ein hohler, weicher Klang und eine Wandstärke deutlich über 40 Zentimetern in der Fensterlaibung sprechen für ein WDVS.
Welche Befestigung passt zu welchem Untergrund?
| Untergrund | Befestigung | Bohren | Hinweis |
|---|---|---|---|
| WDVS, leichte Last bis wenige Kilogramm | Dämmstoffdübel, auch Spiral- oder Isolierdübel genannt | meist eindrehen ohne Bohren oder mit kleinem Vorbohrloch | Last bleibt vollständig im Dämmstoff, keine Wärmebrücke |
| WDVS, mittlere und schwere Last | Abstandsmontagesystem mit thermisch getrenntem Anker | Bohrung durch die Dämmung ins Mauerwerk | Systeme für Dämmstärken von rund 60 bis 290 mm; Werte je nach Produkt |
| Vorgehängte hinterlüftete Fassade | Befestigung in der Unterkonstruktion | nur nach Aufmaß der Traglattung | die Bekleidung selbst trägt nichts |
| Beton | Nylondübel oder Metalldübel | Schlagbohren zulässig | höchste Tragfähigkeit aller Untergründe |
| Vollziegel, Kalksandstein voll | Standard-Spreizdübel | Schlagbohren zulässig | Bohrmehl vollständig ausblasen |
| Lochziegel, Hohlblock | Langschaftdübel oder Injektionsmörtel mit Siebhülse | ohne Schlag bohren | Schlagbohren zerstört die Stege im Stein |
| Porenbeton | Porenbeton-Spezialdübel | ohne Schlag bohren | Standarddübel reißen aus |
| Klinkerverblendung | Dübel in die Lagerfuge oder in den Stein, je nach Produkt | ohne Schlag bohren | Verblendschale ist nur wenige Zentimeter dick |
Belastbare Traglastwerte in Kilogramm veröffentlichen die Hersteller nur produktbezogen in der jeweiligen Zulassung und im Datenblatt. Pauschale Zahlen kursieren zwar, sind aber nicht übertragbar. Lesen Sie die Angabe zu Ihrem konkreten Dübel nach. Eine allgemeine Übersicht, welcher Dübeltyp in welchen Baustoff gehört, finden Sie im Ratgeber welchen Dübel für welche Wand.
Wie montiere ich die Hausnummer Schritt für Schritt?
- Untergrund feststellen. Prüfen Sie in der Fensterlaibung die Wandstärke und suchen Sie nach der Dämmschicht. Klopfen Sie die Fläche ab. Fragen Sie bei einer Eigentümergemeinschaft die Verwaltung nach dem Fassadenaufbau, bevor Sie bohren.
- Satzung prüfen. Rufen Sie die Hausnummernsatzung Ihrer Gemeinde auf. Dort stehen Ziffernhöhe, Montagehöhe, Position und teilweise Farbe und Kontrast. Diese Werte sind örtlich unterschiedlich.
- Position festlegen. Die Nummer gehört an die zur Straße gewandte Seite, nahe am Hauseingang, frei von Bewuchs. Bei Hinterliegergrundstücken gehört sie an die Grundstückszufahrt.
- Anreißen und ausrichten. Kleben Sie eine Papierschablone auf und richten Sie sie mit der Wasserwaage aus. Übertragen Sie die Bohrpunkte erst danach.
- Leitungen ausschließen. Prüfen Sie mit dem Leitungssucher, ob Klingelleitung, Außenleuchte oder Kabel für Bewegungsmelder in der Wand liegen. Beschädigen Sie eine 230-Volt-Leitung, ist das ein Fall für die Elektrofachkraft, nicht für Sie.
- Befestigen. Beim Dämmstoffdübel drehen Sie den Spiralkörper senkrecht in die Dämmung ein, bis er bündig abschließt. Beim Mauerwerk bohren Sie mit Bohrerdurchmesser gleich Dübeldurchmesser und einer Tiefe von Dübellänge plus einmal Dübeldurchmesser.
- Abdichten. Setzen Sie in jedes Bohrloch im Außenbereich einen Tropfen dauerelastisches, fassadentaugliches Dichtmittel, bevor Sie die Schraube eindrehen. Wasser, das hinter den Putz läuft, ist die zweithäufigste Schadensursache nach der Wärmebrücke.
- Kontrollieren. Ziehen Sie nach dem ersten Winter am Schild. Sitzt es lose, ist der Dübel gewandert und muss ersetzt werden, nicht nachgezogen.
MerkeEs gibt eine Montage ganz ohne Bohrung. Für glatte, tragfähige Putzflächen und für Klinker gibt es Konstruktionsklebstoffe und Klebeanker, die eine Hausnummer von wenigen hundert Gramm dauerhaft halten. Auf frisch beschichtetem, kreidendem oder algigem Putz haften sie nicht. Reinigen Sie die Fläche vorher, lassen Sie sie vollständig trocknen und beachten Sie die vom Hersteller angegebene Mindesttemperatur bei der Verarbeitung.
Ist eine Hausnummer Pflicht, und wer legt die Nummer fest?
Ja, sie ist Pflicht. Paragraf 126 Absatz 3 Baugesetzbuch bestimmt, dass der Eigentümer sein Grundstück mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen hat. Die Nummer vergibt also die Gemeinde, nicht der Eigentümer. Die nähere Ausführung überlässt die Vorschrift dem Landesrecht, und darauf gestützt erlassen Städte und Gemeinden eigene Hausnummernsatzungen.
Weil die Details kommunal geregelt sind, gibt es keine bundesweit einheitliche Ziffernhöhe. In veröffentlichten Satzungen finden sich Mindesthöhen ab etwa 7 Zentimetern, andernorts 9 Zentimeter, wieder andernorts größere Schilder mit festen Außenmaßen. Für die Montagehöhe nennen Satzungen häufig einen Bereich von rund 2 bis 3 Metern über Gelände am Hauseingang, bei schlecht einsehbaren Grundstücken auch niedrigere Werte an der Zufahrt. Verbindlich ist ausschließlich die Satzung Ihrer Gemeinde; die genannten Zahlen sind Beispiele, keine Vorgabe.
Was macht eine Hausnummer nachts und aus der Entfernung lesbar?
- Kontrast vor Größe: Dunkle Ziffern auf hellem Grund oder umgekehrt. Edelstahl auf grauem Putz sieht gut aus und ist aus 20 Metern nicht zu erkennen.
- Freies Blickfeld: Efeu, Hecke, Rankgitter und geparkte Fahrzeuge verdecken Nummern zuverlässig. Prüfen Sie im Sommer, nicht im Winter, weil Pflanzen dann am dichtesten sind.
- Blickrichtung: Stellen Sie sich auf die Straße, in beide Fahrtrichtungen. Eine Nummer in einer Türnische ist nur aus einem Winkel sichtbar.
- Beleuchtung: Rettungsdienste kommen häufig nachts. Eine beleuchtete oder angestrahlte Nummer ist der wirksamste Einzelpunkt, wie Sie diese befestigen, steht im Beitrag Hausnummernbeleuchtung an der Fassade befestigen.
- Reflektierende Ausführung: Wo kein Strom liegt, hilft eine retroreflektierende Ziffernfläche, die das Scheinwerferlicht zurückwirft.
- Mehrfamilienhaus: Bei mehreren Eingängen gehört an jeden Eingang seine Nummer, zusätzlich eine Übersicht an der Zufahrt.
Wenn Sie ohnehin an der Fassade arbeiten, erledigen Sie Nummer und Namensschild in einem Durchgang; die Untergrundfrage stellt sich für beide gleich. Die Punkte dazu stehen im Beitrag über Hausnummern und Namensschilder an der Fassade. Und ein letzter praktischer Hinweis: Notieren Sie sich Typ und Länge des verwendeten Dübels auf einem Zettel im Sicherungskasten. Wenn das Schild in zehn Jahren ersetzt wird, weiß dann jemand, was in der Wand steckt.
