Die grüne Schicht an der Hauswand sieht aus wie Schmutz, verhält sich aber wie eine Pflanze. Sie kommt nicht von der Straße, sondern wächst dort, wo sie es gut hat. Wer den Belag nur abwäscht, entfernt das Ergebnis und lässt die Ursache stehen. Nach zwei bis drei Jahren ist er wieder da, oft dichter als vorher.

Dieser Text erklärt, warum Algen ein Feuchteproblem sind, welche Reinigungsverfahren dem Putz schaden und warum biozidhaltige Fassadenfarben aus Sicht der Umweltbehörden ein Problem sind, das über den eigenen Garten hinausreicht.
Warum wächst ausgerechnet an meiner Wand Grünbelag?
Weil drei Bedingungen zusammenkommen: Feuchte, Nährstoffe und wenig Sonne. Algen brauchen kein Erdreich. Sie leben von Licht, von Kohlendioxid und von Stickstoffverbindungen, die ohnehin in der Luft und im Regen enthalten sind. Was ihnen fehlt, ist meist nur eines, und das ist Wasser, das lange genug an der Oberfläche bleibt.
Genau deshalb ist die Verteilung an einem Haus so ungleich. Die Wetterseite, in weiten Teilen Deutschlands die Südwest- bis Westseite, wird bei Schlagregen am stärksten durchnässt. Die Nordseite bekommt kaum direkte Sonne und trocknet nach jedem Niederschlag am langsamsten ab. Unter Bäumen und Sträuchern bleibt die Wand im Schatten und zusätzlich im Feuchtefeld der Pflanzen. Wo der Dachüberstand fehlt, läuft Regen ungebremst über die Fläche.
Ein Punkt wird häufig übersehen: Gedämmte Fassaden trocknen anders. Bei einem Wärmedämmverbundsystem liegt die Dämmung außen, und der dünne Putz darüber wird von der Raumwärme praktisch nicht mehr erreicht. Die Oberfläche ist im Mittel kühler als bei einer ungedämmten Massivwand. Sie kühlt nachts unter die Lufttemperatur aus, es schlägt sich Tauwasser nieder, und dieses Tauwasser bleibt am Morgen länger stehen. Die Dämmung ist damit nicht falsch, aber sie verschiebt die Bedingungen an der Oberfläche zugunsten der Algen.
MerkeAlgen sind ein optisches Problem und ein Hinweis auf dauerhafte Oberflächenfeuchte. Ein tragendes Bauteil zerstören sie nicht. Gefährlich wird die Feuchte selbst: Sie führt bei Frost zu Abplatzungen, sie begünstigt Moose und Flechten mit ihren tiefer reichenden Haftorganen, und im Sockelbereich weist sie auf aufsteigende Nässe oder Spritzwasser hin.
Welche Ursachen kann ich am eigenen Haus abstellen?
Mehr, als der erste Blick vermuten lässt. Ein Teil der Ursachen liegt in der Konstruktion und ist ohne größeren Umbau nicht zu ändern. Ein anderer Teil ist reine Umgebungspflege und kostet einen Samstag.
- Bewuchs zurückschneiden: Halten Sie Hecken, Sträucher und Kletterpflanzen mit Abstand zur Wand, damit Luft an die Fläche kommt und die Fassade nach Regen abtrocknen kann.
- Spritzwasser unterbinden: Ein Kiesstreifen entlang des Sockels verhindert, dass aufprallender Regen Erde und Wasser an die Wand schleudert. Der Sockel ist die typische Startzone für Grünbelag.
- Regenwasser wegführen: Prüfen Sie Dachrinne, Fallrohr und Anschlüsse. Eine überlaufende Rinne oder ein undichter Bogen erzeugt genau den dauerfeuchten Streifen, an dem der Belag beginnt.
- Fensterbänke prüfen: Fensterbänke brauchen Gefälle und seitliche Abschlüsse, sonst läuft Wasser flächig über die Fassade und zieht eine dunkle Fahne nach unten.
- Dachüberstand nutzen: Breite Überstände sind der wirksamste konstruktive Schutz. Das Umweltbundesamt nennt sie ausdrücklich als Planungsmaßnahme, mit der sich Biozide vermeiden lassen.
- Erdreich absenken: Liegt der Boden zu hoch an der Wand an, wandert Feuchte in den Putz. Der Sockelbereich sollte frei liegen und nicht von Rindenmulch oder Beeten verdeckt sein.
Schadet der Hochdruckreiniger der Fassade?
Auf mineralischem Putz und auf Wärmedämmverbundsystemen: ja. Ein Hochdruckstrahl trägt nicht nur den Belag ab, sondern auch die oberste Bindemittelschicht des Putzes. Zurück bleibt eine aufgeraute, offenporige Fläche. Diese Fläche hat mehr Oberfläche, hält mehr Wasser und trocknet langsamer. Damit ist die Situation für Algen besser als vorher, und der zweite Befall kommt schneller als der erste.
Hinzu kommt das Wasser selbst. Ein Hochdruckstrahl treibt Feuchtigkeit in Risse, hinter Anschlüsse, unter Fensterbänke und in Fugen. Bei einem Wärmedämmverbundsystem kann Wasser hinter die Putzschicht gelangen und dort über Jahre stehen bleiben. Fachbetriebe arbeiten deshalb auf empfindlichen Untergründen mit Niederdruck und temperiertem Wasser statt mit maximalem Druck.
Kein Hochdruck auf Putz, Holz und gedämmten Fassaden. Der Strahl raut die Oberfläche auf, treibt Wasser in die Konstruktion und beschleunigt den nächsten Befall. Kommt Arbeit in Höhe dazu, gilt zusätzlich: Fassadenflächen oberhalb der sicher erreichbaren Höhe gehören auf ein Gerüst oder eine Hubarbeitsbühne und damit in die Hand eines Fachbetriebs. Ein Hochdruckreiniger auf einer Leiter erzeugt Rückstoß, und Rückstoß auf einer Leiter endet schlecht.
Welche Reinigungsmethode passt zu welchem Untergrund?
Die Wahl hängt am Material und am Zustand. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Verfahren zu. Testen Sie jedes Mittel zuerst an einer unauffälligen Stelle von etwa einem halben Quadratmeter und warten Sie das vollständige Abtrocknen ab, bevor Sie die Fläche beurteilen.
| Untergrund | Geeignet | Ungeeignet | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Mineralischer Putz | Bürste, Niederdruck, langsam wirkende Reiniger | Hochdruck, harte Drahtbürste | Bindemittelschicht ist dünn und einmalig |
| Wärmedämmverbundsystem | Niederdruck mit temperiertem Wasser | Hochdruck, scharfe Säuren | Wasser hinter dem Putz trocknet kaum ab |
| Sichtmauerwerk und Klinker | Bürste, moderater Druck | Sandstrahlen, saure Mittel bei Kalkfuge | Fugen sind schwächer als der Stein |
| Beton | Bürste, moderater Druck | Sehr hoher Druck bei Rissen | Risse leiten Wasser bis zur Bewehrung |
| Holzverschalung | Weiche Bürste, viel Geduld | Hochdruck | Der Strahl reißt weiche Frühholzzonen heraus |
| Faserzementplatten | Nur nach Herstellerangabe reinigen | Abrasive Verfahren | Bei Altbestand Asbestverdacht abklären |
Was hilft wirklich gegen den Belag?
Eine schonende Reinigung, gefolgt von der Beseitigung der Feuchteursache. In dieser Reihenfolge. Die Reinigung allein ist Kosmetik mit begrenzter Haltbarkeit.
- Ursache dokumentieren. Fotografieren Sie die betroffenen Flächen und notieren Sie Himmelsrichtung, Bewuchs in der Nähe, Dachüberstand und Zustand der Entwässerung.
- Trockene Vorreinigung. Bürsten Sie losen Belag mit einer weichen Bürste im trockenen Zustand ab. Tragen Sie dabei Schutzbrille und Staubmaske, weil sich Sporen und Staub lösen.
- Anfeuchten statt fluten. Nässen Sie die Fläche mit dem Gartenschlauch bei geringem Druck von unten nach oben an, damit das Wasser nicht in trockene Fugen einzieht.
- Reiniger einwirken lassen. Ein für den Untergrund freigegebenes Mittel braucht Zeit. Halten Sie die vom Hersteller genannte Einwirkzeit ein, statt mechanisch nachzuhelfen.
- Von oben nach unten abspülen. Spülen Sie im letzten Durchgang von oben nach unten mit geringem Druck, damit gelöster Belag nicht in bereits gereinigte Flächen zurückläuft.
- Umgebung schützen. Decken Sie Beete, Teiche und Regenwassereinläufe ab. Reinigungsmittel für Fassaden sind für Wasserorganismen nicht harmlos.
- Ursache abstellen. Schneiden Sie Bewuchs zurück, richten Sie den Kiesstreifen her, reparieren Sie Entwässerung und Fensterbankanschlüsse.
- Nach zwölf Monaten kontrollieren. Kehrt der Belag an derselben Stelle zurück, ist die Feuchtequelle noch aktiv, und die nächste Reinigung wäre verschenkt.
Sind Fassadenfarben mit Algenschutz eine Lösung?
Nur auf Zeit, und mit einem Preis, den nicht der Hauseigentümer zahlt. Filmgeschützte Farben und Putze enthalten Biozide, die das Wachstum von Algen und Pilzen auf der Beschichtung unterdrücken sollen. Verwendet werden dafür unter anderem Terbutryn, Diuron, Carbendazim, Zinkpyrithion, OIT und IPBC. Ein Teil davon ist auch aus der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel bekannt.
Das Problem ist die Auswaschung. Regen löst die Wirkstoffe nach und nach aus der Beschichtung, sie gelangen in unversiegelte Böden, ins Grundwasser und über Regenwasserkanäle in Oberflächengewässer. Für die Algizide Diuron, Terbutryn und Isoproturon werden Halbwertszeiten in der Größenordnung von 50 bis 100 Tagen genannt, der Abbau ist also träge, und Umweltqualitätsnormen in Gewässern werden regelmäßig überschritten. Laborversuche mit beregneten Putzplatten haben die Auswaschung von Diuron, Terbutryn, Carbendazim und Irgarol direkt nachgewiesen, mit anfangs hohen und dann exponentiell abnehmenden Konzentrationen im Ablaufwasser.
Für den Eigentümer bedeutet dieselbe Auswaschung, dass die Schutzwirkung endlich ist. Das Umweltbundesamt formuliert das nüchtern: Nach einigen Jahren ist die Schutzwirkung gegen Algen- und Pilzbewuchs nicht mehr gegeben. Sie zahlen also für einen Aufschub, nicht für eine Lösung. Empfohlen werden stattdessen bauliche Maßnahmen wie breite Dachüberstände, zweischalige Außenwände mit Klinkervorsatz sowie biozidfreie Anstrich- und Putzsysteme, etwa Produkte mit dem Blauen Engel nach RAL-UZ 140. Dazu gehört ein Instandhaltungs- und Reinigungsplan statt einer einmaligen Chemiegabe.
Wenn ohnehin eine Sanierung ansteht, lohnt der Blick auf die Konstruktion. Eine hinterlüftete Fassadenverkleidung führt Wasser an der Oberfläche ab und lässt die Fläche schneller trocknen. Beim Streichen gilt dasselbe Prinzip wie an anderen Bauteilen: Die Oberfläche muss Wasser abweisen und trotzdem austrocknen können, wie es der Ratgeber zum Streichen von Holzfenstern für Holz beschreibt. Und wenn sich innen an derselben Wand dunkle Flecken zeigen, ist das kein Algenproblem mehr, sondern ein Fall für die Ursachensuche bei Schimmelflecken.
Ein letzter praktischer Hinweis: Notieren Sie das Datum jeder Reinigung an der Innenseite der Sicherungskastentür oder in den Hausunterlagen. Wenn Sie nach zwei Jahren nachschlagen können, wann Sie zuletzt gearbeitet haben und wo der Belag zuerst zurückkam, haben Sie die Feuchtequelle meist schon gefunden.
