Der Titel dieses Beitrags ist streng genommen falsch, und das ist die erste nützliche Information: Einen Dichtungsring repariert man nicht. Gummi altert, verhärtet und verliert die Rückstellkraft, mit der er sich in die Nut presst. Wer einen alten O-Ring ausbaut, reinigt und wieder einsetzt, hat in aller Regel danach dieselbe undichte Stelle. Die Arbeit besteht darin, den richtigen Ersatz zu finden. Das ist weniger trivial, als es klingt, weil Werkstoff und Maß beide stimmen müssen.

O-Ring oder Flachdichtung: was sitzt wo?
Im Haushalt begegnen Ihnen zwei Bauformen. Der O-Ring ist ein Ring mit rundem Querschnitt, der in einer Nut liegt und radial oder axial gequetscht wird. Er sitzt in Mischerkartuschen, an Auslaufschwenkarmen von Küchenarmaturen, in Filtergehäusen, in Kaffeevollautomaten und an Gartenschlauchkupplungen. Die Flachdichtung ist eine Scheibe mit Loch. Sie liegt zwischen zwei planen Flächen und wird axial verpresst, etwa in der Überwurfmutter eines Panzerschlauchs, am Duschschlauch, am Waschmaschinenzulauf und am Siphon.
Der praktische Unterschied: Ein O-Ring braucht eine intakte Nut mit definierter Tiefe. Ist die Nut ausgewaschen oder verkalkt, dichtet auch ein neuer Ring nicht. Eine Flachdichtung braucht zwei saubere, ebene Anlageflächen. Ein Kratzer quer über die Dichtfläche macht jede neue Dichtung wirkungslos.
Warum tropft die Verschraubung, obwohl das Gewinde fest ist?
Weil das Gewinde bei diesen Verbindungen gar nicht abdichtet. Bei einer Überwurfverschraubung, wie sie an Schläuchen, Armaturen und Eckventilen üblich ist, presst das Gewinde nur die Dichtung zusammen. Die eigentliche Abdichtung passiert an der Flachdichtung oder am O-Ring. Wenn es tropft, ist die Reihenfolge der Verdächtigen deshalb: erstens Dichtung hart oder eingerissen, zweitens Dichtung fehlt oder liegt schief, drittens Dichtfläche verkalkt oder verkratzt, viertens falsche Dichtungsgröße. Erst danach kommt das Gewinde selbst dran.
Nachziehen hilft nicht, es schadet. Wenn eine Verschraubung tropft, ist der erste Reflex, fester anzuziehen. Bei einer verhärteten Dichtung bringt das nichts, weil das Material nicht mehr nachgibt. Stattdessen reißen Sie Kunststoffmuttern ein, verformen Anlageflächen oder überdehnen das Gewinde. Drehen Sie das Wasser ab, öffnen Sie die Verbindung und sehen Sie sich die Dichtung an.
Es gibt eine Ausnahme: kegelige Rohrgewinde, etwa bei älteren Stahlinstallationen, dichten tatsächlich im Gewinde. Dort arbeitet man mit Hanf und Dichtungspaste oder mit PTFE-Band. Das ist ein anderes Verfahren und gehört nicht in denselben Handgriff. Wie Sie eine tropfende Armatur systematisch eingrenzen, steht in der Anleitung zum tropfenden Wasserhahn.
Welches Material für welchen Einsatz?
Die Materialwahl entscheidet über die Lebensdauer. Ein NBR-Ring in einer Heißwasserleitung wird spröde, ein EPDM-Ring in einer Ölverschraubung quillt auf und verliert die Dichtwirkung. Die Angaben in der Tabelle sind typische Herstellerwerte für Standardmischungen. Die konkrete Mischung kann abweichen, im Zweifel gilt das Datenblatt des Herstellers.
| Werkstoff | Kurzzeichen | Temperaturbereich | Gut geeignet für | Nicht geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Nitrilkautschuk | NBR | etwa -40 bis +100 Grad Celsius | Mineralöl, Fett, Hydrauliköl, Kaltwasser | Ozon, Witterung, Bremsflüssigkeit, Heißdampf |
| Ethylen-Propylen-Dien | EPDM | etwa -45 bis +130 Grad Celsius | Wasser, Heißwasser, Dampf, Trinkwasser mit Zulassung | Mineralöl, Fett, Kraftstoffe |
| Silikonkautschuk | VMQ | etwa -55 bis +200 Grad Celsius | trockene Hitze, Lebensmittelkontakt, große Kälte | Heißdampf, Kraftstoffe, hohe mechanische Last |
| Fluorkautschuk | FKM | etwa -20 bis +200 Grad Celsius | Kraftstoffe, synthetische Öle, Chemikalien, Säuren | Heißwasser und Dampf, sehr tiefe Temperaturen |
| Polytetrafluorethylen | PTFE | etwa -200 bis +260 Grad Celsius | nahezu alle Medien, hohe Temperaturen | Anwendungen mit nötiger Elastizität, PTFE federt kaum zurück |
Für den Haushalt reduziert sich das auf zwei Fälle. Alles, was Wasser führt, bekommt EPDM. Alles, was mit Öl oder Fett in Kontakt kommt, bekommt NBR. Silikon finden Sie in Backofendichtungen, Thermosverschlüssen und Dampfgarern, weil es hitzefest und geschmacksneutral ist. FKM und PTFE sind im Haushalt selten und meist bereits vom Gerätehersteller vorgegeben.
Was gilt bei Trinkwasser?
Hier reicht das Kürzel EPDM nicht aus. Für Bauteile im Trinkwasserkontakt gelten in Deutschland zwei getrennte Anforderungen. Die KTW-Bewertungsgrundlage des Umweltbundesamts regelt, welche Stoffe aus dem Material ins Wasser übergehen dürfen, mit Prüfverfahren und Grenzwerten für die Migration. Das DVGW-Arbeitsblatt W 270, inzwischen als EN 16421 geführt, prüft etwas anderes: ob auf dem Material Mikroorganismen wachsen. Beides zusammen wird von einer akkreditierten Prüfstelle bestätigt, das Zertifikat gilt fünf Jahre.
Praktisch heißt das: Nicht jede EPDM-Mischung ist trinkwassergeeignet. Wenn Sie Dichtungen für Armaturen, Eckventile oder Hausanschlüsse kaufen, achten Sie auf die ausdrückliche Angabe der Prüfungen im Produkttext. Billige Sortimentskästen mit hundert bunten Ringen enthalten diese Angabe in der Regel nicht und gehören deshalb nicht in die Trinkwasserleitung.
MerkeFarbe ist kein Materialkennzeichen. Schwarz ist die häufigste Farbe für NBR und für EPDM gleichermaßen, rot kann Silikon oder EPDM sein, braun oft FKM. Verlassen Sie sich niemals auf die Farbe, sondern auf die Beschriftung der Verpackung.
Wie bestimmen Sie die richtige Größe?
Ein O-Ring ist über genau zwei Maße definiert: den Innendurchmesser, üblicherweise als d1 bezeichnet, und die Schnurstärke, also die Dicke des Materialquerschnitts, als d2 bezeichnet. Ein Ring mit der Bezeichnung 10 mal 2 hat 10 Millimeter Innendurchmesser und 2 Millimeter Schnurstärke. Die international dominierende Maßnorm ist ISO 3601, im zölligen Bereich zusätzlich AS568.
- Alten Ring entnehmen. Hebeln Sie ihn mit einem Zahnstocher oder einem Kunststoffhaken heraus, nicht mit einem Schraubendreher. Ein Kratzer in der Nut macht jede neue Dichtung wirkungslos.
- Ungedehnt hinlegen. Legen Sie den Ring flach auf eine ebene Fläche, ohne ihn zu ziehen. Ein gedehnter Ring misst sich zu groß.
- Innendurchmesser messen. Setzen Sie den Messschieber von Innenkante zu Innenkante an. Messen Sie an zwei um 90 Grad versetzten Stellen und nehmen Sie den Mittelwert, alte Ringe sind oft oval verformt.
- Schnurstärke messen. Messen Sie die Materialdicke im Querschnitt. Drücken Sie den Messschieber nicht zu, sonst messen Sie zu wenig. Ein digitaler Messschieber liefert hier die brauchbarsten Werte.
- Auf Normmaß runden. Vergleichen Sie das Ergebnis mit einer Maßtabelle. Ein gemessener Wert von 1,92 Millimetern gehört fast sicher zur Normschnurstärke 2 Millimeter, ein alter Ring ist plattgedrückt.
- Nut prüfen, dann einsetzen. Reinigen und entkalken Sie die Nut, bevor der neue Ring hineinkommt. Ein Tropfen Silikonfett auf dem Ring erleichtert das Einsetzen und verhindert, dass er beim Zusammenbau verdreht wird.
Bei Flachdichtungen brauchen Sie drei Maße: Außendurchmesser, Innendurchmesser und Dicke. Sanitärverschraubungen im Haushalt sind zöllig bezeichnet, gängig sind 3/8 Zoll, 1/2 Zoll und 3/4 Zoll. Die Zollangabe beschreibt das Gewinde, nicht die Dichtung. Nehmen Sie deshalb die alte Dichtung mit in den Handel oder messen Sie sie ab.
Womit fetten und womit auf keinen Fall?
- Silikonfett: das Standardmittel für O-Ringe in Wasserarmaturen. Für Trinkwasseranwendungen gibt es Ausführungen mit entsprechender Zulassung, achten Sie auf die Angabe.
- Armaturenfett: in Sanitärbetrieben üblich, säurefrei und für Kunststoffe geeignet.
- Vaseline und Mineralfett: nicht auf EPDM. Der Werkstoff quillt in Mineralölprodukten auf, der Ring wird weich und dichtet nicht mehr.
- Sekundenkleber und Silikon aus der Kartusche: kein Ersatz für eine Dichtung. Sie verkleben damit die Verbindung, die beim nächsten Service wieder geöffnet werden muss.
- Selbst geschnittene Dichtungen: aus einer Gummiplatte ausgeschnittene Scheiben funktionieren als Notlösung bei drucklosen Stellen. In Druckleitungen und im Trinkwasser haben sie nichts zu suchen.
Wo hört das Selbermachen auf?
Bei drei Dingen. Erstens bei Gas: Dichtungen an Gasleitungen und Gasgeräten sind ausschließlich Sache eines eingetragenen Fachbetriebs, unabhängig davon, wie einfach der Handgriff aussieht. Zweitens bei allem hinter der Absperrung, also an Hausanschluss, Wasserzähler und den Leitungen in der Wand. Dritte Grenze: Wenn Sie die Dichtfläche selbst beschädigt haben, etwa den Dichtsitz einer Armatur, hilft keine neue Dichtung mehr. Dann muss das Bauteil getauscht werden.
Verwandte Dichtungsprobleme betreffen keine Ringe, sondern Profile. Für Fenster gilt eine andere Logik, dort geht es um Anpressdruck und Profilform, nachzulesen im Beitrag Fensterdichtungen reparieren. Bei Kühl- und Gefriergeräten ist die Magnetdichtung ein eigenes Bauteil, das im Ratgeber Türdichtung am Gefrierschrank behandelt wird.
Notieren Sie vor dem Einkauf drei Angaben: Innendurchmesser in Millimetern, Schnurstärke in Millimetern und das Medium, also Trinkwasser, Heißwasser oder Öl. Mit diesen drei Werten finden Sie den passenden Ring in jedem Fachhandel.
