Nach Feierabend steht die Frage jeden Tag neu im Raum: kochen oder bestellen. Die üblichen Antworten sind Glaubenssätze. Selbst kochen sei billiger, gesünder und schmecke besser. Das stimmt in der Tendenz, aber nicht in jeder Zeile, und es lohnt sich, die drei Punkte einzeln nachzurechnen.
Dieser Text vergleicht drei Wege zur warmen Mahlzeit: selbst aus Rohware kochen, ein Fertiggericht aus dem Kühl- oder Tiefkühlregal aufwärmen, beim Lieferdienst bestellen. Bewertet werden Kosten je Portion, Zeitaufwand und Nährwerte. Wo belastbare Zahlen fehlen, steht das ausdrücklich dabei.
Was kostet eine Portion tatsächlich?

Für den Wareneinsatz selbst gekochter Gerichte gibt es belastbare Kalkulationen. Der Nudelhersteller Recheis hat auf Basis von Großhandelspreisen vom Januar 2023 mehrere Standardgerichte durchgerechnet. Die Zahlen betreffen den reinen Zutatenwert, ohne Energie und ohne Arbeitszeit.
| Gericht | Wareneinsatz je Portion | Bemerkung |
|---|---|---|
| Krautfleckerl (vegetarisch) | 0,81 Euro | günstigstes Gericht im Vergleich |
| Schinkenfleckerl | 1,43 Euro | 43 Prozent günstiger als Schweinsbraten |
| Spaghetti Bolognese | 1,89 Euro | 14 Prozent günstiger als Wiener Schnitzel |
| Karfiol-Bolognese | 1,93 Euro | vegetarische Variante mit Blumenkohl |
| Spinat-Lasagne | 2,48 Euro | Auflaufgericht mit Bechamel |
| Schweinsbraten | 2,52 Euro | Fleischanteil bestimmt den Preis |
| Faschierte Laibchen | 2,78 Euro | teuerstes Gericht im Vergleich |
Zum Wareneinsatz kommt die Energie. Rechnen Sie mit einem Kochfeld von rund 2 Kilowatt, das eine halbe Stunde auf mittlerer Stufe läuft, ergibt das ungefähr 0,7 Kilowattstunden. Bei einem angenommenen Arbeitspreis von 35 Cent je Kilowattstunde sind das rund 25 Cent für den ganzen Topf, bei vier Portionen also etwa 6 Cent je Portion. Der Backofen liegt deutlich darüber, weil er länger läuft und mehr Leistung zieht.
Die Gegenrechnung liefert die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie stellte 14 selbst gemachte Lebensmittel 21 Fertigvarianten gegenüber. Die addierten Kosten für die 14 selbst gemachten Varianten lagen bei 2,60 Euro je 100 Gramm beziehungsweise Milliliter, die 14 zugehörigen Fertigvarianten kosteten zusammen 7,38 Euro. Im Schnitt waren die Fertigprodukte 184 Prozent teurer. Den größten Abstand gab es bei mundgerecht geschnittener Melone mit 650 Prozent.
Beim Lieferdienst wird die Rechnung eindeutig. Eine bestellte Hauptspeise kostet in Deutschland je nach Stadt und Küche üblicherweise ein Vielfaches des Wareneinsatzes, dazu kommen Liefergebühr, Servicegebühr und Trinkgeld. Der Preis bezahlt Miete, Personal und Logistik mit. Wer bestellt, kauft Zeit und Bequemlichkeit, nicht Lebensmittel.
MerkeDen Portionspreis senkt nicht das Kochen, sondern der Einkauf. Den größten Hebel hat der Fleischanteil: Wer die Hälfte des Hackfleischs durch Möhren, Sellerie oder Linsen ersetzt, kommt beim gleichen Gericht spürbar tiefer. Zweitgrößter Hebel ist die Menge. Vier Portionen aus einem Topf kosten je Portion weniger als eine.
Wie viel Zeit kostet Selberkochen wirklich?
Hier ist die Datenlage besser als vermutet. Die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts erfasst, wie lange Menschen ab 10 Jahren täglich mit Mahlzeitenzubereitung, Backen, Einkochen, Tischdecken und Abwasch beschäftigt sind. Der Durchschnitt lag 2022 bei 41 Minuten am Tag. Zehn Jahre zuvor waren es 40 Minuten, praktisch unverändert.
Die Verteilung ist dagegen ungleich. Mädchen und Frauen wendeten 2022 im Schnitt 53 Minuten täglich auf, Jungen und Männer 29 Minuten. Zehn Jahre zuvor war die Lücke noch größer: 55 gegenüber 24 Minuten.
Diese 41 Minuten decken den kompletten Küchenblock ab, nicht nur den Topf. Das ist der Punkt, an dem der Zeitvergleich zum Fertiggericht kippt. Aufwärmen spart die Zubereitung, aber nicht das Tischdecken und nur einen Teil des Abwaschs. Realistisch bleibt beim Selbstkochen ein Mehraufwand von etwa 20 bis 30 Minuten je Kochvorgang, nicht die oft behaupteten anderthalb Stunden.
- Kochtag festlegen. Ein Gericht in vierfacher Menge kochen und portionsweise einfrieren halbiert den Zeitaufwand pro Mahlzeit gegenüber täglichem Kochen.
- Einkauf bündeln. Ein Wocheneinkauf mit Liste statt drei Spontanbesuche. Der Zeitgewinn ist größer als der Kochaufwand selbst.
- Vorbereitung trennen. Gemüse einmal für zwei Gerichte schneiden, während der Backofen vorheizt. Leerlauf ist der größte Zeitfresser am Herd.
- Ein-Topf-Gerichte einplanen. Eintopf, Auflauf und Pfannengericht erzeugen ein bis zwei Spülteile statt fünf.
- Beim Kochen abwaschen. Während etwas 20 Minuten köchelt, ist die Spüle leer zu bekommen. Danach ist die Küche fertig, wenn das Essen fertig ist.
- Reste einplanen, nicht wegwerfen. Gekochte Nudeln, Reis und Kartoffeln vom Vortag verkürzen das nächste Gericht auf 15 Minuten.
Ist selbst gekocht wirklich gesünder?

Pauschal nein. Eine selbst frittierte Portion ist nicht gesünder, weil sie selbst gemacht ist. Der Unterschied liegt in der Kontrolle über drei Größen: Salz, Fett und Zucker.
Beim Salz ist der Befund am klarsten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Obergrenze 6 Gramm Speisesalz pro Tag, die Weltgesundheitsorganisation 5 Gramm. Tatsächlich liegt die Aufnahme in Deutschland darüber: rund 10 Gramm bei Männern, rund 8,4 Gramm bei Frauen. Die Verbraucherzentrale Hamburg untersuchte 24 Convenience-Produkte. Bei 15 davon lag der Gehalt bei mindestens 1,5 Gramm Salz je 100 Gramm. Bei 6 Produkten steckte die gesamte empfohlene Tagesobergrenze von 6 Gramm bereits in einer einzigen Portion, eine Reisnudelsuppe kam auf 7 Gramm je Portion.
Das Nachsalzen am Tisch ist dabei nicht der Hauptweg. Den größten Anteil liefern verarbeitete Lebensmittel: Brot, Wurst, Käse und eben Fertigprodukte. Wer selbst kocht, bestimmt die Salzmenge und kann sie schrittweise senken, ohne dass es sofort auffällt.
- Salz: selbst dosierbar. Kräuter, Zitrone, Pfeffer und Röstaromen ersetzen einen Teil der Salzwirkung.
- Zusatzstoffe: Die Verbraucherzentrale Hamburg fand in 19 untersuchten Fertigprodukten 14 Aromen und 13 Zusatzstoffe. In der eigenen Küche sind es null.
- Gemüseanteil: beim Selbstkochen frei erhöhbar. Im Fertiggericht liegt er fest und ist an der Zutatenliste ablesbar.
- Portionsgröße: selbst bestimmbar. Fertiggerichte definieren die Portion, und die Nährwertangabe bezieht sich darauf.
- Frische: Vitaminverluste hängen stärker an Lagerdauer und Garzeit als am Herstellungsort. Tiefkühlgemüse schneidet hier oft besser ab als drei Tage alter frischer Spinat.
Kein Automatismus. Selbst gekocht heißt nicht automatisch nährstoffreich. Wer täglich Nudeln mit Sahnesauce kocht, hat gegenüber einem Fertiggericht nichts gewonnen außer der Kontrolle über die Zutaten. Der gesundheitliche Vorteil entsteht durch mehr Gemüse, weniger Salz und weniger Zucker, nicht durch den Kochvorgang.
Wann ist das Fertiggericht die richtige Wahl?
Es gibt Situationen, in denen der Griff ins Tiefkühlregal die vernünftigere Entscheidung ist. Bei Krankheit, im Schichtdienst, bei sehr kleinen Haushalten mit hohem Verderbrisiko und immer dann, wenn die Alternative heißt: gar nichts essen oder Chips.
Die Produktion von Fertiggerichten in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt binnen fünf Jahren mengenmäßig um 25,6 Prozent gestiegen. Das Angebot ist breiter geworden, und der Abstand innerhalb der Kategorie ist groß. Ein Tiefkühlgemüse ohne Zusätze ist etwas anderes als eine fertige Pfanne mit Sauce. Der Blick auf die Zutatenliste trennt beides in fünf Sekunden: Je kürzer die Liste, desto näher am Rohstoff.
Ein weiterer Faktor ist der Vorrat. Wer einen gut sortierten Kühlschrank und ein paar haltbare Grundzutaten hat, kocht spontan und muss seltener bestellen. Welche Basics dazugehören, listet der Beitrag zu Lebensmitteln, die im Kühlschrank nicht fehlen sollten. Wie Sie den Kühlschrank richtig einräumen und damit Verderb vermeiden, steht im Grundwissen zum Kühlschrank.
Was Sie zum Kochen mindestens brauchen
Die Ausstattungsfrage wird meist überschätzt. Für den überwiegenden Teil der Alltagsgerichte reichen ein Topf mit 3 bis 4 Litern, eine Pfanne mit 28 Zentimetern Durchmesser, ein Kochmesser mit 20 Zentimetern Klingenlänge, ein Schneidebrett und eine Handvoll Kochbesteck. Alles Weitere ist Komfort.
Wer die Zahlen zusammenzieht, landet bei einem klaren Bild: Der Wareneinsatz einer selbst gekochten Hauptmahlzeit liegt in der Regel zwischen 0,80 und 2,80 Euro, dazu kommen wenige Cent Energie. Der Zeitaufwand für den gesamten Küchenblock liegt im Bevölkerungsschnitt bei 41 Minuten am Tag. Wer beides kennt, kann die Entscheidung an einem konkreten Abend treffen, statt sie an einer Überzeugung festzumachen.
