Balkonfächer: warum die Windlast wichtiger ist als der Stoff

7 min LesezeitAktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Staudruck wächst mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit. Doppelte Geschwindigkeit bedeutet vierfache Kraft, deshalb ist ein Fächer bei 50 Kilometern je Stunde harmlos und bei 110 Kilometern je Stunde ein ernstes Problem.
  • Ein Fächer von 140 mal 140 Zentimetern hat rund 2 Quadratmeter Fläche. Bei 108 Kilometern je Stunde wirken darauf etwa 1,5 Kilonewton, das entspricht rund 150 Kilogramm Zugkraft an den Befestigungspunkten.
  • Balkongeländer im Wohnbereich sind nach DIN EN 1991-1-1 auf eine horizontale Holmlast von 0,5 Kilonewton je Meter bemessen. Ein geschlossener Sichtschutz über die volle Balkonbreite kann diesen Wert im Sturm überschreiten.
  • Umwehrungen müssen nach Musterbauordnung Paragraf 38 bei Absturzhöhen von 1 bis 12 Metern mindestens 0,90 Meter hoch sein, darüber 1,10 Meter. Ein Sichtschutz darf diese Umwehrung nicht ersetzen oder ihre Wirkung schwächen.
  • Jede Befestigung, die in Fassade oder Geländer gebohrt wird, gilt als bauliche Veränderung und braucht die Zustimmung des Vermieters. Geklemmte, rückbaubare Lösungen sind mietrechtlich der sichere Weg.
Balkonfächer: warum die Windlast wichtiger ist als der Stoff
Bild: KI generiert

Ein Balkonfächer ist ein faltbarer Sicht- und Windschutz aus Stoff über einem Metallgestell, der sich seitlich am Geländer oder an der Wand aufspannt. Übliche Maße liegen bei 140 mal 140 Zentimetern, die Bespannung besteht meist aus UV-beständigem Polyester. Das Prinzip ist einfach, und genau deshalb wird der wichtigste Punkt regelmäßig übersehen: Ein Fächer ist eine geschlossene Fläche, die dem Wind im Weg steht.

Wie groß ist die Kraft, die der Wind auf einen Balkonfächer ausübt?

Die Physik dahinter ist überschaubar. Der Staudruck einer Luftströmung berechnet sich als q gleich 0,5 mal Luftdichte mal Geschwindigkeit im Quadrat. Für Luft setzt man eine Dichte von 1,25 Kilogramm je Kubikmeter an. Aus dem Staudruck ergibt sich die Kraft, indem Sie mit der Fläche und einem Druckbeiwert multiplizieren. Für freistehende Wände nennt DIN EN 1991-1-4 Beiwerte ab etwa 1,2, in Randbereichen deutlich mehr. Die folgende Tabelle rechnet mit 1,3 und mit 2 Quadratmetern Fläche, also eher zurückhaltend.

WindgeschwindigkeitBeaufortStaudruckKraft auf 2 Quadratmeterentspricht rund
50 km/h7, steifer Wind121 N/m²314 N32 kg
72 km/h8, stürmischer Wind250 N/m²650 N66 kg
90 km/h10, schwerer Sturm391 N/m²1.016 N104 kg
108 km/h11, orkanartiger Sturm563 N/m²1.463 N149 kg
126 km/h12, Orkan766 N/m²1.991 N203 kg

Der Sprung zwischen den Zeilen ist der Kern der Sache. Zwischen 50 und 108 Kilometern je Stunde verdoppelt sich die Geschwindigkeit ungefähr, die Kraft steigt aber auf das Viereinhalbfache. Ein Fächer, der drei Sommer lang problemlos gehalten hat, kann in der ersten Herbstböe abreißen, weil das Wetter an diesem Tag schlicht in einer anderen Größenordnung liegt.

Rechnen Sie das auf einen durchgehenden Sichtschutz hoch. Ein Balkon von 5 Metern Breite mit einer 0,90 Meter hohen, geschlossenen Bespannung hat 4,5 Quadratmeter Angriffsfläche. Bei 108 Kilometern je Stunde ergeben sich daraus rund 3,3 Kilonewton horizontal.

Das Geländer ist nicht dafür gebaut. Balkongeländer im Wohnbereich werden nach DIN EN 1991-1-1 auf eine horizontale Holmlast von 0,5 Kilonewton je Meter bemessen, in öffentlich zugänglichen Bereichen auf 1,0 Kilonewton je Meter. Für 5 Meter Geländer sind das 2,5 Kilonewton, gedacht für Menschen, die sich anlehnen. Ein sturmbelasteter Vollsichtschutz erreicht dieselbe Größenordnung, zusätzlich zu allem anderen. Bei Altbauten mit unbekannter Verankerung, bei sichtbar korrodierten Befestigungen und bei Absturzhöhen über 12 Metern gehört diese Frage zum Statiker oder zur Hausverwaltung, nicht in die Eigenbeurteilung.

Welche Befestigung hält am Balkongeländer?

Die meisten Balkonfächer werden mit zwei bis vier Punkten befestigt, entweder an der Hauswand oder am Geländerpfosten. Beide Varianten haben eigene Fallstricke.

  • Wandmontage: Die tragfähigste Lösung, aber nur in tragendem Mauerwerk oder Beton. In Wärmedämmverbundsystemen sind Standarddübel wertlos, dort braucht es Dämmstoffdübel mit Verankerung im Untergrund oder eine Abstandsmontage.
  • Klemmhalter am Geländer: Rückbaubar und mietrechtlich unkritisch. Die Klemmkraft wirkt aber nur reibschlüssig, und Reibung lässt bei Vibration nach. Prüfen Sie die Schrauben monatlich nach.
  • Verschraubung im Geländerpfosten: Hält sehr gut, verletzt aber den Korrosionsschutz. Jede Bohrung in verzinktem Stahl ist eine Roststelle, wenn Sie sie nicht nachbehandeln.
  • Bodenständer mit Gewicht: Kommt ohne Eingriff aus, braucht aber viel Masse. Als Faustwert setzen Sie die berechnete Windkraft in Kilogramm mindestens einmal als Ballast an, besser mit Reserve.
  • Winddurchlässige Bespannung: Ein Gewebe mit Öffnungen reduziert den Staudruck spürbar, weil ein Teil der Luft hindurchströmt statt umgelenkt zu werden. Der Sichtschutz ist dafür geringer.

Wer schon Pflanzkästen am Geländer hängen hat, sollte die Lasten zusammenzählen und nicht getrennt betrachten. Wie diese Halterungen konstruiert sind und was sie tragen, beschreibt der Beitrag über Pflanzkästen an Balkongeländern. Eine feste Konstruktion an der Fassade ist noch einmal eine andere Baustelle, dazu passt der Beitrag zur Montage einer Markise an der Hauswand.

Wie montiere ich einen Balkonfächer sicher?

  1. Untergrund bestimmen. Klopfen Sie die Wand ab und bohren Sie probeweise 10 Millimeter tief. Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton und Beton brauchen jeweils andere Dübel, und der Bohrstaub verrät das Material.
  2. Fläche messen. Multiplizieren Sie Breite mal Höhe der Bespannung in Metern. Diese Zahl brauchen Sie für die Lastabschätzung aus der Tabelle oben.
  3. Befestigungspunkte verteilen. Zwei Punkte je Halter sind das Minimum. Der Abstand zwischen den Punkten sollte mindestens 15 Zentimeter betragen, damit die Hebelkräfte auf den einzelnen Dübel sinken.
  4. Randabstand einhalten. Setzen Sie Dübel nicht näher als etwa zwei Bohrlochtiefen an eine Mauerkante. Am Rand bricht der Stein aus, bevor der Dübel zieht.
  5. Sicherungsleine anbringen. Ein zweites, dünnes Stahlseil oder eine Reepschnur vom Fächergestell zu einem unabhängigen Punkt verhindert, dass das Teil bei Versagen der Hauptbefestigung nach unten fällt.
  6. Bei Wind einklappen. Klappen Sie den Fächer zusammen, sobald Sie den Balkon verlassen, und immer bei angekündigten Böen ab Windstärke 7. Ein eingeklappter Fächer hat kaum noch Angriffsfläche.
  7. Zweimal jährlich nachziehen. Prüfen Sie im Frühjahr und im Herbst alle Schrauben, die Nähte der Bespannung und die Ösen. Ausgerissene Ösen sind die häufigste Schadensstelle.

Was darf ich als Mieter am Balkon anbringen?

Die Grundlinie der Rechtsprechung ist klar: Solange nichts gebohrt und nichts dauerhaft verändert wird, ist ein Sichtschutz in der Regel vom vertragsgemäßen Gebrauch gedeckt. Sobald Sie in Fassade oder Geländer bohren, liegt eine bauliche Veränderung vor, und die braucht die Zustimmung des Vermieters. Das gilt auch dann, wenn die Bohrung nur wenige Millimeter tief ist.

Ein zweiter Punkt betrifft das Erscheinungsbild. Vermieter dürfen Einfluss auf die Optik nehmen, wenn ein Sichtschutz das Gesamtbild des Hauses erkennbar stört. Unauffällige Farben wie Anthrazit, Braun, Grau oder Weiß in Geländerhöhe sind meist unproblematisch, großflächige Motivdrucke und Farben, die aus der Fassade herausstechen, können untersagt werden. Bei Eigentumswohnungen entscheidet nicht der einzelne Eigentümer, sondern die Gemeinschaft, weil der Balkon zum Gemeinschaftseigentum zählt.

Halten Sie sich außerdem an die Höhe der Umwehrung. Die Musterbauordnung verlangt in Paragraf 38 bei Absturzhöhen von 1 bis 12 Metern mindestens 0,90 Meter, darüber 1,10 Meter. Ein Sichtschutz, der über diese Höhe hinausragt, verändert die Optik stärker und erhöht die Windangriffsfläche. Er darf die Umwehrung außerdem nie ersetzen und nicht so konstruiert sein, dass Kinder ihn als Kletterhilfe nutzen können.

MerkeFotografieren Sie den Balkon vor der Montage und dokumentieren Sie jede Bohrung. Beim Auszug schulden Sie den ursprünglichen Zustand, und ein sauber verschlossenes Loch in einer Fassade ist deutlich billiger als eine pauschale Rückbauforderung. Holen Sie die Zustimmung des Vermieters schriftlich ein, eine mündliche Zusage hilft Ihnen zwei Mieterwechsel später nicht.

Wie brandsicher ist ein Kunststoff-Sichtschutz?

Sichtschutzmatten aus PVC und Bespannungen aus Polyester sind brennbar. Die deutsche Klassifizierung nach DIN 4102-1 ordnet die meisten dieser Produkte der Baustoffklasse B2 zu, also normalentflammbar. Das bedeutet: Sie entzünden sich an einer offenen Flamme, brennen aber langsamer als leichtentflammbare Materialien der Klasse B3. Die europäische Entsprechung nach DIN EN 13501-1 ist grob die Klasse E.

Für den Balkon ist das relevant, weil dort drei Zündquellen zusammenkommen: Grill, Kerze und weggeworfene Zigarette von oben. Ein Balkon ist außerdem der klassische Weg, auf dem ein Feuer von einem Geschoss ins nächste überspringt. Aus diesem Grund untersagen viele Hausordnungen ausdrücklich das Grillen mit offener Flamme auf dem Balkon, und einzelne Vermieter verbieten brennbare Vollverkleidungen.

Praktische Folgerungen: Halten Sie mindestens 1 Meter Abstand zwischen Sichtschutz und Grill oder Feuerkorb ein. Verwenden Sie an dieser Stelle keinen Kunststoff, sondern Metall, Glas oder eine ausgewiesen schwer entflammbare Bespannung der Klasse B1. Und lagern Sie keine Gaskartuschen oder Brennspiritusflaschen hinter der Verkleidung, wo sie im Schatten unsichtbar bleiben.

Wenn Ihnen fertige Fächer zu teuer sind, lässt sich ein einfacher Behang auch selbst nähen. Der Beitrag zum Sonnenschutz für den Balkon aus Stoffresten zeigt eine Variante, die ohne Bohren auskommt. Prüfen Sie in diesem Fall besonders sorgfältig die Aufhängung: Ein selbst genähter Behang hat oft keine verstärkten Ösen, und genau dort reißt er im Sturm zuerst.

Häufige Fragen zu Balkonfächer: warum die Windlast wichtiger ist als der Stoff

Wie viel Kraft wirkt bei Sturm auf einen Balkonfächer?

Bei einem Fächer von 140 mal 140 Zentimetern, also rund 2 Quadratmetern, wirken bei 72 Kilometern je Stunde etwa 650 Newton und bei 108 Kilometern je Stunde etwa 1.460 Newton. Das entspricht rund 66 beziehungsweise 149 Kilogramm. Der Staudruck steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, deshalb wächst die Belastung so steil.

Hält ein normales Balkongeländer einen Sichtschutz aus?

Geländer im Wohnbereich sind nach DIN EN 1991-1-1 auf eine horizontale Holmlast von 0,5 Kilonewton je Meter ausgelegt. Bei 5 Metern Balkonbreite sind das 2,5 Kilonewton. Ein durchgehender, geschlossener Sichtschutz erreicht im Sturm dieselbe Größenordnung, weshalb ein winddurchlässiges Gewebe oder eine abnehmbare Lösung der sicherere Weg ist.

Brauche ich als Mieter eine Erlaubnis für einen Balkonfächer?

Für rückbaubare, geklemmte Lösungen in der Regel nicht, solange sie das Erscheinungsbild des Hauses nicht auffällig verändern. Sobald Sie in Fassade oder Geländer bohren, handelt es sich um eine bauliche Veränderung, die die schriftliche Zustimmung des Vermieters erfordert. In Eigentümergemeinschaften entscheidet die Gemeinschaft, weil der Balkon zum Gemeinschaftseigentum gehört.

Wie hoch darf ein Balkonsichtschutz sein?

Unproblematisch ist meist eine Höhe bis zur Oberkante des Geländers. Die Umwehrung selbst muss nach Musterbauordnung Paragraf 38 bei Absturzhöhen von 1 bis 12 Metern mindestens 0,90 Meter und darüber 1,10 Meter betragen. Ein Sichtschutz darf diese Umwehrung nicht ersetzen und nicht als Kletterhilfe für Kinder wirken.

Ist ein Kunststoff-Sichtschutz auf dem Balkon brandgefährlich?

PVC-Matten und Polyesterbespannungen fallen meist in die Baustoffklasse B2 nach DIN 4102-1, sind also normalentflammbar. Sie entzünden sich an offener Flamme. Halten Sie mindestens 1 Meter Abstand zu Grill und Feuerstellen, und prüfen Sie die Hausordnung, denn viele untersagen offenes Feuer auf dem Balkon.

Was tun bei angekündigtem Sturm?

Klappen Sie den Fächer vollständig ein und sichern Sie ihn zusätzlich mit einem Band oder Gurt. Eingeklappt hat er nur noch einen Bruchteil der Angriffsfläche. Räumen Sie außerdem lose Gegenstände vom Balkon, und ziehen Sie danach die Befestigungsschrauben nach, weil starke Böen Verschraubungen lockern.

Quellen

Der Content wurde mit Hilfe von KI erstellt, vor allem in der Recherche und Vorformulierung. Prüfung und Abnahme durch unsere Redaktion.