Fliese ist nicht gleich Fliese. Zwischen einer glasierten Wandfliese im Bad, einer unglasierten Feinsteinzeugplatte im Flur und einer polierten Marmorfliese liegen chemisch Welten. Wer denselben Reiniger überall einsetzt, bekommt in zwei von drei Fällen ein passables Ergebnis und im dritten einen bleibenden Schaden. Deshalb beginnt jede Fliesenreinigung mit einer Frage: Woraus besteht der Belag?

Welches Mittel passt zu welcher Fliesenart?
Die grobe Einteilung ist einfach: Keramische Beläge sind gebrannt und chemisch weitgehend beständig, Naturstein ist gewachsenes Gestein und reagiert je nach Zusammensetzung. Die Trennlinie verläuft entlang des Kalkgehalts. Alles, was viel Calciumcarbonat enthält, verträgt keine Säure.
| Belag | Säure | Lauge | Passender Reiniger |
|---|---|---|---|
| Glasierte Keramik, Steingut | Verträglich | Verträglich | Neutral im Alltag, sauer gegen Kalk, alkalisch gegen Fett |
| Feinsteinzeug, glasiert und unglasiert | Verträglich | Verträglich | Wie oben, bei matten Oberflächen tensidarm arbeiten |
| Granit, Gneis, Quarzit | Meist verträglich | Verträglich | Neutraler Steinreiniger, sauer nur nach Herstellerfreigabe |
| Marmor, Kalkstein, Travertin | Nein, ätzt matte Flecken | Vorsicht, Verfärbungen möglich | Ausschließlich pH-neutral |
| Schiefer | Nein | Vorsicht | pH-neutral, danach Schieferpflege |
| Terrakotta, Cotto | Nein, meist imprägniert | Nein, löst die Wachsschicht | Spezialreiniger für Cotto, danach Nachpflege |
MerkeWenn Sie nicht wissen, welches Material vor Ihnen liegt, machen Sie den Tropfentest an einer verdeckten Stelle, etwa hinter der Toilette oder in einem Schrank. Ein Tropfen Essigreiniger auf kalkhaltigem Naturstein schäumt leicht auf und hinterlässt nach dem Abtupfen einen matten Punkt. Auf Keramik passiert nichts. Warten Sie das Ergebnis 24 Stunden ab, bevor Sie die Fläche behandeln.
Warum ruiniert Säure Naturstein dauerhaft?
Weil sie den Stein chemisch auflöst. Marmor, Kalkstein und Travertin bestehen überwiegend aus Calciumcarbonat. Trifft eine Säure darauf, reagiert sie mit dem Carbonat, es entweicht Kohlendioxid, und die polierte Oberfläche verliert punktgenau ihre Struktur. Zurück bleibt ein matter, leicht rauer Fleck, den Fachleute Ätzfleck nennen. Putzen hilft nicht, denn es fehlt Material. Wiederherstellen lässt sich der Glanz nur durch Anschleifen und Neupolieren, und das ist Arbeit für einen Steinmetz oder einen spezialisierten Gebäudereiniger.
Kritisch ist, dass die Auslöser im Haushalt allgegenwärtig sind: Essigreiniger, Zitronensäure, WC-Reiniger, Kalklöser, aber auch Rotwein, Zitronensaft, Cola und Salatdressing. Wird eine Säure auf Naturstein verschüttet, tupfen Sie sie sofort mit einem trockenen Tuch auf, ohne zu wischen, spülen Sie großzügig mit klarem Wasser und reinigen Sie mit einem pH-neutralen Mittel nach. Je kürzer der Kontakt, desto geringer der Schaden.
Wie reinigen Sie Fliesen und Fugen, ohne sie auszuwaschen?
Die Fuge ist die Schwachstelle. Zementäre Fugenmasse ist kalkhaltig, porös und deutlich weicher als die Fliese daneben. Saure Reiniger lösen sie an, wenn sie zu lange stehen, und dann sandet die Fuge aus. Alkalische Grundreiniger sind hier unproblematischer, greifen dafür Aluminiumprofile und manche Silikonfugen an.
- Trocken vorreinigen. Saugen oder kehren Sie die Fläche. Sand im Wischwasser mattiert glänzende Oberflächen.
- Fugen vornässen. Feuchten Sie die Fugen mit klarem Wasser an, bevor ein saurer Reiniger auf die Fläche kommt. Die gesättigte Fuge nimmt weniger Säure auf.
- Mittel gezielt auftragen. Bei Kalkrändern in der Dusche punktuell arbeiten statt die gesamte Wand zu benetzen.
- Einwirkzeit begrenzen. 5 bis 10 Minuten reichen bei den meisten sauren Produkten. Lassen Sie nichts antrocknen und lassen Sie saure Mittel nie über Nacht auf zementären Fugen stehen.
- Mechanisch nachhelfen. Eine schmale Fugenbürste mit steifen Kunststoffborsten löst den Rest. Keine Drahtbürste, sie hinterlässt Metallabrieb, der später rostet.
- Zweimal nachspülen. Nach sauren und nach alkalischen Reinigern folgen zwei Durchgänge mit klarem Wasser, sonst bleiben Rückstände.
- Trocken nachziehen. Ein trockener Bezug nimmt stehende Feuchtigkeit auf und verhindert Trockenränder.
Nie sauer und chlorhaltig zusammen anwenden. Im Bad stehen beide Gruppen direkt nebeneinander: saure Kalklöser und WC-Reiniger auf der einen Seite, chlorhaltige Schimmelentferner und Sanitärgele auf der anderen. Zusammen setzen sie Chlorgas frei, das Augen, Nase und Rachen reizt, starken Hustenreiz auslöst und in höherer Konzentration zu schwerer Atemnot und lebensgefährlichen Lungenschäden führt. Die Gefahr besteht auch bei zeitlich getrennter Anwendung, weil Reste in Fugen, Duschtasse und Abfluss stehen bleiben. Spülen Sie zwischen zwei Produkten gründlich, halten Sie das Fenster offen und arbeiten Sie in kleinen Bädern nie mit geschlossener Tür.
Warum sind meine Fliesen nach dem Wischen rutschig?
Weil eine Schicht auf ihnen liegt, die dort nicht hingehört. Die Rutschhemmung eines Bodenbelags wird nach DIN 51130 in die Bewertungsgruppen R9 bis R13 eingeteilt, für barfuß begangene Nassbereiche gilt zusätzlich DIN 51097 mit den Gruppen A, B und C. Diese Werte gelten für die saubere, rückstandsfreie Fliese. Ein Tensidfilm oder ein aufgebauter Pflegefilm senkt den Reibwert, und die Einstufung stimmt dann nicht mehr.
- Überdosierung: Der häufigste Grund. Mehr Reiniger im Eimer bedeutet mehr Rückstand, nicht mehr Sauberkeit. Halten Sie sich an die Dosierangabe.
- Pflegemittel mit Glanzeffekt: Produkte, die einen wasserabweisenden Film versprechen, gehören an die Duschwand, nicht auf den Boden.
- Falscher Wischbezug: Ein zu nasser Bezug lässt Wasser stehen, in dem sich Reiniger konzentriert, wenn es verdunstet.
- Seifenreste: In der Dusche bilden Duschgel und hartes Wasser Kalkseife. Sie ist glatt und braucht einen sauren Reiniger.
- Abhilfe: Einmal mit einem alkalischen Grundreiniger die Schicht abnehmen, danach zweimal mit klarem Wasser nachwischen und künftig sparsamer dosieren.
Was tun bei Flecken, die der Wischeimer nicht schafft?
Behandeln Sie sie gezielt, statt die gesamte Fläche mit einem starken Mittel zu belasten. Kalkränder brauchen einen sauren Reiniger und Zeit, Fett auf dem Küchenboden ein alkalisches Produkt, Rostfahnen einen Rostentferner mit Oxalsäure, der auf Naturstein tabu ist. Farbe, Silikonreste und Kleber gehen mechanisch ab, mit einer Kunststoffklinge und Geduld. Eine Übersicht nach Fleckenart bietet der Ratgeber zu Flecken auf Fliesen entfernen.
Manche Fälle sind keine Reinigungsprobleme. Eine Fuge, die schwarz bleibt, obwohl sie sauber ist, hat Schimmel im Material oder ist verfärbt und muss ausgekratzt und neu verfugt werden. Eine unglasierte Feinsteinzeugfliese mit tief eingezogenem Fleck lässt sich nicht immer retten. Und ein Haarriss in der Glasur nimmt jeden Schmutz auf, dagegen hilft nur der Austausch der Fliese, beschrieben in der Anleitung zum Austausch beschädigter Fliesen. Welcher Reinigertyp chemisch was leistet und wie Sie ihn dosieren, steht ausführlich im Ratgeber zum Fliesenreiniger.
Ein letzter praktischer Hinweis für die Dusche: Ziehen Sie die Wandfliesen nach jedem Duschen mit einem Abzieher ab. Das dauert 20 Sekunden und verhindert den Kalkansatz, gegen den Sie sonst monatlich mit Säure anarbeiten. Weniger Säure bedeutet längere Lebensdauer der Fugen.
