Ein Bilderrahmen aus Palettenholz ist ein Projekt für einen Nachmittag. Der Aufwand steckt nicht im Bauen, sondern in der Auswahl des Holzes. Paletten sind Transportverpackungen. Sie haben eine Behandlung hinter sich, oft eine lange Reise und manchmal eine Ladung, die man ihnen nicht ansieht. Bevor Sie die erste Latte aufhebeln, drehen Sie die Palette auf die Seite und suchen den Brandstempel an den Klötzen.

Was steht im IPPC-Stempel und warum ist er wichtig?
Der Stempel geht auf ISPM 15 zurück, den Internationalen Standard für phytosanitäre Maßnahmen Nummer 15 der FAO. Er soll verhindern, dass Holzschädlinge über Verpackungsholz von einem Land ins andere wandern, und gilt in über 190 Staaten. Für Sie als Heimwerker ist er aus einem anderen Grund nützlich: Er dokumentiert, wie das Holz behandelt wurde.
Der Stempel ist immer gleich aufgebaut. Links das IPPC-Symbol mit der Weizenähre, daneben der Ländercode wie DE oder AT, darunter die Registriernummer des Betriebs und schließlich der Behandlungscode. Genau dieser Code interessiert Sie. Steht dort HT, wurde das Holz erhitzt. Steht dort MB, wurde es begast. Ein zusätzliches DB bedeutet lediglich, dass das Holz entrindet ist.
| Code | Bedeutung | Verfahren | Für den Innenraum |
|---|---|---|---|
| HT | Heat Treatment, Hitzebehandlung | Holzkern mindestens 30 Minuten auf mindestens 56 Grad Celsius | Unbedenklich, kein chemischer Rückstand |
| DH | Dielectric Heating | Erwärmung im Hochfrequenz- oder Mikrowellenfeld | Unbedenklich, ebenfalls rein thermisch |
| MB | Methyl Bromide, Methylbromid | Begasung mit einem giftigen, ozonschädigenden Gas | Nicht verwenden |
| SF | Sulfuryl Fluoride, Sulfurylfluorid | Begasung, in der EU nur eingeschränkt verbreitet | Für Wohnräume nicht empfehlenswert |
| DB | Debarked, entrindet | Zusatzangabe, kein eigenes Behandlungsverfahren | Sagt nichts über die Behandlung aus |
MB-Paletten gehören nicht in die Wohnung. Methylbromid ist ein ozonschädigendes Gas und wirkt neurotoxisch. In der EU wird es seit 2010 nicht mehr für die Behandlung von Verpackungsholz eingesetzt. Über Sendungen aus Drittstaaten kommen MB-gekennzeichnete Paletten aber weiterhin nach Europa. Wenn Sie den Code MB lesen, nehmen Sie die Palette nicht mit. Das gilt genauso für stark verschmutzte oder ölig durchtränkte Paletten, deren Ladung Sie nicht kennen.
Welches Palettenholz eignet sich für einen Bilderrahmen?
- Deckbretter: Die oberen Bretter einer Europalette sind im Wechsel 100 und 145 Millimeter breit. Für einen Rahmen sind die schmalen 100er die brauchbarere Wahl, weil sie sich leichter auf Rahmenbreite zuschneiden lassen.
- Trockenheit: Holz von draußen ist feucht. Lagern Sie die Bretter mindestens zwei Wochen liegend im beheizten Raum, sonst arbeitet der fertige Rahmen und die Gehrungen klaffen auf.
- Nagelreste: Jede Europalette enthält 78 Nägel. Jeder übersehene Rest zerstört ein Sägeblatt. Gehen Sie die Bretter vor dem Zuschnitt mit einem Magneten ab.
- Verzug: Legen Sie jedes Brett auf eine ebene Fläche und prüfen Sie den Lichtspalt. Stark verdrehte Bretter lassen sich für Rahmen nicht retten, für ein Wandregal aus Paletten sind sie noch gut genug.
- Optik: Graue, ausgewitterte Oberflächen sehen rustikal aus, bringen aber Pilzsporen und Straßenschmutz mit. Für den Innenraum schleifen Sie die verwitterte Schicht besser ab.
Anleitung: Vom Brett zum Rahmen
- Stempel prüfen. Suchen Sie den IPPC-Brandstempel an den Klötzen der Längsseite. Ohne HT oder DH bleibt die Palette stehen.
- Palette zerlegen. Hebeln Sie die Deckbretter mit einem Palettenbrecher oder Nageleisen ab, drehen Sie die Palette und lösen Sie die Klötze. Setzen Sie das Werkzeug immer direkt neben dem Nagel an, sonst reißt das Brett.
- Nägel ziehen. Treiben Sie die Nägel von der Spitzenseite mit einem Durchschläger zurück und ziehen Sie die Köpfe mit der Kneifzange heraus. Abgesägte Reste bleiben im Holz und sind später gefährlich.
- Bretter ablängen. Für ein Bild im Format 21 mal 29,7 Zentimeter genügen bei 5 Zentimeter Rahmenbreite zwei Leisten mit 31 Zentimeter und zwei mit 39 Zentimeter Außenlänge. Rechnen Sie 2 Millimeter Luft für das Bild ein.
- Falz fräsen. Auf der Rückseite braucht der Rahmen eine Stufe für Glas, Passepartout und Rückwand. Als Faustregel addieren Sie Glas mit rund 2 Millimetern, Passepartout mit rund 1,5 Millimetern, Rückwand mit rund 3 Millimetern und 2 Millimeter Spiel.
- Gehrung schneiden. Vier Schnitte in exakt 45 Grad, am besten mit Kappsäge und Anschlag. Kontrollieren Sie den Winkel an einem Probestück, ein halbes Grad Abweichung summiert sich an vier Ecken zu einem sichtbaren Spalt.
- Schleifen. Erst Körnung 80 gegen Splitter und Grate, dann 120, zum Schluss 180 in Faserrichtung. Brechen Sie alle Kanten leicht, sonst splittert die Kante beim ersten Anstoßen wieder auf.
- Verleimen und sichern. Wasserfester Weißleim in die Gehrungen, Spanngurt oder Rahmenzwinge herum, mindestens eine Stunde Presszeit. Danach sichern Sie jede Ecke von hinten mit einem Flachdübel oder einer Wellenklammer.
- Aufhängung montieren. Zwei Ösen im oberen Drittel der Seitenleisten, nicht in die Gehrung selbst. Schrauben Sie kurz genug, damit die Spitze nicht vorn austritt.
Wie werden die Kanten wirklich splitterfrei?
Palettenholz ist meist Kiefer oder Fichte in einfacher Sortierung, sägerau und mit weichem Frühholz. Genau dort entstehen die langen Splitter. Ein Schliff mit einer einzigen Körnung reicht nicht. Beginnen Sie mit Körnung 80, um die raue Sägeoberfläche und lose Fasern abzutragen, wechseln Sie dann auf 120 und beenden Sie mit 180. Wischen Sie zwischen den Durchgängen den Staub ab, sonst schleifen Sie mit gebundenem Grobkorn weiter.
Ein Zwischenschritt hilft zusätzlich: Wässern Sie die geschliffene Fläche leicht mit einem feuchten Lappen, lassen Sie sie trocknen und schleifen Sie noch einmal mit 180. Die Feuchtigkeit stellt gestauchte Fasern auf, die sonst erst später beim Anfassen hochstehen. Danach folgt die Oberfläche. Ein farbloser Hartwachs oder ein Möbelöl schließt die Poren und bindet den Reststaub. Wenn Sie mehrere Rahmen bauen, lohnt der Blick auf Bilderrahmen aus alten Fenstern, weil dort dieselbe Frage nach Untergrund und Beschichtung auftaucht.

Welche Werkzeuge brauchen Sie wirklich?
Die Liste ist kurz. Nageleisen oder Palettenbrecher zum Zerlegen, Kneifzange und Durchschläger für die Nägel, eine Säge mit sauberem Gehrungsanschlag, Schleifpapier in drei Körnungen, Leim und ein Spanngurt. Eine Oberfräse mit Nutfräser macht den Falz sauber, ist aber kein Muss. Wer keine hat, klebt statt eines gefrästen Falzes von hinten schmale Leisten auf und erzeugt die Stufe so.
MerkePalettenholz ist nicht kalibriert. Die Bretter schwanken in der Dicke, deshalb messen Sie jedes Stück einzeln und ordnen die Leisten vor dem Zuschnitt so an, dass ähnlich dicke Teile gegenüberliegen. Wer den Reststapel weiterverwerten will, findet in den Upcycling-Möbeln aus alten Paletten Projekte, bei denen Maßtoleranzen keine Rolle spielen.
Was tun, wenn kein Stempel vorhanden ist?
Paletten ohne IPPC-Kennzeichnung sind nicht automatisch schlecht. Die Kennzeichnungspflicht betrifft den grenzüberschreitenden Verkehr, rein innerdeutsch eingesetzte Einwegpaletten brauchen sie nicht. Sie wissen dann nur nichts über die Herkunft. Prüfen Sie das Holz auf Flecken, Geruch und Verfärbungen. Ölige oder chemisch riechende Bretter kommen nicht in die Wohnung, ganz gleich, was auf ihnen steht. Und wenn Sie unsicher sind, bauen Sie den Rahmen aus Holz vom Sägewerk. Eine Leiste 20 mal 40 Millimeter in Fichte kostet wenig und bringt keine Fragezeichen mit.
