Ein Kamin aus Karton ist ein Bühnenbild, kein Heizgerät. Genau darin liegt sein Reiz und sein Risiko. Der Aufbau ist einfach, das Material kostet fast nichts, und das Ergebnis wirkt in der Adventszeit erstaunlich echt. Sobald jemand aber echte Kerzen in die Öffnung stellt, weil das Ding nun einmal nach Feuer aussieht, wird aus der Dekoration eine Brandlast mit einer Zündquelle darin. Diese Anleitung nennt deshalb zuerst die Sicherheitsgrenze und danach die Baumaße.

Keine offene Flamme in oder an einem Kartonkamin. Wellpappe entzündet sich leicht und brennt schnell mit hoher Flammenausbreitung. Teelichter, Stumpenkerzen, Wachsschalen und Petroleumlampen haben in dieser Konstruktion nichts zu suchen, auch nicht hinter einer Glasscheibe und auch nicht in einem Metallbecher. Verwenden Sie ausschließlich batteriebetriebene LED-Kerzen oder LED-Lichterketten. Halten Sie zusätzlich mindestens 50 Zentimeter Abstand zu Heizkörpern, Heizlüftern, Kaminöfen und Vorhängen. Die Feuerwehren warnen in jeder Adventszeit vor genau dieser Kombination aus brennbarer Dekoration und echten Kerzen.
Welches Licht darf in einen Kartonkamin?
Die Antwort ist kurz: nur kaltes Licht. LED-Kerzen mit Batterie erzeugen kaum Wärme und keine Flamme. Sie sind der einzige Leuchtentyp, der in einem Aufbau aus Pappe vertretbar ist. LED-Lichterketten funktionieren ebenfalls, sollten aber mit Prüfzeichen versehen sein. Achten Sie auf CE-Kennzeichnung und, wenn möglich, auf das GS-Zeichen. Billige Ketten ohne Prüfnachweis sind ein bekanntes Problem, weil bei ihnen Isolierung und Netzteil oft nicht ausreichend geprüft sind.
Elektrische Kamineinsätze mit Flammenimitation gibt es ab etwa 90 Euro. Viele Modelle haben ein zuschaltbares Heizgebläse mit 900 bis 2000 Watt. Genau dieses Gebläse dürfen Sie in einem Kartongehäuse nicht nutzen. Wenn Sie einen solchen Einsatz verwenden wollen, brauchen Sie einen nicht brennbaren Rahmen aus Holzwerkstoff oder Metall mit dem vom Hersteller angegebenen Freiraum, nicht Pappe.
| Leuchtmittel | Wärmeentwicklung | Für Karton geeignet | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| LED-Kerze mit Batterie | Praktisch keine | Ja | Die einzige uneingeschränkt sinnvolle Wahl |
| LED-Lichterkette, Batterie oder Netzteil | Sehr gering | Ja, mit CE- und GS-Kennzeichen | Netzteil nicht im Gehäuse einschließen |
| Teelicht oder Stumpenkerze | Offene Flamme | Nein | Zündquelle direkt in der Brandlast |
| Wachskerze hinter Glas | Offene Flamme | Nein | Glas schützt nicht vor Hitzestau und Umkippen |
| Ethanol- oder Gelbrenner | Offene Flamme, Verpuffungsrisiko | Nein | Braucht nicht brennbaren Unterbau, gehört in ein anderes Gerät |
| Elektrischer Kamineinsatz mit Heizfunktion | 900 bis 2000 Watt im Heizbetrieb | Nein | Nur in Gehäuse aus Holzwerkstoff oder Metall, Heizung ausgeschaltet lassen |
Warum gehören Ethanolbrenner in eine ganz andere Kategorie?
Weil dort ein flüssiger Brennstoff verbrennt, dessen Dampf sich entzünden kann. Verbraucherzentralen und Prüforganisationen weisen seit Jahren auf Unfälle mit Ethanolfeuerstellen hin. Die häufigste Unfallursache ist das Nachfüllen in eine noch heiße Brennkammer: Der Alkohol verdampft, das Dampf-Luft-Gemisch zündet, und die Flamme schlägt zurück. Für solche Geräte gab es in Deutschland die DIN 4734-1, die inzwischen zurückgezogen und durch die europäische DIN EN 16647 ersetzt wurde. Beide Normen setzen ein geprüftes Gerät voraus, kein Eigenbaugehäuse.
Zusätzlich verbrauchen Ethanolfeuerstellen Sauerstoff im Raum und geben Verbrennungsprodukte direkt an die Raumluft ab, weil es keinen Schornstein gibt. Wer eine echte Feuerstelle möchte, braucht einen Schornstein, eine Abnahme durch den Schornsteinfeger und einen geeigneten Bodenbelag. Ein Kaminholzregal neben dem Dekokamin sieht dagegen stimmig aus und ist völlig unkritisch, solange darin nur Deko-Scheite liegen.
Material- und Maßliste
- Korpus: 2 bis 3 doppelwellige Umzugskartons, Wandstärke etwa 5 Millimeter, zum Beispiel 60 mal 40 mal 40 Zentimeter, ergibt genügend Zuschnitt für 100 mal 100 Zentimeter Ansichtsfläche.
- Zielmaße: Breite 100 Zentimeter, Höhe 100 Zentimeter, Tiefe 25 bis 30 Zentimeter, Feueröffnung 50 Zentimeter breit und 45 Zentimeter hoch, Sockel 10 Zentimeter hoch.
- Kaminsims: 1 Platte 110 mal 32 Zentimeter, entweder dreifach verklebte Pappe oder eine Leimholzplatte mit 18 Millimetern Stärke für mehr Tragfähigkeit.
- Verbindung: Heißklebepistole mit etwa 20 Klebesticks, zusätzlich Papierklebeband mit 50 Millimetern Breite für die Innenkanten.
- Steinoptik: Reste von Styrodur mit 20 Millimetern Stärke oder dicker Fotokarton, geschnitten in Rechtecke von etwa 20 mal 10 Zentimetern.
- Anstrich: 750 Milliliter Acrylfarbe weiß als Grundierung, dazu graue und anthrazitfarbene Abtönfarbe, Schaumstoffrolle und Borstenpinsel.
- Beleuchtung: 3 bis 5 LED-Kerzen mit Batterie sowie eine LED-Lichterkette mit CE-Kennzeichen, warmweiß.
- Kippsicherung: 2 Winkel oder Möbelsicherungsgurte plus passende Dübel und Schrauben für die Wand.
Bauanleitung in sieben Schritten
- Kartons zerlegen und Flächen zuschneiden. Trennen Sie die Kartons an den Klebekanten auf und schneiden Sie mit einem Cutter zwei Seitenteile mit 100 mal 30 Zentimetern und eine Front mit 100 mal 100 Zentimetern zu. Führen Sie den Cutter an einer Metallschiene, freihändig wird die Kante nie gerade.
- Feueröffnung ausschneiden. Zeichnen Sie die Öffnung mittig an, 50 Zentimeter breit, 45 Zentimeter hoch, mit 10 Zentimetern Abstand zum unteren Rand. Schneiden Sie in zwei Durchgängen, erst anritzen, dann durchtrennen.
- Kanten verstärken. Kleben Sie an alle vertikalen Kanten und rund um die Öffnung Streifen aus doppelter Pappe. Diese Stege sind es, die den Kamin später formstabil machen, nicht die Fläche.
- Korpus zusammenkleben. Verbinden Sie Front und Seitenteile mit Heißkleber und sichern Sie die Innenecken mit Papierklebeband. Arbeiten Sie in Abschnitten von etwa 20 Zentimetern, weil Heißkleber in unter 30 Sekunden abbindet.
- Steinoptik aufbringen. Kleben Sie die zugeschnittenen Rechtecke versetzt wie ein Mauerverband auf und lassen Sie zwischen ihnen 8 bis 10 Millimeter Fugenabstand. Unregelmäßige Kanten wirken realistischer als exakt gleiche Steine.
- Grundieren und bemalen. Zuerst weiß grundieren und mindestens 4 Stunden trocknen lassen. Danach mit fast trockenem Pinsel grau und anthrazit über die Kanten wischen, das erzeugt Tiefe. Rechnen Sie insgesamt mit 24 Stunden bis zur vollständigen Durchtrocknung.
- Sims aufsetzen und sichern. Kleben oder schrauben Sie die Simsplatte auf und richten Sie sie mit der Wasserwaage aus. Anschließend den Kamin an der Wand kippsichern, bevor Sie ihn dekorieren.

Wie viel hält der Kaminsims und wie sichern Sie gegen Kippen?
Ein Sims aus dreifach verklebter Pappe trägt Deko, mehr nicht. Rechnen Sie mit 2 bis 3 Kilogramm gleichmäßig verteilt, also Tannenzweige, ein paar LED-Kerzen und leichte Figuren. Wollen Sie dort schwerere Dinge abstellen, nehmen Sie eine Leimholzplatte mit 18 Millimetern Stärke und stützen sie an den Seitenwänden auf durchgehenden Pappstegen ab. Eine Kartonkonstruktion hat keinen definierten Lastpfad, deshalb gibt es dafür keine belastbare Traglastangabe.
Wichtiger als die Traglast ist die Kippsicherung. Ein 100 Zentimeter hoher, leichter Aufbau kippt schon, wenn ein Kind sich daran hochzieht oder eine Katze hineinspringt. Befestigen Sie deshalb zwei Winkel oben an der Rückkante und schrauben Sie sie mit passenden Dübeln in die Wand. Welcher Dübel in Ihre Wand gehört, steht im Beitrag Welchen Dübel für welche Wand. In Gipskarton brauchen Sie Hohlraumdübel, in Vollziegel reicht ein Nylondübel mit 6 Millimetern.
MerkePrüfen Sie vor der Adventszeit, ob Ihre Rauchwarnmelder funktionieren. In allen Bundesländern besteht Rauchmelderpflicht für Schlafräume, Kinderzimmer und Flure, die als Rettungsweg dienen. Wie Sie die Geräte richtig platzieren und testen, steht in der Anleitung zum Anbringen von Rauchmeldern. Ein Dekokamin ersetzt keine Wärmequelle, aber er steht oft genau dort, wo sonst Kerzen brennen.
Was kostet der Kamin und wie lange dauert der Bau?
Die Kartons bekommen Sie im Supermarkt oder Möbelhaus kostenlos. Bezahlen müssen Sie Acrylfarbe mit etwa 10 bis 15 Euro, Klebesticks mit 5 Euro, Styrodurreste oder Fotokarton mit 5 bis 12 Euro und LED-Kerzen mit 8 bis 20 Euro im Dreierset. Damit liegen Sie zwischen 25 und 50 Euro. Die reine Arbeitszeit beträgt 3 bis 4 Stunden, verteilt auf zwei Tage, weil die Grundierung dazwischen trocknen muss.
Für die Lagerung im Rest des Jahres lohnt es sich, den Korpus zerlegbar zu bauen: Kleben Sie die Seitenteile nicht fest, sondern verbinden Sie sie mit Klettband. Dann lässt sich der Kamin flach in den Keller schieben. Und noch ein praktischer Punkt: Stellen Sie den fertigen Kamin nicht direkt vor einen Heizkörper. Sie blockieren damit die Wärmeabgabe und setzen die Pappe dauerhaft Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius aus, was den Kleber weich werden lässt.
