Ein Kochbuch auf der Arbeitsplatte klappt zu, wird nass, wird fettig und liegt genau dort, wo Sie schneiden wollen. Ein Ständer löst alle vier Probleme auf einmal und ist an einem Vormittag gebaut.
Interessant an diesem Projekt ist, dass eine einzige Zahl den ganzen Entwurf bestimmt: der Neigungswinkel. Er entscheidet über Lesbarkeit, über die Tiefe der Grundplatte und darüber, ob der Ständer nach hinten kippt.
Welcher Neigungswinkel ist der richtige?

Der Winkel wird hier von der Waagerechten aus gemessen. Sie lesen im Stehen von schräg oben auf ein Buch, das auf der Arbeitsplatte steht. Der Blick fällt also flach ein, und die Buchseite muss sich ihm entgegenneigen.
Zwei Kräfte ziehen in verschiedene Richtungen. Ein steiler Winkel um 70 Grad ist gut lesbar, weil die Seite fast senkrecht steht, aber das Buch rutscht dann leichter nach vorn und die Seiten klappen um. Ein flacher Winkel um 40 Grad hält das Buch sicher, ist aber aus der Standhöhe schlechter lesbar und braucht viel Stellfläche. Verstellbare Ständer aus dem Handel decken diesen Bereich mit mehreren Rastungen ab, ein selbstgebauter Ständer legt sich fest.
Ein fester Winkel zwischen 55 und 65 Grad ist der brauchbare Kompromiss. Wichtiger als die exakte Gradzahl ist, dass Sie die Folge daraus mitrechnen.
| Neigung zur Waagerechten | Rückversatz bei 30 cm Rückwand | Empfohlene Grundplattentiefe | Charakter |
|---|---|---|---|
| 45 Grad | 21,2 Zentimeter | ab 26 Zentimeter | sehr standsicher, viel Stellfläche, flach zu lesen |
| 55 Grad | 17,2 Zentimeter | ab 22 Zentimeter | ausgewogen |
| 60 Grad | 15,0 Zentimeter | ab 20 Zentimeter | gute Lesbarkeit, kompakt |
| 65 Grad | 12,7 Zentimeter | ab 18 Zentimeter | sehr gut lesbar, Buch neigt zum Vorrutschen |
| 75 Grad | 7,8 Zentimeter | ab 14 Zentimeter | fast senkrecht, hält dicke Bücher schlecht |
Der Rückversatz ergibt sich aus der Geometrie: Er ist die Höhe der Rückwand multipliziert mit dem Kosinus des Neigungswinkels. Bei 30 Zentimetern und 60 Grad sind das genau 15 Zentimeter, um die die Oberkante hinter der Unterkante liegt. Genau dort wandert auch der Schwerpunkt eines aufgeschlagenen Buches hin. Liegt er hinter der Hinterkante der Grundplatte, kippt der Ständer.
MerkeEin aufgeschlagenes Kochbuch im Format 21 mal 26 Zentimeter wiegt oft 1 bis 2 Kilogramm. Der Ständer selbst wiegt aus 18 Millimeter starkem Leimholz vielleicht 700 Gramm. Das Buch dominiert damit den gemeinsamen Schwerpunkt vollständig, und deshalb entscheidet die Buchlage über die Standfestigkeit, nicht das Eigengewicht des Ständers.
Welches Holz und welche Maße?

Leimholzplatten aus Buche, Eiche oder Kiefer mit 18 Millimetern Stärke sind für dieses Projekt die einfachste Wahl. Sie sind planparallel, verziehen sich kaum und lassen sich mit Stichsäge und Akkuschrauber verarbeiten. Sperrholz mit 15 bis 18 Millimetern geht ebenfalls, zeigt aber sichtbare Schichtkanten, die Sie versäubern müssen.
| Bauteil | Maß | Anzahl |
|---|---|---|
| Grundplatte | 350 mal 200 mal 18 Millimeter | 1 |
| Rückwand (Auflagefläche) | 350 mal 300 mal 18 Millimeter | 1 |
| Seitenstütze, dreieckig | Katheten 150 und 260 Millimeter, 18 Millimeter stark | 2 |
| Haltekante vorn | 350 mal 20 mal 18 Millimeter | 1 |
| Schrauben | Spanplattenschrauben 4 mal 40 Millimeter | 10 bis 12 |
| Filzgleiter | Durchmesser 20 Millimeter, selbstklebend | 4 |
Die Breite von 350 Millimetern fasst gängige Kochbücher im Format 21 bis 25 Zentimeter mit Rand. Wer regelmäßig große Bildbände nutzt, geht auf 400 Millimeter. Für ein Tablet statt eines Buches reichen 250 Millimeter, dann brauchen Sie aber eine tiefere Haltekante, weil das Gerät sonst herausrutscht. Eine gesonderte Konstruktion dafür beschreibt der Beitrag zum Tablet-Halter aus Holz.
Die Haltekante ist das Bauteil, das am häufigsten falsch dimensioniert wird. 15 bis 20 Millimeter Höhe halten auch ein dickes Buch, verdecken aber die unterste Textzeile nicht. Wird die Kante 40 Millimeter hoch, lesen Sie die letzte Zeile jedes Rezepts nicht mehr.
Wie bauen Sie den Halter Schritt für Schritt?
- Zuschnitt prüfen. Lassen Sie im Baumarkt zuschneiden oder sägen Sie mit Führungsschiene. Kontrollieren Sie die Rechtwinkligkeit mit einem Anschlagwinkel an allen vier Ecken.
- Dreiecke anreißen. Auf einem Reststück die Katheten 150 und 260 Millimeter anzeichnen. Die Hypotenuse ist die Auflagelinie und ergibt bei diesen Werten eine Neigung von rund 60 Grad.
- Dreiecke aussägen. Mit der Stichsäge und einem Holzsägeblatt schneiden, danach mit einer Feile auf die Linie arbeiten. Beide Dreiecke aufeinanderlegen und gemeinsam schleifen, damit sie identisch werden.
- Kanten brechen. Alle Kanten mit Schleifpapier Körnung 120 und danach 180 leicht runden. Scharfe Kanten splittern und ziehen Fett in die Faser.
- Vorbohren. Für Schrauben 4 mal 40 Millimeter je Bohrung ein Kernloch von 2,5 Millimetern setzen und mit einem Senker ansenken. Ohne Vorbohren reißt Leimholz an der Stirnseite auf.
- Dreiecke montieren. Beide Stützen von unten durch die Grundplatte verschrauben, je zwei Schrauben. Vorher mit Holzleim einstreichen und mit Zwingen fixieren.
- Rückwand ansetzen. Die Auflagefläche auf die Hypotenusen legen und von hinten durch die Rückwand in die Dreieckskanten schrauben, je drei Schrauben. Beim Anziehen prüfen, dass nichts verrutscht.
- Haltekante anbringen. Die Leiste bündig an die Vorderkante der Auflagefläche setzen, verleimen und von unten verschrauben. Zwischen Auflagefläche und Leiste einen Spalt von 2 bis 3 Millimetern lassen, damit sich dort kein Wasser sammelt.
- Standprobe machen. Ein schweres Buch aufschlagen und den Ständer vorsichtig an der Oberkante nach hinten drücken. Kippt er, verlängern Sie die Grundplatte nach hinten oder schrauben eine Leiste als Verlängerung an.
- Gleiter setzen. Vier Filzgleiter unter die Grundplatte kleben. Sie verhindern Kratzer auf der Arbeitsplatte und gleichen kleine Unebenheiten aus.
- Oberfläche behandeln. Vor der Behandlung mit Körnung 180 und danach 240 schleifen, Schleifstaub restlos entfernen.
Stichsäge und Kleinteile vertragen sich schlecht. Die dreieckigen Stützen sind zu klein, um sie freihändig zu führen. Spannen Sie das Werkstück mit Zwingen auf einer Werkbank fest und halten Sie beide Hände an der Maschine. Tragen Sie eine Schutzbrille, und arbeiten Sie nicht über die Tischkante hinaus, wenn das Sägeblatt darunter frei läuft.
Welche Oberfläche hält Spritzern stand?
Ein Kochbuchhalter steht dort, wo gespritzt wird. Tomatensauce, Öl, Mehl und Wasser landen darauf, und die Oberfläche entscheidet, ob sich das abwischen lässt oder einzieht.
| Behandlung | Abwischbarkeit | Auffrischung | Verarbeitung |
|---|---|---|---|
| Reines Pflanzenöl | gering, Flüssigkeit zieht ein | alle paar Monate nachölen | sehr einfach, Lappen genügt |
| Hartwachsöl | gut, Wachsanteil bildet eine wasserabweisende Schicht | punktuell nachölen, kein Abschleifen nötig | einfacher als Lack, keine Läufer |
| Klarlack (Wasserlack) | sehr gut, geschlossene Schicht | bei Beschädigung anschleifen und neu lackieren | staubfreie Umgebung nötig, zwei bis drei Aufträge |
| Möbelwachs | mittel | regelmäßig auffrischen | einfach, aber druckempfindlich |
| Unbehandelt | keine | entfällt | Flecken bleiben dauerhaft |
Hartwachsöl ist für dieses Projekt die praktischste Lösung. Das Öl zieht ein, der Wachsanteil bildet eine matte, schmutzabweisende Schicht, und beschädigte Stellen lassen sich punktuell nachbehandeln, ohne die ganze Fläche abzuschleifen. Ein Klarlack ist noch dichter, verlangt aber saubere Verarbeitung und muss bei einer Beschädigung großflächig überarbeitet werden.
Wenn Sie ein Produkt mit Deklaration für Lebensmittelkontakt oder mit Speichel- und Schweißechtheit wählen, sind Sie bei einem Gegenstand, der neben Lebensmitteln steht, auf der sicheren Seite. Halten Sie die vom Hersteller angegebene Durchhärtezeit ein, die je nach Produkt mehrere Tage betragen kann.
- Zwischenschliff: Nach dem ersten Auftrag mit Körnung 320 leicht anschleifen. Die aufgestellten Fasern werden dabei gebrochen, die Fläche wird spürbar glatter.
- Auftragsmenge: Dünn und gleichmäßig arbeiten. Zu viel Hartwachsöl bleibt klebrig und trocknet nicht durch.
- Überschuss abnehmen: Nach der angegebenen Einwirkzeit alles abwischen, was nicht eingezogen ist.
- Alle Seiten behandeln: Auch Unterseiten und Kanten. Einseitig behandeltes Holz nimmt Feuchtigkeit ungleich auf und schüsselt.
- Lappenentsorgung: Mit ölhaltigen Produkten getränkte Tücher können sich durch Oxidationswärme selbst entzünden. Ausgebreitet trocknen lassen oder in Wasser eingelegt entsorgen.
- Reinigung im Alltag: Nebelfeucht wischen, nie nass. Stehendes Wasser dringt an den Kanten ein und hebt die Faser.
Welche Varianten lohnen sich?
Die einfachste Erweiterung ist ein Spritzschutz. Eine Scheibe aus Acrylglas mit 3 Millimetern Stärke, in zwei seitliche Nuten geschoben, hält Fett von der Buchseite fern und lässt sich abwischen. Die Nuten fräsen Sie mit einer Oberfräse und einem 3,5-Millimeter-Nutfräser, alternativ setzen Sie zwei schmale Leisten als Führung auf.
Eine zweite Variante ist der klappbare Ständer. Statt fester Dreiecke bekommt die Rückwand ein Scharnier zur Grundplatte und eine ausklappbare Stütze mit mehreren Rastkerben. Das erlaubt zwei bis drei Winkel und flaches Verstauen. Der Aufwand steigt dabei deutlich, weil die Rastkerben sauber gearbeitet sein müssen.
Drittens können Sie den Ständer an die Wand hängen und damit die Arbeitsplatte ganz frei halten. Dafür braucht die Rückwand zwei Schlüssellochbeschläge, und die Befestigung muss zum Untergrund passen: In Gipskarton tragen nur Hohlraumdübel, in Beton normale Spreizdübel. Rechnen Sie mit 2 bis 3 Kilogramm Gesamtlast aus Ständer und Buch.
Wer den Ständer verschenken will, sollte die Buchgröße des Beschenkten kennen, denn eine zu schmale Auflagefläche macht das Objekt nutzlos. Welche Kochbücher sich für den Dauereinsatz eignen, behandelt der Beitrag dazu, was ein gutes Kochbuch ausmacht. Ein passendes Zweitprojekt aus denselben Restplatten ist der Teebeutelhalter aus Holz. Messen Sie vor dem Zuschnitt das dickste Buch aus Ihrem Regal aus, dann stimmt die Haltekante beim ersten Versuch.
