Ein Halter für ein Tablet sieht aus wie ein größerer Handyhalter und ist doch ein anderes Bauteil. Das Gerät ist rund fünfmal so schwer, doppelt so hoch und wird häufiger angetippt, während es steht. Die Grundsätze zu Nut, Winkel und Oberfläche stehen im Beitrag zum Handyhalter aus Holz. Hier geht es um das, was sich mit der Gerätegröße ändert.

Welche Maße hat das Gerät, für das Sie bauen?
Bauen Sie nicht nach Zollangabe. Die Diagonale in Zoll beschreibt das Display, nicht das Gehäuse, und sie wird gerundet. Ein aktuelles 11-Zoll-iPad misst laut Herstellerangabe 248,6 Millimeter in der Höhe, 179,5 Millimeter in der Breite und 7 Millimeter in der Tiefe. Es wiegt 477 Gramm in der WLAN-Ausführung und 481 Gramm mit Mobilfunk. Ein kleines Modell mit 8 Zoll liegt bei etwa 293 Gramm und rund 19,5 mal 13,5 Zentimetern, große 13-Zoll-Geräte kommen auf über 600 Gramm.
Entscheidend ist die Dicke mit Hülle. Eine Klapphülle aus Kunstleder trägt je Seite auf, eine Schutzhülle mit Sturzschutz noch deutlich mehr. Messen Sie mit dem Messschieber an der dicksten Stelle und rechnen Sie 3 Millimeter Luft dazu.
| Gerätekategorie | Gehäuse etwa | Gewicht etwa | Nutbreite mit Hülle | Grundplatte tief |
|---|---|---|---|---|
| Tablet 8 Zoll | 19,5 mal 13,5 Zentimeter | 290 Gramm | 12 bis 16 Millimeter | ab 10 Zentimeter |
| Tablet 11 Zoll | 24,9 mal 18,0 Zentimeter | 480 Gramm | 14 bis 18 Millimeter | ab 12 Zentimeter |
| Tablet 13 Zoll | etwa 28 mal 21,5 Zentimeter | über 600 Gramm | 16 bis 20 Millimeter | ab 14 Zentimeter |
| Mit Tastatur-Cover | zuzüglich Klappe | plus 300 bis 400 Gramm | 20 bis 26 Millimeter | ab 16 Zentimeter |
Die Werte für die Grundplattentiefe sind Faustregeln, keine Messwerte. Die Überlegung dahinter ist einfach: Sobald Sie oben auf das Display tippen, wirkt eine Kraft weit über dem Schwerpunkt. Reicht die Standfläche nach hinten nicht mindestens bis zur halben Gerätehöhe, kippt der Halter. Prüfen Sie das vor dem Verleimen mit einem Rohbau aus zwei Holzresten.
Welcher Winkel passt zu welcher Nutzung?
Der Winkel wird hier gegen die Tischplatte gemessen, 90 Grad wäre also senkrecht. Für Küche und Esstisch, wo Sie im Stehen oder aus kurzer Distanz auf das Gerät schauen, liegen brauchbare Betrachtungswinkel bei 45 bis 60 Grad. Zum längeren Lesen im Sitzen wird ein Blickwinkel von etwa 35 Grad nach unten als angenehm beschrieben, bei einem Abstand von 40 bis 60 Zentimetern zwischen Auge und Bildschirm.
Je flacher der Halter, desto stabiler steht er und desto besser lässt sich tippen. Je steiler, desto besser ist die Sicht aus dem Stand. Ein Halter, der beides können soll, braucht zwei Nuten mit unterschiedlichem Winkel in derselben Grundplatte. Das ist die einfachste Lösung und funktioniert besser als jede Bastelmechanik.
MerkeBauen Sie den Halter so, dass das Gerät sowohl hochkant als auch quer hineinpasst. Dafür muss die Nut mindestens so lang sein wie die lange Gehäusekante, bei einem 11-Zoll-Gerät also mindestens 25 Zentimeter. Eine kurze Nut zwingt Sie dauerhaft in eine Ausrichtung, und beim Videoanruf ist das die falsche.
Bauanleitung in acht Schritten
- Gerät ausmessen. Höhe, Breite und Dicke mit Hülle notieren, danach 3 Millimeter auf die Dicke addieren. Das ist die Nutbreite.
- Material zuschneiden. Grundplatte aus Buche, Eiche oder Multiplex mit 18 Millimetern Stärke, 28 Zentimeter breit und 14 Zentimeter tief. Massivholz sollte trocken und gerade sein.
- Nut anreißen. Position etwa 4 Zentimeter von der Vorderkante, Neigung 50 Grad gegen die Platte. Winkel mit einer Schmiege übertragen und beide Nutwangen anzeichnen.
- Nut herstellen. Mit der Oberfräse und Nutfräser in zwei bis drei Durchgängen zu je 4 bis 5 Millimetern Tiefe fräsen, Endtiefe 12 Millimeter. Ohne Fräse: mehrere Sägeschnitte nebeneinander setzen und den Steg mit dem Stechbeitel ausräumen.
- Kabelaussparung setzen. Am unteren Ende der Nut eine Aussparung von 20 Millimetern Breite und 12 Millimetern Höhe ausarbeiten. Steckergehäuse sind deutlich größer als der Steckkontakt selbst, das wird regelmäßig unterschätzt.
- Passprobe machen. Gerät mit Hülle einsetzen und lose loslassen. Wackelt es seitlich, kleben Sie einen Streifen dünnen Filz in eine Nutwange, statt die Nut nachzuarbeiten.
- Kanten und Auflage. Alle Kanten mit Körnung 120 und 180 brechen. In die Nut kommt ein 1 Millimeter starker Filz- oder Korkstreifen, damit die Gehäuserückseite nicht verkratzt.
- Oberfläche und Standfüße. Zwei dünne Aufträge Hartwachsöl mit Zwischenschliff. Unter die Grundplatte vier Gummifüße mit 10 Millimetern Durchmesser, sonst rutscht der Halter beim Wischen über die Platte.

Was beim Einsatz in der Küche dazukommt
Ein Tablet am Kochplatz steht in Wasserdampf, Fettnebel und Mehlstaub. Für den Halter bedeutet das drei zusätzliche Anforderungen.
- Oberfläche: Geöltes Holz lässt sich abwischen, offenporig geschliffenes Holz saugt Fett auf und wird fleckig.
- Abstand: Mindestens 60 Zentimeter Abstand zum Kochfeld einhalten, damit weder Spritzer noch Hitze das Gerät erreichen.
- Höhe: Steht der Halter auf der Arbeitsplatte, blicken Sie im Stehen steil nach unten. Eine erhöhte Position an einem Regalboden ist ergonomisch besser.
- Schutz: Eine dünne Klarsichtfolie über das Display gelegt spart das Putzen nach jedem Kochen. Berührungen funktionieren durch die Folie hindurch.
- Standfestigkeit: Auf glatten Arbeitsplatten braucht die Grundplatte rutschfeste Füße, sonst wandert sie beim Tippen.
- Reinigung: Halter nur feucht abwischen. Sprühreiniger dringt in die Nutkanten und hebt dort die Ölschicht an.
Wenn Sie ohnehin für die Küche bauen, lohnt ein Blick auf den Kochbuchhalter aus Holz. Die Bauform ist fast identisch, nur ist die Nut breiter und der Winkel flacher, weil ein aufgeschlagenes Buch anders steht als ein Tablet.
Laden und Dampf vertragen sich nicht. Ein Ladekabel, das in der Küche dauerhaft in der Buchse steckt, sammelt Fett und Feuchtigkeit im Anschluss. Ziehen Sie das Kabel nach dem Laden ab und laden Sie nicht direkt neben Spüle oder Kochfeld. Bauen Sie keine Steckdosen oder Netzteile in den Halter ein, Arbeiten an der 230-Volt-Seite gehören zur Elektroinstallation und damit in Fachhände.
Woran ein Tablethalter im Alltag scheitert
Der häufigste Fehler ist die zu enge Nut. Sie bauen für das nackte Gerät, kaufen drei Monate später eine Hülle, und der Halter ist unbrauchbar. Die Nut lässt sich nachträglich nur schwer verbreitern, ohne den Anschlag zu verlieren. Bauen Sie deshalb von Anfang an mit Reserve und gleichen Sie ein zu lockeres Sitzen mit einer eingeklebten Filzlage aus.
Der zweite Fehler betrifft das Gewicht. Halter aus 4 Millimeter starkem Sperrholz halten ein Smartphone, aber kein 600-Gramm-Tablet, das jemand mit dem Finger antippt. Nehmen Sie 18 Millimeter Materialstärke oder mehr. Wer es leichter mag, arbeitet mit einer schweren Grundplatte und einer schlanken Lehne, nicht umgekehrt.
Der dritte Punkt ist die Rückseite. Ein Halter ohne Anschlag hinten lässt das Gerät bei einem Stoß nach hinten rutschen. Eine 15 Millimeter hohe Rückwand hinter der Nut verhindert das und kostet ein Holzstück von 28 mal 3 Zentimetern. Wenn Sie stattdessen eine sanftere Variante ohne Werkzeug suchen, ist der Tablethalter aus einem alten Buch die Alternative, allerdings mit deutlich geringerer Belastbarkeit.
