Eine alte Kommode als Küchenunterschrank spart Geld und sieht besser aus als der zwanzigste weiße Frontenblock. Der Umbau ist kein Neubau, sondern eine Reihe von Prüfungen mit anschließender Anpassung. Wer die Prüfungen überspringt, baut ein Möbel, das nach einem halben Jahr durchhängt.

Hält das Möbel überhaupt eine Küchenlast?
Das ist die erste Frage, und sie entscheidet über alles Weitere. Alte Massivholzmöbel sind oft sehr robust gebaut, mit gezinkten Ecken, eingenuteten Böden und einer verzapften Rückwandkonstruktion. Furnierte oder spanplattenhaltige Stücke aus den 1970er und 1980er Jahren sehen ähnlich aus, versagen aber bei schweren Lasten, weil die Verbindungen auf Dübel und Beschläge angewiesen sind und die Platte an den Schraubpunkten ausreißt.
In der Küche stehen andere Lasten an als im Schlafzimmer. Eine Schublade mit Töpfen wiegt schnell 15 bis 25 Kilogramm, ein Schrankboden mit Konserven ebenso. Dazu kommt die Arbeitsplatte, die je nach Material erheblich zu Buche schlägt. Eine 38 Millimeter starke Arbeitsplatte aus Schichtstoff wiegt rund 30 bis 35 Kilogramm je laufendem Meter bei 60 Zentimetern Tiefe, Massivholz und Naturstein liegen darüber.
- Korpusverbindungen: Wackeln Sie das Möbel an einer oberen Ecke. Gibt es sichtbares Spiel in den Ecken, sind die Verbindungen ausgeschlagen und müssen vor dem Umbau nachgeleimt werden.
- Rückwand: Eine dünne, nur angetackerte Rückwand nimmt keine Verwindung auf. Ersetzen Sie sie durch 6 bis 8 Millimeter Sperrholz, umlaufend alle 15 Zentimeter verschraubt.
- Schubladenführungen: Alte Holzläufer verkraften wenig. Ziehen Sie jede Schublade voll aus und belasten Sie sie mit 10 Kilogramm. Kippt sie nach vorn oder klemmt sie, brauchen Sie Vollauszüge.
- Böden: Ein 16 Millimeter starker Spanplattenboden über 80 Zentimetern Stützweite biegt sich unter Küchenlast sichtbar durch. Unterstützen Sie mit einer Leiste oder tauschen Sie gegen 19 Millimeter Multiplex.
- Füße und Sockel: Prüfen Sie auf Feuchtigkeitsschäden und Holzwurmlöcher. Frisches Bohrmehl unter einem Loch bedeutet aktiven Befall, dann ist das Möbel für die Küche ungeeignet.
- Holzwurm und Risse: Bei Unsicherheit über die Tragfähigkeit lohnt die halbe Stunde bei einem Tischler. Das kostet weniger als eine misslungene Arbeitsplatte.
Was steckt im alten Lack?
Möglicherweise Blei. Blei war jahrzehntelang Bestandteil von Anstrichmitteln, als Bleiweiß und als Trockenstoff. Ab 1984 senkten die Hersteller den Anteil freiwillig, seit 1989 ist Blei in Beschichtungen in Deutschland nicht mehr zulässig. Ein Möbel, dessen Anstrich vor 1990 aufgetragen wurde, kann also bleihaltige Schichten tragen, und alte Möbel tragen meist mehrere Anstriche übereinander.
Solange die Oberfläche fest und geschlossen ist, geht davon in der Regel keine akute Gefahr aus. Kritisch wird es beim Bearbeiten. Trockenschliff, Abbürsten und Heißluft setzen bleihaltigen Staub oder Dampf frei, und Bleistaub ist besonders für Kinder und Schwangere gefährlich. Für ein Küchenmöbel kommt hinzu, dass dort Lebensmittel abgestellt werden.
Unbekannten Altlack nicht trocken schleifen. Schleifen, Kratzen, Bürsten und Heißluftpistole scheiden aus, solange Sie nicht wissen, was in der Beschichtung steckt. Der sichere Weg ist: feucht reinigen, mit einem Haftvermittler für schwierige Untergründe grundieren, überstreichen. Der Altlack bleibt dabei gebunden. Wenn Sie zwingend bis aufs Holz wollen, lassen Sie eine angefeuchtete Lackprobe im Labor prüfen.
Material und Werkzeug für den Umbau
Die Stückliste geht von einer Kommode mit rund 110 Zentimetern Breite, 50 Zentimetern Tiefe und 85 Zentimetern Höhe aus, die eine neue Arbeitsplatte und eine Kippsicherung erhält. Standardhöhe für Küchenarbeitsplatten sind 90 bis 95 Zentimeter über dem Boden, gemessen bis zur Oberkante. Ist Ihr Möbel niedriger, gleichen Sie das über einen Sockel aus.
| Position | Menge | Maß | Kosten |
|---|---|---|---|
| Arbeitsplatte Schichtstoff | 1 Stück | 1200 x 600 x 38 mm | 50 bis 110 Euro |
| alternativ Massivholz Buche | 1 Stück | 1200 x 600 x 26 mm | 90 bis 180 Euro |
| Sperrholz für neue Rückwand | 1 Stück | 1100 x 850 x 8 mm | 15 bis 25 Euro |
| Sockelleisten für Höhenausgleich | 2 Stück | 1100 x 60 x 20 mm | 10 bis 18 Euro |
| Kippsicherungsset | 2 Sets | Winkel oder Gurt mit Dübel | 8 bis 16 Euro |
| Vollauszüge falls nötig | je Schublade 1 Paar | Nennlänge 450 mm | 12 bis 25 Euro je Paar |
| Haftgrund für schwierige Untergründe | 0,75 Liter | reicht für rund 6 Quadratmeter | 18 bis 30 Euro |
| Möbellack seidenmatt | 0,75 Liter | zwei Schichten | 20 bis 40 Euro |
| Dichtstoff für die Wandfuge | 1 Kartusche | sanitär, schimmelhemmend | 6 bis 12 Euro |
- Handkreissäge mit Führungsschiene: für den Zuschnitt der Arbeitsplatte. Schichtstoffplatten reißen an der Sichtseite aus, wenn Sie mit der Stichsäge freihändig schneiden.
- Akkuschrauber: mit Holzbohrer 3 und 4 Millimeter sowie Senker. Alte Möbelhölzer sind trocken und reißen ohne Vorbohren.
- Bohrhammer: mit Steinbohrer 8 Millimeter für die Kippsicherung in der Wand.
- Wasserwaage: mindestens 100 Zentimeter Länge. Eine Arbeitsplatte in Waage ist wichtiger als eine Platte parallel zum Boden, denn Küchenböden sind selten eben.
- Leimzwingen: vier Stück, mindestens 100 Zentimeter Spannweite, für das Nachleimen ausgeschlagener Korpusecken.
- Schutzausrüstung: FFP2-Maske, Schutzbrille, Nitrilhandschuhe. Bei Lackarbeiten den Raum durchgehend lüften.
Schritt für Schritt zum Küchenschrank
- Möbel prüfen. Arbeiten Sie die Punkte aus der Prüfliste oben ab und notieren Sie, was nachgearbeitet werden muss. Wackelnde Korpusecken werden vor allem anderen nachgeleimt.
- Alter klären. Fragen Sie den Vorbesitzer nach Baujahr und letztem Anstrich. Ohne diese Information behandeln Sie den Lack als verdächtig und schleifen nicht.
- Zerlegen. Nehmen Sie Schubladen, Türen und Beschläge ab und beschriften Sie alles mit Klebeband. Alte Möbel sind selten symmetrisch, Türen passen nachher oft nur an ihre ursprüngliche Position.
- Ecken nachleimen. Öffnen Sie ausgeschlagene Verbindungen vorsichtig, entfernen Sie alten Leim mit dem Stechbeitel, tragen Sie Weißleim auf und ziehen Sie die Verbindung mit Zwingen zu. Aushärtezeit mindestens 12 Stunden.
- Rückwand erneuern. Tauschen Sie eine dünne Hartfaserrückwand gegen 8 Millimeter Sperrholz und verschrauben Sie es umlaufend alle 15 Zentimeter. Die Rückwand hält den Korpus im Winkel.
- Böden verstärken. Schrauben Sie unter durchhängende Böden eine Leiste von 20 mal 40 Millimetern an die Rückseite oder tauschen Sie den Boden gegen 19 Millimeter Multiplex.
- Oberfläche vorbereiten. Reinigen Sie alle Flächen feucht mit Wasser und Schmierseife, spülen Sie nach und lassen Sie durchtrocknen. Tragen Sie den Haftgrund auf, ohne vorher zu schleifen.
- Lackieren. Zwei Schichten seidenmatter Möbellack, jeweils dünn und in Faserrichtung. Halten Sie die auf dem Gebinde genannte Trockenzeit ein, meist mindestens 12 Stunden je Schicht.
- Höhe anpassen. Setzen Sie Sockelleisten unter, bis die Oberkante der künftigen Arbeitsplatte bei 90 bis 95 Zentimetern liegt. Richten Sie das Möbel mit Keilen in die Waage aus, bevor Sie den Sockel fest verschrauben.
- Arbeitsplatte zuschneiden. Messen Sie die Grundfläche, geben Sie an der Vorderkante 2 Zentimeter Überstand zu und schneiden Sie mit der Führungsschiene. Versiegeln Sie die Schnittkante bei Schichtstoff mit Umleimer oder Dichtstoff.
- Platte befestigen. Verschrauben Sie die Platte von unten durch Traversen oder Winkel, nie von oben durch die Sichtfläche. Schraubenlänge so wählen, dass sie mindestens 5 Millimeter unter der Plattenoberfläche endet.
- Kippsicherung setzen. Schrauben Sie zwei Winkel oder Gurte an die Möbeloberkante und dübeln Sie sie in die Wand. Das ist kein optionaler Schritt.
- Fuge abdichten. Ziehen Sie eine Fuge aus schimmelhemmendem Sanitärdichtstoff zwischen Arbeitsplatte und Wand. Ohne Fuge läuft Spritzwasser hinter das Möbel.
Warum ist die Kippsicherung Pflicht?
Weil sich der Schwerpunkt eines Möbels verschiebt, sobald eine Schublade herausgezogen ist. Bei einer gefüllten Topfschublade auf Vollauszügen liegt ein erheblicher Teil der Masse dann vor der Möbelkante. Kommt ein Kind dazu, das sich an der ausgezogenen Schublade hochzieht, oder legen Sie ein schweres Brett auf den offenen Auszug, kippt das Möbel nach vorn. Alte Möbel sind davon stärker betroffen als moderne Küchenzeilen, weil sie schmaler und hochbeiniger gebaut sind.
Kippsicherungssets bestehen aus einem Winkel oder einem Gurt und kosten wenige Euro. Sie werden an der Möbeloberkante und in der Wand befestigt. Achten Sie darauf, dass beide Seiten tragen: Ein Winkel, der in einer 16 Millimeter starken Spanplattenrückwand hängt, reißt beim ersten Zug aus. Setzen Sie ihn in ein tragendes Bauteil, also in die Korpusseite oder in eine massive Traverse. Wandseitig gilt dasselbe wie bei jeder Befestigung, die Bauformen dazu beschreibt der Beitrag welchen Dübel für welche Wand.
MerkeSichern Sie zusätzlich die Schubladen selbst. Auszüge mit Auszugssperre verhindern, dass eine volle Schublade komplett herausgezogen wird und auf den Fuß fällt. Bei alten Holzläufern gibt es diese Sperre nicht, hier hilft ein aufgeschraubter Anschlagklotz am hinteren Ende.
Was ist noch zu bedenken?
Elektrik und Wasser bleiben außen vor. Wenn Ihr Umbau eine Steckdose versetzen, ein Kochfeld anschließen oder eine Spüle an eine Zuleitung binden soll, ist das Sache eines Elektro- oder Sanitärfachbetriebs. Arbeiten an 230 Volt gehören nicht in Heimwerkerhand, und ein falsch angeschlossener Siphon fällt erst auf, wenn der Küchenboden aufquillt.
Rechnen Sie mit 8 bis 14 Stunden reiner Arbeit, verteilt auf drei bis fünf Tage wegen der Leim- und Lacktrockenzeiten. Die Materialkosten liegen bei 120 bis 300 Euro, wobei die Arbeitsplatte den größten Anteil ausmacht. Ein Fundstück vom Flohmarkt kostet 20 bis 80 Euro, ein Sperrmüllstück nichts. Weitere Bauformen für die Verwertung alter Möbel beschreiben die Beiträge zu Upcycling-Möbeln aus alten Paletten und zur Kücheninsel aus Küchenschränken.
Kleben Sie zum Schluss einen Zettel mit dem Umbaudatum und der verwendeten Lackmarke in die unterste Schublade. Beim nächsten Ausbessern wissen Sie dann, welches Produkt darauf haftet.
