Ein leeres Marmeladenglas, ein Teelicht, fertig. So steht es in den meisten Anleitungen, und in den meisten Fällen geht es auch gut. Es geht aber nicht immer gut, und die Fälle, in denen ein Glas springt, haben fast alle dieselbe Ursache. Sie heißt Wärmespannung, und sie hat mit der Bauart des Glases mehr zu tun als mit der Kerze.

Warum springt ein Glas über einer kleinen Flamme?
Nicht wegen der Temperatur an sich. Glas dehnt sich bei Erwärmung aus, und zwar genau dort, wo es warm wird. Bleibt eine benachbarte Stelle kühl, entsteht zwischen beiden Zonen Zug. Glas hält Druck gut aus und Zug schlecht. An der Grenze zwischen warm und kalt reißt es.
Für Floatglas gilt als Richtwert, dass eine Temperaturdifferenz von mehr als etwa 40 Kelvin innerhalb derselben Scheibe zum Bruch führen kann. Ein Teelicht erzeugt am Docht punktuell weit über 1000 Grad Celsius, aber das ist nicht der springende Punkt. Der Schutz entsteht durch Abstand und durch eine langsame, gleichmäßige Erwärmung der Wand. Genau deshalb ist die Form des Glases so wichtig: Ein gerades, dickwandiges Glas erwärmt sich gleichmäßiger als ein bauchiges mit enger Öffnung, in dem sich die heiße Luft staut und gegen eine einzelne Stelle drückt.
Drei typische Fehler erzeugen genau diese ungleiche Erwärmung. Erstens das Teelicht direkt auf dem kalten Glasboden, wo die Aluminiumschale die Wärme punktuell einleitet. Zweitens ein Deckel oder eine Abdeckung, unter der sich die Hitze staut. Drittens ein Windlicht, das von draußen aus der Kälte hereingeholt und sofort angezündet wird. In allen drei Fällen liegt warm neben kalt.
Ein Windlicht ist ein offenes Feuer, kein Möbelstück. Halten Sie mindestens 50 Zentimeter Abstand zu brennbaren Gegenständen, und zwar auch nach oben: Über einem hängenden Windlicht dürfen weder Markise noch Zweige noch ein Regalboden in diesem Bereich liegen. Zwischen mehreren Kerzen oder Teelichtern empfehlen Feuerwehren 10 bis 15 Zentimeter Abstand, weil sich die Behälter sonst gegenseitig aufheizen. Lassen Sie eine brennende Kerze niemals unbeaufsichtigt und löschen Sie sie, bevor Sie den Raum verlassen, auch für zwei Minuten. Bewegen Sie ein brennendes Windlicht nicht, denn ausgelaufenes heißes Wachs entzündet sich an der Flamme.
Welche Gläser eignen sich, welche nicht?
Die Faustregel: je dicker die Wand und je gerader die Form, desto besser. Einmachgläser mit geradem Zylinder sind fast ideal, weil sie für Temperaturwechsel beim Einkochen gebaut sind. Marmeladen- und Gurkengläser gehen ebenfalls. Problematisch wird es bei allem, was dünn, verziert oder verjüngt ist.
| Glasart | Eignung als Windlicht | Begründung |
|---|---|---|
| Einmachglas, gerade Form | gut | Dickwandig, für Temperaturwechsel ausgelegt, breite Öffnung |
| Marmeladen- oder Gurkenglas | gut | Ausreichend dickwandig, meist gerade Wand |
| Bauchiges Glas mit enger Öffnung | eingeschränkt | Hitzestau in der Einschnürung, ungleichmäßige Erwärmung |
| Dünnwandiges Trinkglas | schlecht | Geringe Wandstärke, hohe lokale Spannung |
| Bleikristall oder geschliffenes Glas | schlecht | Schliffkanten sind Ausgangspunkte für Risse |
| Borosilikatglas (Labor- oder Ofenglas) | sehr gut | Geringe Wärmeausdehnung, verträgt schnelle Temperaturwechsel |
Prüfen Sie jedes Glas vor der ersten Verwendung gegen das Licht. Ein Glas mit einem Haarriss, einer abgeplatzten Stelle am Rand oder einem Kratzer auf der Innenseite ist ein Kandidat für einen Bruch, denn jede Fehlstelle wirkt als Kerbe, an der die Spannung ansetzt. Aussortieren ist billiger als Aufwischen.
Wie bauen Sie ein Windlicht Schritt für Schritt?
- Glas auswählen. Nehmen Sie ein dickwandiges Glas mit gerader Wand und einer Öffnung, durch die Ihre Hand samt Feuerzeug passt. Alles darunter wird beim Anzünden zum Problem.
- Etikett lösen. Weichen Sie das Glas 30 Minuten in warmem Wasser mit einem Spritzer Spülmittel ein. Kleberreste lassen sich anschließend mit Speiseöl und einem Tuch abreiben.
- Gründlich entfetten. Spülen Sie danach mit heißem Wasser nach. Ölreste an der Innenwand qualmen, sobald das Glas warm wird.
- Vollständig trocknen. Restfeuchte am Boden verdampft unter dem Teelicht und beschlägt das Glas von innen. Lassen Sie es kopfüber mindestens eine Stunde abtropfen.
- Boden füllen. Geben Sie 1 bis 2 Zentimeter Sand, feinen Kies oder Streusalz ein. Diese Schicht nimmt die Wärme des Teelichts auf und verteilt sie, statt sie punktuell in den Glasboden zu leiten.
- Außen dekorieren. Bringen Sie Bast, Draht, Schnur oder Farbe ausschließlich auf der Außenseite an, und lassen Sie den oberen Rand frei.
- Teelicht setzen. Drücken Sie es leicht in den Sand, damit es waagerecht steht. Ein schräg stehendes Teelicht lässt Wachs auslaufen.
- Erstbrand beobachten. Bleiben Sie beim ersten Mal 20 Minuten daneben und fassen Sie das Glas vorsichtig außen an. Wird eine einzelne Stelle deutlich heißer als der Rest, ist die Form ungeeignet.
Was gehört nicht in ein brennendes Windlicht?
- Deckel: Die Flamme braucht Sauerstoff, und ein geschlossenes Gefäß staut Wärme. Wenn Sie einen Deckel dekorativ verwenden wollen, bohren Sie ihn großzügig aus oder nehmen Sie ihn zum Anzünden ab.
- Papier und Servietten: Serviettentechnik auf der Innenseite ist brennbares Material direkt neben der Flamme. Solche Verzierungen gehören außen auf das Glas.
- Spitze, Bast und Trockenblumen: Alles Faserige entzündet sich schon durch Strahlungswärme. Halten Sie mindestens 5 Zentimeter Abstand zwischen Flamme und Dekoration.
- Wasser: Ein Teelicht auf Wasser sieht hübsch aus und ist eine schlechte Idee. Verdampfendes Wasser kühlt eine Zone des Glases ab, während die Flamme die andere aufheizt.
- Mehrere Teelichter: Zwei Teelichter in einem Glas heizen sich gegenseitig auf. Wenn Paraffin seinen Siedepunkt bei rund 250 Grad Celsius erreicht, kann es sich entzünden.
- Kaltes Glas: Ein Windlicht, das vom Balkon hereingeholt wird, braucht mindestens 30 Minuten Anpassungszeit, bevor die Flamme hineinkommt.
- Klebstoff im Innenraum: Heißkleber erweicht bei Wärme wieder. Innen aufgeklebte Elemente lösen sich und fallen in die Flamme.
Wie dekorieren Sie das Glas, ohne es zu schwächen?
Alles, was Material abträgt, erzeugt Kerben. Gravieren, Ätzen und Sandstrahlen schwächen die Wand deshalb genau dort, wo später Spannung anliegt. Für ein Windlicht mit offener Flamme sind aufgetragene Verfahren besser als abtragende: Umwicklungen aus Draht oder Schnur, ein Ring aus Filz, Farbe auf Wasserbasis oder Klebefolie.
Wenn Sie mit Farbe arbeiten, lassen Sie einen Streifen von mindestens 3 Zentimetern am oberen Rand frei. Dort wird das Glas am wärmsten, und viele Bastelfarben halten das nicht aus, sondern werden weich oder riechen. Ein zweiter Punkt betrifft die Optik: Deckende Farbe auf der ganzen Fläche macht aus dem Windlicht eine dunkle Röhre. Muster mit freien Flächen wirken besser und lassen die Wärme gleichmäßiger entweichen. Kalkränder und Schlieren, die vorher auf dem Glas sitzen, verschwinden nicht unter der Farbe. Wie Sie diese vorher wegbekommen, steht im Beitrag zum Flecken auf Glas entfernen.
MerkeFür Windlichter im Freien, auf dem Tisch beim Grillen oder in Reichweite von Kindern und Haustieren sind LED-Teelichter die risikofreie Alternative. Sie erzeugen keine Wärmespannung im Glas, kein auslaufendes Wachs und keine Zündquelle. Der Bastelaufwand am Glas ist derselbe, und die Gläser dürfen dann auch dünnwandig sein.
Worauf kommt es beim Aufstellen im Freien an?
Draußen kommen zwei Faktoren dazu, die drinnen keine Rolle spielen: Wind und Feuchtigkeit. Ein hohes, schmales Glas hält Wind besser ab als ein flaches, weil die Flamme tiefer sitzt. Regenwasser dagegen ist ein echtes Problem. Läuft Wasser in ein warmes Glas, kühlt es eine Stelle schlagartig ab, und das Glas kann springen. Stellen Sie Windlichter deshalb überdacht auf oder räumen Sie sie bei Regen weg.
Auf weichem Untergrund braucht ein Windlicht eine feste Unterlage, etwa eine Steinplatte. Ein Glas, das im Gras umkippt, verteilt heißes Wachs und eine offene Flamme. Beim Aufhängen achten Sie auf den Draht: Er wird warm, und er muss das Gewicht aus Glas, Sand und Teelicht dauerhaft tragen. Prüfen Sie die Umwicklung am Glashals vor jeder Saison neu.
Woher kommen Kerzen und Gläser?
Beides fällt im Haushalt ohnehin an. Aus den Resten ausgebrannter Kerzen lassen sich mit etwas Sorgfalt Duftkerzen aus Wachsresten gießen, die Sie direkt in ein passendes Glas füllen können. Dabei gelten dieselben Regeln für das Glas wie hier, mit einem Zusatz: Beim Eingießen von heißem Wachs bei 70 bis 85 Grad Celsius in ein kaltes Glas entsteht genau die Spannung, um die es in diesem Beitrag geht. Wärmen Sie das Glas vorher an.
Flaschen sind für Windlichter nur bedingt geeignet, weil die Öffnung zu eng ist. Wer sie trotzdem verwenden will, muss sie auftrennen, und das ist ein eigenes Verfahren mit Ritzlinie und Temperaturschock, wie es im Beitrag über Trinkgläser aus alten Flaschen beschrieben ist. Für ein einfaches Windlicht ist der Aufwand nicht nötig. Rechnen Sie für ein fertiges Glas mit rund 20 Minuten Arbeit plus einer Stunde Trockenzeit.
